08.11.2012 Von: Berit Horenburg
Erschienen in: 24/ 2012 MOTORRAD

Seit 19. Januar 2013 gilt in Deutschland ein neues Führerscheinrecht Neue Regelungen zum Führerschein

Seit 19. Januar 2013 gilt in Deutschland ein neues Führerscheinrecht. Wer darf künftig was fahren? Welche Prüfungen sind noch erforderlich? Welche Vor- und Nachteile hat die neue Regelung? Das Wichtigste in Kürze.

Neues Führerscheinrecht 2013

Neu: Aufhebung der Tempo-80-Regelung für 16- und 17-Jährige.  

Foto: Fotolia  

Die von der Europäischen Union angestrebte Vereinheitlichung der Führerscheinregelungen in allen Mitgliedsländern hat auch bei der 3. Führerscheinrichtlinie nicht vollständig funktioniert. Die neue Verordnung, die in Deutschland am 19. Januar 2013 in Kraft tritt, enthält trotz allem Abweichungen vom EU-Recht. Leider ist sie auch kompliziert. Als Faustregel hilft: Bestandsschutz für alle Rechte der Inhaber von Führerscheinen, die bis zum 18. Januar 2013 abgelegt worden sind. Ab Stichtag 19. Januar 2013 gelten neue Regeln für alle, die eine neue Fahr-erlaubnis beantragen. Das klingt einleuchtend. In den meisten Fällen werden aber auch neue Rechte auf alte Führerscheine ausgedehnt. Was sich positiv auswirkt.

Tempo 80 fällt: Was für 125er dürfen 16- und 17-Jährige künftig fahren?

Künftig dürfen Jugendliche 125er mit 11 kW und einem Leistungsgewicht von 0,1 kW/kg fahren, was bei Ausschöpfen der Leistung einem Mindestgewicht von 110 Kilogramm entspricht. Die Begrenzung der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h für Leichtkrafträder in Deutschland fällt, sodass 16- und 17-Jährige künftig im Verkehr mitschwimmen können. Diese Regelung gilt für alle Jugendlichen mit A1-Lizenz ab Stichtag 19. Januar 2013, unabhängig vom Datum der Führerscheinerteilung. Auch wenn Jugendliche den A1-Führerschein 2012 erhielten, können sie fahren, was die 125er unter Berücksichtigung des Leistungsgewichts hergibt.

A2-Führerschein: Wer kann künftig mit 35-kW-Maschinen losdüsen?

Die Ausdehnung neuer Rechte auf die Inhaber von Führerscheinen, die vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, bringt auch für Menschen mit Fahrerlaubnissen der Klasse A (beschränkt) Vorteile. Ab 19. Januar berechtigt der alte A (beschränkt)- und der neue A2-Führerschein zum Pilotieren von Motorrädern bis 35 kW bei einem Mindestleistungsgewicht von 0,2 kW/kg. Das Motorrad muss also bei knapp 48 PS mindestens 175 Kilogramm wiegen. Bislang galt die Klasse A (beschränkt) für Maschinen mit 25 kW/34 PS und 0,16 kW/kg. Mit der neuen Klasse wollen die EU-Politiker die Bikes attraktiver gestalten, damit weniger Piloten einen weiteren Aufstieg in die offene Klasse A anstreben.

Suzuki_Hayabusa_Fahrt

Neu: Im Ausland ist eine Drosselung von Motorrädern, die über 70 kW leisten, auf 35 kW verboten. In Deutschland kurioserweise nicht.  

Foto: Künstle  

Pkw-Führerschein vor 1.4.1980: Welche Vergünstigungen erhalten ältere Führerscheininhaber?

Auch die Generation 50 plus, die vor dem 1.4.1980 ihren Auto-Führerschein erworben hat, bekommt neue Rechte. Bislang dürfen diese Pkw-Lenker 125er fahren. Nach dem 19. Januar dürfen die Silver Ager, die bis 30. März 1980 die damalige 3er-Lizenz für Autos erhielten, A2-Motorräder fahren, vorausgesetzt sie legen eine praktische Prüfung ab. Eine theoretische Prüfung ist nicht notwendig. Das gilt ebenso für die, die früher einen Führerschein der Klasse 4 für Mopeds mit 50 cm³ ohne weitere Leistungs- und Geschwindigkeitsbeschränkung erwarben. Auch diese älteren Semester durften bisher nur Leichtkrafträder fahren, künftig jedoch Bikes bis 35 kW, wenn sie die praktische A2-Prüfung bestehen.

