Guter Nachbar, böser Nachbar So macht Österreichs Polizei Kasse

Richtige Linie oder klarer Verkehrsverstoß? Im Fall zweier Motorradfahrer aus Deutschland entschied sich die österreichische Polizei für Letzteres und verschickte Knöllchen. Abzocke oder gerechte Strafe? In der aktuellen MOTORRAD 10/2010 wird von zwei Motorradfahrern berichtet, die in Österreich wegen Überfahrens der Mittellinie ein Bußgeld von 80 Euro an die Polizei unseres Nachbarlandes zahlen mussten. Nach einem Leseraufruf von MOTORRAD meldeten sich viele weitere Zweiradfahrer, die ebenfalls Erfahrungen mit der österreichischen Polizei gemacht haben. Leider konnten nicht alle Briefe im Heft veröffentlicht werden. Hier finden Sie nun weitere Briefe der MOTORRAD-Leser.

Foto: BMI Alexander Tuma

Herbert Winter: Zwischen Landeck und Nauders, breite Straße, die Häuser zum Teil weit weg von der Straße, 80km/h Geschwindigkeitsbeschränkung und Überholverbot, werden wir auf einer geraden Straße schon aus kilometerweiter Entfernung auf verschiedenen Teilstrecken mit dem Fernglas überwacht. Ist mir und meinen Motorradkumpels alles passiert. Zum Beispiel in der Gruppe langsam überholt, so aus Spaß 35 Euro. Nach der langen Fahrt auf freier Strecke die Beine etwas baumeln lassen, Beamter sagt: "Sie waren nicht bremsbereit." 30 Euro. Im 40 km/h Bereich angeblich 50 km/h gefahren. 20 Euro. Altes BMW-Motorrad, nach dem Tanken vergessen das Licht einzuschalten. 30 Euro. Zwischen Landeck und Imst am Stau vorbeigefahren. 35 Euro. Um (dann mit Auto und Hänger) 8 Euro zu sparen für die Europabrücke, habe ich in Matrei die Brennerautobahn verlassen Richtung Innsbruck, Landstraße. Diese Ist mit einer Schranke gesperrt gewesen. Trotz gültigem Pickerl 4 Euro extra. Weiter Richtung Innsbruck. Die Straße ist für Hänger gesperrt (so ein Verkehrszeichen habe ich noch nie gesehen, wahrscheinlich eine eigene Kreation.). 50 Euro. Frage: Kann man dieses Land noch als Urlaubsland empfehlen? Für mich kommt es leider nicht mehr in Frage nach all diesen Vorfällen.

Gerhard Krejcirik: Sehr geehrte Redaktion, gerne gebe ich Euch Feedback mit der österreichischen Polizei. Mein Motorrad ist eine Ducati 998S FE, die sehr artgerecht bewegt wird – anders ist auch kaum möglich, da sie unter etwa 120 km/h entsetzlich unbequem ist. Mein Feierabend-Revier erstreckt sich bei Wien, etwa im SW bis NW-Sektor, maximale Entfernung von Wien etwa 80 km. In den Tiefen des Reviers (Landstraße, "Kalte Kuchl", Mariazell, Mürzzuschlag, Oststeiermark) ist die Kontrolle nicht sehr flächendeckend sondern eher die Ausnahme, Lasermessungen finden nicht an Unfallschwerpunkten oder schwierigen also unfallgefährdeten Streckenteilen statt, sondern dort, wo einfach gemessen werden kann (lange Gerade), wo sich der Beamte versteckt auf die Lauer legen kann und ausreichend Platz für die Amtshandlung vorhanden ist. Belehrungen machen nach dem Anhalten so wenig Sinn, da die meisten Leute woanders als am Kontrollplatz in die Wälder abbiegen. Ich wurde trotz engagierter Fahrweise in den letzten zweieinhalb Jahren nur fünf Mal kontrolliert: Vier Mal Anhalten wegen Überschreitung des Tempolimits, was etwa € 60,- in einem Fall (Bundesstraße, Speed ca. 135, Lasermessung), im anderen (Ortschaft, Speed gemessen 75, Radarfoto) mit einem € 35,- Ticket geahndet wurde. Zwei Mal wurde ich kostenlos abgemahnt (Bundesstraße, aus ca. 170 km/h erkannt & gebremst also ca. 120 km/h, (Ortschaft 68, Lasermessung). Einmal wurde ich zwecks Verkehrssicherheit aufgehalten: die Überprüfung meiner Ducati ( technisch super, Auslagenzustand) ergab keine Mängel. Die österreichische Exekutive ist meiner Erfahrung nach freundlich, im besten Sinne professionell und agiert auch oft mit verständnisvollem Augenzwinkern. Mit einem Modewort würde ich cool sagen. Freundliches Diskutieren ist immer drin, oft kann man auch ein bisschen handeln. (Was bei der ebenfalls als professionell erlebten deutschen Exekutive niemals möglich war. Die reden zwar freundschaftlich, wenn´s denn sein muss, auch gefühlte zwei Stunden, rücken aber keinen Cent vom Bußgeldkatalog ab. Leider.) Positives Resümee also.

