Südamerika

Sechs Monate, fünf Länder, 20000 Kilometer

Entlang der Anden durch Südamerika – unser Austieg auf Zeit hat funktioniert. Chile, Argentinien und Bolivien sind die ersten Stationen dieser Reise.

Die große Freiheit beginnt mitunter ganz banal. Ereignislos führt die Panamerica durch kultiviertes Land. Wein, Orangen, Kartoffeln. Ausgedehnte Plantagenwirtschaft statt südamerikanischer Exotik. Von wegen Traumstraße. Franca und ich hangeln uns von Tankstopp zu Kaffeepause. Etwa 800 Kilometer in zwei Tagen stur in Richtung Süden. Um der Hektik des zudem nicht sonderlich attraktiven Santiago und der Monotonie Zentralchiles zu entfliehen. Und diesem Backofen ähnlichen Klima. 36 Grad, kein Luftzug. Selbst nachts ist man noch schweißgebadet, an Schlaf ist kaum zu denken. Unsere Körper sind Mitte Februar auf Winter eingestellt, doch über Chile brennt die Sonne gnadenlos. Zumindest in der Mitte des 4200 Kilometer langen, Handtuch breiten Landes, in dem zwischen Patagonien und Atacama fünf Klimazonen herrschen.»Seiz meses?« »Si Senor, sechs Monate.« Unsere Motorräder fallen auf, sind immer wieder Anlass, uns anzusprechen. Dass wir keine Gringos – US-Amerikaner – sind, sondern aus Deutschland kommen, gefällt. Wie unser Plan, ein halbes Jahr auf Achse zu sein. Aber muss man denn gleich bis nach Ecuador fahren? Durch Argentinen, Bolivien und Peru? Als Locos bezeichnet uns ein Tankwart. Verrückte, denen Hab und Gut und Leben nicht viel wert zu sein scheint. In Gedanken sind wir bereits irgendwo hoch oben in den Anden.Drei schneeweiße Vulkanspitzen versetzen uns endlich auch gefühlsmäßig nach Chile: Lonquimay, Llanin und Villarrica; ansonsten erinnert das hügelige Land südlich von Temuco eher an den Schwarzwald. Für den Feinschliff sorgten deutsche Einwanderer, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hier siedelten. Schindelgedeckte Bauernhäuser, schwarzbunte Kühe auf saftigen Weiden, Apfelkuchen im »Kaffe Enzian«. Die Kopie ist auch Generationen später nahezu perfekt. Bis auf die Vulkane eben; nur drei von 130 aktiven Feuerbergen – so viel wie in keinem anderen Land der Welt. Die Seiten in unserem Tagebuch beginnen sich zu füllen.23. Februar 2001. Heute standen Franca und ich auf dem 2808 Meter hohen Gipfel des Villarrica. Vier Stunden lang hatten wir uns zuvor durch Schnee und Eis steil bergauf gemüht. Nicht gerade ein Spaziergang für unsere völlig untrainierten Körper. Aber oben ein Panorama jenseits von Gut und Böse. Von einem schmalen Grat blickten wir direkt in den Krater. Eine Hexenküche, aus der beißende Schwefeldämpfe entweichen. Nördlich von uns stach der Vulkan Llaima durch die dichte Wolkendecke, in südöstliche Richtung schauten wir auf den Gipfel des Lanin, den man zu den schönsten Gipfel der Welt zählt. Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, tatsächlich fort zu sein.Über den 1253 Meter hohen Mamuil Mulal-Pass queren wir drei Tage später zum ersten Mal die Anden, gelangen nach Argentinien. Die Grenzformalitäten dauern im Schatten der seltenen, über 1000 Jahre alten Araukarien-Bäume mit ihren merkwürdig nach unten geschwungenen Äste nur wenige Minuten. Schwarze Vulkanasche knirscht noch einige Kilometer unter den Stollenreifen, dann breitet sich vor uns die argentinische Trockensteppe aus, bis sich der Weg nach Süden wendet und uns wieder an den Rand der Anden führt. Ich fahre voraus, Franca folgt