Abenteuerreise - Endurofahren in Kroatien Offroad-Winnetou

Der Süden Kroatiens ist für Enduro-Fans ein echtes Paradies. Mit den richtigen Kontakten lässt sich das sogar familienverträglich mit dem Sommerurlaub verbinden.

Kurz nach fünf Uhr morgens. Noch liegt der kleine kroatische Küstenort Brodarica im Dämmerlicht. Ringsum schläft alles, nur das Meer rauscht sanft von der anderen Straßenseite herüber und wiegt die paar Fischerboote im fahlen Licht der Straßenlaternen. Ohne ein echtes Auge für solch ein Urlaubsidyll schleichen wir um die KTMs im Hof herum, checken nochmals Benzin und Öl und werfen uns dann in unsere Offroad-Montur. Sollen sich andere im Halbschlaf schon auf den nächsten Strandtag freuen, wir haben ganz etwas anderes vor.

Mit einem kräftigen Fußtritt ist es augenblicklich mit der Stille an diesem Augustmorgen vorbei. Zum Glück für die Nachbarn von Moto Bean, wie die kleine KTM-Werkstatt mit dem Zubehörladen heißt, haben wir die Motorräder die Einfahrt bis zur Hauptstraße hinunterrollen lassen. Dort aber zerreißt jetzt Zweitakt-Sägen die Idylle.

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Enduro – Meer – Segeln – Abenteuer-Urlaub

Moto Bean in Brodarica ist gleichzeitig Sitz von Šibenik Adventure, einem kleinen Start-up-Unternehmen von Igor Spahija und Ante Petkovic. Beide motorradverrückt, besonders was Enduros angeht. Daraus hat sich ihre Geschäftsidee entwickelt: Enduro – Meer – Segeln – Abenteuer-Urlaub. Igor Spahija ist nicht nur ein versierter Offroad-Fahrer, sondern auch ein exzellenter Skipper, der die dalmatische Adria in- und auswendig kennt.

Ein paar Tage später nimmt er uns auf dem gecharterten Segelboot unter anderem mit hinaus auf die Kornaten, eine von der UNESCO geschützte, verrückt-kahle Inselwelt in der kroatischen Adria, die neben atemberaubender Unterwasserwelt auch kulinarisch viel zu bieten hat.

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Foto: Spahija
Die Touren bieten Endurospaß mit Leihmotorrädern für jedes Fahrkönnen.
Die Touren bieten Endurospaß mit Leihmotorrädern für jedes Fahrkönnen.

Aber an diesem frühen Morgen geben wir jetzt besser schnell Gas und machen uns aus dem Staub. Wobei – eigentlich werfen wir uns erst richtig hinein, denn zwei Ecken weiter sind wir schon mitten im Enduro-Paradies, wirbeln dicke Staubwolken auf und lassen die letzten Häuser von Brodarica hinter uns – und damit so ziemlich jede Spur von Zivilisation für die nächsten fünf Stunden.

Ganz genau sind wir keine 100 Kilometer nordwestlich von Split, direkt an der Küste Dalmatiens. Hier gibt es im Vergleich zu den bekannten Urlaubsorten auf der Halbinsel Istrien im Norden weit weniger Touristen, dafür eine Menge Natur, anscheinend keinerlei Verbote, was das Endurofahren angeht, und spektakuläre Nationalparks obendrein. Wie den von Krka. In den 1970ern erlangte der seine Berühmtheit, als mit Pierre Brice hier etliche Winnetou-Filme wie „Der Schatz im Silbersee“ entstanden. Krka ist heute unser Ziel, fast 50 Kilometer reine Offroad-Strecke. Wo der Apachen-Häuptling einst ruchlose Banditen jagte, leben wir unsere Enduro-Leidenschaft aus, wie man sich das sonst kaum noch in Europa vorstellen kann.