Günther Krassnig:Ich bin Berufsfahrer und kenne die Gepflogenheiten sehr gut. Von hinten wird in Österreich schon immer gemessen! Man bekommt dann von der Behörde einen Brief in dem man aufgefordert wird den Lenker bekannt zu geben. Beantwortet man den Brief nicht, so bekommt man eine Strafe wegen Verweigerung der Lenkerauskunft, und die Strafe wegen der Übertretung! Die Strafe für die Auskunftsverweigerung kann höher sein als die Strafe direkt. Man erfährt von der Behörde auch nicht was für ein Vergehen vorliegt mit der Begründung, der Fahrzeuglenker wird datenrechtlich geschützt. Wenn man die Auskunft erteilt, dass man selbst gefahren ist, so erhält man ebenso wenig Auskunft über sein Vergehen, nur kommt ein paar Tage später die Strafanzeige! Zwei Beispiele von Messungen auf einer beliebten Motorradstrecke: Landstraße und wegen 3 Häusern, einer Einfahrt und einer Bushaltestelle 70km/h auf zirka 250m. Hinter dem Wartehaus der Bushaltestelle kann man sich schön verstecken, also wird dort mit Laserpistole in beide Richtungen gemessen. In Fahrtrichtung Osten ist das Wartehaus vom Ende der 70er Zone nur ungefähr 50-70m entfernt, wenn die Messung erfolgt, dann bin ich mir fast sicher, dass man sich nicht mehr innerhalb der 70er Zone befindet. Allerdings wird man erst 1km später angehalten. man kann nicht mehr zurückfahren um sich das Ergebnis zeigen zu lassen, denn mittlerweile wurden ja schon wieder andere Verkehrsteilnehmer gemessen. Ob die Messung innerhalb der Zone war ??? Zahlen oder Anzeige bitte !! Nächste Station nur 15km weiter: Die Messung wird genau am Ortsende zwischen einem verfallenen, verwachsenen Haus und dem Busch daneben durchgeführt. Erkennung der Polizisten: wenn man daneben ist.
Die Ortschaft ist eigentlich schon aus... 3, 4 Häuser noch, aber deshalb noch 500m länger das Ortsgebiet.... Von der anderen Seite kommend sieht man zwar die Ortstafel aber kein Haus, Messung genau bei der Ortstafel. Da habe ich immer so meine Probleme, denn ich weiß als Ortsansässiger, dass die da stehen, bremse brav auf 50. "Sie waren hier mit 70 unterwegs und bitte zahlen!!" Also fahre ich jetzt mit 35- 40 in die Ortschaft aber da läuft man Gefahr, wenn von hinten jemand kommt, der die Situation nicht kennt. Ich habe meinen Tacho mittels GPS überprüft es zeigt sehr genau an. Die Polizei in Österreich behauptet immer dass die Messung schon mit Abzug der Toleranzen gemacht wird. Das heißt wenn behauptet wird, dass man in einer 70er Zone mit 80 unterwegs war dann war man laut Polizei mit mindestens 88 unterwegs. Diese Behauptung stimmt schon lange nicht mehr, die Polizei rechnet keinerlei Mess-Toleranzen mehr ein. Viele Strafzettel von mir können ein Lied davon singen! Wie gesagt ich bin ständig unterwegs und kenne die Mess-Stellen und fahre dort besonders genau. Das Schätzen mit freiem Auge der Polizisten funktioniert hingegen überraschend gut, innerhalb von 20km genau können die das.

Motorradfreunde Jagstzell: Wir, die Motorradfreunde Jagstzell, waren letzten Sommer auf dem Heimweg aus Süd-Tirol als uns in Imst auf dem Weg zum Hahntennjoch ein Polizeistreife gestoppt hat. Sie haben uns zu schnelles Fahren in der 30ger Zone vorgeworfen. Wir waren zu dem Zeitpunkt in der Gruppe mit 8 Motorrädern unterwegs, aus dieser Gruppe sind nach Aussage der Polizei zwei geblitzt worden. Einer mit 75 der andere mit 80 km/h. Einer der Polizisten sagte: "Ihr gebt den Führerschein sofort ab". Dann wurden ein paar Kennzeichen hin und her gefunkt. Uns war ganz mulmig zu Mute. Nun kam ein anderer Polizist und sagte, der mit 75 km/h zahlt 20 Euro, der mit 80 km/h zahlt 25 Euro. Natürlich haben die beiden sofort und ohne weitere Diskussion bezahlt. Bei einer späteren Rast war der Vorfall natürlich DAS Thema, wir kamen zu dem Entschluss das die keinen geblitzt haben können weil wir zu eng beisammen waren und uns nur abkassiert haben, denn die Beträge waren zu gering um Beweismaterial zu verlangen.
Gruß Präsident der Motorradfreunde Jagstzell.