im Abstand von mehreren hundert Metern, um nicht völlig in meiner Staubfahne unterzugehen. Menschen treffen wir erst wieder an der Tankstelle von Junin de los Andes, wo wir die beiden BMW zwischen expeditionsmäßig ausgerüsteten Geländewagen und meterlangen Wohnmobilen parken. Fischer, Jäger, Bergsteiger, Trekker, Mountainbiker. Dieser Teil Argentiniens ist Abenteuerland. Auf »der Straße der sieben Seen« rollen wir in Richtung Bariloche. Spurrillen, Schlaglöcher, wenige Kilometer Asphalt. Der Zustand des Wegs ist so wechselhaft wie auf einmal auch das Wetter. Sommer und Winter lösen sich fast schon im Stundentakt ab. Nachts fegt ein heftiger Sturm über die Baumwipfel, unten denen wir unser Zelt am Ufer des Lago Traful aufgebaut haben. Unsere Stimmung ist dennoch gut. Weil es im Zelt, wenn man erst einmal im Schlafsack liegt, saugemütlich ist.Tags darauf Königswetter. Und eine Natur, die jedes Postkartenklischee erfüllt, ja sogar übertrifft. Der See, die Berge, diese Ruhe. Rundum perfekt. Wir sitzen stundenlang nur am Ufer und schauen auf das Wasser, dessen Farbenspektrum je nach Lichteinfall von glasklar bis tief dunkelblau reicht. Das einzig störende Geräusch stammt von unserem Benzinkocher, auf dem nachmittags Apfelpfannkuchen in der Pfanne bruzzeln. Wir fühlen uns wie Hauptdarsteller in einem Jack-London-Roman.Bis Bariloche hält sich unsere Euphorie. Dann bricht das Chaos los – anders kann man die Vorboten des patagonischen Winters nicht nennen. Es stürmt und hagelt, schneit und regnet. Ohne Aussicht auf Besserung. Wir fliehen über die Anden nach Chile, sind nass bis auf die Knochen, zittern vor Kälte, landen in der Nähe von Puerto Montt. Der nächste Tag ist zum Glück sturmlos, reicht aber kaum, unsere Klamotten zu trocken. Dann steht auch hier das Wasser stellenweise kniehoch auf den Straßen. Eine Woche lang. Wir sitzen fest, glotzen im Haus eines Freundes sinnlos TV. Die erste Krise seit unserem Start vor ungefähr einem Monat. Ich merke, dass ich noch lange nicht so gelassen bin, wie man es bei einer solchen Reise sein sollte.Ein kurzer Lichstrahl am Himmel genügt. Kurs Nord. Zuerst Temuco, dann drei Tage Lagerfeuerromantik am Fuß des Llaima-Vulkan im Conquillo-Nationalpark, schließlich wieder Argentinien. Auf der ebenso einsamen wie desolaten Routa 40 bis nach Mendoza und über den 3800 Meter hohen Cumbre-Pass zurück nach Chile, vorbei an Santiago direkt bis an die Strände des Pazifik. 5600 Kilometer stehen nach sechs Wochen auf der Uhr. Wir kommen langsam in Fahrt. Kein Gedanke mehr an Büro und Kehrwoche – die höchsten Straßen der Anden liegen jetzt vor uns!30. März 2001: Am Ufer der 4350 Meter hoch gelegenen Laguna Verde hatte es uns schlimm erwischt. Übelkeit, höllische Kopfschmerzen, Atemnot. Schließlich mussten wir uns mehrmals übergeben. Alles Symptone der gefährlichen Höhenkrankheit. Wir taten die ganze Nacht kein Auge zu, gegen Mitternacht zeigte unserer Thermometer minus elf Grad in der einfachen Schutzhütte, stellte ich fest, dass sich unser Trinkwasser in einen Eisblock verwandelt hatte.In Copiapo hatten wir Sprit, Wasser und Lebensmittel gebunkert. Genug für die drei Tage, die man kalkulieren sollte, wenn man über den 4726 Meter hohen San-Francisco-Pass fahren möchte. 