Ab und an wird das Gelände schwieriger

Nach einigen einfachen Busch-Durchfahrten und leichten Geröllhalden, auf denen Igor und Ante überprüfen, wie es mit unserem Fahrkönnen steht, klettern wir bald im Sonnenaufgang engagiert in den Rasten stehend die steilen Weinberge hinauf. Dazwischen liegen sandige Feldwege, nahezu verlassene Siedlungen und immer wieder wildromantische Schotterpisten mit großen Wellen, über die es sich mit den 250ern prima hüpfen lässt oder auf denen schöne Drifts zusätzlichen Spaß bringen.

Ab und an wird das Gelände schwieriger, müssen wir mit gezogener Kupplung um Felsblöcke und Baumstümpfe manövrieren oder uns im Trial-Stil durch dichtes Buschwerk kämpfen. Enduro-Paradies! Schließlich erreichen wir den Kamm der kleinen Bergkette hinter der Küste und genießen den Ausblick. Das Meer in Dalmatien ist von Inseln übersät, und an diesem klaren Morgen wird uns klar, warum die Einheimischen von ihrem „Meer der 1000 Inseln“ sprechen. Tiefblaues Wasser geht nahtlos in tiefblauen Himmel über, und dazwischen leuchten die unterschiedlich großen Sprenkel aus verblichenem Fels – meist mit dem satten Grün der würzig duftenden Inselvegetation verziert.

Foto: Spahija
Strand oder Gebirge – mit der Enduro kommt man (fast) überallhin.
Strand oder Gebirge – mit der Enduro kommt man (fast) überallhin.

Die Jungs kennen sich aus, zeigen uns die Bucht von Šibenik und die wichtigsten Inseln am Horizont. Die Party-Insel Hvar ganz im Süden oder die mit römischen Ruinen und pittoresker Altstadt sehr sehenswerte Insel Vis – die wir Tage später zusammen mit dem Segelboot umrunden und dabei ausgiebig durch die „grüne Grotte“ schnorcheln. Unweigerlich kommen wir bei dieser ersten Pause auch auf den Balkankrieg zu sprechen.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man hier und da noch Spuren dieser menschengemachten Katastrophe. Igor war Soldat noch vor Kriegsbeginn, musste dann in der kroatischen Armee kämpfen und weiß noch genau, wo der Frontverlauf war. Aber wer heroische Geschichten erwartet, wird enttäuscht. Igor ist froh, „dass dieser Blödsinn“ vorbei ist. Mit einem bübischen Lächeln fordert er uns auf Englisch auf, endlich wieder den Helm aufzusetzen: „There is more, boys.“

Beste Reisezeiten von März bis Juni und September bis November

Leere Versprechen sind nicht sein Ding. Schon bald rinnt der Schweiß in Strömen. Tiefe Canyons, dichte Wäldchen mit engen Trampelpfaden und neue Höhenzüge wechseln sich mit endlosen Graslandschaften inklusive schöner Sprunghügel ab. Eine gewisse Grundfitness sollte man für die Touren schon mitbringen, und langsam wird es durch die jetzt schnell höher steigende Sommersonne richtig heiß. Die beste Zeit für Šibenik Adventure-Touren von März bis Juni und ab September bis weit in den November hinein.

Dann wird es nicht so gnadenlos heiß bis Mittag, und die südliche Adria ist trotzdem warm genug, um darin zu baden. Wer aber früh aufsteht, um so der Sommerhitze auszuweichen, kann selbst mitten im Sommer eine ausgedehnte Endurotour mitmachen – und dafür den Rest des Tages das glasklare Wasser genießen und der Familie gleichzeitig einen perfekten Badeurlaub kredenzen. Je nach Gruppenstärke und Wunsch wechselt Igor zwischen Enduro- und erholsamem Segeltag ab. Oder man hängt an mehrere schweißtreibende Motorradausflüge ein paar Tage mit dem Boot in der wunderschönen Inselwelt Dalmatiens dran.

