Amateur-Rallyes

Reif für die Ralley

Wer in seiner Fantasie bereits zum x-ten Mal die Dakar gewonnen hat, ohne jemals bei einer Rallye gestartet zu sein, kommt eines Tages an den Punkt, an dem er es endlich wissen will: Es ist Zeit für die erste Rallye.

Foto: Künstle
Stecken geblieben, jetzt helfen nur noch Zuschauer.
Stecken geblieben, jetzt helfen nur noch Zuschauer.
Endlich mit anderen Infizierten nach Roadbook und Zeitvorgaben durch die Botanik preschen, Sonderprüfungen absolvieren und sich gegenseitig aus der Patsche ziehen. Mann gegen Mann und alle gegen den Schweinehund – wenn diese Gedanken bereits für feuchte Hände sorgen, ist es erfahrungsgemäß bis zur ersten Rallye nicht mehr weit. Die im folgenden genannten Veranstalter haben großes Verständnis für Wünsche dieser Art. Mit Ausnahme der »Berlin-Breslau«, der »Libya Desert Challenge« und der »Red Bull Romaniacs« richten sich alle Events auch an Rallye-Einsteiger. Also an Piloten, die bereits über Offroad-Erfahrung verfügen, nun aber den nächsten Schritt wagen und ihr Können unter »Rallye-Bedingungen« ausprobieren wollen. Gelände-Novizen sind bei allen Events definitiv falsch. Denen sei vorab unbedingt ein mehrtägiges, professionell geführtes Enduro-Training empfohlen, um das Fahren im Groben erst einmal zu lernen.

Grundsätzlich können die genannten Rallyes mit jeder gängigen, straßenzugelassenen Enduro bestritten werden. Bedingt kommen sogar Zweizylinder-Dickschiffe in Frage (zum Beispiel bei der »Alto Turia«), der Fahrspaß hört mit diesen Schwergewichten im ersten Flussbett oder Schlammloch allerdings schlagartig auf. Neben den entsprechenden Reifen müssen für alle Veranstaltungen nun nur noch ein Roadbookhalter und ein Tripmaster montiert werden, bevor man auf die Startrampe rollt. Ob GPS-Empfänger gestattet oder gar erforderlich sind, ist neben weiteren Detailinformationen, in den Ausschreibungen der jeweiligen Veranstalter zu erfahren.

In Sachen Bekleidung sind Brustpanzer, Ellenbogenprotektoren und Knieschützer unter einer in wärmeren Gefilden leichten, luftigen Jacke und Hose obligatorisch. Heißt das Ziel Polen oder Rumänien, müssen wasserdichte Klamotten her. Die Endurostiefel sollten zudem über eine sehr feste Sohle und stabile Protektoren verfügen. Wegen der besseren Luftzirkulation kommt bei Rallyes nur ein Enduro-Helm mit Schutzbrille in Frage.
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Adressen für Enduro-Trainings

Offroad-Trainings sind für Einsteiger wie für Fortgeschrittene ein absolutes Muss, bevor es an den Start einer Rallye geht. Hier eine Auswahl.
Baboons Enduro-Training GmbH
Sommerhausstraße 1
91757 Treuchtlingen-Dietfurt
Telefon 09141/901890
www.baboons.de
Trainings für Einsteiger und Fortgeschrittene

BMW AG
Telefon 0180/5001972;
www. bmw-motorrad.com/travelpoint
Trainings für Einsteiger, Fortgeschrittene und Frauen

Dirt4fun
Guido Lindenau
Limpericher Straße 1a
53225 Bonn
Telefon 0228/479501
www.dirt4fun.de
Trainings für Einsteiger, Fortgeschrittene und Frauen

Endurofun Tours
Postfach 43
25710 Burg/Dithmarschen
Telefon 04825/923738
www.endurofuntours.de
Trainings für Einsteiger und Fortgeschrittene

MOTORRAD action team
Leuschnerstraße 1
70174 Stuttgart
Telefon 0711/182-1977
www.actionteam.de
Trainings für Einsteiger und Fortgeschrittene

KTM-Sportmotorcycle AG
Stallhofnerstraße 3
A-5230 Mattighofen
Telefon 0043/(0)7742/6000-153
www.ktm.at
Trainings für Einsteiger und Fortgeschrittene

Teambuctou
Uta Baier, Andrea Mayer
Kampfrain 2
84166 Adlkofen
Telefon 07652/9190961
www.teambuctou.de
Trainings für Einsteiger, Fortgeschrittene und Frauen