280 Kilometer bergauf, ebenso viele auf der anderen Seite wieder bergab bis Tinogasta, dem ersten nennenswerten Ort in Argentinien. Vertraute alpine Dimensionen verlieren plötzlich ihre Bedeutung. Auf dem San-Francisco-Pass, der locker die Schweiz von Ost nach West überspannen könnte, steht man fast auf Mont-Blanc-Gipfelhöhe. Mit einem Fahrzeug, wohlgemerkt.Wir waren einfach bergan gefahren, hatten uns von unserer Neugier und Begeisterung treiben lassen – und befanden uns auf einmal in einer völlig anderen Welt. Wüstenhaftes Land. Nur noch Fels und Stein. Dann ein blendend weißer Salzsee. Wie verloren fühlten wir uns schließlich auf einer scheinbar unendlich weiten, völlig vegetationslosen Hochebene, aus der mehrere verschneite Vulkane ragen, fast 7000 Meter hohe Gipfel unter einem Himmel, dessen Blau in dieser Höhe eine bislang unbekannte Intensität besitzt. Trotz entsprechender Erfahrung hatten wir in unserer Euphorie vergessen, unsere Körper langsam an die Höhe zu gewöhnen.Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir schließlich das Ufer der Lagune Verde, nur wenige Kilometer von der Passhöhe entfernt. Schnell hatten wir uns in der Hütte eingerichtet. Zugegeben etwas atemlos, aber noch ziemlich stabil auf den Beinen. Eine Stunde später erwischte es uns dann. Tribut an unsere Dummheit, an einem Tag von Meereshöhe bis hier rauf zu fahren.Früh am nächsten Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen sorgen für eine trügerische Wärme. Mir geht es langsam wieder besser. Am Ufer der türkisfarbenen Lagune messe ich noch immer zehn Grad unter Null, und auf den Motorrädern glänzt eine dünne Eisschicht. Heftige Windböen sorgen für weiße Schaumkronen auf dem Wasser, das wegen seines extremen Salzgehalts nicht gefriert und von vielen heißen Quellen gespeißt wird. Während unsere Körper die ganze Feindseligkeit dieser Region registrieren, können sich unsere Augen nicht satt sehen. Ein schönerer Ort? Schwer vorstellbar. Aber Hände und Füße sind vor Kälte inzwischen fast völlig taub. Bis zur Bewegungslosigkeit in Thermowäsche und Fleece-Pullies eingepackt, steigen wir unbeholfen wie Anfänger in den Sattel. Unglaublich, dass die beiden BMW überhaupt noch anspringen. Gegen Mittag passieren wir den 4727 Meter hohen Pass, rollen bis zum Abend bergab.In Tinogasta biegen wir auf eine Nebenstrecke ab. Eine Abkürzung in Richtung Salta. »Muy buen« – ein sehr guter Weg, wie uns ein Polizist und ein Tankwart gleichzeitig versichern. Kurz darauf erleben wir unser Waterloo, brauchen zwei geschlagene Tage für 50 Kilometer, weil wir nur noch schrittweise vorankommen. Die Piste existiert praktisch nicht mehr, ist weggespült oder unter Gerölllawinen begraben. Wir schieben bei über 30 Grad bis zur völligen Erschöpfung und müssen unsere wenigen Liter Trinkwasser streng rationieren. Am zweiten Tag – nach zehn Kilometern, für die wir sieben Stunden gebraucht haben – gibt Franca auf. Ich mache mich mit der leichteren F 650 allein auf den Weg, um Hilfe oder zumindest Wasser zu holen. Und stelle fest, dass praktisch hinter der nächsten Ecke der Asphalt beginnt. Im nordargentinischen Salta angekommen, fühlen wir uns urlaubsreif.Jenseits der Anden schlägt uns der Wind immer heißer entgegen. Die Straße stürzt sich förmlich hinunter nach Chile. Schnurgerade vom 4830 Meter hohen Jama-Pass vorbei am heiligen Vulkan Licancabur hinunter in das Herz der chilenischen Atacama-Wüste – eine Salzfpanne, so groß wie das Saarland. Innerhalb einer Stunde steigt die Temperatur von unter Null auf 27 Grad. Bei