Mario Baric: Ich habe vor paar Jahren was "Gnadenloses" erlebt. Ich war auf dem Weg von Österreich (Mattighofen) nach Hause (München) mit meiner Ducati. Im Schlepptau hinter mir fuhren mein Schwager und meine Familie im Auto. Es regnete leicht und die Straßen waren von Landwirtschaftsfahrzeugen verdreckt, dadurch war meine Geschwindigkeit 100 prozentig unter der erlaubten Geschwindigkeit. Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass ein Streifenwagen hinter meinem Schwager herfuhr, der auch mit angepasster Geschwindigkeit fuhr. Irgendwo kurz vor Braunau schaltete die Gendarmerie ihr Blaulicht ein und forderte meinen Schwager auf stehen zu bleiben. Er hielt und ich (zirka 1000 Meter weiter) rollte in Schrittgeschwindigkeit weiter. Das Ergebnis: mein Schwager bekam drei (!) Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens (keine Blitzfotos, keine Beweise, nur geschätzt) UND den Hinweis "Dem Motorradfahrer einen schönen Gruß, ich erwisch ihn schon noch." Während dieses Vorkommnisses sind die Einheimischen an uns vorbei gerauscht wie die Blöden ohne irgendwelche Strafen befürchten zu müssen. Ich bin ein großer Fan von Österreich (Straßen, Natur, Menschen), aber das was sich die Polizei dort manchmal erlaubt grenzt an Wild-West-Methoden.

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Foto: BMI

Leserbriefe: Erfahrungen mit der österreichischen Polizei

Armin Wagner, München, BMW F 800 GS: Im letzen Herbst wurde ich von den Beamten der österreichischen Polizei auf der Fahrt von Salzburg nach Linz von hinten geblitzt. Der Strafzettel kam ca. 3 Monate später. Ich dachte mir, dass die Verjährungsfrist greift, aber in Österreich sei sie wohl 6 Monate und somit zahlte ich. In Österreich ist auch nicht der Fahrer "schuld", sondern es gilt wohl die Ermittlung des Halters und somit ist der Halter bei einer Verkehrswidrigkeit auch "schuldig". So wurde es mir von den österreichischen Herren erklärt. Am 2.4.2010 fuhr ich von Mittenwald nach Innsbruck. Zweimal bemerkte ich Laserpistolen mit Sofortkasse (Höhe Seefeld und Ortseingang Innsbruck). Es wird also nicht immer von hinten geblitzt. Schätzungen habe ich seit etlichen Jahren nicht mehr erlebt. Die Technik ist nun auch in Österreich angekommen.

Michael Hoffmann, Reilingen, Yamaha XS 650: Ein Freund und ich waren auf unseren Motorrädern auf der Durchreise nach Jugoslawien in Österreich unterwegs. Es muss Mitte der Achtziger gewesen sein, wo genau, weiß ich nicht mehr. Er hatte eine GT 550 Ram Air und ich eine XS 650 - beides betagte Gebrauchtmaschinen, für mehr hatte man kein Geld als Lehrling bzw. Student. Es herrschte reger Verkehr auf einer Bundesstraße und wir überholten hin und wieder, allerdings unter Beachtung der Höchstgeschwindigkeit – waren wir doch durch Bekannte von der Dreistigkeit der Alpensheriffs gewarnt worden. Aus einiger Entfernung konnte man schon die Polizeifahrzeuge sehen, offensichtlich eine Verkehrskontrolle. Man holte uns mit der Kelle raus. Dann der Vorwurf: Überholen im Überholverbot, an ein Schild konnte sich keiner von uns erinnern, jeder solle 50 DM abdrücken und wir dürften weiter fahren. Diskutieren hatte keinen Sinn, wir wurden derart von oben herab behandelt, zwei junge Kerle mit alten Kisten. Also bezahlten und nichts wie weg. Weil wir beide das mit dem Überholverbot nicht so ganz glauben konnten, sind wir die letzen ein oder zwei Kilometer der Strecke nochmal abgefahren. Und da war es, das Schild, ein einziges, ein paar hundert Meter vor der Kontrollstelle! Mehr als zur Hälfte eingewachsen in eine große Hecke. Mit etwas Phantasie auch als Überholverbot zu erkennen. Wir haben uns nicht zu einer Beschwerde hinreißen lassen sondern setzten unsere Reise mit dickem Hals fort. Das Knöllchen (für mich als Student war es eher eine Knolle) hing noch jahrelang an der Wand neben meinem Schreibtisch. Ausgestellt war es von irgendeiner Hundertschaft, in einer etwas altertümlich anmutenden Ausdrucksweise. Heute, etwas erfahrener und deutlich älter würde ich vielleicht anders reagieren. Bis heute habe ich aber noch keinen Urlaub in Österreich verbracht und Transit kommt nur in Frage, wenn es absolut nicht anders geht.

