Mit Sportlern reisen

Polar-Runde

Oslo, Trondheim, Mo I Rana, Helsinki – 6000 Kilometer in 10 Tagen durch den wilden Norden Europas. Mit dabei: eine Honda CBR 900 RR und eine Kawasaki ZX-6R, Sportler mit Breitbandinteressen. Macht solches Reisen Spaß? Wir meinen ja!

Wir fahren nicht, wir fliegen. Die Asphaltdecke fegt unter uns dahin. 180, 190, 200 km/h. Autos, Tankstellen und Ausfahrten wischen vorbei. Würzburg, Fulda, Kassel – die Autobahn gibt ihr Bestes. Formt Kurven, als gelte es die Einfahrt ins Hockenheimer Motodrom zu simulieren. Adrenalin pur. Die 600er-Kawasaki spielt begeistert mit, geleitet mich, eingepackt zwischen Tankrucksack und Ortliebrolle, souverän wie ein Ozeanriese über die Bahn. Reisen mit Sportlern – so muss es sein. Der Kieler Fährhafen erscheint plötzlich so nah wie das Stammcafé um die Ecke.Beim ersten Tankstopp wird allerdings klar, dass es auf der Honda nicht ganz so lustig zugeht. Entnervt schüttelt Monika ihre pitzelnden Hände, trampelt mit den Füßen, gräbt nach den Ohrstöpseln, schimpft über fiese, hochfrequente Vibrationen, den miesen Windschutz »und überhaupt – die LSL-Lenkerstummel: Hätten wir die Dinger bloß nie montiert«. Was auf Landstraßen deutlichen Komfortgewinn bringt, rächt sich auf der A7. Barbarischer Lärm, tosender Fahrtwind. Die um rund zwei Zentimeter erhöhten Steuerknüppel fordern ihren Tribut.Mit vertrauschten Rollen pflügen wir weiter. Göttingen, Hannover, Hamburg. Köhlbrandbrücke – Meeres-Atmo beginnt. Autos mit skandinavischen Stickern zweigen mit uns Richtung Kiel ab. Am Norwegen Kai steht »Prinzess Ragnhild« schon unter Dampf. Polternd rollt die CBR an Bord. Der hektische Parklotse deutet Richtung Oberdeck. »Schnell, schnell!« Steil hinauf, einen Tick zu viel Gas und – ooooah – schon stellt sich der 190er auf den nassen Stahlplatten quer. Zum Glück fängt sich die Honda in letzter Sekunde. Dann klettert sie brav hinauf zum Verzurren. Ein kurzes Vibrieren, und der mächtige Bug der Color Line dreht auf Nordkurs. Morgen früh sind wir in Oslo. Doch am nächsten Morgen geht erst mal nix. Die ZX-6R steckt wie mit einem Ankertau gehalten an der Bordwand fest. Platt! Ein fingernagelgroßer Metallspan spickt aus dem Hinterreifen, hat die Karkasse anderthalb Zentimeter weit aufgeschlitzt. Mit aller Kraft bugsieren wir das nun tonnenschwere Motorrad zur Luke. Ein schwieriger Fall für das gottlob noch mitgenommene Reparaturset. Drei Stunden, zwei Gummipfropfen, drei Gaspatronen plus eine volle Ladung Reifenpilot braucht der Dunlop D 207 an diesem Sonntagmorgen, um wieder halbwegs die Luft anzuhalten. Motorradwerkstätten gibt’s vermutlich erst wieder in Bergen oder Trondheim. Trotzdem brechen wir auf. Tuckern vorsichtig Richtung Honefoss. Besser, als bis Montag in Oslo rumsitzen.0,3 bar Druckverlust vermeldet der Luftdruckprüfer nach 50 Kilometern. Die Nacht sollten wir am besten neben einer Druckluftsäule verbringen. Doch die ausgelassene Wochenendstimmung der Norweger fegt alle Bedenken in den Wind. Hier wird gelebt. Jetzt! Man genießt die letzten Stunden eines strahlenden Wochenendes, braust mit Sportbooten über den Tyrifjord, tankt Sonne vor den Sommerhäusern, belädt Autos mit Kayaks und Fahrrädern. Wir lassen uns mitreißen, fahren noch bis Hemsedal, wo es sowohl eine Tankstelle als auch eine »ledige Hytter« gibt. Ein leicht windschiefes Häuschen, in das es