Trail+Trial
Manfred Schiemer
Dießener Straße 46
86935 Rott
Telefon 08869/93256
www.trail-trial.de
Trainings für Einsteiger, Fortgeschrittene und für Fahrer von Reiseenduros

Wunderlich GmbH
Kranzweiherweg 12
53489 Sinzig
Telefon 02642/97890
www.wunderlich.de/wtta/ardeche.html
Enduro-Training mit DM-Meister Dirk Thelen

Berlin-Breslau

Sie gehört zweifellos zu den großen Offroad-Abenteuern mitten in Europa: Die knallharte Berlin-Breslau stellt höchste Ansprüche an Fahrkönnen und Kondition.
Sand, Schlamm und unzählige Flussdurchfahrten – wer darauf steht, bereits über reichlich Offroad-Erfahrung verfügt und fit wie ein Turnschuh ist, sollte über eine Teilnahme an der inzwischen 12. Ausgabe der Berlin-Breslau nachdenken. Da geht’s durch wüstenähnliche Sandfelder, ehemalige Tagebauwerke, dichten Wald und über polnische Truppenübungsplätze. Zehn oder zwölf Stunden im Sattel? Patschnass und verdreckt bis zum Gehtnichtmehr? Und dann noch mitten im Sumpf den Hobel anschieben oder in der Nacht endlos schrauben? Das muss man mögen. Navigation sollte bei den ellenlangen Tagesetappen ebenfalls kein Fremdwort sein, wenn man sich in der – man glaubt es kaum – schier undurchdringlichen Botanik im westlichen Polen einigermaßen zurechtfinden will. Diese extrem sportlich orientierte Veranstaltung verlangt definitiv alles. Und belohnt grandios: Wer durchhält, hat seinen inneren Schweinehund ein für alle Mal niedergerungen und ein großes Abenteuer bestanden. Das Nenngeld umfasst neben der Startgebühr die Verpflegung und einen Platz in den einfachen Camps.

Termin: 24. 6. bis 1. 7. 2006 lNenngeld: 830 Euro pro Fahrer und Motorrad, Infos: Breitengrad Sport und Werbe GmbH, Bahnhofstraße 4, 87739 Breitenbrunn, Telefon 08263/1526, Internet: www.breitengard.com

Pyrenäen Rallye

Geht ebenfalls längst als Klassiker für motivierte Enduristen durch: die Pyrenäenrallye, die seit vielen Jahren auf überaus anspruchsvollem Terrain in dem nordspanischen Gebirgszug ausgetragen wird.
Selbst erfahrene Offroad-Piloten sind regelmäßig überrascht, mit was für Strecken die nordspanischen Pyrenäen zwischen Figueras und Andorra aufwarten. Der Wahlspanier Christoph del Bondio scheint inzwischen jeden Pfad in diesem Gebirge zu kennen und führt den in neun Klassen eingeteilten Tross während der sechstägigen Veranstaltung per Roadbook über Gebirgspisten und Waldpfade. Flussdurchquerungen, rutschige Felspassagen, steile Auf- und Abfahrten – alles drin. Täglich werden rund 300 Kilometer abgespult. Die Pyrenäenrallye lockt in erst Linie also sportlich orientierte Piloten. Aber auch Fahrer mit Zweizylinder-Dickschiffen sind willkommen, da allzu enge Passagen umfahren werden können. Ein Roadbookhalter und entsprechende Kenntnisse müssen vorhanden sein. Das Nenngeld enthält neben der Startgebühr die Kosten für sieben Übernachtungen, Abendessen und Frühstück. Mietmotorräder (Suzuki DR Z 400 S) sind verfügbar. Eine spannende Alternative für Enduristen ohne sportliche Ambitionen: die ebenfalls von del Bondio organisierte, 1500 Kilometer weite Roadbook-Tour »Transpyrenäica«, die auf kleinsten Wegen einmal der Länge nach durch dieses fantastische Gebirge führt.

Termin: 1. 10. bis 7. 10. 2006 lNenngeld: 900 Euro pro Person und Motorrad, Infos: CdB Event GmbH, Elzerberg 19, 82541 München, Telefon 089/7454483, Internet: www.delbondio.de.