Henri Fau, BMW 1100 RT: Wie wahr - davon konnten wir uns 1998 im Tannheimer Tal überzeugen! Wir fuhren in einer Gruppe, wohl bemerkt wir haben nicht zusammen gehört, aber es waren 2 Harleys und 3 BMWs. Die beiden Chopper vor uns, exakt der Vorschrift! Zwei Polizisten haben die weibliche Lenkerin der 2. Maschine raus gewunken, mit der Begründung, sie fuhr zu schnell. Was für ein Ordnungsgeist. Selbstverständlich haben wir protestiert, worauf uns angedroht wurde, wir seien alle zu schnell gefahren. Voller Groll wurde gezahlt. Das war das letzte Mal, das wir einer Tour in Osterreich gemacht haben. Schade, das Land und die Österreicher haben es nicht verdient - die Obrigkeit schon. Wenn es eine ausgeprägte Willkür gibt, dann sicher dort. Sicher ein Vorurteil, das auf Tatsachen basiert.

Torsten Kobalz, Wadern: Ich wurde im August 2005 in Dornbirn aufgrund einer Geschwindigkeitsübertretung von einem fest installierten Blitzer geblitzt. Natürlich von hinten, wie es in Österreich üblich ist. Im Dezember erhielt ich dann die Strafverfügung in Höhe von 254 Euro oder eine Ersatzfreiheitsstrafe von 127 Stunden. Dagegen habe ich dann im Namen meiner Frau Einspruch eingelegt, da meine BMW R 1100 GS aus Kostengründen auf Sie zugelassen war. Sie kam ja als Fahrerin nachweislich nicht in Betracht. Anschließend erhielt sie einen Fragebogen zur Lenkererhebung bei dem sie "natürlich anhand des Beweisfotos von hinten den Fahrer nicht erkennen konnte". Daraufhin wurde dann eine neue Strafverfügung gegen meine Frau in gleicher Höhe mit Verweis auf §103 Abs.2 KFG (Halterhaftung da sie den Fahrer nicht benennen konnte) verhängt. Ich habe mich dann auf den Onlineseiten des ADAC schlau gemacht, ob es nicht eine Möglichkeit gibt um diese Strafe herum zu kommen. Es gibt ja schließlich ein deutsch-österreichisches Abkommen über Amts- und Rechtshilfe das den Österreichern ermöglicht das Bußgeld über deutsche Behörden einzutreiben. Da aber die meisten Innenministerien der Bundesländer, die den Vollstreckungsbehörden für die Durchsetzung österreichischer Strafverfügungen unterstellt sind, der Auffassung sind, dass diese Strafverfügungen gegen fundamentale deutsche Rechtsgrundsätze verstößt, werden diese meistens auch nicht zwangseingetrieben. Das habe ich ausgenutzt und bis zum heutigen Tage nichts gezahlt. Es war nur ein reger Schriftwechsel nötig, bei dem man sich nicht verängstigen lassen darf. Doch hat sich ja gelohnt. Vielen Dank noch an den ADAC für die vielen nützlichen Tipps.

Marco Haas, Kempten, Kawasaki Z 75: Ich hatte vor zirka zwei Jahren, September 2008, unliebsame Bekanntschaft mit den österreichischen Behörden gemacht. Als ich eines Abends aus der Arbeit nach Hause kam, lag eine Benachrichtigung über ein Einschreiben bei mir im Briefkasten. Ich also ab zur Post und dann hab ich schon gesehen: auf dem Umschlag stand Bezirkshauptmannschaft Dornbirn. Da war mir klar, das ist zu 100 Prozent eine Strafe. Ich ging nach Hause und öffnete den Umschlag. Was ich dann zu lesen bekam verschlug mir erst mal die Sprache. Ich hielt eine Strafverfügung in Händen. Dort stand, ich sei mit 26 km/h zu viel innerhalb geschlossener Ortschaft gefahren. Die zu entrichtende Strafe betrage 138 €. Sei ich nicht bereit diese Strafe zu bezahlen, droht mir eine Ersatzhaft von 69 Std. Als Bundeswehrsoldat kann und darf ich mir einen Gefängnisaufenthalt im Ausland nicht erlauben. Demnach rief ich in Dornbirn an, und hatte einen "sehr netten" Sachbearbeiter am Telefon. Ich fragte nach wie es sein kann, dass ich eine Strafverfügung bekomme und nicht eine Anonymverfügung (hatte mich im Internet schlau gemacht). Er wich mir mit irgendwelchen Paragrafen dieser Frage geschickt aus. Ich wollte dann noch wissen warum denn kein Bild mitgeschickt wurde und prompt kam die Antwort: "Das würde dann 100 Euro kosten". Ich wurde daraufhin etwas sauer und der "nette" Sachbearbeiter drohte mir mit einer Anzeige wegen Beamtenbeleidigung, obwohl ich ihn nicht beleidigt hatte. Ich wurde dann recht schnell aus der Leitung geworfen. Naja das war meine Bekanntschaft mit den österreichischen Behörden
Genaue Angaben zum "Tatort": Dornbirn, Hofsteigstraße, Fahrtrichtung Stadtmitte.


