05.01.2012 Von: Franz Josef Schermer
Erschienen in: 02/ 2012 MOTORRAD

Werkstatt-Ratgeber: Bremsflüssigkeit Flüssigkeitswechsel nach der Winterpause

Welche Bremsflüssigkeitstypen dürfen gemischt werden, was muss bei Kontrolle und Nachfüllen beachtet werden? Erster Teil unseres Werkstattratgebers "Pflege der Bremsanlage in der Winterpause".

Bremsflüssigkeit nachfüllen

Vorsicht: DOT 5 auf Silikon-Basis darf nur für bestimmte Typen (u. a. Harleys) benutzt werden.  

Foto: Schermer  

IN DIESEM ARTIKEL

Bei Betätigung des Bremshebels wird vom Kolben im Hauptbremszylinder ein Druck auf die Bremsflüssigkeit aufgebaut, der auf die Bremskolben in den Bremssätteln weitergegeben wird. Diese Kolben fahren aus ihren Bohrungen und pressen die Bremsbeläge gegen die sich drehenden Bremsscheiben. Dadurch wird eine Reibkraft aufgebaut, das Rad bremst ab.

Um den Betrag, den die Bremsbeläge verschleißen, wandern die Kolben immer weiter aus ihren Bohrungen heraus. Dementsprechend läuft Bremsflüssigkeit nach. Damit sinkt auch der Pegelstand im Flüssigkeitsbehälter, weswegen der Bremsflüssigkeitsstand regelmäßig überprüft und ggf. nivelliert werden muss. Spätestens alle zwei Jahre muss die Bremsflüssigkeit gewechselt werden. Es gibt
sie in kleinen, preiswerten Gebinden. Zum Wechsel wird ungefähr
ein halber Liter benötigt. Alles zu diesem Thema wird in Teil 2 in
der nächsten Ausgabe von MOTORRAD beschrieben.

  • Generell wird heute Bremsflüssigkeit der Qualität DOT 4 verwendet.
  • Keinesfalls dürfen Verunreinigungen, Schmutz oder Wasser in die Bremsflüssigkeit gelangen.
  • Keine Flüssigkeiten anderer Art verwenden oder dazumischen und nie ältere Bremsflüssigkeitsreste einfüllen.


ACHTUNG: Bei den meisten Motorrädern ist Bremsflüssigkeit in den Qualitäten DOT 3 oder 4 vorgeschrieben: Im Neuzustand hat DOT 3 einen Siedepunkt von 205 Grad, DOT 4 liegt mit 230 Grad etwas höher, und DOT 5/5.1 hat 260 Grad.

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Weil man DOT 3 und DOT 4 nicht mischen soll (Fachleute sagen, „es ist möglich, aber nicht zu empfehlen“), ist die heute für Motorräder angebotene Bremsflüssigkeit meistens mit „DOT 3/4“ ausgewiesen. Damit ist garantiert, dass die Bremsmanschetten, die in einer für DOT 3 freigegebenen Bremse eingebaut sind, sich nicht auflösen (bzw. „weich“ oder gar „bröselig“ werden), wenn DOT 3/4 eingefüllt wird. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass DOT 4 in eine ältere Bremsanlage, für die DOT 3 vorgeschrieben ist, eingefüllt werden darf.

Ganz generell ist die Verwendung von Bremsflüssigkeit der Qualität DOT 5.1 nicht nötig. Natürlich bestätigen  Ausnahmen die Regel, denn bei auf der Rennstrecke bewegten Supersport- und bei echten Rennmaschinen ist DOT 5 durchaus sinnvoll.

ACHTUNG: Generell sollte nur solche Bremsflüssigkeit in das Bremssystem eingefüllt werden, die auf dem Deckel des Ausgleichsbehälters vermerkt ist. Für höherwertige Bremsflüssigkeiten muss eine Freigabe des Fahrzeugherstellers vorliegen (Händler fragen!).

Wichtig: Eine Bremsflüssigkeit der Qualität DOT 5 auf Silikon-Basis ist für einige Maschinen vorgeschrieben, z. B. für Harleys. Diese Silikon-Bremsflüssigkeit darf mit keiner Bremsflüssigkeit eines anderen Typs gemischt werden, denn eine solche Mischung wird nach kurzer Zeit fest und krümelig und löst die Gummimanschetten innerhalb der Bremse sowie die Gummibremsschläuche auf!

WICHTIG: Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, sie zieht also Feuchtigkeit aus der Luft an, die sich mit der Bremsflüssigkeit vermischt. Dadurch sinkt der Siedepunkt, und die Temperaturbeständigkeit der Bremse wird schlechter. Deswegen soll auch zum Nachfüllen immer frische Bremsflüssigkeit aus einem neuen, ungeöffneten Behälter benutzt werden.


WEITER ZU SEITE 2: Bremsflüssigkeit kontrollieren

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