der strengen Grenzkontrolle am Rande der Oase San Pedro haben wir viel Zeit, uns aus den Klamotten zu schälen. Man desinfiziert unsere Stiefel und die Reifen mit einer stinkenden Lauge und lässt einen Spürhund an unseren Koffern und Gepäckrollen schnüffeln. Frische Lebensmittel sind tabu; wir schmuggeln trotz Hund erfolgreich Käse und Salami in den Taschen für die Rückenprotektoren, wo sich auch einTeil unserer Bargeldreserven befindet.San Pedro liegt strategisch günstig, hält uns zwei Wochen fest. Drumherum hat die Natur ihre Wunder gleich reihenweise platziert. Wüste in allen nur denkbaren Formen und Farben. Von den gezackten Felsen und Sanddünen im Mondtal bis zur 4500 Meter hoch gelegenen, azurblauen Laguna Miscanti. Nebenan liegt Bolivien. Oder besser: der unzugänglichste Teil des Landes. In fast 4900 Meter Höhe holpern wir über das weltfremde Altiplano bis zur Laguna Colorada. Rotes Wasser – und Leben, wo man aufgrund der Kälte und der Höhe längst keines mehr vermutet: zigtausend Flamingos, mehr als an irgendeinem anderen Ort der Welt.Wieder in Chile. Ein paar Tage später unser persönlicher Kälterekord – minus 16 Grad bei Gott sei Dank knochentrockener Luft. Unser Zelt, das wir am Osterwochende in Sichtweite der Tatio-Geysire aufgestellt haben, droht zu zerbrechen, so steif ist es gefroren. Vermummt wie Eskimo und im Windschatten der BMW sitzen wir mit anderen Motorradreisenden draußen und frühstücken.Unten am Pazifik auf der Küstenstraße zwischen Tocopilla und Iquique. Warme Luft strömt durch die offenen Visiere, die Innenfutter der Jacken und Hosen sind endlich wieder tief unten in den Koffern verstaut. Ein völlig neues Fahrgefühl, einfach so dahinzugleiten. Wir schlagen unser Zelt schließlich am endlos scheinenden Strand auf, der eigentlich eine Wüste ist. Auch dieser Teil des Landes gehört zur Atacama, der trockensten Region der Welt. Egal. Sand ist Sand. Dass man uns von der Straße aus sehen kann, ist wie überall in Chile kaum ein Grund zur Sorge.Tagebucheintrag vom 12. Mai 2001: Halbzeit in Arica, der nördlichsten Stadt des Landes. Drei Monate und knapp 10000 Kilometer liegen nun hinter uns. Eigentlich ist der erste Satz Hinterradreifen fällig. Doch der ist auf dem Weg hierher verlorengegangen, wie wir nach zwei Wochen Warterei erfahren. Egal, irgendwo werden wir schon Ersatz bekommen. Wir wollen endlich weiter, damit unser Zeitplan nicht völlig aus den Fugen gerät.Ein letztes Mal schrauben wir uns in Chile hoch in die Anden. Im dunklen Wasser des 4700 Meter hoch gelegenen Lago Chungará spiegelt sich die Spitze des Vulkan Parinacota; meinem Favoriten unter diesen Bergen. Gleich dahinter erstreckt sich wieder Bolivien, aber schon gestern spürten wir eine Veränderung. Die Menschen sind kleiner und dunkler, und statt Spanisch hörten wir erstmals Quechua, die überlieferte Sprache der Inka. Im Schatten der weiß getünchten Lehm-Kirche von Parinacota werden Alpaca-Pullover und bunte Ponchos zum Sonderpreis feilgeboten. Dazu die unvermeidliche Panflötenmusik. Die nächsten drei Monate werden wie eine neue Reise sein. Fortsetzung in MOTORRAD 25/2001
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Infos

Eine mehrmonatige Reise durch die Andenländer Südamerikas ist an Eindrücken kaum zu überbieten: fast 5000 Meter hohe Pässe, die trockenste Wüste der Welt oder dichter Regenwald – größere Gegensätze gibt es nirgendwo.
