Oberhalb von tausend Metern wird die Lebensader in Form von freiem Asphalt immer schmaler.

Szene: Winterreifen - die unerfüllbare Pflicht Politische Rutschpartie

Seit einem Jahr herrscht "situative Winterreifenpflicht" - auch für Motorräder. Nur Winterreifen gibt es immer noch nicht.

Foto: Eisenschink
Oberhalb von tausend Metern wird die Lebensader in Form von freiem Asphalt immer schmaler.
Oberhalb von tausend Metern wird die Lebensader in Form von freiem Asphalt immer schmaler.

„Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ darf ein Kraftfahrzeug nur mit Winterreifen gefahren werden.

So steht es seit November 2010 in Paragraf zwei der Straßenverkehrsordnung. Hatte es unmittelbar nach Einführung dieser situationsabhängigen („situativen“) Winterreifenpflicht noch Diskussionen gegeben, ob sie denn auch für Motorräder gelte, stellte das Verkehrsministerium Anfang 2011 klar: Sie gilt. Ohne Wenn und Aber.  Ob es überhaupt Winterreifen für Motorräder gibt oder nicht, spielte dabei keine Rolle. Wer bei den genannten Straßenverhältnissen ohne Reifen mit M+S-Kennung („Matsch und Schnee“) erwischt wird, zahlt 40 Euro. Und einen Flensburg-Punkt gibt‘s dazu.

Unabhängig voneinander haben MOTORRAD und der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) jetzt bei der Reifenindustrie nachgefragt, ob sich nach einem Jahr Winterreifenpflicht am bisher praktisch nicht vorhandenen Angebot von Winterreifen für moderne Motorräder etwas geändert hat. Bridgestone-Sprecher Tim Röthig brachte es gegenüber MOTORRAD auf den Punkt: „Es gibt von uns keine M+S-Reifen für Motorräder und/oder Roller. Ich wüsste auch nicht, dass in naher Zukunft etwas geplant ist.“ Und auch sonst - Fehlanzeige, abgesehen von Hersteller Heidenau, der zwei Motorrad-Winterreifenmodelle (K 60, K 61) mit weicher Silica-Mischung, grobem Profil und Lamellen im Programm hat (Foto). Und über den für Großenduros lieferbaren Conti TKC 80 M+S sagt Conti-Sprecher Klaus Engelhart: „Das ist ein Gelände-, kein Winterreifen.“

Mit diesen und ähnlich negativen Aussagen war der BVDM Ende Oktober 2011 ins Bundesverkehrsministerium marschiert. Viel mehr als Achselzucken kam dabei aber bisher nicht heraus. Einzig CSU-Staatssekretär Andreas Scheuer (37 und Besitzer eines 50er-Rollers) sagte zu, sich um eine Lösung zu bemühen. Grenzt doch sein bayerischer Wahlkreis Passau an die Gemeinde Thurmansbang, die jedes Jahr von den mehreren Tausend Besuchern des vom BVDM organisierten Elefantentreffens profitiert.  Das steht durch die Winterreifenpflicht auf der Kippe.  Der gesunde Menschenverstand scheint schon verloren.

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