Beschlagnahmung in Italien Wie Mafiosi

Foto: Pvm-Pietsch
Helle Aufregung in Italien: Heimlich, still und leise setzte Verkehrsminister Pietro Lunardi während der Sommerferien ein Dekret in Kraft, das bei Verkehrsverstößen von Motorradfahrern die Beschlagnahmung des Fahrzeugs erlaubt. Nun laufen die italienischen Biker Sturm, denn die drakonische Maßnahme droht nicht nur bei Fahren ohne Helm oder bei Wheelies, sondern sogar beim Fahren mit nur einer Hand am Lenker oder beim Aufstehen während der Fahrt - Dinge, die Motorradfahrer gerade auf längeren Strecken immer mal wieder tun, um ihre Muskeln zu entspannen.

"Autofahrer dürfen rauchen, die Hand aus dem Fenster baumeln lassen, und wenn sie den Gurt nicht anlegen, kriegen sie gerade mal eine kleine Geldstrafe," lautete der empörte Tenor im Internet. "Das Gesetz ist ungerecht. Es misst Verkehrsverstöße von Auto- und Motorradfahrern mit zweierlei Maß", urteilte denn auch die Italienische Motorradfahrer-Föderation (FMI) in einem offenen Brief an den Verkehrsminister.

Was die Motorradfahrer besonders erbost: Eine Beschlagnahmung ist im italienischen Gesetz sonst nur im Zusammenhang mit Verbrechen der Mafia vorgesehen. "Es reicht offenbar nicht, dass wir im Vergleich zu Autofahrern diskriminiert werden", schrieb das Wochenblatt Motosprint, "wir werden gleich noch behandelt wie Mafiosi." Lunardi, der schon vorher wegen profunder Unkenntnis des Motorradsektors aufgefallen war, windet sich inzwischen: Vage stellte er jetzt "mögliche Korrekturen" an dem Dekret in Aussicht.

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