Sieben Tage - 3815 Kilometer

Hart an der Grenze


David Niven reiste im gleichnamigen Film in »Achtzig Tagen um die Welt«. Klaus H. Daams und Rolf Henniges hatten ein bescheideneres Ziel: in sieben Tagen rund um Deutschland, mit Abstechern in die benachbarten Staaten. Auf den 3815 Kilometern erlebten sie nicht weniger Abenteuerliches.

I. Tag: Emmerich - Varel 524 kmEin Samstagmorgen auf der Rheinpromenade in Emmerich. Eiskalter Wind peitscht uns ins Gesicht. Zwei Schlepper liefern sich ein Elefantenrennen, zerteilen die hellbraune Brühe des Rheins. Der Rhinkieker - eine Bronzestatue - symbolisiert Start- und Zielpunkt unserer Tour rund um Deutschland. Einer »Schnapsidee,« wie ein vorbeikommender Rentner kommentiert. Denn er war im Krieg. Weiß, wie lang die Grenze ist. »Datt schafft ihr nie in sieben Tagen.«Eine Stunde später: Holländische Kuhfladen zerplatzen unter unseren Reifen, Windmühlen salutieren. Neben jedem zweiten Haus steht ein Wohnwagen. Bereit zur Invasion auf Europa. Zerfetzte, tiefhängende Wolken dienen dem Wind als Spielball. Er wirbelt sie über geisterhaft pulsierende Ölpumpen über den Horizont. An dessen Ende: verschlafene Städte wie Nordhorn. Backsteingebäude mit dunklen Schieferdächern, kleine Fenster, vergitterten Türen. Die weite Welt? Steffies Kiosk, Gorans Döner, Maelins Thaifood, Alfonsos Pizza - alles da. Multikulturell. Modern Talking schwuchtelt aus dem Radio, eine Frau im Jogginganzug und mit Baseballcap summt lauthals mit. Dampfender Kaffee füllt die Plastikbecher, der Besitzer des Kiosk will wissen, wohin die Reise gehe. »Heute noch bis Varel,« nuschelt Klaus zwischen zwei Schlucken. Er hätte auch Istanbul sagen können. »Ja, ja« sinniert der Kioskbesitzer, »Dat is noch´n schönes Stück.«Riesige Torfbagger, aufgewühlte dunkle Erde, Gitternetze aus Entwässerungsgräben - den Ort Rütenbrook umschließt ein Moorgebiet mit gespenstischer Aura. Kurze Sonnenabschnitte sorgen für Leben. Endlose Berge geernteter Kartoffeln, Obstbaumwiesen, Pferdekoppeln, schnurgerade Straßen, Schräglagen durch extremen Seitenwind: Mystik des Nordens. Auf der Störtebecker-Straße formieren sich die Bodenwellen waschbrettförmig. Rodeo-like geht es voran. Vereinzelte Hinweistafeln auf Kurven beschleunigen das Biker-Herz. Umsonst. Nur ein leichter Knick in der Geraden. Es riecht nach Salz und der großen Freiheit. Kurz vor Greetsiel ertönt ein nervtötendes Hupkonzert. Synchron mit 200 Deichschaf-Köpfen blicke ich zurück. Mein hupbegeisterter Hintermann übergibt mir kopfschüttelnd eine Gepäckrolle. »Vor zehn Kilometern verloren!« Ein wettergegerbtes Gesicht zerfließt zu einem Lächeln. Norddeutschlands Küstenregion ist ein Dorf, und Hilfsbereitschaft wird groß geschrieben. Auch an diesem Abend in einem Hotel in Varel. »Eigentlich ausgebucht«, erklärt uns die Dame an der Rezeption. »Doch for regentriefende Biker is ömmer een Zimmer free«.II. Tag: Varel - Wismar 596 km»Nach Rodenkirchen?« Die emsige Frau verharrt beim Verteilen des Sonntagskuriers und zeigt nach Osten. Regen wirbelt mir perlenförmig von der Verkleidung der Honda entgegen, die Euter der Kühe schleifen durch morastartigen Schlamm. Fähre Rodenkirchen - Dedesdorf: Einsam und verlassen steht ein Aktenkoffer neben der Fährkabine. Seit Zehn Tagen. Während in Frankfurt oder Paris garantiert Sprengstoffexperten die Fähre gestoppt, das Gelände evakuiert und die Bediensteten verhört hätten, erklären diese lapidar: »Wird irjendwär wideer abhooln.