TheoriePrüfung: Wie viele theoretische Prüfungen müssen für die Klassen A1, A2 und A abgelegt werden?

Nach dem neuen System ist nur noch eine theoretische Prüfung notwendig, die für -alle weiteren Zweiradklassen gilt. Wer den A1 für Leichtkrafträder hat, muss beim Aufstieg zum A2 und A keine weitere theoretische Prüfung ablegen. Wer den A2 als erste Lizenz ablegt, braucht keine Theorie mehr für den offenen A zu büffeln. Damit soll ein -Anreiz geschaffen werden, zunächst auf weniger leistungsstarken Maschinen Erfahrung zu sammeln, so das Verkehrsministerium.

70-kW-Regel: Welche Bikes eignen sich für eine gedrosselte 35-kW-Version?

Zu den deutschen Besonderheiten gehört der Wegfall der 70-kW-Regel. Im EU-Recht ist ein A2-Fahrzeug mit 35 kW und 0,2 kW/kg Leistungsgewicht definiert sowie dem Zusatz: darf nicht von einem Fahrzeug abgeleitet werden mit mehr als der doppelten Leistung, also 70 kW. Dieser Zusatz fehlt im deutschen Recht, obwohl er keine Option darstellt, sondern von den Einzelstaaten übernommen werden muss. Nicht unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung von der Europäischen Kommission schwer eins auf den Deckel bekommt und eine Fristsetzung zur Änderung erhält. Bis dahin jedoch dürfen A2-Inhaber in Deutschland auch eine Hayabusa auf 35 kW drosseln. Allerdings fahren sie dann im europäischen Ausland unter Umständen ohne gültigen Führerschein spazieren: „Welche Auswirkungen dies auf das Führen von solchen Krafträdern in Frankreich hat, bestimmt sich allein nach französischem Recht. Die diesbezügliche Rechtslage in Frankreich ist dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) nicht bekannt“, so eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf die Anfrage von MOTORRAD, was ein Motorradfahrer, der eine auf 35 kW gedrosselte Hayabusa nach Frankreich fährt, zu erwarten hat. Ob ein Polizist gerade diesen Motorradfahrer kontrolliert und obendrein die entsprechende Regelung kennt, steht in den Sternen. Aber Rechtssicherheit sieht anders aus. Wozu schließlich gibt es einen harmonisierten Führerschein? Pikanterweise wird an anderer Stelle gegen den Einschluss von Trikes in den Autoführerschein so argumentiert: „Da diese Fahrerlaubnis nur national gelten würde, wurde davon Abstand genommen“, heißt es in der entsprechenden Bundesratsdrucksache.

Neues Führerscheinrecht 2013

Neu: praktische Prüfungen für Führerscheine der Klassen A1, A2 und A vorgeschrieben.  

Foto: Archiv  

Pkw-Führerschein vor 1.4.1980: Welche Vergünstigungen erhalten ältere Führerscheininhaber?

Auch die Generation 50 plus, die vor dem 1.4.1980 ihren Auto-Führerschein erworben hat, bekommt neue Rechte. Bislang dürfen diese Pkw-Lenker 125er fahren. Nach dem 19. Januar dürfen die Silver Ager, die bis 30. März 1980 die damalige 3er-Lizenz für Autos erhielten, A2-Motorräder fahren, vorausgesetzt sie legen eine praktische Prüfung ab. Eine theoretische Prüfung ist nicht notwendig. Das gilt ebenso für die, die früher einen Führerschein der Klasse 4 für Mopeds mit 50 cm³ ohne weitere Leistungs- und Geschwindigkeitsbeschränkung erwarben. Auch diese älteren Semester durften bisher nur Leichtkrafträder fahren, künftig jedoch Bikes bis 35 kW, wenn sie die praktische A2-Prüfung bestehen.

TheoriePrüfung: Wie viele theoretische Prüfungen müssen für die Klassen A1, A2 und A abgelegt werden?

Nach dem neuen System ist nur noch eine theoretische Prüfung notwendig, die für -alle weiteren Zweiradklassen gilt. Wer den A1 für Leichtkrafträder hat, muss beim Aufstieg zum A2 und A keine weitere theoretische Prüfung ablegen. Wer den A2 als erste Lizenz ablegt, braucht keine Theorie mehr für den offenen A zu büffeln. Damit soll ein -Anreiz geschaffen werden, zunächst auf weniger leistungsstarken Maschinen Erfahrung zu sammeln, so das Verkehrsministerium.

