22.06.2006 Von: Annette Johann
Erschienen in: 14/ 2006 MOTORRAD

Reisevorbereitungen Fit für die Tour

Wann erlebt man mit einem Motorrad mehr als im Urlaub? Wenn Tage und Wochen im Sattel verbracht werden. Um Frust unterwegs zu vermeiden, hilft eine gezielte Vorbereitung des Bikes.

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Ganz entspannt: mit der richtigen Vorbereitung in den Urlaub.  

Foto: Schulz  

Unsere Statistiken zeigen eindeutig: Fast alle MOTORRAD-Leser fahren gerne mit ihrem Motorrad in Urlaub. Egal, ob Sportler-, Enduro- oder Cruiser-Freak, ob Kurztrip oder Nordkap-Tour: Strecke machen liegt offenbar im Wesen der Gattung Biker. Damit dies tatsächlich den erhofften Spaß bringt, sind gute Vorbereitung und ein paar grundsätzliche Gedanken unerlässlich.

Was es zum Beispiel heißt, ein wendiges, leichtes, komfortabel abgestimmtes Motorrad kurzzeitig zum Packesel umzufunktionieren und mit doppelter Zuladung über Pässe und Autobahnen zu brennen. Zentrale Frage: Wohin überhaupt mit dem Gepäck? Wer allein reist, kommt oft mit leichten Überwurftaschen plus Packsack klar, Zweier-Teams müssen über Koffersysteme nachdenken. Häufig bieten die Motorradhersteller gut integrierte Gepäcksysteme an, die schwerpunktoptimiert am Fahrzeug verankert werden. Doch da lauert bereits der erste Fallstrick: unbedingt prüfen, ob es wirklich die XL-Größe sein muss. Wenngleich sie getreu dem Motto »viel hilft viel« den besten Komfort verspricht, gilt: Jeder Zentimeter Breiten- oder Höhenzuwachs, jedes Kilo Mehrgewicht verschlechtern in der Regel das Fahrverhalten und die Rangierbarkeit der Maschine. Viel Ballast am Heck entlastet – logisch – das Vorderrad, Pendeln und Lenkerflattern sind oftmals die Folge. Beim Beschleunigen hebt mitunter sogar das Vorderrad ab. Vor allem Topcases bergen echte Tücken in Sachen Schwerpunktverschiebung und Fahrwerksunruhen. Je leichter das Motorrad, desto krasser die Auswirkungen. Ferner gilt zu bedenken, dass unter Beladung die Schräglagenfreiheit schrumpft, der Bremsweg anwächst und die Bremsen bei Passabfahrten derart heiß werden können, dass sie schlimmstenfalls ihre Wirkung verlieren. Also selbst wenn’s noch so schwer fällt: sparsam packen. Lieber eine Tube Waschmittel statt 15 T-Shirts mitnehmen und ins Leichtbauzelt investieren statt beim Sieben-Kilo-Knauser-Angebot für 49,90 Euro inklusive Klappstuhl vom Discounter zuzuschlagen. Ob Tankrucksack, Kartentasche oder Rucksack ist eine Frage des Geschmacks und erwünschter Bewegungsfreiheit. Wer sich ohnehin schon zum Lenker strecken muss, sollte auf zusätzliche Handicapstufen wie den Tankrucksack verzichten. Einer schweren Fotoausrüstung bietet ein solcher jedoch besten Unterschlupf. Achtung bei Magnetbefestigung: »worst case« im Urlaub ist die Löschung sämtlicher Bankkarten.

Erste Bürgerpflicht an der Maschine ist ein gründlicher Check. Zwar funktionieren Motorräder inzwischen zuverlässig wie Autos, mitunter ist aber der Verschleißteileumsatz höher als früher. So kann ein 170-PS-Supersportler seinen Hinterreifen locker in 5000 Kilometern bis auf die Leinwand abnagen. Bremsen und Antriebsketten sind im Urlaubseinsatz ebenso deutlich höheren Belastungen ausgesetzt, da Wärme, Staub, Zuladung oft verschärfend wirken. Ergo rechtzeitig mit der Werkstatt oder dem Ersatzteilehändler sprechen. Im Sommer sind Termine und ab und an auch manche Reifentypen rar. Wer seine Maschine selbst wartet, sieht rechts die Stellen, die immer einen Blick wert sind. Außerdem sollten die Vorerfahrungen mit dem Motorrad kritisch abgerufen werden. Will heißen: Wenn die schlecht geformte Sitzbank, die lasch gedämpfte Gabel oder der ungünstig gekröpfte Lenker schon beim Wochenendausflug nerven, tun sie es im Urlaub noch vielmehr. In solchen Fällen frühzeitig für Abhilfe sorgen, mit Händlern oder Spezialisten sprechen oder Internet, MOTORRAD, Kleinanzeigen durchstöbern. Auch aufgeschobene Reparaturen jetzt nicht mehr anstehen lassen. Eine zweifelhafte Kupplung kollabiert spätestens im Verkehrsgewühl vor dem Fährhafen in Genua.

Vor der Abfahrt muss das Fahrwerk auf den Reisejob eingestimmt werden. Unerlässlich ist die Anpassung der Federbasis hinten. Faustregel: Vorspannung so weit erhöhen, dass das Heck mit Gepäck nicht tiefer absackt als ohne. Werden im Stand (inklusive Fahrer) mehr als 35 Prozent des Federwegs verbraucht, ist eigentlich eine härtere Feder fällig. Wenn einstellbar: Druck- und Zugstufendämpfung erhöhen (»zudrehen«), wobei die Zugstufe (Ausfedergeschwindigkeit) sensibler behandelt werden muss.

Der letzte Blick gilt der Vorsorge. Obwohl kapitale Defekte heute selten sind, können Umfaller oder bloß ein Nagel echte Nervereien einbringen. Der Platten wird meist mit Reifenpilot oder Schlauchlosflickzeug provisorisch behoben, beim Sturz trifft’s häufig die Handhebel. Während für angeknackste Verkleidungen oft Tape und Draht reichen, sind Hebel modellbezogen und nicht an jeder Ecke zu kriegen. Deswegen, obwohls manchmal teuer ist: Ersatz mitnehmen. Bastler feilen eine Sollbruchstelle in die Originale. Echte Ausfallerscheinungen rühren heutzutage meist von der Elektronik her. Da geht ohne Fachwerkstatt nix. Deshalb internationales Händlerverzeichnis und heimische Servicenummern mitführen. Ersatzteile liefert im Notfall DHL zuverlässig bis ins Packeis. Und? Alles gecheckt? Dann gute Reise!


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