« Friesland empfängt uns wie sein bekanntes Pils: herb würzig und feucht.11 Uhr, DEA-Tanke Alfstedt. Schmatzend rutschen Snickers, Herta Gautcho, Hanuta und ein Freund von Fischerman meinen Rachen hinunter. »Ihr Frühstück?« Besorgt schaut der Tankwart dreien. Neben unseren Bikes parkt ein dunkelblauer Mercedes. Was das Kürzel AMG auf seinem Kofferraum bedeutet, weiß ich Augenblicke später. Während er mit gemütlichen 80 km/h den Dreck der regennassen Fahrbahn vor mir aufwirbelt, setze ich zum Überholen an. Gleichzeitig beschleunigt auch der Fahrer. Egal was ich mache, er bleibt auf gleicher Höhe. Das Kräftemessen endet bei Tempo 130 mit meiner Kapitulation und Vollbremsung. AMG? Steht wahrscheinlich, neben Motorleistung, auch für Angriffslustiger menschlicher Gewaltbeschleuniger. Die Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal: Wie eine Sprungschanze in den Himmel spannt sie die B5 über den künstlichen Fluß. Windkraftwerke säumen den Weg bis zum Stopp im »Brummis Imbiß«. Über gigantische Portionen Pommes zerquetscht hier eine echte norddeutsche Deern Ketchup- und Majoflaschen. Sie ist 51 und hat mehr Haare auf den Zähnen als ich auf dem Kopf. Softeis in Dänemark, heiße Milch mit Honig in Schleswig, Gute-Nacht-Pizza in Wismar - mein Magen schreit nach Rache. Totmüde fallen wir ins Bett.III. Tag: Wismar - Frankfurt/Oder 467 kmMarktplatz Wismar, 7:00 Uhr morgens, Temperatur: 3°C. Kein Wolke, hellblauer Himmel. In verschiedenen Pastelltönen erstrahlen die Häuser. Glanzvolle Bauten aus dem letzten Jahrhundert. Frisch renoviert. Der Regen hat den Smog aus der Luft gewaschen. Unglaubliche Fernsicht schwebt über der Ostsee. Wir holpern mit unseren Maschinen über Kopfsteinpflaster entlang der Wismarbucht. Heiser knatternd überholt uns eine Simson. Der Fahrer kennt jedes Schlagloch mit Namen. 100 Kilometer weiter erstickt Löbnitz im Stau. Gewaltige Verkehrsmassen zwängen sich im Schneckentempo durch den alten Ortskern. 18 Stunden täglich. Zwei Meter neben dem Stau putzt eine alte Frau ihre Fenster. Was hat ihr die Wende gebracht? »25000 Fahrzeuge täglich«, sagt sie ironisch. Rissig und mausgrau präsentieren sich die Gebäude um den Strahlsunder Hafen. Die Silhouette dominieren die Lagerhäuser. Die Renovierung dieser 30 Meter messenden Backsteinwürfel ist in vollem Gange. Auf 400 Quadratmeter Außenfläche tummeln sich nur acht kleine Fenster. »Ideal für alle Gewerbe, die kein Licht brauchen«, zwinkert mir der Fischbrötchen-Verkäufer zu. Ein Schiffshorn ertönt, Hans Albers besingt aus verrosteten Lautsprechern seine »Paloma«. Wir atmen tief ein. Ab jetzt ist Schluß mit lustig. Einsamkeit, Weite und Wildnis bestimmen die weiteren Kilometer. Reinsberg, Greifswald, Lubmin, Anklam, Löcknitz. Orte, verbunden durch Alleen wie man sie im Westen nirgendwo findet. Unter einem herbstgoldenen Dach aus teils 300-jährigen Bäumen. Weißer Anstrich der Stämme ersetzt die Leitpfähle - ab Tempo 100 verwischt alles