Long Way Down

Erfolg macht süchtig

Nach dem großen Erfolg ihrer verfilmten Weltreise »Long Way Round« starten Ewan McGregor und Charley Boorman zu ihrem zweiten Filmprojekt. »Long Way Down« wird die Schauspieler durch Afrika führen. MOTORRAD traf Boorman zum Gespräch.

Keine Frage, der Mann hat gut lachen. Seit dem Filmprojekt »Long Way Round« avancierte der bis dahin eher leidlich bekannte britische Schauspieler Charley Boorman, 41, zum Star der weltweiten Motorrad-Szene – und nicht nur der: Die aufwendig produzierte TV-Serie, die er zusammen mit Hollywoodstar Ewan McGregor (Star Wars, Trainspotting, Moulin Rouge) 2004 während einer dreimonatigen Weltreise auf zwei BMW R 1150 GS Adventure gedreht hat, fasziniert auch Zuschauer, die bis dahin nichts mit Motorrädern am Hut hatten. Anders ließe sich der riesige Erfolg des Streifens nicht erklären. Erfreulicher Nebeneffekt des Ruhms: »Endlich kann ich von meiner Motorradleidenschaft leben«, so der sympathische Boorman.

Sein Lächeln verrät britisches Understatement. »Long Way Round« lief als TV-Serie in über 40 Ländern, die englische Buchausgabe wurde bisher über 1,3 Millionen Mal verkauft, und die DVD ging rund 900000 Mal über die Theke. »Wir hätten nie geglaubt, dass ein Motorrad-Reisefilm weltweit so viel Aufsehen erregen kann.« Weil dem aber so ist, folgt in bewährter Filmemacher-Manier Teil zwei: Inzwischen sind Boorman und McGregor unter ganz ähnlichem Titel zu einem dreimonatigen Trip von Schottland bis Südafrika aufgebrochen. 

Ortstermin in Süddeutschland. Charley Boorman stöbert durch die Hallen des Motorrad-Reisespezialisten Touratech, der bereits beim ersten Film zu den zahlreichen Sponsoren zählte und auch diesmal Ausrüstungsteile für die drei BMW R 1200 GS Adventure sowie Campingartikel für das insgesamt achtköpfige Team stellt. »Wir arbeiten wieder mit der gleichen Crew wie vor drei Jahren zusammen, ,Long Way Round‘ hat uns fest
zusammengeschweißt, jeder Neue wäre da wie ein Fremdkörper. « Heißt konkret:
Der Schweizer Kameramann Claudio von Planta wird die beiden Stars auf der
dritten GS begleiten, der Rest folgt wie gehabt in gebührendem Abstand in zwei Geländewagen. 

Also alles gleich? Nicht ganz. Dieses Mal lastet auf dem Unternehmen ein
deutlich höherer Erfolgsdruck. BBC, der wichtigste britische Fernsehsender, hat die Rechte für die Erstausstrahlung von »Long Way Down« erworben. Bereits im Herbst soll die Reise als Serie zur besten Sendezeit über die Bildschirme flimmern, parallel dazu muss die DVD fertig sein. »Da darf nichts schiefgehen.« Um die Arbeit des Teams nicht unnötig zu belasten, wurden der genaue Abfahrtstermin sowie die exakte, etwa 25000 Kilometer lange Route durch Libyen, den Sudan, Äthiopien, Uganda, Ruanda, Tansania, Botswana, Namibia und Südafrika so geheim gehalten wie das Rezept von Coca-Cola: »Wir hatten unzählige Anfragen von Fans und den Medien, ob sie uns in Afrika treffen oder sogar begleiten könnten.« Der heftige Medienrummel hatte die beiden Stars bereits während des ersten Trips so gestresst, dass das Projekt zeitweise kurz vor dem Aus stand.

