Test: Tourensportreifen Tourensportreifen im Vergleich
Langlebige Tourensportreifen werden bei Sportfahrern immer beliebter.
PS prüfte zwei Neuheiten und zwei Größen des Segments.
In diesem Artikel:
Honda CBR 600 RR
Nasstest: Auf der 1623 Meter langen Strecke müssen die Reifen sich bei permanenter Bewässerung beweisen.
Foto: Jahn
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Tourensportreifen auf Supersportler zu spannen galt lange als uncool. Gewagt haben es nur jene, die jahrelang selbstbewusst mit jungfräulichen Knieschleifern auf GSX-R und Co unterwegs waren. Oder mit ganz schmalem Geldbeutel.
Alle, die etwas dagegen hatten, bekrittelten immer gern, dass diese Kategorie Reifen nicht genug Grip für die sonntägliche Heizerei mit den „Jungs“ bieten. Nicht zuletzt dieser PS-Test führt dieses Vorurteil ad absurdum. Seit über einer halben Dekade haben Tourensportreifen rein gar nichts mehr mit dem alten „Holzreifen“-Image zu tun, das ihnen von den Hardcore-Fräsern angedichtet wird. Im Gegenteil: Diese zähen Gummis bieten mittlerweile feinsten Grip in allen Lagen, erlauben eine richtig sportliche Fahrweise und halten zudem länger durch, als reine Straßensportreifen.
Einziges Manko der Tourensportler: Bei einem Rennstreckenbesuch überhitzen sie schnell und beginnen früh Haftung zu verlieren. Für zügige Nordschleifenrunden oder genüssliches Ballern im sommerlichen Revier sind sie auf alle Fälle eine gute Wahl. Dort werden sie ihren Anforderungen vollkommen gerecht.
Die Kandidaten
Neu im Tourensportsegment sind dieses Jahr der Metzeler Z8 Interact und der Michelin Pilot Road 3. Während der Münchner Reifen knapp nach dem letzten Reifentest in PS 7/2010 präsentiert wurde, kam der Pilot Road 3 erst vor einem starken Monat auf den Markt. Der Metzeler löst den Z6 ab und präsentiert sich wie seine sportlichen Geschwister Racetec K3 und Sportec M5 mit der Interact-Technologie. Dies bedeutet, dass die Stahl-fäden in der Karkasse des Reifens abhängig von ihrer Position, also Flanke oder Reifenmitte, mit unterschiedlicher Spannung gewickelt sind.
Im Test: Continetal Road Attack 2, Dunlop Roadsmart, Metzler Z8 Interact und Michelin Pilot Road 3.
Foto: Jahn
Beim Michelin Pilot Road 3 setzen die Franzosen erstmals die von ihnen entwickelte Lamellen-Technologie ein. Diese soll im Nassen erhebliche Vorteile bringen, da dank der Lamellen das Wasser auf der Straße besser durchschnitten wird und so der Reifen mehr Haftung aufbaut. Ansonsten verfeinerte Michelin die Gummimischung des Pilot Road 3 weiter, um den hervoragenden Nassgrip des Road 2 nochmals zu verbessern, ohne die Laufleistung zu verschlechtern.
Flankiert werden die Neulinge vom letztjährigen Trockentest-Sieger Continental Road Attack 2 und dem insgesamt sehr harmonischen Dunlop Roadsmart. Da der Pilot Road 3 den Dominator des Nasstests 2010, den Pilot Road 2 ablöst, haben wir auf diesen als „Nass-Referenz“ verzichtet. Erst recht, da Michelin dem Pilot Road 3 noch bessere Nass-Eigenschaften zuschreibt.
Der Test
Gefahren wurden die vier Tourensport-Paarungen auf einer 2011er Honda CBR 600 RR mit ABS in den Größen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 und mit dem von Honda empfohlenen Reifendruck von 2,5 bar vorne und 2,9 bar (kalt gemessen) hinten. Wie üblich wurden die Reifen erst auf der Trockenstrecke von ihrer oft rutschigen Trennschicht befreit und die Kaltlaufeigenschaften, also die Art, wie ein Reifen auf Temperatur kommt und wie lange er dafür braucht, beurteilt. Danach folgte der Nasstest auf der permanent bewässerten, 1623 Meter langen Bahn. Handling, Stabilität und Neutralität werden über den gesamten Kurs bewertet, während wir uns im „Omega“, einer lange bergauf führenden 180-Grad-Rechtskurve, auf die Seitenhaftung konzentriert haben. Mit sehr aussagekräftigen Ergebnissen, wie die Kurvengeschwindigkeiten im Kasten unten verdeutlichen.
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Letzter Schritt des Tests war schließlich die Beurteilung der Probanten auf der Trockenstrecke. Da Tourensportreifen gerade auf Rennstrecken wie diesem Dunlop-Gelände in Mireval/Frankreich schnell überhitzen, wurden keine Rundenzeiten zur Beurteilung herangezogen. Dafür haben wir Testfahrten, wie auf der Landstraße üblich, in forcierter, sport-licher Fahrweise durchgezogen. Das Limit lag bei fünf flotten Runden am Stück, um besagtes Überhitzen und damit ein Verfälschen der Testergebnisse zu verhindern. Auf den großen, 4500 Kilometer umfassenden Verschleißtest des letzten Jahres (siehe PS 7/2010) haben wir diesmal wegen des übersichtlichen Testfeldes verzichtet.
Die Ergebnisse
Im Trockentest kann sich der Continental Road Attack 2 wie letztes Jahr toll in Szene setzen. Er fährt sich auf der ohnehin agilen Honda sehr handlich und zielgenau und ist frei von jedweder Nervosität. Der unhandlichere Dunlop Roadsmart benötigt mehr Druck beim Einlenken als der Conti oder Michelin, überzeugt dafür ab dem ersten Grad Schräglage mit tollem Feedback und hoher Stabilität. Metzelers Z8 ist dem Dunlop Roadsmart sehr ähnlich. In Sachen Stabilität sind sie ebenbürtig, der Dunlop liefert aber die klarere Rückmeldung. In einer eigenen Liga spielt der Michelin Pilot Road 3. Wie schon sein Vorgänger gefällt der Franzose auf fast allen großen oder behäbigen Motorrädern. Auf der handlichen Honda sorgt die handlingsfördernde Geometrie des Road 3 aber für eine unschöne Überraschung. Der Reifen verhält sich in Schräglage nicht neutral, will sogar tiefer in Schräglage kippen als nötig. Der Effekt: Die Linie muss ständig korrigiert werden. Im Nassen dann die Wandlung: Da hier nicht die großen Schräglagen gefahren werden, schwimmt der Pilot Road 3 wieder auf und davon, glänzt mit bester Rundenzeit und höchster Kurvengeschwindigkeit sowie dem kürzesten Bremsweg. Während Dunlop und Metzeler im Nassen nur knapp getrennt voneinander ins Ziel kommen, planscht der Conti mühsam hinterher. Ihm fehlt es bei Nässe schlicht an Haftung. Was zwei große Nachteile mit sich bringt. Die Rundezeit des Conti ist über acht Sekunden langsamer, als die des Michelins. Schlimmer wiegt aber, dass sein Bremsweg bei einer Vollbremsung aus 100 km/h bis zum Stillstand um erschreckende 5,4 Meter länger ist.