zu einem Strich. Hier beginnt er, der wilde Osten. Mit Orten wie Jatznick. Mit hohen Bordsteinkanten, sandigen Gehwegen und tiefergelegten Autos, deren Auspuffenden funkensprühend über die Wellen des rutschigen Kopfsteinpflasters scheppern. Jeder zweite Lkw riecht nach verbranntem Heizöl. Verkehrsberuhigung? Ein Fremdwort. Verkehr gibt’s eh kaum. Genauso wie Schwerindustrie. Polen ist nur einen Steinwurf weit entfernt, das Charisma der 30er Jahre hat sich hier festgebissen. Unsere Tagesetappe ist lang. In Frankfurt/Oder herrscht bereits Dunkelheit. Die Bikes finden einen Platz zwischen Baumaterial und Zementsäcken im Hinterhof einer Pension. Der Wirt empfiehlt einen »doppelten Grog«. Seine Empfehlung ist gut. Zu gut.IV. Tag: Frankfurt/Oder - Weiden 582 km»Hört er nur Oldies, der Hans Jürgen, muß er ins Aquarium würgen«. Vor einem Werbeplakat des Senders Radio Berlin steht kopfschüttelnd ein schlohweißer Rentner. Sein Krückstock zeigt auf meine Honda Deauville: »Ein Raumschiff?« Hier im Osten hat sich seit der Wende viel verändert. Nichts scheint unmöglich. Die bunten Reklametafeln wirken wie surreale Gemälde an den sozialistischen Plattenbauten. Die Straße dagegen ziert keine abstrakte Kunst, sondern eine 23 Kilometer lange, durchgezogene Linie bis nach Eisenhüttenstadt. Starenkästen recken sich bedrohlich aus der Deckung, Industrieanlagen soweit das Auge reicht. Oft verrostet, vermodert, zerschlagen. Stinkend, drohend, ernüchternd. »Nichts zu verzollen?« Die polnische Grenzbeamtin am Übergang Gubin schaut kritisch lächelnd auf unsere Gepäckrollen, winkt uns durch in eine andere Welt. Hier, auf den kleinen Nebenstraßen, hat alles, was sich bewegt, Vorrang. Die Fahrt gleicht einer Slalomrunde. Innerorts um Hühner, Gänse, Hunde, Rinder oder Radfahrer, außerorts um die vielen Pfützen - man weiß nie, wie tief sie sind. Von Gullys keine Spur. Jeder entgegenkommende Lkw sorgt für eine braune Dusche oder Fangopackung. Der Weg nach Zasieki hingegen gleicht einem Puzzlespiel aus Bruchsteinen. Die schmalen Sandstreifen daneben wirken da fast wie eine Autobahn. Über so etwas aufregen? »Hauptsache, du hast genug zu essen«, meint ein Waldarbeiter und reicht uns stolz Debrecziner Würste. »Selbst geschlachtet und gewürzt.« Das spüren wir zwei Stunden später immer noch. Heiße Wolken durchbrechen unsere Hosen wie die Abgase der »Schwarzen Pumpe« den Himmel über der Lausnitz. Lässig stehen die Arbeiter in Mollys Imbiss gegenüber den Schornsteinen und Kühltürmen der Kraftwerke. »Schwarze Pumpe? Dat Gebiet hier heißt so, weil jeder Arbeiter mehr Staub im Herzen als auf dem Vordach seines Hauses hat«, erklärt mir ein hüstelnder Zeitgenosse. Keine fünf Fahrminuten später offenbart sich uns der sächsische Braunkohle-Grand Canyon. Riesige Bagger haben die Natur hier jahrzehntelang vergewaltigt, unvorstellbare Krater in die Natur gefressen. Mit angestautem Wasser gefüllt, sollen diese künftig als Erholungsgebiet Touristenströme anlocken.Dresden im Feierabend-Verkehr. Abenteuer pur. Rechts Sprintversuche höhergelegter Simsons, links Burn-outs schrill lackierter Kleinwagen, vor mir dreckverkrustete Lkw-Wracks mit null Beleuchtung. 