Aachen-Zschopau Sieben Tage für zwei Euro

Ein paar Werkzeuge, eine 125er und ein Plan: Mit nur zwei Euro quer durch Deutschland reisen. Essen, trinken, schlafen, tanken – alles erarbeiten. Wie offen sind die Deutschen?

Eine blau gestrichene Betontreppe weist nach oben. Zwölf Stufen. Mein Herz klopft, die Tür knarrt. Vier Einheimische, offensichtlich Bauern, ein Wohlbeleibter mit weißer Weste, offensichtlich Boss. Zehn Augen, zusammengekniffen. Misstrauen vereist den Raum. »Arbeit?« Der Boss lächelt. »Nein, dann hätten wir ja selbst nichts zu tun.« Und auf den Höfen? Keine Chance. »Iss ja noch keine Erntezeit.« Hinter mir verschmilzt fünfkehliges Lachen. Zwölf Stufen – eine Ewigkeit. Die Landmaschinenreparatur Strohschneider spuckt mich wieder hinaus ins Bergische Land. Es ist Freitag, 7. Juni 2002, 16.20 Uhr. Seit heute morgen bin ich unterwegs. Reite auf meiner MZ 125 SX, überladen mit Camping- und Arbeitsausrüstung, in ein deutsches Abenteuer. Der Plan: Aachen–Zschopau mit zwei Euro. Essen, trinken, schlafen, tanken gegen Arbeit, egal welche. Seit Mittag wirbelt Hunger durch meinem Magen. Auf meinem Habenkonto stehen 14 Absagen. Ich zweifle. An mir. An diesem Projekt. Was erst, wenn es draußen schüttet und ich, verpackt im triefenden Regenkombi, an den Haustüren schellen muss, weil niemand draußen ist? Was, wenn der Tank leer ist? Noch fünf Versuche. Wieder nichts. »Ich will keine Schwarzarbeiter.« »Kommse in zehn Jahren noch mal. Dann bin ich 80.« »Nein, hab’ gerade das Mähen beendet. Aber da unten, bei dem Hühnermann, vielleicht.« Hühnermann?Andreas Klose, 49, Bio-Geflügelfarmer, lächelt. Findet die Idee toll und Arbeit für mich. »Der Zaun muss frei geschnitten werden. Schon mal mit der Sense gemäht?« Klar doch. Zuletzt jedoch vor 20 Jahren. Egal. Erleichtert biege ich mit Sense und Wetzstein bewaffnet ums Eck. Bio-Legehühner haben’s gut. Immer frische Luft und meilenweiten Auslauf. Der wird durch einen scheinbar ebenso langen Zaun begrenzt. Bestehend aus heimtückischen Maschendraht, der immer nach der Sense schnappt. Nach dreieinhalb Stunden, Tausende mannshoher Brenneseln sind gefällt, beendet Klose das Planzen- und Sensenmassaker. Endlich Abendessen, wohl verdient. Mein Zelt findet Platz auf seinem Hof. Der erste Tag war härter als gedacht.Der zweite beginnt mit einem Trugschluss. Nach ausgiebigem Frühstück im Kreis der Familie kann ich einem Angebot nicht widerstehen. Klose offeriert vier Liter Benzin – Rasenmäherreserve – gegen Walderdbeeren pflücken, drückt mir eine wassermelonengroße Schale in die Hand. Kindergeburtstag ist angesagt, 20 Törtchen soll es geben. Kein Problem. Aber meine botanische Unkenntnis rächt sich wieder einmal. Besonders große Exemplare der Spezies fragaria vesca bringen es auf maximal ein Zentimeter im Durchmesser. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Jetzt weiß ich, woher der Spruch stammt. Es ist 11.43 Uhr. Der kleine 125er knurrt wieder. Mein Magen gesellt sich eine Stunde später hinzu und treibt mich auf den Hof der Biker Ranch in Dattenfeld, einem Motorradtreffpunkt. Manfred Wollsiefer, 41, gesegnet mit Glatze und überschwänglicher Hilfsbereitschaft, will mir Essen und Trinken spendieren. Ich lehne ab, will nichts geschenkt. »Na jut, dann kehr mal schön den Hof.