AnreiseFür eine entsprechende Reise empfiehlt sich ein Gabelflug, der zum Beispiel von Air France für etwa 2000 Mark angeboten wird.Das eigene Motorrad verschickt man am einfachsten per Luftfracht. Die beiden BMW wurden von der Münchner Spedition »Hellmann Bike Courier«, die über langjährige Motorraderfahrung und ein weltweites Netz verfügt, von Stuttgart nach Santiago geflogen. Der Preis richtet sich nach dem eigentlichen Gewicht oder dem Volumengewicht – der höhere Wert gilt für die Preiskalkulation, die für jedes Motorrad neu erstellt wird. Der einfache Transport der beiden BMW (570 Kilo) schlug mit 4800 Mark zu Buche. Die Zollabwicklung in Santiago hat mit Hilfe des deutschsprachigen Hellmann-Personals nur anderthalb Stunden gedauert. Infos: Hellmann Bike Courier, Herr Siegl, Telefon 089/97594765, e-mail: tsiegl@de.hellmann.net, oder unter www.hellmann.de.Der Rücktransport lässt sich am besten vor Ort organisieren. Wir klapperten am Flughafen von Quito die in Frage kommenden Speditionen ab. Das beste Angebot kam von Ecuador Cargo System, der ecuadorianischen Hellmann-Vertretung. Pro Kilo waren etwa 3,50 Mark zu zahlen; für beide Motorräder fielen inklusive Nebenkosten für den Rücktransport rund 2200 Mark an.DokumenteFür alle südamerikanischen Länder reicht ein Reisepass. Ein international gültiger Führer- und Kfz-Schein gehört allerdings ins Gepäck. Ein Carnet de Passage ist nicht mehr erforderlich (Ausnahme: Flughafen Buenos Aires; daher lieber Santiago de Chile anfliegen). Für das Motorrad werden an jeder Grenze entsprechende Einfuhrpapiere ausgestellt. Diese geschieht in der Regel sehr schnell und absolut korrekt (keine Schmiergelder oder ähnliches).ReisezeitVon November bis April herrscht auf der Südhalbkugel Sommer – theoretisch. Wenn man jedoch durch mehrere Andenländer reisen will, die sich über nahezu sämtliche Klimazonen erstrecken, ist die Sache nichtgan so einfach. Ein Trip in den äußersten Süden von Chile und Argentinien empfiehlt sich nur im sehr kurzen »Südsommer« zwischen Dezember und Februar, während man viele Pisten im Amazonasgebiet ausschließlich in der Trockenzeit von Juli bis September unter die Räder nehmen sollte. Einige der über 4500 Meter hohen Andenpässe können dagegen lediglich zwischen Januar und März überquert werden, bevor dort oben alles zuschneit. In diesen Höhen sackt das Thermometer nachts selbst im Sommer schon mal auf minus 16 Grad; tagsüber sind es selten mehr als zehn Grad. Es empfiehlt sich daher, zwischen Dezember, Januar und Februar in den Süden Chiles zu fahren und sich dann auf den Weg in Richtung Norden zu machen, wo es, je näher man dem Äquator kommt, immer »sommerlicher« wird. UnterkunftIn praktisch jedem Ort findet sich eine Herberge, in der ab etwa zehn Mark übernachtet werden kann (Ausnahme Chile und Argentinien; dort ab etwa 20 Mark pro Person). Für die Motorräder gab es immer eine Garage oder einen sicheren Stellplatz, meist im Haus. Während man bis auf wenige Ausnahmen aus Sicherheitsgründen in Bolivien, Peru und Ecuador lieber Hotels oder Pensionen aufsuchen sollte, ist in Chile und Argentinien nicht nur wegen des hohen Preisniveaus ganz klar das Zelt die erste Wahl. Wildes Campen bietet sich vielerorts