15 Kilometer zwischen Adrenalin und Atemnot. »Wisst ihr, warum wir hier in der EX-DDR so viel geschwitzt haben? Es ging Jahrzehntelang nur bergauf!« Unser Tankwart lacht sich halbtot, wir flüchten aus dem Verkehrsgewühl Richtung Süden. Genehmigen uns einen Schluck Autobahn-Cocktail. Die Nacht umschließt uns. Einige Trabbis verteidigen ihr verbrieftes Recht auf Benutzung der Überholspur gegen westliche Kennzeichen. Leider sind es unsere.V. Tag: Weiden - Füssen 478 kmSprühregen verunsichert meine Gashand. Für den Fahrer des tiefergelegten Opel Manta mit CZ-Kennzeichen ist Aquaplaning ein Fremdwort. Er folgt mir im Abstand von zwei Metern. Seine Räder sind bestückt mit drei verschiedenen Reifengrößen. Sicher ist sicher. Auf den Sitzen wippen fünf sonnenbebrillte Beifahrer im Takt der tschechischen Schlaglöcher. Verängstigt lasse ich sie passieren. Um 7 Uhr hatten wir die Grenze bei Waidhaus überquert. Hinweisschilder zeugen überall von prallem Nachtleben: Bars, Bordelle und Banditen. Jetzt, so früh am Morgen, schwebt über allem eine geisterhafte Ruhe. Doch kaum ist die Kamera vor einer »Bar« ausgepackt, wird es ernst. Ein vergittertes Fenster knarrt. Aufgeregte Worte in fremder Sprache. Dreitage-Bart, schmuddeliges Unterhemd, Kurzhaarschnitt - Jean Reno, DER PROFI, lässt grüßen. Unser Freund leider nicht. Ein Knall. Seine rauchende 45er zeigt erst in den Himmel, danach in die Richtung, in der wir verschwinden sollen: »No Foto!!« Der Name der Bar scheint Programm: Chicago.20 Kilometer weiter ist die Welt wieder in Ordnung. Die tschechische Küche verwöhnt unsere Gaumen, kurvenreiche Waldpassagen unser Fahrgefühl. »Alles auspacken«, befielt uns der deutsche Zöllner barsch. Hände durchwühlen unsere Packrollen. »Keine Zigaretten?« »Nichtraucher!« »Alkohol?« »Zu schwer!« Na denn: Willkommen in Bayern. Unablässig fällt der Regen. Ich rette die Landkarte in eine Bushaltestelle, entfalte sie im Trockenen. Zwei Zeitgenossen mit Ostakzent stehen zitternd in ihren Bödelötschen und geben uns Tipps für die Weiterreise: »Mönchen, Garmösch, Fössen.« Vielen Dank.Wolfratshausen, Kiefernweg. Ein Kaff irgendwo zwischen München und Garmisch. Blumenkästen, Kreuze, quadratische Fenster: 40 Häuser nebeneinander - alle zum Verwechseln ähnlich. Ab zwei Promille kaum noch zu unterscheiden. Merkwürdig - wo Bier hier doch als Nahrungsmittel deklariert wird. Der romantische Sonnenuntergang hat lediglich im Radio stattgefunden. Ohne uns. Entlang der »Romantischen Straße« folge ich den Leuchtschneisen meiner Honda durch die tiefstbayrische Dunkelheit. Beleuchtete Kirchen und Gasthöfe tauchen aus dem Meer der Nacht auf. Wir in einem der letztgenannten unter.VI. Tag: Füssen - Landau 524 kmEin sonnenbrandverdächtiger Himmel überspannt das Voralpenland. Föhn treibt vereinzelte Wolken über die Gipfel. Das österreichische Engeltal wird vom Touristenstrom überschwemmt. Wagenwanderung ist der letzte Trend. Bevorzugte Fahrzeuge: Opel Vectra und Mercedes C-Typ mit Wackel-Dackel im Heck. Die Fahrer tragen Einheitskleidung: graumelierte Anzüge. Passend zu Hut- und Haarfarbe. Eine Wanderdüne ist schneller. Sie stehen nicht im Stau. Sie sind der Stau. Und demonstrieren lauthals, dass wir uns an diesem beteiligen sollen. Wir mogeln uns vorbei, schrauben uns den Riedbergpaß hinauf. Auf der Schattenseite ist die Straße noch feucht. Blaumetallisch glänzt eine Dieselspur. Konzentration ist gefordert. Geschafft. Hunger zerrt uns in den nächsten Gasthof. Linseneintopf, Radetzky-Marsch, Alpenrosen, dicke Oberlippenbärte. Hier regiert König Ludwig in Form eines dunklen Bieres. Vier davon stürzen in die Kehle eines Treckerfahrers. Promillegrenze? «passt scho!