« Dieser ist 25 Meter lang, fünf breit und nach 35 Minuten sauber. Der Lohn: Jägerschnitzel, Apfelsaftschorle und Kaffee. Im Wert von 13,50 Euro. Kein schlechter Stundenlohn. Ich schleiche weiter.Und treffe nach kaum vierzig Kilometer einen Biker, der mindestens so deprimiert schaut wie ich am ersten Reisetag. Ulrich Müller, Baujahr 1942, ist mit seiner Adler, Baujahr 1954, stehen geblieben. Elektrikprobleme. Kein Zündfunken mehr. 20 Kilometer sind es bis zu seinem Heim. Schieben unmöglich. Wir frickeln. Kicken, was das Zeug hält, untersuchen jeden Millimeter seines extrem aufwändig restaurierten Schmuckstücks. Mein Gehirn formuliert eine Gleichung. Hilfsbereitschaft + Erfolg = Einladung + Erdbeerkuchen. Schließlich ist es Nachmittag und Erdbeerernte. Völlig überraschend trompetet die Adler wieder, Müller gibt Gas und mir die Hand. »Man sieht sich.« Erwartungen und Realität. Einsam surrt die 125er. Passend zu meiner Stimmung. Gern hätte ich Gesellschaft genossen. Und den Erdbeerkuchen. Was mir bleibt, ist ein graues Teerband, das gen Osten führt. Ich ergebe mich. Großenbach, Vollkollz, Freudingen, Sassenhausen. Die Minuten verschwinden im Rückspiegel, die Wolken hängen tief. Hinter Hecken und auf Balkonen grillt es. Ich hoffe auf Begegnung. Doch sie will erzwungen werden. Es ist Samstagabend, 19.30 Uhr. Niemand, der mich anspricht, wenn ich halte. Keiner, der charmant lächelt, wenn ich an Ampeln stehe. Aus den Scheiben starrt das Misstrauen. Kalte Blicke. Unverständnis. Kleiner Mann, kleines Bike, silberne Schachteln, weißes Schaffell. Grüne Minna? Hatzfeld, Eder. Eine 1822-Seelen-Gemeinde, die gern Stadt sein will. Am Ortsende ein verschlafenes Gasthaus. Mein Wunsch: Essen und Unterkunft gegen Arbeit. Besitzerin Annemarie Freitag sinniert kurz: »Unser Tipi muss frei geschnitten werden. Aber wir haben eine schlechte Sense.« Schlechter als die gestrige kann sie nicht sein. Ist sie aber. Das Gras, teils schulterhoch, teils völlig naß, die Sense stumpf und schief. Nach zwei Stunden ist die Hälfte des Grases abgerissen. Schneiden kann man es nicht nennen. Ich schwitze. Ich wetze. Ich rutsche ab. Der Schnitt, sieben Millimeter tief und 20 lang, ist glatt und im mittleren Gelenk des rechten Zeigefingers. Es blutet wie verrückt. Schnell in die Küche. Annemarie entreißt der Kühlschrankkälte eine Flasche Korn. Ein Schluck für sie, für mich, einer über den Finger. Desinfektion. Die Nacht wird hart. Der Finger pocht, extrem schmerzhaft begrüßt mich der dritte Reisetag. Was nun? Abbrechen? Weitermachen? Der Finger, geschient mit Bleistift und zwei Kabelbindern, versteckt sich unter seinem Verband. Gas geben und Bremsen geht irgendwie noch. Ich will alles, außer aufgeben. Das Abenteuer trägt merkwürdige Namen. Holzhausen, Frohnhausen, Ernsthausen, Münchhausen. Eine ungepflegte Straße frisst sich durch den mittelhessischen Urwald. Umgestürzte Bäume und Farne bedrohen die Schneise. Die Schutzhütten fürs Vieh verfallen, die Grasebenen verwildert, Ortschaften wie ausgestorben. Mittagszeit. Essenszeit. Aber wo nur? Die MZ entscheidet. Das Benzin geht zur Neige. Der nächste Tankstellen-verdächtige Ort heißt Frankenberg. Ein Kurort, straßentechnisch so uneinsichtig wie die Bedienungen an den Tanken. Natürlich sind sie hier, um Geld zu verdienen. Arbeitsplatztausch unmöglich. Aber ich darf fragen. Jeden, der die Tanke betritt, um einen Job bitten. Gegenleistung: Volltanken. Und ernte drei Stunden Absagen am Fließband. »Muss Fußball-WM schauen, selbst arbeitslos, bin auf der Durchreise....