70-kW-Regel: Welche Bikes eignen sich für eine gedrosselte 35-kW-Version?

Zu den deutschen Besonderheiten gehört der Wegfall der 70-kW-Regel. Im EU-Recht ist ein A2-Fahrzeug mit 35 kW und 0,2 kW/kg Leistungsgewicht definiert sowie dem Zusatz: darf nicht von einem Fahrzeug abgeleitet werden mit mehr als der doppelten Leistung, also 70 kW. Dieser Zusatz fehlt im deutschen Recht, obwohl er keine Option darstellt, sondern von den Einzelstaaten übernommen werden muss. Nicht unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung von der Europäischen Kommission schwer eins auf den Deckel bekommt und eine Fristsetzung zur Änderung erhält. Bis dahin jedoch dürfen A2-Inhaber in Deutschland auch eine Hayabusa auf 35 kW drosseln. Allerdings fahren sie dann im europäischen Ausland unter Umständen ohne gültigen Führerschein spazieren: „Welche Auswirkungen dies auf das Führen von solchen Krafträdern in Frankreich hat, bestimmt sich allein nach französischem Recht. Die diesbezügliche Rechtslage in Frankreich ist dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) nicht bekannt“, so eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf die Anfrage von MOTORRAD, was ein Motorradfahrer, der eine auf 35 kW gedrosselte Hayabusa nach Frankreich fährt, zu erwarten hat. Ob ein Polizist gerade diesen Motorradfahrer kontrolliert und obendrein die entsprechende Regelung kennt, steht in den Sternen. Aber Rechtssicherheit sieht anders aus. Wozu schließlich gibt es einen harmonisierten Führerschein? Pikanterweise wird an anderer Stelle gegen den Einschluss von Trikes in den Autoführerschein so argumentiert: „Da diese Fahrerlaubnis nur national gelten würde, wurde davon Abstand genommen“, heißt es in der entsprechenden Bundesratsdrucksache.

Praktische Prüfung: Ist eine Aufstiegsprüfung vom A2 zum A erforderlich?

Jetzt folgen die Nachteile: In Deutschland ist die Aufstiegsprüfung vom A2 zum A 1993 abgeschafft worden - ohne dass sich die Unfallzahlen erhöht hätten. Doch der europäische Führerschein beruht auf dem Stufenzugang, der jeweils eine Zweijahresfrist vor dem Aufstieg in die nächsthöhere Klasse vorsieht. Wer den Weg durchläuft, muss künftig bei jedem Schritt eine praktische Prüfung absolvieren. Nach dem 19. Januar 2013 machen Inhaber der A2-Lizenz- eine Prüfung, während Inhaber der beschränkten Klasse A keine Prüfung für den Aufstieg brauchen.

Ein Tipp: Wenn Sie die Wahl haben, machen Sie den A (beschränkt) vor dem 19. Januar. Denn der Bestandsschutz greift: Sie brauchen keine Aufstiegsprüfung für den offenen A, dürfen aber ab 19. Januar Motorräder mit 35 kW fahren.

Neues Führerscheinrecht 2013

Neu: Eine vor dem 1.4.1980 erhaltene Pkw-Lizenz berechtigt zur praktischen Prüfung für A2.  

Foto: Archiv  

Kosten: Wird der Führerschein teurer?

Ja, im europäischen Ausland. Nimmt sich ein 16-Jähriger alle Prüfungen vor, um mit 20 den offenen A zu absolvieren, kostet das viel Geld. „Locker 4000 Euro“, kritisiert Philip Vogt von der Vereinigung der europäischen Motorradfahrerverbände in Brüssel. Vogt: „Das wird dazu führen, dass Interessenten abspringen oder warten, bis sie 24 sind. Dann können sie den offenen A -direkt ablegen.“ Christoph Gatzweiler, Ressortleiter Technik beim Industrie-Verband Motorrad Deutschland, sieht das anders: „Der Führerschein wird in Deutschland vermutlich kostengünstiger. Denn die Pflichtstunden und weitere Theorieprüfungen -fallen weg. Marktgerechte Angebote von Fahrschulen für die Prüfungsvorbereitung werden sich durchsetzen.“ Bei der praktischen Prüfung werden sechs Grundfahrübungen wie Slalom, Bremsen und Ausweichen gefordert.
Einschluss-Regeln: Darf man mit Pkw-Führerschein 125er fahren?