« Mit riesigem Pflug bewaffnet, setzt er seine Heimfahrt fort. Gottlob nicht in unsere Richtung. Über der Grenze zur Schweiz schwebt ein riesiger Heißluftbalon in Form einer Micky Maus. Den Disney-Schutzengel können wir wahrlich gebrauchen. Kaum am Nordufer des Bodensees angekommen, öffnen dunkle Wolken ihre Tore, lassen die Fracht fallen. Sicht: zehn Meter. Geisingen, Hüfingen, Titisee-Neustadt - die Schwarzwald-Hochstraße lässt sich nur noch erahnen, verschwimmt vor unseren Augen. Hunderte von Wassertropfen explodieren als Lichtreflexe auf meinem Visier. Der Fahrbahnbelag? Linienführung? Blindflug ohne GPS. Ein Lindwurm aus Rücklichtern windet sich durch die Nacht. Wir sind mittendrin, erreichen hungrig irgendwann Freiburg. »Wollt ihr konkret noch nach Norden?« Ali schneidet in zweiter Generation das Gyros vom Spieß und hat ein Herz für Biker. Nebenan, im Packraum, zeigt er auf zwei Lammfelle, danach auf unser Gesäß: »Sieben Tage - 3800 Kilometer?! Das gibt dicken Arsch.« Spätabends, als ich mich in Landau aus dem Sattel meiner Deauville winde, weiß ich, dass er Recht hat.VII. Tag: Landau - Emmerich 644 Kilometer »Zum Schwanenteich im Park?« Die freundliche Mitvierzigerin fuchtelt mit den Händen: »Über die Ampel geradeaus, rechts, hoch, links, zweite wieder rechts, über die Brücke, dann links, nach drei Kurven rechts...« Dreißig Minuten später sind wir da. Der Park war gleich um die Ecke. Laub wird gerecht. Ein übergewichtiger Midlife-Crisler in olivgrüner Plüschjacke, nietenbespickter Lederkappe und geschätzter Helmgröße 65 verbiegt den Rechen und erzählt uns ungefragt seine Lebensgeschichte. Sie dauert fünf Minuten: »Das Leben ist schön. Nur Harald Schmidt ist doof.« Berufszyniker Schmidt hatte sich in einem monatelang fortlaufenden Sketch über die »Dicken Kinder von Landau« lustig gemacht. Bestimmt hat er hier mal gelebt. Nach kurzen Abstechern nach Frankreich, Belgien und Luxemburg erreichen wir die Eifel. Hier scheint das Nürburgring-Fieber auf die meisten Verkehrsteilnehmer übergegriffen zu haben: Tiefer, lauter, breiter, schneller. Zwischen idyllischen Weinbergen blasen verkappte Rennfahrer zur ständigen Attacke. »Lest die Bibel - genau wie ich«, steht auf dem Renauld Escape, der mich gerade mit 200 km/h überholt - von Tempolimit steht da sicher nichts drin. Nieselregen und Nebel erschweren die Orientierung. Am Stammtisch im nebelumwaberten Lokal bei Eupen ist man ratlos: »Nach Emmerich? Is dat noch in Deutschland?« Na klar. Aber viel weiter als vermutet. Erst vier Stunden später stehen wir abgekämpft und glücklich wieder neben dem Rhinkieker. Der Schmutz von 3815 Kilometern haftet an den Motorrädern. Ein aufregende Woche Abenteuerurlaub auf Deutschlands Landstraßen liegt hinter uns. Oftmals hart an der Grenze.