« Eine Woge aus Unverständnis, Empörung und Verärgerung schlägt mir entgegen. Irgendwie verständlich. Es ist Sonntagnachmittag, 16 Uhr. Der Wochenendputz ist erledigt, der Garten gemäht. Und die Menschen wollen nur eins: ihre Ruhe. Vielleicht hätte ich mich rasieren sollen. Um 16.21 Uhr übermannt mich die Rettung mit einem Geistesblitz: Blutspenden. Behutsam rolle ich zum Kreiskrankenhaus, trage meine Bitte vor. Till Schiefer, jugendlicher Pförtner mit pechschwarzem Humor und eben solchen Haaren, findet die Idee amüsant. Die diensthabende Ärztin am Ende der Telefonleitung leider nicht. Fürs Blutspenden sei das DRK zuständig. Jeden ersten Montag im Monat, 17 bis 20.30 Uhr. Zurück zur Tanke, weiter fragen. Um 17.25 Uhr naht Erlösung. Uwe Meister und sein Bruder Roland rollen auf ihren 125ern an die Zapfsäule. »Klar bekommst du Arbeit. Musst dafür jedoch mitkommen bis Kassel.« Mein Tank füllt sich, 70 Kilometer nordöstlich meiner geplanten Route treffe ich meinen Job, einen BMW 530i Touring. Den Wagen, mit dem Familie Meister seit Jahren ihren Vierbeiner Gassi fährt. Schlösser müssen geölt, Scharniere abgeschmiert, Flüssigkeitsstände überprüft, der Platz für den Hund im Fond gesäubert werden. So ein Schäferhund ist neugierig. Was er nicht erschnüffelt, erleckt er. 27 weiße Tücher werden braun, ich schwitze wie im Brutkasten. Der Lohn neben dem vollen Tank: ein Abendessen. 19.50 Uhr ist es, als ich von Meisters Hof rolle. Schlafen. Aber wo? Unentschlossen parke ich am Wegesrand, mein Blick surft über die Landkarte. Ein Trecker stoppt. Bauer Werner Beuermann, grimmiges Gesicht und weiches Herz, verheißt mir Schlafplatz und Frühstück gegen Stall misten und Holz spalten. Ich schlage ein. Und mein Nachtlager inmitten seines Abstellraumes auf. Früh morgens ist der Stall dran. Danach weist Werners Finger auf einen Holzhaufen: »Nur knappe zwei Meter«, sagt er leicht grinsend. »Mit dem elektrischen Spalter geht das mit links.« Zwei Meter Holz. Oder besser: 27 Schubkarren voll. Ein Stück Rundholz ofengerecht zu zerkleinern kostet bis zu acht Handgriffe. Ich lege los. Nieselregen, Schweiß. Drei Stunden später erlöst mich der Mittagstisch. Suppe, Würste aus eigener Schlachtung, grüner Salat. Tante Erna, eiligst herbeitelefoniert, begutachtet mich. Meint dann, sie hätte auch einen Meter Holz. »Geht doch bestimmt leicht mit der Maschine.« Klar doch. Wenn nicht der Finger wäre. Bauern sind hart. Zwei Stunden später lässt die Bezahlung alles vergessen: selbst gebackener Erdbeerkuchen, fünf Liter Sprit. Ich soll bleiben, sagen sie. Würd’ ich gern. Doch Zschopau ruft. Der Abschied fällt schwer. Vor allem, weil ich wieder ins Ungewisse aufbreche. Nieste, Waldkappel, Gerstungen. Ehemalige Zonengrenze. Bezirk der Wanderdiscos und Baumärkte. Ich stoppe in Weilar vor der Gärtnerei Gebhardt. Es ist 18.45 Uhr, vierter Abend. Karl Gebhardt bewirtschaftet in zweiter