rechts hinten offenbar schon seit längerem reinregnet, doch mit einem herrlichen alten Jotul-Kanonenofen samt Couchgarnitur, klemmendem Küchenschrank und Blumengeschirr einer Jungmädchenaussteuer aus den 50ern ausstaffiert. Norwegische Behaglichkeit, sehr sympathisch.Der erste Weg führt anderntags zur vorsorglich hinter der Tankstelle geparkten Kawasaki, die stolz auf ihrem prallen D 207 balanciert. Fast kein Luftverlust mehr. Genial. Bester Dinge schwingen wir in langen Kehren aus dem grünen Hemsedal hinaus, hoch aufs Fjell, Schneereste rücken in greifbare Nähe. Kurz vor Sogndal die erste Fjordüberfahrt. Wie einst der Straßenbahnschaffner kommt ein Mädchen mit Bauchkasse zum Kassieren. Sechs Mark für einmal xxxxxFjord. Nicht übel.Nächstes Ziel: Jostedalsbreen, der größte Gletscher Europas. Briksdal verfügt dort über einen Logenplatz am ewigen Eis, doch der 24 Kilometer lange Stichweg von Olden dorthin ist 17 mal schöner als der kleine Ort selbst. Die Straße von leuchtendem lila Fingerhut, gischtenden Wasserfällen und grün fluoreszierenden Gletscherzungen gesäumt. In Briksdal selbst dagegen Bus an Bus, die Lokale brechend voll. Nichts wie weg hier. Zurück zu dem Zeltplatz-Kiosk unten am Fjord, wo der junge, motorradbegeisterte Besitzer Pappbecherkaffee und spannende Geschichten zum Besten gibt. »Olden-Briksdal – zehn Minuten«, erinnert er sich, »Sonntag morgens mit der CBR 600 kein Problem«. Irre sei’s gewesen. Jetzt hat er die Honda verkauft. Mit 40000 Mark Neupreis sei Motorrad fahren durch eine 100prozentige Luxussteuer kaum noch finanzierbar. Zurück in Olden (halbe Stunde...) nehmen wir Kurs auf Styrn, offenbar das Basisquartier aller Gletscherreisenden. Abba-Revival-Musik schallt über die Straße, man labt sich an »varme Polser« und Gratis-Rubbellosen. Norweger lieben heiße Würstchen und Glücksspiele.In tollen Kurven geht es hoch nach Dalsnibba. Dort wird’s richtig kalt. Auf rund 1400 Metern taut jetzt im Juli noch der Schnee vom letzten Winter, und auf den Seen beginnt sich gerade erst die dicke Eisdecke zu lösen. Fröstelnd durchleben wir diesen unerwarteten Wintereinbruch. Dann ist der höchste Punkt überschritten, und die Straße arbeitet sich in einer nicht enden wollenden Kehrenformation nach Geiranger hinab. Geiranger – Mekka aller Norwegenreisenden, egal, ob per Achse oder Kreuzfahrtschiff, ob aus Japan, Leipzig oder Minnesota. Auf den schmalen, fast nicht vorhandenen Ufern des Fjords ist für Hotels oder Zeltplätze kaum Raum, und die Besucher drängen sich wie Heringe. Nicht mal mehr eine Hundehütte wäre hier noch unterzubringen. Zu schade. Also fädeln wir uns in Nordrichtung wieder hinaus, genießen einen letzten, wehmütigen Blick über die senkrechten, Hunderte von Meter ins sattgrüne Wasser abstürzenden Felsen. Ein weißes Fährboot löst gerade in Geiranger die Leinen und dampft mit einer winzigen Kielwoge nussschalenklein durch die mächtige Westkurve des Fjords davon.Nach einer kurzen Hochebene taucht mit dem Nordalsfjord schon der nächste Wasserarm vor uns auf. Es ist zwar bereits 22 Uhr, doch am Kai pulsiert noch das pralle Leben. Läden und Wüstchenverkäufer haben Hochbetrieb, Kinder spielen an der Ablegestelle, ein paar jungendliche BMW-Fahrer cruisen um den Hafen. Am gegenüberliegenden Ufer angekommen, machen wir uns auf die Suche nach einem Quartier. Zelten wäre gut. Und tatsächlich ist ein Zeltplatz ausgeschildert. Am Ende des Talfjords. Doch die halbstündige Fahrt erweist sich als verplemperte Zeit, der Platz als abtörnendes Dauercamper-Reservat neben einer stinkenden Fischfabrik und einem Umspannwerk. 