El Chott

Die in Tunesien ausgetragene »El Chott« findet in diesem Jahr bereits zum 22. Mal statt und gilt längst als Klassiker für Amateure.
Die gut organisierte »El Chott« richtet sich in erster Linie an sportlich orientierte Rallye-Einsteiger, die – was ohnehin für alle vorgestellten Events gilt – über eine gewisse Offroad-Erfahrung sowie über eine gute Kondition verfügen sollten. In diesem Jahr lockt der Veranstalter Offroad Pro mit neuen, attraktiven Strecken in den Dünenfeldern im Süden Tunesiens, es steht folglich viel Sand auf dem Programm, was ganz oben auf der Wunschliste sämtlicher Wüstenfans rangiert. Wem während der zehntägigen Veranstaltung bei einer Prüfung einmal die Dünen zu hoch sein sollten, kann einzelne Etappen auch unterbrechen oder umfahren, ohne aus der Wertung zu fliegen. Die »El Chott« lässt sich mit jeder gängigen Einzylinder-Enduro bewältigen, gefahren wird nach Roadbook, und es besteht zusätzlich die Möglichkeit, den Rallyetross mit einem Tourguide gänzlich außerhalb der Wertung zu begleiten und dennoch von der aufwendig organisierten Logistik zu profitieren. Im Nenngeld sind die Fähre von Genua nach Tunis sowie die Übernachtung und Verpflegung in den Rallyecamps inbegriffen.

Termin: 28. 10. bis 11. 11. 2006 lNenngeld: 1307 Euro pro Fahrer und Motorrad, Infos: Offroad Pro Rallye & Event Management GmbH. Aiblinger Anger 5, 85560 Ebersberg, Telefon 08092/87865, Internet: www.offroad-pro.de.

Rallye Trail

Keine Rallye, aber gleichwohl ein Tipp für ambitionierte Offroad-Fans: der »Rallye Trail«, der bei Senftenberg ausgetragen wird und bei dem es drei Tage lang um Tempo wie um Geschicklichkeit geht.
Nach drei Veranstaltungen war klar: der »Rallye Trail« trifft den Nerv der heimischen Offroad-Szene, egal, ob auf einer Enduro, im Quad, im Geländewagen oder im Lkw unterwegs. Drei Tage lang ist in einem ehemaligen Braunkohle-Tagebauwerk bei Senftenberg schwer was los. Rallye-Einsteiger im Sattel einer straßenzugelassenen Enduro sind dabei herzlich willkommen, sofern sie in der Lage sind, tiefe Sandpassagen oder extrem steile Auf- und Abfahrten zu meistern – wer hier durchkommt, braucht sich vor den Dünen der Sahara nicht mehr zu fürchten. Neben diversen Sektionen, bei denen möglichst schnelle Rundenzeiten entscheidend sind, stehen auch einzelne Trail-Passagen auf dem Programm. Es geht also um Tempo wie um Geschicklichkeit – und um jede Menge Spaß und Action. Roadbook und Tripmaster sind für diese Veranstaltung nicht erforderlich. Das Nenngeld beinhaltet neben der Startgebühr die Benutzung des Camps auf dem Gelände.

Termin: 28. 4. bis 1. 5. 2006, Nenngeld: 170 Euro pro Fahrer und Enduro, Infos: Offroad Pro Rallye & Event Management GmbH, Aiblinger Anger 5, 85560 Ebersberg, Telefon 08092/87865, Internet: www.offroad-pro.de.

Red Bull Romaniacs

Die dritte Ausgabe der Red Bull Romaniacs wird wieder mit extrem schwierigen Strecken in den Karpaten und einem namhaften Starterfeld aufwarten. Versierte Amateure sind hier trotzdem richtig.
Die Streckenwahl von Veranstalter Martin Freinademetz (Ex-Snowboard-Weltmeister und Wahl-Rumäne) durch die südlichen Karpaten in Rumänien führt selbst Starpiloten wie Cyril Despres, Alfi Cox oder Christian Pfeiffer an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Knifflige Trialeinlagen oder extrem steile Auf- und Abfahrten über rutschigen Grund sorgen für viel Kurzweil. Amateure (keine blutigen Anfänger!), die jeweils paarweise als Team starten, bewegen sich hingegen auf einem entschärften Kurs, dürfen jedoch ständig die Nähe zu den Profis und natürlich sämtliche Vorteile einer sehr gut organisierten Veranstaltung genießen. Richtig zur Sache geht’s bei dieser ganz klar sportlich orientierten Rallye dennoch für alle Teilnehmer: Neben diversen Sonderprüfungen wühlt sich der Tross sechs Tage GPS-geführt auf Sportenduros (definitiv nix für Zweizylinder) ausschließlich im Rennmodus durch die Botanik – unterm Strich rund 1300 Kilometer weit. Das Nenngeld beinhaltet unter anderem sämtliche Übernachtungen und das Benzin. Interessierte sollten sich jetzt schon die für 2007 geplante Ausgabe vormerken lassen, da die diesjährige Veranstaltung nahezu ausgebucht ist.