 

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Anonym, Kawasaki Z 750: Mir ist folgendes passiert: Im August 2007 bin ich von Hall in Tirol Richtung Innsbruck gefahren. Am Ortsende Hall (Hall Ost) gibt es eine Ampel, es war rot. Dort waren bereits 2 andere Motorradfahrer und bei grün sind wir losgefahren. Einer von uns hat seine Honda abgewürgt, der andere mit seiner Cagiva hat stark beschleunigt, genauso wie ich. Gerade als ich dabei war ihn zu überholen, haben die Polizisten uns zur Seite gedeutet, Radarkontrolle. Wir sind anscheinend mit 98 km/h geblitzt worden, abzüglich Toleranz bleiben 93 km/h. Wir beide müssen für 7 Tage unsere Führerscheine abgeben, plus Geldstrafe. Der Cagiva-Fahrer wollte wissen, wen von uns sie geblitzt haben, weil man den Führerschein nur abnehmen kann wenn es bewiesen ist, dass der Fahrer tatsächlich zu schnell war. Der Polizist wollte nicht antworten. "Ihr seid nebeneinander gefahren, etwa gleich schnell und ihr bekommt die gleiche Strafe!" Zugegeben,wir waren zu schnell ,es war immer noch im Ortsgebiet (auch wenn die Radarfalle echte 20 Meter vor Ende des Ortsgebiets stand!),aber die können mit einer Laserpistole nur einen von uns blitzen, der andere war einfach geschätzt! Das Ganze passierte in Hall, Tirol.

Alexander Lipp, Forchtenberg, BMW K1200 GT: In vielen Österreichischen Städten ist die Ortsdurchfahrt bzw. Hauptstraße mit 50 km/h erlaubt, aber die Nebenstraßen nur mit 40 km/h. Als Ortsunkundiger bemerkt man das Verlassen der Hauptstraße nicht gleich. Auch sind in manchen Orten, z.B. von der Inntalautobahn zum Fernpass die Verhältnisse so, dass man automatisch die Hauptstraße verlässt. An solchen Punkten stehen nun die Ordnungshüter hinter Bäumen und messen mit der Laserpistole geringste Geschwindigkeitsüberschreitungen. In unserem Fall waren es 5 km/h zu schnell. Abzug für Mess-Toleranzen sind nicht vorgesehen. Dies nenne ich moderne Wegelagerei. Tempomessungen hauptsächlich auf der Brenner Route kann ich sogar verstehen wenn man bedenkt, wie viele Chaoten viel zu schnell und viel zu laut mit ihren Bikes unterwegs sind. Wer einmal zu Fronleichnam dort unterwegs war weiß was ich meine.

Michael Nerowski, Schönecken(Eifel), Ducati 900 SS: Hallo, meine zugegebenerweise nicht mehr ganz aktuelle Erfahrung mit der Polizei Österreichs spielte sich im Jahr 1980 in der Nähe des Brennerpasses ab: Meine bei einem Sturz fahruntüchtig gewordene Ducati 900 SS (ein Traum!) ließ ich aus lauter Frust an der Leitplanke zurück, wollte sie am Wochenende holen. Sonntags war sie natürlich weg. Ohne allzu große Hoffnung bei der Polizeistation im nächsten Ort nachgefragt, und siehe da: Die Polizei hatte das Motorrad geborgen, sicher und trocken untergestellt und mich dann zu dem Standort begleitet. Das Ganze kostete mich nicht einen Schilling! Habe die Ehre!