Wenn Sie Ihre Fahrerlaubnis nach dem 31. März 1980 erhalten haben, also jünger als 50 sind, nicht. Fast alle für Motorradfans positiven Optionen, die Deutschland gehabt hätte, sind nicht genutzt worden. Der Führerschein für Autofahrer schließt in Deutschland den A1 nicht ein. In anderen Ländern schon. Das Mindestalter zum Fahren von Mopeds hätte auf 15 Jahre abgesenkt werden können, was für -Jugendliche auf dem Land super gewesen wäre. Doch all diese Möglichkeiten schlugen Bund und Länder in den Wind. „Wir hätten uns mehr Liberalisierung gewünscht“, meint Christoph Gatzweiler. Auch die Frage Schulung oder Prüfung ist zugunsten der Prüfung, die objektiver sei, entschieden worden.

Trikes: Dürfen Pkw-Führerscheinneulinge künftig Dreiräder pilotieren?

Wer nach dem 19. Januar seinen Pkw-Führerschein macht, darf keine Trikes und Dreiradroller mehr fahren, sondern braucht dazu eine A-Lizenz. Für Dreiradroller bis 15 kW genügt der A1. Wer mit schnelleren Dreirädern unterwegs sein will, benötigt künftig den offenen A und ein Mindestalter von 21 Jahren. Bislang war das anders: -Gemäß deutscher Zulassungsverordnung hat der Piaggio MP3 mit einer Spurbreite von 465 Millimetern und einer zusätzlichen Fußbremsanlage als zweispuriges Fahrzeug zu gelten und kann von Inhabern der Pkw-Lizenz-, die vor dem 19. Januar beantragt wurde, auch weiterhin bewegt werden.

Neues Führerscheinrecht 2013

Wer seinen Führerschein vor dem 19. Januar erworben hat, ist im Vorteil - Wer seinen Führerschein vor dem 19. Januar erworben hat, ist im Vorteil - bis Januar 2033 gültig.  

Foto: Archiv  

Gültigkeit der Dokumente: Muss ich meinen alten Lappen umtauschen?

Wer seinen Führerschein vor dem 19. Januar erworben hat, ist im Vorteil. Denn sowohl die alten Lappen, ob grau oder rot, als auch die Plastikkarten, die vor dem 19. Januar ausgefertigt sind, gelten bis Januar 2033. Erst in 20 Jahren müssen diese Führerscheine gegen die einheitliche EU-Karte im Scheckkartenformat ausgetauscht werden. Dagegen sind die nach dem 18. Januar ausgestellten Dokumente nur noch 15 Jahre gültig, mindestens also bis 2028. Nach -Ablauf der Frist muss der Führerscheininhaber ein neues Dokument beantragen. In Deutschland bekommt jeder ohne Eignungs- oder Gesundheitsprüfung erneut einen Führerschein. Bislang existieren in der Europäischen Union rund 110 Führerscheinformate.

Sonstiges: Was ändert sich noch?

Die neue Richtlinie sieht keine Anhänger mehr in den Motorradklassen vor. Wer vor dem 19. Januar 2013 seinen Führerschein gemacht hat, darf weiterhin seinen Anhänger ziehen. Gespanne fallen allerdings unter die Kategorie Motorräder.

Was noch offen ist: Es existieren Übergangsregelungen, die den Führerschein vom Datum des Antrags und nicht dem der Erteilung abhängig machen. Doch ein Beschluss zu einheitlichen Schlüsselzahlen in den EU-Führerscheinen, die solche Einschlüsse oder Abweichungen in Sonderfällen beweisen können, steht noch aus. Schließlich ist bis 19. Januar noch ein wenig Zeit, und der Bundesrat entscheidet voraussichtlich kurz vor Weihnachten über die Vorlage.


DIESEN ARTIKEL KOMMENTIEREN 


  • Marke

    Lade...

  • Modell

    Bitte Marke auswählen!

Aktuell aus dieser Rubrik
Tödliches Hindernis Mähdrescher

Tödliches Hindernis Mähdrescher Besondere Vorsicht während der Erntezeit

Polizei stoppt Trike mit Wohnwagen

Polizei stoppt Trike mit Wohnwagen Gehörnter Trike-Fahrer auf der Autobahn