an, ist in der Regel völlig ungefährlich und in den abgelegenen Andenregionen unumgänglich. In den zahlreichen landschaftlich attraktiven Nationalparks finden sich zudem einfach ausgestattete Campingplätze ab etwa zehn Mark pro Person.Die StreckeGepflegte Straßen sind in Südamerika selten. Während die Panamericana durchgehen asphaltiert ist, sind die meisten Nebenstrecken mehr oder weniger gut befahrbare Naturpisten. Viele hundert Kilometer Wellblech oder Sand können einem dann schon mal den Spaß verderben. Noch ärgerlicher: Wenn wegen Unwettern oder Erdrutschen die Wege plötzlich völlig unpassierbar sind.Wer über die teilweise 500 Kilometer langen und versorgungslosen Andenpässe fahren will, benötigt einen entsprechenden Benzinvorrat. Ansonsten ist das Tankstellennetz erstaunlich dicht. Bleifreies Superbenzin gibt es flächendeckend nur in Argentinien (2,40 Pro Liter!) und Chile (1,90 Mark) sowie in den Großstädten von Bolivien, Peru und Ecuador. Ansonsten erhält man dort bis auf wenige Ausnahmen in den abgelegenen Regionen lediglich verbleites Benzin mit 85 Oktan.Weitere Reise-Infos in MOTORRAD-Ausgabe 25Zeitaufwand: drei Monate (insgesamt sechs Monate)Streckenlänge: 10000 Kilometer (insgesamt 20000 Kilometer)

Infos aus dem Internet - Die Welt – ein Dorf

Reisen im Internet-Zeitalter. Oder: Was nutzt dieses Technik?
Keine Frage, das Internet hat auch das Reisen verändert. Bis vor wenigen Jahren war man bei Reisen in ferne Länder tatsächlich weg. Telefonate aus Südamerika, Afrika oder Australien waren teuer und die Verbindungen meist sehr schlecht, Postkarten, falls überhaupt geschrieben, – mitunter viele Wochen unterwegs. Eltern und Freunde konnten nur warten und hoffen, dass es einem gut geht oder das Geld reicht.Und heute? Heute findet sich in Südamerika in fast jedem Dorf ein Zugang zum Netz; in größeren Städten und touristischen Zentren schießen Internetcafés wie die oft zitierten Pilze aus dem Boden. Allein in Quito, der Hauptstadt des vergleichsweise winzigen Ecuador, soll es etwa 200 Internetcafés geben, in ganzen Land sind es rund 600, in denen sich hauptsächlich die internationale Reiseszene vor den Bildschirmen tummelt. Anders sieht es in Nepal, Thailand oder Marokko auch nicht aus.Das Kommunikationsbedürfnis scheint demnach gewaltig: Kaum ein Reisender, der sich heute noch ohne elektronisches Postfach auf den Weg macht (www.web.de, www.hotmail.com, www.gmx.de oder www.yahoo.de; alle kostenlos und schnell zu installieren). Spätestens alle paar Tage folgt ein Blick in den Posteingang, um zu erfahren, was zu Hause passiert ist oder wo sich das nette Paar aus Neuseeland, das man vor ein paar Tagen getroffen hat, gerade befindet. Natürlich darf ein regelmäßig verfasstes »Rundmail« an alle Freunde und Verwandten nicht fehlen – wer heute unterwegs ist, hat mitunter mehr Kontakt zu den Lieben als sonst daheim. Und droht leider Gefahr zu laufen, zu viele Stunden vor dem Schirm zu verbringen.Neben der Kontaktbörse dient das Internet Reisenden vor allen Dingen als Infobörse – wenn man weiß, wo man suchen muss, denn die Menge an Infoseiten ist inzwischen unüberschaubar. Länderspezifische Internet-Adressen finden sich am einfachsten in aktuellen