Richard Schäfer, Weinbach, BMW R 100 S: Ich möchte eine absolut unglaubliche Geschichte erzählen, die mir ca. 1986 widerfuhr, als ich am Spätnachmittag des Freitags vor Pfingsten mit meiner BMW auf dem Weg ins damalige Jugoslawien kurz vor Hermagor unterwegs war. Zwei Polizisten treten auf die Fahrbahnmitte und halten mich, von Weißbriach über die Bundesstraße 87 kommend, ca. 2 km vor Hermagor an. Ich sei zu schnell gefahren, haben sie geschätzt, das koste 100 Schilling. Ich protestiere heftig und verlangte Führerschein, Zulassungsschein und Personalausweis zurück. In meinem erregten Zustand sei ich sowieso nicht fahrtüchtig, ich möge mich erst einmal beruhigen. Ich rauchte daraufhin abseits der beiden Polizisten 2 Zigaretten und verlangte danach erneut meine Papiere. Man schaute sich gegenseitig an, kam zu dem Ergebnis, dass ich immer noch erregt sei, stieg ins Auto u. fuhr weg. Ich setzte mich also auf mein Fahrzeug und fuhr im ersten Gang im Schritttempo Richtung Hermagor. Nach ca. 1 km Fahrt kam rechts aus einem Waldweg der Polizei-Passat, die beiden Beamten stiegen aus, hielten mich an und verlangten meine Papiere. Ich verwies auf den Umstand, dass sie doch im Besitz dieser Dokumente seien, wozu also die Kontrolle. Aha, ich würde also also nicht nur im fahruntauglich erregten Zustand, sondern auch noch ohne Papiere fahren. Das Fahrzeug sollte im Waldweg abgestellt werden und ich mit dem Auto zur Polizeiwache Hermagor mitkommen. Ich weigerte mich in das Polizeifahrzeug einzusteigen, da ob all dieses Irrsinns eine Entführung nicht auszuschließen sei, wie ich meinte. So fuhr denn ein Beamter etappenweise vorneweg, der andere begleitete mich zu Fuß, während ich die R 100 S die restlichen zirka 1000 Meter zur Polizeiwache Hermagor schob. Dort belehrte man mich, dass die Geschwindigkeitsschätzung legal gewesen sei und ich nun bitte die 100 Schilling bezahlen möge. Ich verlangte Einsicht in eine Straßenverkehrsordnung, um den entsprechenden Schätzungsparagraphen zu lesen. Eine solche gebe es auf der Polizeiwache Hermagor nicht, war die Auskunft. Also bezahlte ich nicht. Das könne fatale Folgen für mich haben: Festhalten auf der Wache über Pfingsten, denn erst nach den Feiertagen könne sich ein sogenanntes Gerichts- oder Strafreferendar um meinen Fall kümmern. Ich willigte ein und wurde daraufhin sofort zur Arrestzelle geführt. Zwischendurch kam immer wieder mal ein Beamter und mahnte mich zur Zahlung der Strafe. Ohne Erfolg. Meinen Durst durfte ich gelegentlich am Wasserhahn einer Toilette stillen, zu der mich ein Beamter brachte. Gegen 23 Uhr drangen von außen laute Gesprächsfetzen zu mir, kurze Zeit später öffnete sich die Tür und ein kleiner, untersetzter Mann, der mir als ein Gerichtsreferendar aus Villach vorgestellt wurde, kam zu mir. Aus einem Buch las er mir die 3 legalen Geschwindigkeitsbestimmungsmethoden vor: Per Radar, durch Hinterherfahren eines Polizeifahrzeuges und schließlich durch Schätzung. Ich öffnete meinen Geldbeutel, zählte die 100 Schilling ab. Doch halt, zuvor ließ ich mir das Buch noch mal geben, was auch widerwillig geschah. Und da stand es schwarz auf weiß: Die Schätzung hat nur dann Gültigkeit, wenn das zu schätzende Fahrzeug an einem mit der Schätzung beauftragten Polizeibeamten vorbeigefahren ist. Das war bei mir nicht der Fall. Also steckte ich die 100 Schilling wieder in den Geldbeutel. Der Mann nahm sein Buch, ging und knallte die Tür zu. Von draußen wieder heftig lautes Stimmengewirr. Kurze Zeit später öffnete sich erneut die Tür. Die Worte des Beamten werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen: "Raus, raus ! Schauen Sie zu, dass sie Land gewinnen !"
Foto: Archiv

Leserbriefe: Erfahrungen mit der österreichischen Polizei (Teil 2)

