Verkehrsbestimmungen in der EU Andere Länder andere Sitten

Fit für die Saison? Wer in Europa mit dem Motorrad unterwegs ist, sollte sich vorher die verkehrsrechtlichen Besonderheiten unserer Nachbarn bewusst machen.

Foto: Hub

Zuerst die gute Nachricht:

Bei den Notrufnummern hat man sich innerhalb Europas tatsächlich geeinigt, dass Reisende in jedem europäischen Land mit der Nummer 112 vom Handy aus zu einer Rettungsleitstelle oder zur Polizei durchgestellt werden. Eine weitere gute Nachricht, die genauso wichtig sein kann: Trotz der geplanten Neuregelung für die deutsche Verkehrssünderkartei werden auch nach 2012 für Verkehrsverstöße im Ausland weiterhin keine Punkte in Flensburg einge-tragen - jedenfalls nach jetzigem Stand.

Jetzt die schlechte Nachricht: Seit 2012 können auch von den bislang noch fehlenden Ländern Belgien, Griechenland, Italien und Irland aus Bußgelder im Heimatland des Verkehrssünders vollstreckt werden. Weiterhin gilt: Trotzdem kassiert im Ausland die Polizei bei Verkehrsdelikten ausländischer Fahrer häufig gleich an Ort und Stelle. Angesichts dieses unangenehmen Urlaubsthemas sollte man sich informieren, welche Regelungen am jeweiligen Reiseziel gelten. Da gibt es für Motorradfahrer und Autofahrer nämlich kleine, aber oft entscheidende Unterschiede So liegt in Estland beispielsweise die Promillegrenze bei 0,0! Da könnte also -tatsächlich noch der Restalkohol von der Nacht vorher auf der Fähre ins Kontor schlagen. Oder wer weiß schon, dass in Frankreich bei Regen die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen automatisch von 130 km/h auf 110 km/h reduziert wird, oder dass auch für Motorradfahrer das Mitführen eines Alkoholtesters obligatorisch ist? Wer denkt daran, dass es in allen europäischen Ländern mit Ausnahme von Deutschland generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn gibt? In vielen Ländern Europas liegen die Strafen für Verkehrsverstöße deutlich höher als in Deutschland. Hierzulande werden für 20 km/h zu viel auf der Autobahn meistens 35 Euro fällig. Im europäischen Vergleich ist das ein Schnäppchen! In der Schweiz würde dieser Millimeter mehr am Gasgriff etwa 140 Euro kosten, in Norwegen umgerechnet sogar 465 Euro. Das Wichtigste: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

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Besonderheiten in einigen Ländern

Österreich

Auf den Autobahnen der ehemaligen Donaumonarchie gilt tagsüber Tempo 130. Zwischen 22 und 5 Uhr ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h reduziert, mit Ausnahme der A 1 von Salzburg nach Wien und auf der A 2 von Wien nach Villach. Sollte jemand bei Nacht den Überblick verlieren, wo und wann wie viel erlaubt ist: Hilft nichts, bei Übertretungen muss bezahlt werden. Auch Motorradfahrer müssen einen Verbandkasten dabeihaben. Kinder unter 12 Jahren dürfen nicht auf dem Soziussitz mitgenommen werden. Für die Autobahnen ist die Vignette vorgeschrieben. Die Zehn-Tages-Vignette fürs Motorrad kostet 4,50 Euro (www.asfinag.at). Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Wer seinen Führerschein jedoch noch keine zwei Jahre lang besitzt, darf nur bis 0,1 Promille „ankippen“.

Schweiz

Für die „besten Straßen der Schweiz“ ist die Jahresvignette vorgeschrieben. Die kostet derzeit 40 Schweizer Franken, also ca. 31,50 Euro. Im Sommer 2011 wurde im Schweizer Bundesrat darüber diskutiert, den Preis für die Vignette auf 100 Schweizer Franken anzuheben. Realisiert wurde das bis jetzt noch nicht. Für Auto- und Motorradfahrer ist eine Ersatzbrille vorgeschrieben, wobei dies erfahrungsgemäß nicht überprüft wird. Häufig kontrolliert wird jedoch, ob das Navigationsgerät vor stationären Radarkontrollen warnen kann. Das Mitführen eines solchen Gerätes wird in der Schweiz richtig teuer. Man sollte sich keine Hoffnungen machen, dass die Polizisten das Gerät nicht bedienen können. Die wurden offensichtlich darin geschult. Die Radarwarnfunktion im Navi ist übrigens in fast allen europäischen Ländern verboten. Aus keinem anderen Land wurde aber von derart häufigen diesbezüglichen Kontrollen berichtet wie aus der Schweiz. Auf der Autobahn gilt Tempo 120. Erlaubt sind 0,5 Promille. In der Schweiz gibt es „Bergpoststraßen“, erkennbar am blauen viereckigen Verkehrsschild mit gelbem Posthorn darin. Auf diesen Strecken haben Linienbusse der Schweizer Post immer Vorrang.

Norwegen

Die Promillegrenze liegt in Europas Norden bei nur 0,2. Ebenso niedrig - wahrscheinlich, um einen Elchtest zu vermeiden - ist die reguläre Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen: nur 90 km/h. An manchen Stellen erlauben Verkehrsschilder eine höhere Geschwindigkeit.

Schweden

Promillegrenze liegt auch nur bei 0,2, aber die schwedischen Elche waren wohl schon in der Verkehrserziehung. Deshalb darf man auf der Autobahn auch stattliche 120 km/h schnell fahren. Übrigens: Eine schwedische „Meile“ ist zirka 10 Kilometer lang!

Finnland

Promille 0,5, Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen 120 km/h.