23 Uhr. Und es wird langsam dämmrig. Silbern glänzen die Schmelzwasserbäche an den steilen Flanken des Fjords. Wäre wirklich an der Zeit, was zu finden. Wir kehren um, kommen zum zweiten Mal an der kleinen Streuobstwiese vorbei – warum eigentlich nicht? Unter den Apfelbäumen dort oben. Für eine Nacht darf man in Skandinavien überall zelten. Die Bikes bleiben am Ufer stehen, Zelt, Schlafsäcke und Mini-Campingküche wandern mit uns nach oben.Beim Aufwachen funkelt tiefblau der Fjord, Kaffeewasser spendet ein Bach in der Nähe und alle halbe Stunde kommt mal ein Auto vorbei, sonst ist es still. Denn die Hauptroute biegt einen Kilometer vorher ab, hinauf zum Trollstigen, einem gewaltigen Wasserfall mit einer gischtübersprühten Straße daneben, die sich in unzähligen Schlingen in hochalpine Höhen versteigt. Hier oben gibt die Vegetation vollends auf, öffnet bizarren Granit-Kompositionen und tiefschwarzen Seen die Szene, tobt sich die schroffe Bergwelt ein letztes Mal in unglaublichen Perspektiven aus, um anschließend wie erschöpft in sanften Wellen nach Norden und Osten ins Romsdalen auszulaufen. In Andalsnes wogt bereits der Duft von Erdbeerfeldern in der Luft, bunte Lupinen ersetzen den hartgesottenen Fingerhut, und an den Hauswänden leuchten Gelb, Grün und Blau mit dem klassischen Rotbraun um die Wette. Das Land wirft mit Farbe nur so um sich.Weiter geht’s östlich am Isfjord vorbei, auf E 64 und E 660 an Lang-, Eres- und Sonndalsfjord entlang, in Rykkjumen noch über den Stangvikfjord und schließlich von Kvenna in direktem Kurs auf Trondheim zu. Puh, was für eine Strecke! Doch es läuft wie am Schnürchen, die Sportler fahren auf den gut ausgebauten, griffigen Kurvenstrecken Punkt um Punkt ein. Nichtsdestotrotz mahnt der glühend rote Mitternachtshimmel zum Abbruch. An einem Wildbach finden wir einen Campingplatz. Acht Hütten, drei Zelte. Hütte Nummer vier ist noch frei. Zwei Stockbetten, ein Tisch, vier Hocker, Kochplatte, Kühlschrank und ein Zettel an der Tür, man möge beim Verlassen bitte sauber machen – fertig. Mitten auf dem Platz ein Gemeinschaftshaus mit Duschen, Waschmaschine, Spülbecken – und zwei gewaltigen Tiefkühltruhen, vollgepackt mit Fischen der Ein-Meter-Klasse. Sauber eingewickelt, mit kleinen Namensschildern versehen. Fischen ist Volkssport.Draußen werden Köder sortiert, neue Würfe geübt und die Nachtstunden bis zum Bauch im eiskalten Wildbach zugebracht. Wir grübeln währenddessen über der Karte. In vier Tagen sollten wir beim WIMA-Motorradtreffen im finnischen Iisalmi sein. Einfachste und langweiligste Möglichkeit: gleich hinter Trondheim nach Schweden abbiegen und per Fähre Umea-Vaasa nach Mittelfinnland schippern. 855 Kilometer. Erste Alternative: Polarkreis mitnehmen, dann zur Fähre. 1155 Kilometer. Oder aber über den Polarkreis und auf dem Landweg nach Finnland fahren. 1455 Kilometer. Das ist es! Als wir um 2.30 Uhr in die Schlafsäcke kriechen, wird es draußen schon wieder hell. Die Angler stehen immer noch im Bach. Wir schleppen inzwischen ein handfestes Schlafdefizit mit uns herum, und an einen geordneten Tagesablauf ist nicht mehr zu denken. Bei den Einheimischen sieht’s nicht besser aus. In den Sommermonaten zwischen Juni und September wird gelebt, was geht.Wenige Stunden später fahren wir westlich an Trondheim vorbei, um uns hinter dem Stjornfjord an der Küste nach Norden vorzuarbeiten. Halbinseln und Inseln lassen völlig die Übersicht verlieren, wo Festland endet und Eiland beginnt. Die Bäche gluckern sanft über Kiesel, vor einem kleinen Wasserfall springen Lachse durch die Luft, Kinder baden an Stromschnellen, Türen und Fenster der Häuser sind weit geöffnet. Noch immer herrscht wolkenloses Traumwetter.Immer häufiger tauschen wir die Motorräder, da die sportlichere Sitzposition auf der original belassenen ZX-6R Rücken und Arme stärker belastet als erwartet. Die Honda walzt dagegen bequem wie ein Chevrolet über die Breitengerade. Fast 800 Kilometer noch bis Narvik. Mamson, Grong, dann liegt sie vor uns – die E 6. Der Dempster-Highway der alten Welt sozusagen, die Nordkap-Route. Wir fahren Kolonne zwischen ostdeutschen Wohnmobilen, norwegischen Vierzigtonnern und Motorrädern aus der halben Welt. Die E 6 ist die einzige Straße nach Norden. Wer nach Narvik, Tromsö oder Hammerfest will, kommt nicht um sie herum. Mittendrin ein uralter tschechischer Tatra-Bus mit Anhänger und einer gewaltige Dieselwolke im Schlepp. An den Steigungen schafft er gerade noch 30 km/h. Die jungen Insassen gucken angestrengt aus den Fenstern, bis zum Nordkap müssen sie Wochen unterwegs sein. Gleich darauf das nächste fahrende Haus. Bringt immerhin 65 Sachen. Erlaubt sind 80, zum Überholen braucht man 97 – wie ich Minuten später auf dem Radardisplay des blonden Polizisten ablesen darf. 500 Mark! Mir stockt der Atem. Er lächelt: »Sorry«, aber Speeding sei in Norwegen halt sehr expensive. An der nächsten Tanke ziehen wir Hamburger für je 15 Mark. Sparen hat nun eh keinen Sinn mehr. Glücklich ist, wer vergisst... Außerdem wären es bei 27 km/h 2000 Mark gewesen, hat er gesagt.Am xx Juli um 18 Uhr erreichen wir den Polarkreis. Ein Museum, ein kleines Monument mit Weltkugel drauf, rundum nur noch baumlose Tundra und das schräge Licht des Nordens. Wir fühlen uns wie in der Artiks. Weiter nördlich sprießen zwar wieder Wälder, doch hier lösen bereits 689 Höhenmeter subarktisches Nichts aus. Es ist der bewegenste Moment unserer Reise. Wenig später biegen wir nach Schweden ab.Hinter dem Grenzschild – die ersten Mücken, und die Straße scheint nur noch zu fallen, hinab zwischen Seen, Wäldern und Hügeln hindurch. Rentiergebiet beginnt. Immer wieder tauchen die hirschgroßen Tiere am Waldrand auf, scheinen völlig ohne Angst, setzen mitunter erst im letzten Moment über die Fahrbahn. Die Autos tragen mächtige Scheinwerfer, besonders nachts sei es extrem gefährlich, erzählen die Bewohner. Wir fahren den ganzen Tag, ohne dass sich irgendwas verändert. Bäume. Wasser. Gelegentlich eine Tankstelle. Die Motorräder sind trotz 30 km/h höherem Speedlimit bei ihrem absoluten Mindestverbrauch von unter fünf Litern angelangt, und die Reservelampen drehen sich bei 290 Kilometern gerade noch mal im Bett um.Kurz vor der finnischen Grenze in Tornio übernachten wir noch mal am Meer. Plötzlich ist alles anders. Wir werden fixiert statt begrüßt, die Türen sind verschlossen, die Gesichter ebenfalls. Der Zeltplatzbesitzer begründet: Russen. Überall. Irgendwie nach Finnland gelangt, schlügen sich durch die Wälder, schlüpften heimlich in Zeltplatzküche und -waschräume. Ein paar von ihnen leben auch in den Campinghütten, beobachten finster den Platz. Als Russe ist es in Finnland offenbar nicht witzig. Hinter der Grenze wird es deutlich ärmer, alte Ladas verdrängen die Volvos, an den Häusern blättert die Farbe und die Lebensfreude der Nachbarländer scheint wie weggewischt. In einer hübschen Gartenwirtschaft am Strand von Kuivamini brüten die wenigen Gäste schweigend an den Tischen, und auch wir werden still, als die Wirtin missmutig den Kaffee vor uns hinknallt. Es ist, als sei man geradewegs hinter den Ural geraten.Über kleine Wege und Schotterpisten stauben wir Richtung Süden. Um uns herum eine Seenlandschaft fast so schön wie in Kanada. Immer wieder Wegweiser zu einsamen Gehöften in den Wäldern, irgendwo ein Dorffest. Die Attraktion: Kahn-Regatta, Keulen-Kegeln, Gummistiefel-Weitwurf. In 100 Kilometern beginnt Russland. Eigentlich könnte jetzt der zweite Teil der Reise beginnen: über Stankt Petersburg, Tallin, Riga und Warschau nach Hause.
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Sportler als Tourer?

Mit der Honda CBR 900 RR und der Kawasaki ZX-6R haben wir uns für zwei populäre Sportmotorräder entschieden, die von vielen Besitzern ebenfalls als »Ferienflieger« eingesetzt werden. Beide Maschinen gelten als ausgereift und zuverlässig, so dass sich das motorradtechnische Urlaubsgepäck auf optimiertes Bordwerkzeug, Tape, Kettenspray und ein Reifenpannenset für Schlauchlosreifen beschränkte. Da Kawasaki-Sportler schon von Haus aus eine recht komfortable Sitzposition bieten, wurde nur die Honda mit rund zwei Zentimeter höheren Lenkerhälften von LSL ergonomisch modifiziert. Trotz der erwähnten Nachteile bei Highspeed eine gute Idee, die auf langen Landstraßenetappen auch der ZX-6R Vorteile gebracht hätte. Für möglichst viel Bewegungsfreiheit und Windschutz wurden auf beiden Maschinen nur die flachen Oberteile der teilbaren Pro-Sport-Tankrucksäcke von Hein Gericke montiert. Beim Vergleich Magnet- oder Riemenbefestigung gewann übrigens eindeutig die fummelfreie Magnetlösung. An beiden Fahrzeugen kamen kleine Stahlrohr-Gepäckbrücken von Hepco & Becker und Five Stars für etwa 100 Mark zum Einsatz, die optimalen Halt für Riemen und Gepäck boten. Bei dessen Unterbringung gab’s keine Kompromisse, sondern je einen Satz zwar potthässlicher, aber hochfunktioneller Ortlieb-Satteltaschen plus eine Packrolle desselben Herstellers. Unserer Meinung nach mit 380 Mark Komplettpreis die perfekte Reisekleidung für Sportler. Sie ist hundertprozent wasserdicht, bietet viel flexiblen Stauraum, und das Gepäck lässt sich damit kompakt an der Maschine verzurren. Negative Fahrwerksreaktionen halten sich durch die schwerpunktnahe und schwingungsfreie Lage des Ballasts in engen Grenzen. Eine Anpassung der Fahrwerksabstimmung darf allerdings nicht fehlen, da die schwere Fuhre sonst bei jeder Kurve in wallende Bewegung gerät: Also Vorspannung an Federbein und Gabel sowie Zug- und Druckstufe der Dämfpung erhöhen. Während die Fireblade bereits im mittleren Einstellbereich prima den Ballast wegsteckte, verlangte die Kawasaki volle Vorspannung und komplett zugedrehte Dämpfungsschrauben, bis sie sauber ums Eck fuhr. Dann allerdings boten beide Motorräder eine schlichtweg begeisternde Kombination von leichtgewichtigem Sportlerdasein und unbeirrbarer Tourersouveränität.

Infos

Wer Norwegen, Schweden und Finnland kennen lernen möchte, findet mit dieser nordischen Kombination gute Voraussetzungen, da sie nahezu alle Landschaften einbezieht. Und ein Straßenbau der Extra-Klasse macht vor allem Norwegen zu einem Idealziel für die große Sommertour.
An- und Abreise: Für die Runde Oslo-Helsinki sind ab Kiel und Rostock optimale Verbindungen möglich. Bis Kiel geht es über Hamburg per A 7 und A 215 zum ausgeschilderten Norwegen Kai. Dort bietet Color Line einen 20-stündigen Transfer nach Oslo. Der in den idealen Reisemonaten Juli/August meist gültige Hochsaisontarif beginnt für eine Person mit Motorrad bei xxxx Mark. Zurück von Helsinki saust in nur 24 Stunden die Silja Line nach Rostock, kostet dafür auch xxx Mark und sollte frühzeitig gebucht werden, da die Schiffe nur xx mal wöchentlich verkehren. Von Rostock geht’s dann entweder via Berlin und A 19 in den Südosten Deutschlands, oder über Schwerin, A 24 und die westlicher verlaufende A 7 gen Westen. Weitere Möglichkeiten offenbart das Fährenspezial ab Seite 110. Die Strecke: Natürlich muss man nicht alle drei Nordländer auf einmal unter die Räder nehmen. Aber man kann. Um das Ganze in einem überschaubaren Zeit- und Kilometerrahmen zu halten, haben wir beispielsweise Südnorwegen nicht weiter ausgebaut. Zwischen Oslo, Bergen und Trondheim wäre bereits locker ein dreiwöchiger Urlaub drin und gilt daher als Tipp für eine Erweiterung der Tour. Außerdem kann problemlos über die E 6 das Nordkap einbezogen (vom Polarkreis noch xxx Kilometer) und von dort Lappland ausführlicher erkundet werden. Unterkunft: Da Skandinavien extrem teuer ist, haben wir uns auf Camping oder behagliche Hütten, die es ab etwa 60 Mark pro Nacht (meist mit vier Betten) auf den Zeltplätzen zu mieten gibt, beschränkt. Ein Schlafsack und Kochgeschirr wird in vielen einfachen Hütten vorausgesetzt. Informationen: Finnische Zentrale für Tourismus, Lessingstraße 5, 60325 Frankfurt/M, Telefon 069/719198-0, Fax 7241725. Norwegisches Fremdenverkehrsamt, Neuer Wall 41, 20354 Hamburg, Telefon 040/229415-18, Fax -88, Internet: www.norwegeninfo.comSchwedenwerbung, Lilienstraße 19, 20095 Hamburg, Telefon 040/325513-55, Fax - 33, Internet: www.schweden-urlaub.de.Literatur:Reiseführer über Skandinavien füllen ganze Regalmeter. Wir haben uns auf Grund seiner guten Hintergrundinformationen auf den Apa-Guide »Norwegen« und darüber hinaus den Finnland-Band aus dem Martin Velbinger Verlag für je 44 Mark beschränkt. Ideal ist auch »Skandinavien« aus der Edition Unterwegs für 29,80 Mark, da die sechs Streckenvorschläge hervorragend zur Tour passen. Außerdem sehr spannend: Geo Special »Norwegen« für 14,80 Mark. Die beste Übersicht liefert trotz ihres furchterregenden Maßstabs von 1:1,5 Mio die Skandinavien-Karte von Michelin. Im Norden reicht sie sogar zum Fahren. Bis Mo I Rana empfehlen wir zusätzlich die Skandinavien-Blätter von Kümmerly + Frey in 1:325 000.

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