Anonym, Yamaha FJ 1200: Ich fuhr im Juni 2009 durch Heiligenblut/Kärnten mit einer Yamaha FJ 1200 und Sozia. Es ist eine Hauptverbindungsstraße (B107), die durch den Ort führt. Hier ist die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt. Die Ortschaft ist offensichtlich sehr touristisch. Am Ende des Ortes wurde ich von einem Polizisten heraus gewunken. Er sagte, dass ich zu schnell gefahren sei. Er habe das gesehen. Auf meine Frage wie er das denn festgestellt habe, sagte er mir er habe mich von "da vorne" kommen sehen (kurvige, nicht komplett einsehbare Straße durch den Ort) und in der Zeit, die ich gebraucht habe, muss ich zu schnell gewesen sein. Keine Zeit gestoppt, keine Angabe zur Länge der befahrenen Mess-Strecke, kein zweiter Beamter. Tatsächlich bin ich sehr wahrscheinlich schneller als 30 km/h gefahren - ich schätze mal 50 km/h. Auf jeden Fall für die Ortschaft angepasst bzw. offensichtlich gerast. Von daher war der Strafzettel (weiß es nicht mehr ganz genau, aber es bewegte sich zwischen 15 und 20 Euro) gerechtfertigt. Mich störte aber die Art und Weise der "Messung". Ich bin sicher, wenn ich 30 km/h gefahren wäre, hätte ich auch gezahlt. Weiterhin war auffällig, dass nur Motorradfahrer heraus gewunken wurden. Während des Gesprächs mit mir kam ein anderer Motorradfahrer vorbei. Den konnte der (freundliche - war tatsächlich so) Beamte nicht geschätzt haben, weil er mit mir sprach. Als er ihn aus dem Augenwinkel heraus sah, wollte er ihn ebenfalls anhalten, aber das Motorrad war schon vorbei und "hatte Glück" (Zitat). Der Vorfall hat mich doch stark "gewurmt". Ich werde zukünftig nach Möglichkeit ins benachbarte Ausland ausweichen oder gleich in Deutschland bleiben und lieber im eigenen Land einzahlen.

Markus Schnöll, Triumph Thruxton 900: Ich bin der Meinung, dass einige Ordnungshüter in Österreich schwer in Ordnung sind. In der Früh um acht - natürlich viel zu spät auf dem Weg zur Arbeit - und dort und da auch etwas zu schnell beim Überholen. Da schleicht im Ortsgebiet vor mir ein Autofahrer mit knapp 50 km/h. Da nutzt man eben die Vorzüge vom Motorrad. Nach dem Überholmanöver schau ich in den Lauf einer Laserpistole in 20m Entfernung. Aus Erfahrung weiß ich, wer stehen bleibt steigt so gut wie IMMER günstiger, aber nie schlechter aus! Also rolle ich im Standgas zu den Sheriffs (wegen dem Auspuff). Und da kam auch schon der Spruch, den ich noch "nie" gehört habe: "Da woa ma a bissl z’schnöll, Herr Schnöll". Der langen Rede kurzer Sinn: 28 km/h zu schnell und überholen im Ortsgebiet. Dass ich eine Verkehrsinsel auch noch "mit überholt" habe machte das Ganze auch nicht besser. Da sich der Polizist sichtlich für meine Thruxton 900 interessierte und auch selber Motorrad fuhr, haben wir auch kurz geplaudert. Ich hab sicher sehr arm geschaut, denn nach einem kurzen Seufzer kam: "20 Euro und gut is es." Die habe ich dann mit Erleichterung gerne bezahlt. Diese Quittung hab ich heute noch! Ich hab schon einiges an "Lehrgeld" bezahlt aber mittlerweile weiß ich was die beste und einzige Möglichkeit ist um beim österreichischen Exekutivbeamten auf ein mildes Strafmaß zu kommen ist:
1. Stehen bleiben bzw. zurück fahren (langsam) und stehen bleiben. 2. Reue und Einsicht zeigen. 3. Keine besserwisserischen Meldungen und keine "aber" - Klappe halten. 4. Den Polizisten das erste "Angebot" machen lassen und erst dann Verhandeln. 5. Immer mindestens 100 Euro in Bar, in kleinen Scheinen dabei haben. Wenn man sich als Deutscher dann noch "Ösi", andere Witzchen und Vergleiche mit Deutschland verkneift sollte einem der österreichische Ordnungshüter auch entgegen kommen. Gute Fahrt.

Rudi Specht, Pullach: Mein absolutes Lieblingsthema habt Ihr da angeschnitten.
Bin 48 Jahre, Bierbauch, fahre seit über 25 Jahren BMW. Zügig. In allen Alpenländern. Noch nie einen Strafzettel kassiert, außer in Österreich. Und da gleich im Laufe der Jahre mehrere. Tja, aber einen Trumpf haben wir: Übernachten muss ja nicht unbedingt in Österreich sein. Andere (freundlichere) Länder haben auch schöne Gasthäuser. Und genauso halte ich das auch. Das klappt auch prima beim Skifahren. Und beim Wellnessen, und und und.