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Infos - Sieben Tage - 3815 Kilometer - Hart an der Grenze

Sie haben eine Woche Zeit, Lust zum Motorradfahren, Fremdsprachen sind Ihnen nicht vertraut, Fernziele verpönt, und Sie haben innerhalb Deutschlands schon alles gesehen? Die Deutschlandtour im Grenzbereich ist eine Alternative.
Zum Motorrad:Die auf der Reise eingesetzte Honda Deauville brillierte vor allem durch Handlichkeit, Alltagstauglichkeit und tourenfreundliche Detaillösungen. Hierzu gehören die Verkleidung, das integrierte Koffersystem sowie der Kardan und der unkomplizierte, bewährte Motor. Auf den Landstraßen-Etappen rund um Deutschland lag der durchschnittliche Spritverbrauch um 4,7 Liter/100 km. Verbunden mit dem 19 Liter fassenden Tank ergab dies eine Reichweite von fast 400 Kilometern. Über ihr Äußeres lässt sich zwar streiten, doch wer sich damit anfreunden kann, erhält mit der Deauville für 14270 Mark einen überaus reisetauglichen Gegenwert.Übernachtungsmöglichkeiten:Hotel Auf der HeideLuitgardisstraße 846446 Emmerich (Hoch-Elten)Telefon 02828/91420EZ: 105 Mark; DZ: 135 MarkHotel FriesenhofNeumarktplatz 4-626316 VarelTelefon 04451/9250EZ: 80 Mark; DZ: 120 MarkHotel WillardSchweriner Straße 923970 WismarTelefon 03841/26120EZ: 80 Mark; DZ: 120 MarkPension am SchloßBerliner Straße 4815234 Frankfurt/OderTelefon 0335/6801841EZ: 95 Mark, DZ: 120 MarkHotel GraderFreyung 3992660 NeustadtTelefon 09602/94180EZ: 75 Mark; DZ: 100 MarkWildparkhotel87645 SchwangauTelefon 08362/8425EZ: 40 Mark; DZ: 74 MarkHotel KurpfalzHorstschanze 876829 LandauTelefon 06341/4523EZ: 87 Mark; DZ: 135 MarkÄußerste anfahrbare Grenzpunkte: *Norden: Gemeinde List, (Landkreis Nordfriesland), Schleswig-HolsteinOsten: Gemeinde Deschka (Niederschlesischer Oberlausitzkreis), SachsenSüden: Gemeinde Oberstdorf (Landkreis Oberallgäu), BayernWesten: Gemeinde Selfkant (Landkreis Heinsberg) Nordrhein-WestfalenEntfernungen:zwischen nördlichstem und südlichstem Punkt 876 km (Luftlinie); zwischen westlichstem und östlichstem Punkt 640 km (Luftlinie) Länge der Grenzverläufezu den Nachbarländern: *Dänemark 67 kmNiederlande 567 kmBelgien 156 kmLuxemburg 135 kmFrankreich 448 kmSchweiz 316 kmÖsterreich 816 kmTschechien : 811 kmPolen 442 kmInsgesamt 3758 km* Quelle: Statistisches Jahrbuch 1998

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