Reiseführern. Egal, ob Flug-, Bus- oder Schiffslinie, Hotel oder der Reiseveranstalter für die obligatorische Machu-Picchu-Trekking-Tour – kaum jemand kann es sich heute noch leisten, nicht im Netz vertreten zu sein. Preise? Reservierungen? Fahrpläne? Lässt sich alles prima von zu Hause oder spontan von unterwegs erfahren und erledigen.Unabhängig vom Reiseland sollte man bei der Planung und während der Reise einige Web-Seiten auf seine Favoriten-Liste setzen. Den vermutlich genauesten und nach Ländern geordneten Wetterdienst findet man unter www.cnn.com, Stichwort »weather«. Das Auswärtige Amt der Bundesregierung informiert regelmäßig über die Situation für Touristen in Krisengebieten und nennt besondere Gefahren in einzelnen Ländern (www.auswaertigesamt.de), während man unter www.horizonsunlimited.com die sicherlich ausführlichste internationale Infobörse für reisende Motorradfahrer findet. Hier kann man erfahren, welche Piste oder welche Grenze gerade unpassierbar ist, welche Spedition am günstigsten die Fahrzeuge von A nach B transportiert und wer gerade auf einer eigenen Webseite von seinen Abenteuern berichtet. Eine entsprechende Seite lebt natürlich ausschließlich von den Informationen aus der Reiseszene. Einerseits also hochaktuell, andererseits ist die Richtigkeit vieler Infos leider nicht zu überprüfen.Eine weitere, sehr gute Seite mit Informationen für die Planung und zugleich mit vielen Reiseberichten und Querverweisen zu bestimmten Themen ist www.derreisetipp.de. Ebenfalls sehr lohnenswert für die Planung ist ein Blick auf die Seite des Buchverlags Reise Know-How (www.reise-know-how.de). Unter dem Stichwort »Länderlinks« findet man diverse Zugänge zum Thema Reise. Einen ähnlichen praktischen und aufwendigen Service bietet der englischsprachige Lonely-Planet-Reisebuchverlag (www.lonelyplanet.com, Stichwort »Worldguide«). Hier finden sich auf einen Blick die wichtigsten Grundinformationen über das gewünschte Land – von den Visabestimmungen über Gesundheitstipps bis zur besten Reisezeit. Bei einer geplanten Fernreise kann zudem ein Blick auf die Seite der Schweizer Infostelle für Reisemedizin sehr hilfreich sein: Unter www.osir.ch erfährt man sehr ausführlich, in welchem Land zum Beispiel eine Malaria-Prophylaxe oder eine Gelbfieberimpfung erforderlich ist, wie sich diese Krankheiten äußern und was im akuten Fall dagegen zu tun ist.Vor lauter Informationssuche sollte man das Wesentliche nicht vergessen – die Reise. Dieses Erlebnis kann einem trotz aller Technik zum Glück noch kein Computer ersetzen.

Buchtipp

Wer sich vor einer Reise ausführlich mit diesem Thema beschäftigen möchte, dem seien folgende Bücher aus der Reihe Reise Know-How empfohlen: In »Kommunikation von Unterwegs« erfährt man alles Notwendige, wie und mit welchen Geräten es möglich ist, praktisch von jedem Ort der Welt ständig in Kontakt mit daheim zu bleiben. Von Heinrich Volker, 17,50 Mark, ISBN 3-8317-1008-2. »Internet für die Reise« ist dagegen ein Ratgeber, der sich ausschließlich mit den Möglichkeiten des Internet und der Informationsbeschaffung beschäftigt. Von Jörg Schlotter, 17,50 Mark, ISBN 3-8317-1010-4. Ab November erhältlich.

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