Dänemark

Beim Alkohol im Blut sind ebenfalls 0,5 Promille erlaubt, und auf der Autobahn geht’s noch schneller zu: 130 km/h darf der Tacho in Dänemark anzeigen.

Estland

Entzug auf Estnisch: Nix Wodka, die Promillegrenze liegt bei 0,0! Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen ist 110 km/h. Und: Fahranfänger, das heißt alle, die ihren Führerschein kürzer als zwei Jahre besitzen, dürfen maximal 90 km/h schnell fahren.

Lettland

0,2 Promille, auf der Autobahn sind 110 km/h erlaubt.

Litauen

Weiter südlich im Baltikum darf man wieder mehr trinken: bis 0,4 Promille. Das Tempolimit auf Autobahnen ist jahreszeitlich gestaffelt. Von November bis März nur 110 km/h, von April bis Oktober tut mehr Fahrtwind gut: 130 km/h dürfen’s sein. Aber: Wer seinen Führerschein noch nicht länger als zwei Jahre besitzt, darf in Litauen nirgendwo schneller als 70 km/h fahren. Im Baltikum gibt es autobahnähnliche Straßen mit zwei Fahrspuren für jede Fahrtrichtung. Diese gelten als Autobahnen, sind aber nicht mit deutschen Fernstraßen vergleichbar! Denn auch auf diesen Straßen kann es Bushaltestellen oder Zebrastreifen geben. Hier dürfen alle Fahrzeuge - inklusive Pferdefuhrwerke - diese gut ausgebauten Straßen benutzen. Des Weiteren ist die Ampelschaltung in den baltischen Staaten anders als im übrigen Europa: Was für unsere Verhältnisse Gelb ist, ist im Baltikum ein blinkendes Grün. Bei Gelb darf die Kreuzung nicht mehr überquert werden.

Belgien

Auch Motorradfahrer müssen eine Warn-weste mitführen, ansonsten keine Besonderheiten. 0,5 Promille sind erlaubt. Auf der Autobahn gilt die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

Niederlande

Gleiches gilt im Nachbarland Holland: auf der Autobahn maximal Tempo 120. Kompliziert wird’s bei der Promillegrenze: normalerweise 0,5, aber: Für alle, die ihre Führerscheinprüfung vor weniger als fünf Jahren abgelegt haben, und für alle Zweiradfahrer unter 24 Jahren sind nur 0,1 Promille erlaubt.

Frankreich

In Frankreich darf man auf der Autobahn mit 130 km/h unterwegs sein. Bei Nässe und für alle, die ihren Führerschein kürzer als zwei Jahre besitzen, gilt diese besondere Regel: nur 110 km/h! Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Auf fast allen französischen Autobahnen wird Maut verlangt (Péage). Ab dem 1. Juli 2012 ist jeder Halter eines Kfz verpflichtet, ein neues Alkoholtestgerät mitzuführen. Das gilt auch für Ausländer. Die Geräte gibt es für wenig Geld an Tankstellen etc. Wer keinen Tester hat, zahlt ab November 2012 ein Bußgeld von elf Euro.

Großbritannien

Jetzt wird’s reichlich ungewohnt! Denn im Königreich fährt man links! Das sollte man nicht unterschätzen, denn man muss z. B. auch in höchst ungewohnter Weise nach links in einen „Roundabout“ (Kreisverkehr) einbiegen. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind in Meilen angegeben. Wer mit Navi fährt, sollte dieses auf die Maßeinheit Meilen umstellen, um ohne Umrechnen immer zu wissen, ob er im erlaubten Bereich fährt. Innerorts 48 km/h (30 Meilen), außerorts 96 km/h (60 Meilen), auf den Autobahnen 112 km/h (70 Meilen).

Italien

Auf der Autobahn darf man 130 km/h fahren. Zweiräder mit weniger als 150 Kubikzentimeter Hubraum sind auf Autobahnen nicht erlaubt, egal, wie schnell sie fahren können. Die Promillegrenze liegt bei 0,5, für Personen unter 21 Jahren oder für Fahranfänger bei 0,0. Auf fast allen Autobahnen Italiens muss Maut bezahlt werden. Wie viel das ist, sieht man auf www.autostrade.it

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Foto: ADAC
Beträge in Euro (gerundet); MV = Nettomonatsverdienst, TS = Tagessatz (Strafberechnung nach Monatsverdienst, in Finnland: maximal 120 TS); * = Für Fahranfänger und Berufskraftfahrer gelten teilweise niedrigere Promillegrenzen; ** = Mindestbußen tagsüber, nachts (22–7 Uhr) um ein Drittel höhere Bußgelder; ähnliche Strafen wie für Alkohol werden in vielen Ländern für Drogen am Lenker verhängt. Außerdem Führerscheinmaßnahmen und bei schweren Fällen unter Umständen auch Freiheitsstrafen; Angaben ohne Gewähr, Stand: März 2012, Quelle: ADAC
Beträge in Euro (gerundet); MV = Nettomonatsverdienst, TS = Tagessatz (Strafberechnung nach Monatsverdienst, in Finnland: maximal 120 TS); * = Für Fahranfänger und Berufskraftfahrer gelten teilweise niedrigere Promillegrenzen; ** = Mindestbußen tagsüber, nachts (22–7 Uhr) um ein Drittel höhere Bußgelder; ähnliche Strafen wie für Alkohol werden in vielen Ländern für Drogen am Lenker verhängt. Außerdem Führerscheinmaßnahmen und bei schweren Fällen unter Umständen auch Freiheitsstrafen; Angaben ohne Gewähr, Stand: März 2012, Quelle: ADAC

Bußgelder im Ausland

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