Würde Charley Boorman, der privat am liebsten auf seiner brandneuen Ducati 1098 über Rennstrecken bügelt, sich auch auf eigene Faust ohne begleitende Kameras auf ein Motorrad setzen und in aller Ruhe durch Afrika reisen? »Eher nicht. Ich bin in erster Linie Schauspieler und könnte nicht losfahren, ohne nebenher einen Film zu machen.« Schmunzelnd fügt er hinzu, dass der Gedanke an das Servicefahrzeug im Rückspiegel zudem ein sehr beruhigender sei. Auf die mächtige Adventure lässt er allerdings nichts kommen. »Genau das richtige Motorrad für so einen Trip. Stark und bequem, also perfekt, um weite Strecken abzuspulen. « Sorgen, dass die Fernreisekuh unterm Strich zu schwer für einen Afrika-Trip ist, macht sich Boorman nicht:» Nur maximal fünf bis zehn Prozent der Strecke führen durch anspruchsvolleres Terrain – das schaffen wir auch mit der 1200er.« 

Für weitaus mehr Stress als unbefestigte Wege oder tiefe Flussdurchfahrten (sicherlich die spannendsten Szenen in »Long Way Round«) dürfte diesmal das Klima sorgen: Boorman und McGregor durchqueren Afrika mitten im Sommer – erfahrene Reisende schütteln darüber vermutlich nur den Kopf. Der Schauspieler sieht’s dagegen gelassen: »In Sibirien haben wir uns den Hintern abgefroren, nun wird’s halt mal heiß.« Zumindest teilweise weiß Charley Boorman, was ihn auf dem Schwarzen Kontinent erwartet: Im vergangenen Jahr war der Sport-Fan für ein aufwendiges Filmprojekt im Sattel einer stark modifizierten BMW F 650 GS bei der Dakar-Rallye gestartet, hatte sich allerdings während der fünften Etappe
bei einem Sturz beide Hände gebrochen, das Ziel aber dennoch erreicht (www.racetodakar.com): »Anders als im einsamen Sibirien oder in der menschenleeren
Mongolei werden uns auf den Straßen durch den Schwarzen Kontinent viel mehr Menschen auf unserer Tour begegnen. Darin liegt ein großer Reiz.«

Weitere Infos über dieses spannende Projekt finden sich im Internet unter www. longwaydown.com.

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Interview mit Christof Johann (selbständiger Fernsehproduzent)

Ein Motorradreisefilm zur besten
Sendezeit im ARD oder ZDF – vorstellbar?
Ausgeschlossen! Motorrad-Themen zielen leider auf eine sehr, sehr kleine
Randgruppe. So etwas bringt in Deutschland
keine Quote, vermutlich nicht einmal, wenn
ein heimischer Schauspieler aus der ersten Liga im Sattel sitzen würde.
Warum funktioniert so ein Film im Ausland?
Im englischen Sprachraum steht man solchen Themen generell aufgeschlossener und begeisterungsfähiger gegenüber, obwohl Motorradfahrer dort ebenfalls nur eine Randgruppe stellen. Das englische TV-Programm
ist einfach wesentlich lockerer als unseres, und die Zuschauer sind es offensichtlich auch.
Wie wichtig ist überhaupt der
Prominenten-Status?
Immens. Der weltweite Bekanntheitsgrad eines Ewan McGregor ist im Prinzip
wie ein Garant für Erfolg. Der erste Film
hätte es ohne ihn sicherlich nicht auf so eine Quote gebracht. Und ob die BBC ohne solch ein Zugpferd mit an Bord wäre, wage ich zu bezweifeln.
Motorradfahrer müssen hierzulande also weiter auf ein entsprechendes TV-Format warten?
Die großen Sendeanstalten setzen
bei dem Thema »Reise und Abenteuer«
sicherlich weiterhin auf die klassische Länderdokumentation im Stil eines Gerd Ruge oder Klaus Bednarz. Der Motorrad-Bereich findet ausschließlich in Spartensendern wie n-tv,
DSF oder DMAX statt.

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