Zwischenbericht: begleitetes Fahren mit 17 Führerschein mit 17

Foto: Fuchs
Seit vielen Jahren ist bekannt, dass die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen im Straßenverkehr besonders gefährdet ist – sie verursachen rund ein Viertel aller Unfälle mit Personenschaden und jeden dritten Unfall mit Todesfolge. Das so genannte "begleitete Fahren mit 17" (BF17) soll dazu beitragen, die Verkehrssicherheit der jungen Fahrerinnen und Fahrer zu erhöhen und dadurch die Unfallquoten zu senken. Bei dem bundesweiten Projekt können schon 17-Jährige den Führerschein machen, unter der Voraussetzung, dass stets eine erfahrene Begleitperson dabei ist, wenn sie sich hinter das Steuer setzen. Insgesamt nahmen schon über 320000 junge Menschen an dem Modellprojekt teil – mit nachweisbarem Erfolg.


Niedersachsen startete im April 2004 als erstes Bundesland mit dem BF17-Projekt und kann erste positive Ergebnisse vermelden: Die Teilnehmer von BF17 begingen 22,7 Prozent weniger Verkehrsverstöße und verursachten 28,5 Prozent weniger Unfälle als die normalen Fahranfänger. Dies zeigt eine Begleitstudie der Universität Gießen. Je länger die Begleitphase dauere, desto mehr profitiere der Fahranfänger durch die Begleitperson. Auch Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) kann Erfreuliches berichten: "Die Erfahrungen, die mit BF17 gemacht wurden, sind bislang positiv. Das Projekt wird sowohl von den Jugendlichen als auch von den Begleitpersonen – das sind meistens die Eltern – gut angenommen. Auch die Unfallzahlen nehmen tendenziell ab. Hier ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht das begleitete Fahren an sich für verringerte Unfallzahlen sorgt, sondern die verlängerte Lernzeit von einem Jahr. Ein abschließendes Resultag gibt es bislang für Deutschland aber noch nicht – dazu ist es einfach noch zu früh."
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Der Begleitperson kommt bei dem Projekt eine besondere Rolle zu, denn sie soll dazu beitragen, dass sich die jungen Leute von Anfang an eine verkehrsgerechte, defensive Fahrweise aneignen und Anfängerfehler vermieden werden. Der Vertreter des DVR erklärt: "Es geht darum, dass Jugendliche, die gerade den Führerschein gemacht haben, nicht allein gelassen werden. Die Begleitung soll sozusagen eine "dämpfende Wirkung" ausüben. Es soll verhindert werden, dass die jungen Leute mit allen Risiken gleichzeitig konfrontiert werden und kritische Situationen alleine bewältigen müssen." Dazu gehörten beispielsweise Gefahrensituationen, die durch zu hohe Geschwindigkeit entstehen oder auch jugendliche Beifahrer, die versuchten, auf den Fahrer einzuwirken. Als Begleitfahrer in Frage kommen nur Personen, die über 30 Jahre alt sind, nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben und mindestens seit fünf Jahren den Führerschein Klasse B besitzen.

Aber nicht nur den Fahranfängern gibt das Fahren mit Begleitung mehr Sicherheit – auch die Eltern zeigen sich beruhigt. Außerdem ergeben sich durch das begleitete Fahren weitere positive Nebeneffekte: "Die Eltern erleben durch ihre Funktion als Beifahrer eine Art Auffrischungskurs in Sachen Verkehrssicherheit. Sie fangen an, eigene – vielleicht schlechte – Gewohnheiten zu hinterfragen und ihr eigenes Verhalten zu überdenken. Generell wird in den Familien auch wieder mehr über Verkehrssicherheit gesprochen", weiß Schulte.


Der Modellversuch BF17 endet im Jahr 2010. Kay Schulte sieht die Zukunft des Projekts jedoch positiv: Wenn es sich so weiterentwickle wie bisher, könne das Modell danach problemlos weitergeführt werden.

Ein weiteres Modell, das jungen Fahrern zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr verhelfen soll, ist das so genannte "Fortbildungsseminar für Fahranfänger", oder kurz FSF. "In diesen Kursen geht es darum, dass Fahranfänger, die seit mindestens sechs Monaten den Führerschein haben, ihre eigenen Erfahrungen im Straßenverkehr diskutieren und hinterfragen. Im Seminar, das aus verschiedenen theoretischen und praktischen Elementen besteht, wird dann herausgearbeitet, wo die potenziellen Risiken liegen", erklärt der DVR-Experte. "Ideal ist natürlich eine Kombination aus beiden Modellen – begleitetes Fahren auf der einen und die Fortbildungsseminare auf der anderen Seite. In anderen europäischen Ländern wie Österreich oder Finnland ist beides sogar verpflichtend – in Deutschland wird die Teilnahme aber wohl weiterhin freiwillig bleiben."

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