Anonym: Ich komme aus Vorarlberg, wohne also mitten im Gebirge und habe natürlich auch schon so meine Erfahrungen gemacht. In den letzten Jahren wurde von Seiten der Polizei tüchtig aufgerüstet, speziell Zivilfahrzeuge (Auto und Motorrad) sind in den Sommermonaten verbreitet unterwegs. Allerdings muss man zum Teil auf bestimmten Strecken schon auch sehen das die Motorradfahrer an diesen Aufgeboten nicht unschuldig sind. Ich bin selber viel unterwegs und möchte im Sommer nicht unbedingt nahe einer vielbefahrenen Bergstrecke wohnen. Was ich trotz allem unserer Obrigkeit noch zugutehalten kann ist, dass Radarsysteme nur in bewohnten Gebieten eingesetzt werden, also kaum auf freier Strecke, sonst könnten wir Motorradfahrer schon lange einpacken und vielleicht noch Fahrradfahren! Das hartnäckige Gerücht vom "Tempo schätzen" ist auch so eine Sache: Wenn man so gestoppt wird will der Sheriff eine Standpauke loswerden - man gibt sich zerknirscht und die Sache hat sich. 

Thomas Stenkamp, 48 Jahre, Hilzingen, Suzuki Bandit 1200 S: Ich habe letzten Sommer sehr schlechte Erfahrung gemacht. Nach einem wunderschönen Wochenende in Südtirol, waren meine fünf Freunde und ich auf dem Rückweg nach Süddeutschland. Wir fuhren in der Gruppe und ich war der Letzte. Als wir durchs Ötztal Richtung Umhausen fuhren, überquerten wir eine Brücke. Dort standen anscheinend links in einer Einfahrt zwei Polizeibeamte und blitzten mit einer Laserpistole entgegenkommende Autos. Wir jedoch bewegten uns mit den Motorrädern von den Polizisten weg. Ende August bekam ich dann drei Anzeigen: Überholen im Überholverbot, Durchfahren einer Sperrfläche und Geschwindigkeitsüberschreitung von 36km/h (116 km/h statt 80 km/h). Das wollen die Polizisten gesehen, gehört und auch gemessen haben (mit Laser auf 290 Meter Entfernung). Mich traf der Schock beim Lesen dieses Briefes. Ich ging zum Anwalt und wir schrieben an die Dienststelle. Es gab ein paar Briefe hin und her. Auch mit der Bitte um Einstellung des Verfahrens, doch bis dato gab es noch keinen Entscheid. Ich rechne täglich mit der großen Rechnung. Falls diese wirklich eintrifft, werde ich freiwillig dieses Land die nächsten 10 Jahre nicht mehr besuchen. Und meine Freunde übrigens auch nicht. Die Polizei hat von hinten mein Nummernschild geblitzt und dabei Geschwindigkeit und Entfernung gemessen (oder geschätzt). Von meinen Freunden hat keiner eine Anzeige bekommen. Nach dem Motto "den letzten beißen die Hunde".

Heinz Wamser, Kirchseeon, Honda F6C Valkyrie: Wie jedes Jahr fuhr ich mehrfach über die Brenner-Bundesstraße Richtung Südtirol. Im September 2009 wieder und so wie immer entdeckte ich mehrere Radarfallen der österreichischen Polizei, drei Stück an der Zahl. Entgegenkommende Motorradfahrer warnten, wie das so unter uns Motorradfahrern üblich ist. Ich fuhr genau 50 km/h weil die Bußgelder in Österreich horrend sind! Nach ca. 2 Monaten bekam ich eine sogenannte "Anonymverfügung" ich wäre 30km/h über der Höchstgeschwindigkeit in Steinach am Brenner innerhalb geschlossener Ortschaft gefahren! Ich legte sofort Widerspruch ein, schilderte meine Version: "Fahre mehrfach über die alte Brennerbundesstraße und weiß die üblichen Radarstellen. Da ich nicht vollkommen schwachsinnig bin, so schrieb ich, und auch nicht blöde, fahre ich in geschlossenen Ortschaften genau der Vorschrift 50 km/h, weil ich den Bußgeldkatalog in Österreich genau kenne! Mir wurde darauf ein Gerichtsverfahren der Österreichischen Behörden angedroht, ich blieb aber stur und erkärte an Eidesstatt, dass ich in Steinach am Brenner die genaue Geschwindigkeit 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaft eingehalten habe. Ich forderte die Behörden nun auf mir den Beweis meiner Geschwindigkeitsübertretung vorzulegen. Seit dieser Zeit habe ich von den österreichischen Behörden nichts mehr gehört. Ich hoffe wenn ich demnächst wieder über nach Österreich einreise dass ich nicht gleich verhaftet werde. Sollte dies der Fall sein werde ich Sie unterrichten. Heinz Wamser, Kirchseeon, Honda F6C Valkyrie.

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