Reportage: Wechselkennzeichen Neuigkeiten bei Kennzeichen

Wir wechseln zum Wechselkennzeichen. Sagt der Verkehrsminister. Kann er das so einfach? Ist es bloß eine unverbindliche Absichtserklärung, oder steckt tatsächlich mehr dahinter? Und was bringt es für Motorradfahrer?

Foto: Sdun

Mal ist Vulkanasche sein Thema, mal kaputte ICE-Klimaanlagen, mal der Moped-Führerschein ab 15 - stets findet Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) deutliche Worte, bezieht klar Stellung. Und manchmal überrascht er damit auch. So wie mit seiner im Februar 2010 erstmals öffentlich vorgetragenen Forderung nach dem Wechselkennzeichen. Es soll ermöglichen, abwechselnd mehrere Fahrzeuge zu bewegen, wobei nur für eines dauerhaft Steuer und Versicherung zu zahlen sind. Also die flotte Feierabendrunde mit der Fireblade, sonntags gemütlich cruisen mit Heidi und der Harley, und zu besonderen Anlässen wird die alte SR 500 mal wieder angekickt - alles mit ein und demselben Nummernschild, mal eben schnell umgeschraubt. Seit rund 20 Jahren fordern die deutsche Motorradindustrie, Fahrerverbände und auch MOTORRAD genau das immer wieder. Plötzlich scheint es greifbar. Nur: Was genau kommen soll, weiß noch niemand.

Fest steht bisher bloß, dass eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe in Berlin die verkehrsrechtlichen Rahmenbedingungen der Ramsauer-Initiative vorbereitet. "Hier werden unter anderem die genauen Zulassungskriterien festgelegt oder auch, wie Verstöße geahndet werden", sagt Vera Moosmayer, Pressesprecherin des Verkehrsministers. Der Minister selbst sagt seit Juni dazu: "Bis zum Jahreswechsel wollen wir unser Ziel (die Einführung, Red.) erreichen". Er sagt aber auch: Das Wechselkennzeichen soll "einen Anreiz für jene schaffen, die sich zum Beispiel ein Elektroauto kaufen wollen." Also Wechsel ja, aber nur zwischen Turbo-Diesel und E-Mobil? Nach dieser Aussage möglich, aber nicht wahrscheinlich. Zum Thema Motorräder heißt es aus der Pressestelle des Ministeriums bisher bloß, dass zwar "Elektroautos und andere emissionsarme Fahrzeuge im Zentrum der geplanten Erleichterungen stehen", Motorräder aber "in die Überlegungen mit einbezogen" sind. Konkreteres "in Kürze". Unwahrscheinlich ist, dass es auch eine Wechselmöglichkeit zwischen Auto und Motorrad geben wird, schon allein "auf Grund der unterschiedlichen Kennzeichen-Größe".

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Foto: www.peter-ramsauer.de

Zu weiteren Einzelheiten tappt auch der ADAC noch im Dunkeln: "Wir fordern, dass Auto- und Motorradfahrer auch mit ihren normalen Fahrzeugen in den Genuss der neuen Regelung kommen können", erklärt Sprecherin Katharina Bauer für den 17 Millionen Mitglieder starken Club. Und sie sagt auch: "Bisher ist die Einführung nur eine Absichtserklärung, noch ist nichts entschieden." Stimmt. Denn der Bundesrat muss den Änderungen, so sie denn bald vorliegen, erst zustimmen. Er kann sie aber genauso auch verwerfen.

"Das Thema kommt, wenn auch erst Mitte 2011." Eine so konkrete Prognose wagt Christian Lübke, Sprecher des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). Mit den Versicherungen muss die Politik schließlich die praktischen Details klären. Und "genau das passiert zur Zeit", sagt Lübke. Fazit: Noch ist nichts entschieden, doch es kann sein, dass deutsche Motorradfahrer schon in einigen Monaten dieselben Möglichkeiten haben wie Schweizer und Österreicher bereits seit etlichen Jahren. Zeit wäre es - Zeit zu wechseln.

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Kennzeichenkunde

Es gibt bereits verschiedene Sonderkennzeichen. Nicht alle eignen sich auch für Motorräder.

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Saison-Kennzeichen

Motorrad ist nur zwischen den aufgedruckten Monaten angemeldet. Vorteil: Behördengänge fallen weg. Nachteil: Kennzeichen wird größer, Bike darf im Abmeldezeitraum nur auf Privatgrund stehen.

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Rote Nummer

Händler-/Werkstatt-Kennzeichen (06) oder Oldtimer-Kennzeichen (07). Vorteile: Für viele Fahrzeuge verwendbar, kein TÜV, keine Zulassung. Nachteil: Fahrtenbuchpflicht, nur Test-, Überführungsfahrten.

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Kurzzeit-Kennzeichen (Überführungskennzeichen)

Gilt für Probe- und Überführungsfahrten. Vorteil: kein TÜV nötig, keine Abmeldung. Nachteil: Gilt nur maximal fünf Tage, nicht wie Rote Nr. auf andere Fahrzeuge übertragbar.

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Oldtimer-H-Kennzeichen

Für originale Fahrzeuge ab 30 Jahren Alter, kostet für Motorräder pauschal 46 Euro Kfz-Steuer im Jahr. Bringt kaum Vorteile, da sich Steuervergünstigung erst ab 700 Kubik minimal auswirkt.

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