Generation rund 3000 Quadratmeter Garten- und Gewächshausfläche. Tief schaut er mir in die Augen, dann nach hinten. Über 50000 Gemüsepflanzen warten auf liebevolle Hände. Orchideen, Rosen, Paradiesvogelblumen. Ich kann sofort anfangen. Umtopfen, aus- und einräumen. Der Lohn: ein Nachtlager im Gewächshaus sowie ein üppiges Abendessen im Kreis der Familie.Nach gemeinsamen Frühstück gilt es, Stahlkonsolen abzubauen. Danach fressen mich einsamste Straßen. Wenig Asphalt. Viele Löcher, kaum umfahrbar. Graue Häuser, grauer Himmel. Farbtupfer nur in Form von Autos und gefärbten Haaren. Es regnet pausenfrei. Hunger treibt mich mittags in den Gasthof Goldener Hirsch, Schmalkalden. Fußball-WM ist angesagt. Noch 87 Minuten kämpft Deutschland gegen Kamerun. Nur eine kämpfe ich um die Gunst des Wirts. Und verliere. Gegenüber sei die Gemeinde. Die hätten Arbeit für Leute wie mich. Leute wie mich. Regentriefend. Glatzköpfig. Kleinwüchsig. Einen Finger verbunden, eine Frage auf den Lippen, so ungewöhnlich, als ginge es darum, ihnen zwei Jahre Lebenszeit abspenstig zu machen. Nächster Versuch. Zella-Mehlis, Restaurant zum Schotten. Wieder Fehlanzeige. Liegt’s am West-Dialekt? Am Regenkombi? Am Namen des Restaurants? Hunger und Durst bestürmen mich: »Ich tue alles für eine Thüringer Bratwurst.« Die Bedienung am Sternengrund-Imbiss stutzt, lächelt, verweist mich an ihre Chefs. Frank Bartholomäus und Stefan Lange renovieren nebenan ein Gasthaus. Ich komme wie gerufen. Gegen 16 Karren Rindenmulch laden und streuen sowie eine Böschung mähen gibt’s zwei Thüringer Rostbratwürste, ein Steak, zwei Kaffee, ein Wasser und fünf Liter Benzin. Danke, Jungs. Ein nahezu jungfräulicher Wald verschluckt mich. Moos bewachsene Steine, Farne. Bäume, dicht wie das Fell eines Schlittenhundes. Wieder setzt Regen ein. Zuerst nieselnd, dann strömend. Patschnass stehe ich abends vor der Rezeption des Hotel Hubertus, in Neustadt/Rennweg. Hauptsache, erst mal ein Dach über dem Kopf. Der Zustand des Raumes sei mir völlig egal, beteuere ich. Besitzer André Leipold reicht mir spontan einen Zimmerschlüssel. Nach erquickender Dusche beginnt der Job. Kellnern, Bier zapfen, abräumen, Geschirr polieren – eine gemischte Wandergruppe aus ganz Deutschland feiert den durchschrittenen Tag und hält mich auf Trab. Anschließend Gaststube fegen, Küche wischen – insgesamt 62 Quadratmeter. Um 23 Uhr ist der Dienst beendet. Prickelnde Gespräche, würzige Biere, wohliges Bett. Der nächste Morgen empfängt mich mit Nebel und Sprühregen. Sichtweite: 40 Meter. Ich taste mich durch den Thüringer Wald. Rutschige Straßen, Schiefer behängte Häuser. Vorbei an Porzellanmanufakturen, Glasbläsereien, Holzschnitzern. Unzählige Ampeln vor lahmenden Baustellen. Meine Gedanken kreisen um die Reise. Tägliche Begegnungen, Vertrauen gewinnen, Abschiede. Die älteste Form des Reisens überhaupt. Und dies in einem Land, in dem Materialismus, Vorurteile und das Fernsehprogramm allzu gern den Umgang miteinander diktieren. Probstzella Richtung Leutenberg. Der Regen ist Vergangenheit. Unbeschreibliche Fernsicht erhellt die Landschaft, kokettiert mit endloser Weite. In der Mitte Schloss Burgk. Rechtzeitig zur Mittagszeit. Meine MZ poltert über den Schlosshof. Zwei