Biker gegen jährliche Kontrollen Europaweiter Widerstand gegen jährlichen EU-Kontrollzwang

Tausende Biker auf der Straße: Europaweit formiert sich Widerstand gegen den EU-Kontrollzwang.

Foto: MAG NL, motomag.com/Mathieu, Antoinette Keane

Mit einer ersten Protestwelle haben am vorletzten September-Samstag tausende Motorradfahrer in verschiedenen Ländern Europas gegen die Kontrollpläne der EU demonstriert. Im Juni hatte die EU-Kommission ihren Vorschlag öffentlich gemacht, europaweit die Pflicht zur jährlichen Hauptuntersuchung (HU) von Autos und Motorrädern, die älter als sechs Jahre sind, einzuführen. In Deutschland müsste die Mehrheit aller Motorradbesitzer dann doppelt so häufig wie bisher bei TÜV, DEKRA und Co. antreten und bezahlen. Noch härter träfe es die Biker in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Irland, Finnland und einigen anderen EU-Ländern, wo es bis heute keine verpflichtende Untersuchung auf Verkehrstauglichkeit von Motorrädern gibt. Für eben diese Länder hatte die FEMA als Dachorganisation der Motorradfahrerverbände in Europa zum Protest aufgerufen.

Zentrale Veranstaltung war ein Korso, der von den Niederlanden nach Brüssel in Belgien führte. An der Demofahrt beteiligten sich rund 5000 Biker, die in der belgischen Hauptstadt vorübergehend für ein Verkehrschaos sorgten. Parallel dazu fanden Protestveranstaltungen in den meisten französischen Großstädten statt. An ihnen nahmen nach Angaben der französischen Organisation der Motards en Colère („wütende Motorradfahrer“) rund 27000 Biker teil. In Paris wurde die Frankreich-Zentrale der deutschen Prüforganisation DEKRA, deren Lobbyarbeit für die EU-Vorschläge mitverantwortlich sein soll, zum Ziel wütender Angriffe. Das Gebäude wurde mit Eiern und Mehl beworfen, über Türen und Fenster schütteten die Motorradfahrer Öl aus und mithilfe eines Kleinlasters kippten sie eine Tonne Kies in den Eingangsbereich.

Mit Plakaten und Sprechchören ließen die Biker die erschreckten DEKRA-Angestellten wissen, dass dies erst der Anfang ihres Widerstands sei. Weitaus besonnener ging es auf der Haupt-Kundgebung der FEMA unter dem Brüsseler Atomium zu. Dort bekräftigte die FEMA-Generalsekretärin Aline Delhaye ebenfalls, dass „dies erst der Anfang ist“, und kündigte weitere Protestaktionen an: Die EU-Bürokraten „müssen wissen, dass wir Motorradfahrer eine große Vereinigung sind“. Anstatt nutzlose und dumme Zwangsregelungen zu erlassen, sollten sie sich lieber um die Lösung der europäischen Wirtschaftskrise kümmern, rief Delhaye unter dem Applaus der Biker.

Anzeige
Foto: MAG NL, motomag.com/Mathieu, Antoinette Keane

Rund 1000 Motorradfahrer demonstrierten auch in Helsinki und im irischen Dublin. Unter Abwandlung eines Titels der Rolling Stones hatten die Iren den Slogan kreiert: „Hey EU, get offa my Bike!“ („Hey EU, lass mein Bike in Ruh!“). Realität können die EU-Pläne erst
werden, wenn das EU-Parlament ihnen zugestimmt hat. Aline Delhaye: Damit
sei in einem bis anderthalb Jahren zu rechnen. „So lange haben wir nun Zeit, gemeinsam Widerstand zu leisten!“

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote