Osteuropa

Karpaten, Krim und Kaukasus

Protokoll einer Reise entlang der Schwarzmeer-Küste bis zum höchsten Berg Europas, dem Elbrus im Kaukasus. Und warum es wegen einer heimtückischen Holzbrücke einen zweiten Trip dorthin geben wird.

Foto: Schröder
An der ukrainischen und russischen Riviera.
An der ukrainischen und russischen Riviera.

Auf dem Weg zum Nachtclub erklärt uns Vitali das Geheimnis seines Erfolgs: Kaffeemaschinen. Aus Italien hundertfach in die Ukraine geschafft und gewinnträchtig verhökert. Plus säckeweise Kaffeebohnen. Der Renner in einem Land, in dem es unter jahrzehntelanger Sowjetherrschaft nur eine lösliche Brühe gab. Vitali redet ohne Punkt und Komma, Deutsch beherrscht der knapp 30-Jährige, in dessen Pension wir gelandet sind, fließend, dazu Englisch, Italienisch und ein paar Brocken Spanisch. Ob wir Interesse an einem neuen Projekt hätten? Die Pläne für ein Hotel in den Karpaten seien längst fertig. „Aber noch fehlen etwa 500000 Euro.“ Mehr von Vitalis Sorte – und die Ukraine wäre morgen eine neue Wirtschaftsmacht in Europa. Garantiert.

Der Besuch des Nachtclubs, zu dem uns Vitali unbedingt überreden wollte, entfällt. Montags Ruhetag. Oder besser: Ruhenacht. Glück gehabt, denken Thomas und ich. Umkehren und schlafen gehen? Keine Chance. Vitali will seinen hundemüden Gästen auf jeden Fall noch etwas bieten. „Wie wär’s mit einer Hardrock-Bar?“ Thomas und mir sitzen die ersten 1700 Kilometer im Nacken. Stuttgart, Wien, Budapest, schließlich die Grenze zur Ukraine bei Berehove. Unsicherheit, ob es sich bis zu den Beamten in dem winzigen Bergnest herumgesprochen hat, dass Touristen aus Deutschland neuerdings kein Visum mehr benötigen. Im Nachhinein eine völlig unbegründete Sorge. Pass zeigen, ein paar Kreuze auf einem Formular, drei Fragen nach der Route, peng – der Stempel für die Einreise knallt aufs Dokument und einen Wisch, der bei der Ausreise abgegeben werden muss. Ob wir allerdings je wieder aus dem Land herausfinden werden, ist schwer zu sagen. Schilder, die die Ortsnamen lediglich in kyrillischer Schrift ausweisen, entschlüsselt man am ersten Tag nicht im Vorbeifahren – eine echte Herausforderung an jeder Kreuzung.

Weil sich der Hardrock-Schuppen als gar nicht so schlecht erwies und es ohne ein Mindestmaß an Schlaf nicht geht, kommen wir erst gegen Mittag des nächsten Tages so richtig in Gang. Vitalis Kaffee – wirklich gut. Vielleicht noch ein, zwei weitere Tage durch die Karpaten cruisen? Verdient hätten sie’s. Dichte Wälder, sattgrüne Wiesen, schäumende Wildwasser. Optisch eine Mischung aus Allgäu und Alpen. Und ungefähr so unerschlossen wie Alaska. Zeit müsste man haben. So heißt es aber Aufbruch in Richtung Odessa, das bereits am Schwarzen Meer liegt. 1000 Kilometer Landstraße sind’s bis dorthin. Bolzgerade. Der Blick auf die Landkarte verspricht eine dieser Etappen, die man nur erträgt, wenn man ein Ziel vor Augen hat. Wir haben sogar gleich zwei: den Elbrus, ein 5633 Meter hoher Eisriese mitten im Kaukasus, der – je nach geographischer Definition (siehe Kasten Seite 105) – als höchster Berg Europas gilt. Und die Runde ums Schwarze Meer. Macht grob geschätzt 7000 Kilometer. Könnte eng werden in drei Wochen.

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Foto: Schröder
Jeder Hinweis kommt recht, wenn Karten plötzlich nicht mehr weiterhelfen.
Jeder Hinweis kommt recht, wenn Karten plötzlich nicht mehr weiterhelfen.

Zumal es Angenehmeres gibt, als in der riesigen Ukraine Strecke machen zu müssen. Die Dieselabgase der schier endlos langen Lkw-Kolonnen auf dem zerschlissenen Highway irgendwo zwischen Chmel’nyc’kjy, Vinnycja und Uman bringen uns fast um den Verstand. Prähistorische Fuhren zumeist russischer Herkunft. Mit rauchenden Kaminen wie Ozeandampfer und dennoch kaum schneller als die vielen Pferdefuhrwerke, die auf dem Randstreifen irgendwie zu überleben versuchen. Motorradfahrer, spüren wir sofort, rangieren in der Hackordnung noch weiter unten.

Gut 400 Kilometer. Mehr geht einfach nicht. Diverse Polizeikontrollen und belagerungsähnliche Zustände, sobald wir irgendwo halten – in beiden Fällen gilt das Interesse den Motorrädern –, lassen keinen besseren Schnitt zu. Zusätzlich nagt die Hitze an unserer Kondition. 37 Grad noch am späten Nachmittag. Die Sonne lastet schwer über dem endlos scheinenden, flachen Land mit seinen unermesslich weiten Getreidefeldern. Kurz nach der Dämmerung biegen wir auf einen kleinen Weg ab, schlagen unser Zelt im Schutz einer Baumreihe auf. Curry-Hühnchen aus der Tüte, zwei an der letzten Tanke erstandene Biere und ein kolossaler Sternenhimmel gegen Mitternacht. Für einen Moment ist das Glück perfekt.

Am nächsten Abend endlich in Odessa. Neoklassizistische Pracht am Schwarzen Meer, zugleich wichtigster Hafen der Ukraine und berühmt für ein ausschweifendes Nachtleben. Im Hotel drei italienische Motorradfahrer kurz vor der abendlichen Pirsch über den Boulevard. „Che donne!“ Was für Frauen! Die Burschen kommen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Noch kürzere Röcke und noch höhere Absätze als daheim auf der Piazza! Tatsächlich herrscht pralles Leben im Zentrum. Überwiegend junges, topmodisch gekleidetes Publikum. Die Straße als Laufsteg für eine grandiose Balz inmitten von ungezählten Kneipen, Restaurants und Clubs. Wummernde Bässe, flackernde Lichter, Stimmengewirr. Bis hinunter zur Potemkinschen Treppe, die durch den 1925 gedrehten Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ Weltruhm erlangte, einer der bedeutendsten Streifen der Filmgeschichte. Nur sind wir zu müde, um all das richtig wahrzunehmen. Morgen werden wir unseren ersten von vier geplanten Pausentagen einlegen.

Mykolajiv, Cherson, Simferopol’. Ein weiterer zäher Tag auf Achse. Die Überquerung des breiten Dnepr und die Ankunft auf der Halbinsel Krim markieren bereits die Höhepunkte. Ansonsten brettflaches Agrarland. Ohne Funkanlage wären wir bei dieser Etappe vor Langeweile aus den Sätteln gekippt.

Osteuropa (2)

Foto: Schröder
Beim Anblick der Badestrände scheint der Elbrus unendlich weit.
Beim Anblick der Badestrände scheint der Elbrus unendlich weit.
Zum Glück nur noch ein Katzensprung bis Sevastopol’. Bis 1996 hätten wir uns dieser prächtigen und überaus lebhaften Hafenstadt nicht einmal nähern dürfen. Militärisches Sperrgebiet. Abgeschottet bis zum Gehtnichtmehr. So was macht neugierig. Wir wollen unbedingt einen Blick auf die geheimnisumwitterte russische Schwarzmeerflotte werfen. Oder dem, was Rost und Finanznot davon übrig gelassen haben: ein paar Kreuzer und U-Boote, die in der von abgewirtschafteten Hafenanlagen gesäumten Bucht im Südwesten der Krim vor sich hingammeln.

Wir halten Kurs auf Jalta. Preschen entlang der von Zypressen und Reben gesäumten Küstenstraße, die um die sonnenverwöhnte Südspitze der Krim herumführt. Was für eine grandiose Strecke nach dem Alptraum der letzten Tage! Auf der einen Seite weiße, bis zu 1000 Meter hohe Klippen, auf der anderen die türkise See mit verlockenden Badebuchten. Surfer und Jetskis wie am Mittelmeer, Bikinis wie an der Copacabana, Cafés und Bars, aus denen Soundtracks a la Café del Mar schallen. Für die 75 kurvigen Kilometer bis Jalta geht ein ganzer Tag drauf – und ein weiterer in dem durch die gleichnamige Konferenz weltberühmt gewordenen Seebad selbst: Roosevelt, Churchill und Stalin haben 1945 im nahen Livadija-Palast die Teilung Europas nach Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmt. Kein Ort, an dem man einfach vorbeirauscht. Vielleicht haben wir uns auch ein wenig von der Lebenslust der urlaubenden Ukrainer anstecken lassen. Auf Jaltas schriller Promenade wird bis in den Morgen gefeiert.

Unverändert genial der weitere Verlauf der Strecke bis Feodosija. Eine einzige Kurvenorgie, zumeist am Meer entlang. Zunächst fühlen wir uns in die üppig grünen Hügel der Toskana versetzt, kurz darauf in das karge Andalusien. Schließlich die letzten Kilometer in der Ukraine bis zum Hafen von Kerc. Eine Fähre bringt uns über den Kanal, der das Schwarze mit dem Asowschen Meer verbindet und gleichzeitig die Grenze zu Russland markiert. Wir sind nervös. Horrorgeschichten über korrupte russische Beamte schießen durch unsere Köpfe, über Willkür, Schikane und exorbitante Schmiergeldforderungen. Für alle Eventualitäten knistert ein Bündel US-Dollar in meiner Jackentasche. Unnötig, wie sich herausstellt. Das Ausfüllen der kyrillischen Formulare gerät zum Happening an dem kleinen Posten. Andere Reisende und die Beamten erteilen uns geduldig eine Lektion in ihrer Landessprache. Nach nicht einmal zwei Stunden rollen wir über russischen Asphalt.
Karte: Maucher
Zeitaufwand: mindestens drei Woche; Streckenlänge: 7500 Kilometer.
Zeitaufwand: mindestens drei Woche; Streckenlänge: 7500 Kilometer.
Jetzt sind wir nicht mehr zu bremsen. Anapa, Novorossijsk, das Kaff Dzubga, hinter dem wir die Küste verlassen und endgültig den Elbrus anpeilen. Zwei fantastische Fahrtage. Die kleinen Dörfer mit ihren einfachen, bunten Holzhäusern, dichte Wälder und die Weite, durch die wir gleiten, erinnern an Bilder aus Sibirien. Die Hektik der ukrainischen Straßen ist diesem abgelegenen Teil Russlands völlig fremd. Schließlich künden die ersten Hügel und Berge die Nähe zum Kaukasus an, dessen wild gezackte Kontur wir gelegentlich ausmachen können. Der absolute Wahnsinn! Die beiden BMW laufen auf einmal wie von selbst. Viele Straßensperren lassen jedoch spüren, dass der nahe Gebirgszug, der die Grenze zu Georgien markiert eine hochsensible Region ist.

In Karacajevsk müssen wir uns entscheiden. Der eigentliche Weg zum Elbrus nähert sich dem abgelegenen Berg von Osten her – was für uns hin und zurück zwei weitere, lange Fahrtage bedeuten würde. Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben. Viel verlockender erscheint uns eine Piste, die laut Karte bis ins knapp 50 Kilometer entfernte Khurzuk führt – ein winziges Bergnest, das nah der Westflanke des Elbrus liegen muss. In einer Stunde könnten wir dort sein.

Wie euphorisiert von dem Gedanken, noch vor Sonnenuntergang am Ziel unserer Reise anzukommen, preschen wir durch eine beeindruckende Schlucht. Rechts und links 2000, vielleicht 3000 Meter hohe Bergspitzen. Jetzt müssten wir eigentlich ganz nah dran sein! Hinter Khurzuk, kaum mehr als zwei Hand voll armselige Hütten, endet schließlich der Asphalt. Eine Piste folgt einem Wildbach – und die Richtung müsste stimmen. Für das fantastische Tal, durch das der Weg führt, haben wir kaum einen Blick übrig. Unsere Augen sind stur nach oben gerichtet. Der Gipfel des Elbrus – bloß nicht daran vorbeifahren. Weit kommen wir allerdings nicht – der Weg endet vor einem militärischen Checkpoint. Die Grenzregion zu Georgien ist Sperrgebiet.

Zurück nach Khurzuk, das bereits im Schatten liegt. „Elbrus?“ Wir fragen ein paar verwegen aussehende Hirten. Sie zeigen nach links oben. Tatsächlich – zwischen zwei Bergen ragt eine gewaltige Schneeflanke hervor, die schließlich in den Wolken verschwindet. Der Elbrus muss riesig sein. Es gäbe einen Weg, der genau dorthin führe. Auf unserer Karte ist dagegen nicht einmal die Schlucht verzeichnet, in die wir kurz darauf einbiegen.

Tschechien, Slowakei, Ungarn und Rumänien

Tschechien und die Slowakei haben den Sprung in die »Moderne« bereits gewagt, in Teilen Ungarns und in Rumänien scheint dagegen die Zeit stehen geblieben zu sein. Viel Neuland für Touristen.
Endlich zeigt der »Osten« ein Herz für Bergfans: Das verwunschen anmutende Riesengebirge an der polnisch-tschechischen Grenze, die senkrecht aufragende Hohe und die waldreiche Niedere Tatra der Slowakei, das kleine Bükk-Gebirge im Osten Ungarns sowie die über weite Teile noch relativ unberührten Karpaten Rumäniens überraschen mit grandiosen An- und Aussichten. Besonders der letztgenannte Gebirgszug lässt viel Raum für Entdeckungstouren – ein Tipp für Motorradfahrer, denen die Alpen zu bekannt, zu erschlossen und zu überlaufen sind. Nur einige Fahrstunden davon entfernt: das Donaudelta. Dort, wo die drei Arme des Flusses ins Schwarze Meer münden, ist ein in Europa einzigartiges Biotop (UNESCO-Biosphärenreservat) entstanden, das sich ausschließlich per Schiff oder Kanu erkunden lässt. Amazonas-Feeling garantiert! (MOTORRAD 12/2004). Den Weg bis dorthin versüßen Stopps in Städten wie Budweis (MOTORRAD 14/2004) oder Litomerice (beide in Tschechien), dem ungarischen Eger oder dem winzigen Sighisoara in den rumänischen Karpaten (MOTORRAD 23/2005). Prag gilt seit jeher als sehenswert. Während Tschechien und die Slowakei über eine tendenziell sehr gute Infrastruktur verfügen, sieht die Sache bereits in den abgelegeneren Regionen Ungarns und erst recht in Rumänien (EU-Beitritt für 2007 geplant, keine Visumpflicht) anders aus. In einem der ärmsten Länder Europas stellt man sich vielerorts erst allmählich auf Touristen ein. Der »Osten« wartet also tatsächlich mit Regionen auf, in denen es noch etwas zu entdecken gibt. Eine davon ist Rumänien.

Weitere Informationen: Tschechische Zentrale für Tourismus, Telefon 030/ 2044770, www.czech-tourist.de; Fremdenverkehrsamt Slowakei, Telefon 030/4294113, www.slowakische.de; Rumänisches Touristenamt, Telefon 030/ 2419041, www.rumaenien-tourismus.de; Ungarn-Tourismus, Telefon 030/ 24314613 (Ost), 069/92884613 (West), www.ungarn-tourismus.de. Literatur: »Tschechien«, Slowakei«, »Ungarn« und »Rumänien« von Marco Polo für je 7,90 Euro; »Das Riesengebirge entdecken« (13,95 Euro), »Die Slowakei entdecken« (13,95 Euro) sowie »Tschechien entdecken« (15,95 Euro), alle aus dem Trescher Verlag. Motorradreisen: MOTORRAD action team (Slowakei), Telefon 0711/182-1977, www.motorradonline.de; Fischtours (Rumänien, Tschechien, Slowakei), Telefon 0351/8628500, www.fischtours.de; Enduromania (Rumänien), Telefon 069/ 6702652, www.enduromania.de; Hit Motorradreisen (Tschechien/Slowakei), Telefon 0911/2878505, www.hitmotorradreisen.de; Roberts Motorradreisen (Rumänien), Telefon 0511/876050, www.roberts-motorradreisen.de; Roadbook Touren (Ungarn), Telefon 0711/ 6019314, www.roadbooktouren.de.

Ukrainische und russische Riviera

Nahezu die gesamte nördliche Schwarzmeerküste ist für Ukrainer wie für Russen das, was für uns die Strände des Mittelmeers sind: eine quirlige Urlaubsregion. Bereits im 19. Jahrhundert errichteten die Zarenfamilie und der russische Hochadel ihre Sommerresidenzen auf der sonnenverwöhnten Halbinsel Krim. Künstler, Literaten sowie die finanzstarke Oberschicht folgten und ließen sich in prächtigen Villen hauptsächlich rund um Jalta nieder. Während der Sowjetherrschaft (1922–1991) wurden wegen des milden Klimas auf der Krim unzählige Sanatorien zur Heilung von Lungenkrankheiten (Tuberkulose) errichtet, die pro Saison bis zu zehn Millionen »Kurgäste« aus der »Arbeiterklasse« aufnahmen. Ukrainer und Russen zieht es heute weiterhin auf die Krim. Wer es sich leisten kann, residiert in den Hotels rund um das lebhafte Jalta. Die Mehrzahl bevölkert dagegen die zahlreichen kleinen Badeorte mit teilweise recht einfach ausgestatteten Unterkünften.

Ähnlich die Entwicklung im russischen Seebad Soci, das sich rühmt, in den »nördlichsten Subtropen der Welt« zu liegen: Entlang der Küste gedeihen Palmen, Bananen und Zitrusfrüche. Stalin hatte diesen Ort ebenfalls zu einem Badeparadies für die Arbeiterklasse auserkoren – Hunderte Sanatorien, Kureinrichtungen und Ferienzentren säumen noch heute die Küste, die über einen etwa 30 Kilometer langen, schwarzen Sand- und Kieselsteinstrand verfügt. Später entwickelte sich Soci für die Bürger der DDR zu einem der beliebtesten Urlaubsziele, das während der Privatisierung nach dem Ende der Sowjetära mangels Geld und Gästen zu verfallen drohte. Seit wenigen Jahren haben der russische Jetset und Investoren Soci für sich entdeckt: Das Seebad gleicht heute stellenweise einem schrillen (und für russische Verhältnisse teuren) Partyzentrum.

Osteuropa: Reisetipps - Vom Osten begeistert: Doris Wiedemann

Zwei mehrmonatige Reisen durch Osteuropa sowie Asien haben Doris Wiedemann (www.doriswiedemann.de) unter anderem bis Sibirien geführt. Ihre Tipps für »Ostanfänger«: Wer sich in Sachen Sicherheit an einige Regeln hält, muss sich kaum Sorgen machen. In Städten sollte das Motorrad ausschließlich auf bewachten (Hotel-)Parkplätzen, so genannten »Stajankas« abgestellt werden. Private Gastgeber bieten meist sofort die eigene Garage an. Abseits der Ballungszentren ist wildes Campen generell kein Problem, nur nicht in Sichtweite eines Dorfes oder einer Straße, denn dort sind Besuche (oft nur Schaulustige) garantiert. Für den Fall der Fälle: Kopien von allen Dokumenten bereit halten (in Papierform und als gescanntes Dokument im E-Postfach). Die russische Mafia interessiert sich – wie die italienische – nicht für Individualtouristen. Den häufigen Polizeikontrollen sollte man möglichst gelassen begegnen. Fragen nach dem Straßenzustand lenken in der Regel erfolgreich von der eigentlichen Kontrolle ab. Ein paar Brocken Russisch sind schnell während der langen Etappen gelernt, ein Wörterbuch sollte stets griffbereit sein. Mit dem kyrillischen Alphabet macht man sich am besten vor Antritt der Reise vertraut.

Gastfreundschaft in Osteuropa

Gastfreundschaft, die fast schon ihresgleichen sucht, spannende Küsten; und zwei Gebirge, die den Rand Europas markieren – Besuch erwünscht! Trotz der gewaltigen Distanzen.
Zugegeben, es verlangt schon nach einer gehörigen Portion Sitzfleisch, die riesigen Entfernungen in der Ukraine oder in Russland zu überbrücken, um endlich am eigentlichen Ziel anzukommen. Zwischen den noch relativ unberührten ukrainischen Karpaten, die bis zum alpinen Kaukasus und dem Ural die einzig nennenswerte Erhebung markieren, passiert landschaftlich nicht viel. Eine weitere Ausnahme: die Halbinsel Krim, die von München allerdings stolze 3000 Kilometer entfernt liegt. Begegnungen am Straßenrand gehören in diesen Ländern plötzlich zu den Höhepunkten der Reise: Ukrainer wie Russen sind begeisterungsfähige wie überaus freundliche Gastgeber. Andere Touristen zwischen Moskau und dem Ural-Gebirge? Fehlanzeige. Die trifft man erst in größeren Orten und Metropolen wie Dombay im Kaukasus (Ski, Bergsteigen, Trekking), Odessa, Jalta und Soci am Schwarzen Meer sowie im prächtigen St. Petersburg. Das ukrainische L’viv (MOTORRAD 25/2004) wird unter Stadt-, Kultur- und Szenefans bereits als das neue Prag gehandelt. Immer einfacher gehaltene Grenzformalitäten (kein Visum mehr für die Ukraine erforderlich) und eine sich rasant verbessernde Infrastruktur stehen einer Motorradreise dorthin auf jeden Fall nicht mehr im Weg. Weißrussland (»Belarus«, Visumpflicht) bietet dagegen wenig Sehenswertes. Vieles in dem häufig als letzte Diktatur Europas bezeichneten Land erinnert noch an die Zustände in der einstigen Sowjetunion. Reisende in Richtung Russland umfahren den »Polizeistaat« besser durch das Baltikum oder die Ukraine. Das winzige Moldawien (Visumpflicht) gilt aufgrund einer desolaten Wirtschaftlage und schikanöser Polizeikontrollen ebenfalls nicht als empfehlenswertes Transitland, um den Weg zum Schwarzen Meer abzukürzen.

Weitere Informationen: Ukrainische Botschaft, Telefon 030/28887220, www.botschaft-ukraine.de (derzeit keine Visumpflicht!); Botschaft der Republik Belarus, Telefon 030/53635932 (Visastelle), www.belarus-botschaft.de; Russisches Fremdenverkehrsamt, Telefon 0190/ 761655, www.russlandinfo.de; Russische Botschaft, Telefon 030/22651184, www.russischebotschaft.de; Botschaft der Republik Moldau, Telefon 030/44652970, www.botschaft-moldau.de. Literatur: »Ukraine« (15 Euro) sowie »Russia & Belarus« (30,20 Euro) von Lonely Planet (Preise vom Wechselkurs abhängig); »Die Ukraine entdecken« (19,95 Euro), »Weißrussland entdecken« (16,95 Euro) sowie »Die Krim entdecken« (14,95 Euro), alle aus dem Trescher Verlag. Motorradreisen: Ural Motorcycles (Ural-Gebirge und Werksbesuch in Irbit), Telefon 0043/(0)732/245501, www.ural.cc; Edelweiss (Ural-Gebirge), Telefon 0043/ (0)5264/5690, www.edelweissbike.com.

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