Termin: 13. bis 19. August 2006, Nenngeld: 1080 Euro, Infos: Martin
Freinademetz (martin@xventure.net), Internet: www.redbullromaniacs.com.

Enduro Mania

Querfeldein durch die Karpaten – in Rumäniens wilder und bisweilen unzugänglicher Bergwelt kommt für Einsteiger wie für erfahrene Enduristen echtes Offroad-Feeling auf.
Das Rezept der Enduromania ist so einfach wie genial: Es gilt, diverse auf einer Karte verzeichnete Kontrollpunkte anzufahren, was je nach Schwierigkeit der Strecke und Entfernung mit einer entsprechend hohen Punktzahl honoriert wird. Gefahren wird ausnahmslos in Dreiergruppen (oder größer), und das Terrain kann besonders nach Regenfällen sehr anspruchsvoll sein. Da bei den einwöchigen Veranstaltungen allerdings der touristische Charakter überwiegt, lautet die Devise: fahren, soweit das eigene Können (besser: das der Gruppe) reicht, und dabei Land und Leute kennen lernen – wer knallharten Rennsport sucht, ist hier falsch. Der Spaß am Offroadfahren kommt während der überaus professionell organisierten Veranstaltung dennoch nicht zu kurz. Startgeld und zusätzliche Nebenkosten (extrem günstige Unterkünfte) fallen bei der Enduromania konkurrenzlos niedrig aus.

Termin: erster Lauf am 30. April 2006, danach sieben weitere Termine bis Ende September, Nenngeld: 128 Euro pro Fahrer und Motorrad, Infos: Brigitte Morariu, Im Mainfeld 23, 60528 Frankfurt; Telefon 069/ 6702652, Internet: www.enduromania.net.

Alto Turia

Eine überaus attraktive Roadbook-Rallye in Spanien, die sich gleichermaßen an versierte Einsteiger wie Könner richtet.
Schauplatz dieser Veranstaltung, die mit jeder straßenzugelassenen Enduro (auch Zweizylinder) sowie Quads absolviert werden kann: Spaniens wildromantische Bergregion zwischen Valencia und Madrid. In fünf Tagen geht’s per Roadbook rund 1300 Kilometer weit über manchmal recht anspruchsvolle Schotterpisten sowie Singletrails, und diverse Sonderprüfungen sorgen zusätzlich für jede Menge Gesprächstoff im zum Fahrerlager umfunktionierten »Enduropark Aras Rural« (90 Kilometer von Valencia). Unterm Strich eine sehr gelungene Mischung aus Rallye sowie sportlich ausgerichteter Roadbooktour. Die Nenngebühr schließt Frühstück und Abendessen ein.

Termin: voraussichtlich in der ersten Maiwoche 2007, Nenngeld: 980 Euro (Stand 2006), Infos: Schalber Event GmbH, Am Auwald 12, 87541 Bad Hindelang, Telefon 08324/952949, Internet: www.schalber-events.de.

Libya Desert ChallEnge

Eine neue Wüstenrallye für ambitionierte und sandsüchtige Amateure. Weniger sportlich Orientierte können den Tross in einer »Reisegruppe« begleiten.
Eines vorweg: Wer an der 2005 ins Leben gerufenen, 15 Tage dauernden Libya Desert Challenge (LDC) teilnehmen möchte, sollte bereits über Erfahrung im Navigieren und über ein Mindestmaß an Fahrpraxis im Sand sowie über eine sehr gute Kondition verfügen. Neueinsteiger würden an den teilweise langen Tagesetappen und der bisweilen schwierigen Navigation in den riesigen Dünenfeldern Libyens vermutlich verzweifeln. Allen anderen bietet diese 15-tägige Veranstaltung alles, was den Reiz einer großen Afrika-Rallye ausmacht. Touristisch interessierte Wüstenfans haben zudem die Möglichkeit, den Rallye-Tross in der »Adventure Class« per Motorrad außerhalb der Wertung zu begleiten. Die Fähre von Genua nach Tunis, Gepäcktransport, medizinische Betreuung sowie die Verpflegung in den Biwaks sind im Nenngeld inbegriffen.

Termin: voraussichtlich die letzten beiden Februarwochen 2007, Nenngeld: pro Person 1654 Euro; plus 945 Euro fürs Motorrad (Stand 2006), Infos: LDC Rallye, Hauptstraße 18, 86949 Windach, Telefon 0700/532725593, Internet: www.ldc-rallye.com.

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