Stufen, eine Glastür, eine Bitte an die Kassiererin. Völlige Überraschung. Besichtigen könnte ich das Schloss gern. Aber Arbeit gäbe es keine. Vor allem nicht gegen eine Mahlzeit. Doch wo ein Wille, da ein Weg. Sabine Schemmrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin, führt mich in den Rittersaal, 168 Quadratmeter, sechs Rüstungen. Meine ist die vorletzte rechts. Die Alarmanlage wird ausgeschaltet, ich erhalte Stahlwolle, Waffenöl und Putzlappen. Drei Stunden später glänzt die Rüstung wie die Augen der Belegschaft. Verschmitzt schaut die auf die anderen fünf Stahlgesellen. Danke sehr, vielleicht beim nächsten Mal. Ein Strammer Max, ein Kaffee, Mineralwasser – kulinarische Entlohnung macht sich auf den Weg in den Magen. 18 Uhr. Die Übernachtungssuche gerät zum Trauma. Wieder ist der Tank fast leer, der Radius der Hilfsbereitschaft eingeschränkt. Übernachtung, Mahlzeit, Sprit – drei Bitten, von denen schon eine den meisten zu viel ist. Ich fahre Spargas, taste mich von Absage zu Absage vor bis Waldhaus, 13 Häuser, 63 Einwohner, ein Imbiss, eine Gaststätte. Schallendes Gelächter überall. Arbeit gäbe es hier nicht. Und wenn, dann nur beim Töpfer Ralf Naundorf. Die MZ biegt auf den Naundorf’schen Hof. Drei Männer belagern acht Kisten Greizer Pils, giften über die Wessies und verdammen die Arbeitslosigkeit. Ich traue mich kaum, mein Anliegen vorzutragen. Ralf, selbst viel gereist, ist hilfsbereit. Seine Einstellung gefällt: Erst das Bier, dann die Arbeit. Hundert Storys und unzählige Pils später falle ich in ein Bett, zwei mal zwei Meter. Und blicke morgens in die Augen eines Sperlings, Hauptdarsteller einer der biergeschwängerten Erzählungen des Vorabends. Noch nicht flügge, war er aus dem Nest und Ralf direkt vor die Füße gefallen. Drei Wochen lang verfolgte Ralf daraufhin Kühe mit einer Fliegenklatsche, um den Sperling aufzupeppeln. 500 erschlagene Brummer am Tag waren keine Seltenheit. Die Arbeit ruft. Ein Alko-Balkenmäher, 3,5 PS, Schnittbreite 60 Zentimeter, schleift mich anderthalb Stunden lang über eine zerklüftete Wiese, 200 Quadratmeter, sieben Bäume, eine Hütte. Ein Abschiedskaffee, zwei Umarmungen. Mit dem letztem Tropfen Sprit rolle ich neun Kilometer später auf den Hof einer Landmaschinenreparatur plus Minitanke in Mohlsdorf. Besitzer Klaus-Dieter Volger blickt zur Werkstattdecke. Knapp 60 Quadratmeter müssen mit Einlassgrund gestrichen werden. Der Job gehört mir. Drei Stunden später ist der Tank randvoll und mein Arm lahm. 11,04 Liter Normalbenzin, 11,36 Euro. Hart verdient. Fast ist der Trip beendet. Ich kann und will nicht wahr haben, dass mein Leben wieder geregelt verlaufen soll. Donnerstag, 13. Juni, 18.25 Uhr, Ortsschild Zschopau. Kein Jubel. Regen, Nachdenklichkeit. Keine Erleichterung darüber, dass mein Plan geglückt ist. Die zwei Euro – ich hab’ sie nicht einmal gebraucht. Meine letzte Nacht verbringe ich in der Küche des katholischen Pfarramts gegen das Falten von Handzetteln. Sie wird unruhig. Soviel Kick in nur sieben Tagen, soviel nette Begegnungen. Leben pur. Bald bin ich wieder daheim. Derselbe Kühlschrank, dasselbe Bett. 400 Euro Miete. Einen Bankomat und zwei Dönerstände um die Ecke.

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