Foto: Spahija
Kontrastprogramm: Einsame Buchten locken an den Bike-freien Tagen.
Kontrastprogramm: Einsame Buchten locken an den Bike-freien Tagen.

Die entspannten Stunden an Bord haben wir aber noch vor uns, müssen uns den feinen Wein an Deck mit frisch erbeutetem Fisch – sehr lecker im dalmatischen Nationalgericht Brudet – erst noch verdienen. Jetzt wollen wir mit den Motorrädern nach Krka. Doch so langsam geht unsere innere Batterie gegen null, kommt gewaltig Hunger auf. Igor scheint das zu ahnen, denn nach einem weiteren steilen Anstieg über knapp 80 Höhenmeter, der uns noch einmal richtig fordert und an dem wir immer wieder anhalten und die Strecke besichtigen, bevor wir uns gegenseitig über die Felsen helfen, erreichen wir eines der vielen Restaurants, die kein Tourist je finden würde.

Oft liegen diese besseren Imbissbuden an kleinen Kreisstraßen und locken mit riesigem Holzkohlegrill direkt am Straßenrand. Das Fantastische an Igors Ausflügen ist, dass wir mit unseren Maschinen aus dem Offroad-Abenteuer direkt neben dem Restaurant aus den Büschen schlüpfen. Kurz den Staub aus den Klamotten geklopft, frisch an den Tisch. Der Wirt kennt das. Igors Truppe kommt schließlich regelmäßig.

Keiner droht, niemand schimpft

In Dalmatien gibt es neben Fisch an der Küste traditionell vor allem Fleisch – gegrillt natürlich, gern auch schon vormittags. So kommen wir in den Genuss von frischem Lamm mit frischen groben Zwiebeln und fleischigen Tomaten. Gefühlt gibt es keine bessere Verpflegung für hart fahrende Enduristen, und die Menge ist üppig. Die Lebensgeister kommen schnell wieder, und nach dem kleinen obligatorischen Schnaps zum Abschluss, der hier Brandy heißt und aus lokalen Kräutern gemacht wird, geht es weiter.

Wenn wir an entlegenen Gehöften vorbeikommen oder alte Frauen mit ihren Schafherden passieren, wird freundlich gewunken oder uns nur neugierig am Zaun zugeschaut. Keiner droht, niemand schimpft, die wenigen Leute sind ausgesprochen freundlich – von dem einen oder anderen Wachhund mal abgesehen, der sich mit uns und den KTMs hin und wieder kleine Rennen liefert. Also Gas!

Foto: Spahija
Igor weiß, wo es langgeht. Mit dem Guide sieht man mehr als jeder andere Tourist.
Igor weiß, wo es langgeht. Mit dem Guide sieht man mehr als jeder andere Tourist.

Schließlich erreichen wir Krka. Tief hineinfahren in den Nationalpark ist selbstverständlich tabu – ganz ohne Regeln geht es auch hier natürlich nicht. Wer die berühmten Wasserfälle und unzähligen Bassins sehen will, muss über die Bucht von Šibenik den Fluss hinauf und sich in der Hauptsaison in die lange Schlange der Touristen einreihen.

Wir aber sind viel weiter östlich, wo der untere Arm des Flusses oft nur ein Rinnsal ist und kleine Teiche und ausgedehnte Sümpfe tief unter uns im Canyon schimmern. Völlig gefesselt von der Landschaft pötteln wir an der spektakulär steil abfallenden Kante entlang, bis Igor hinter einer Baumreihe seine 250er Richtung Tal manövriert. Er hat nach wochenlanger Suche tatsächlich einen Abstieg bis an die Wassergrenze gefunden, den wir jetzt weit hinten sitzend hinunterfahren. Direkt am Flussufer gibt es die nächste Pause mit Männergeschichten, heldenhaften Fahrmanöver-Analysen und jeder Menge Wasser aus den in Rucksäcken mitgebrachten Flaschen.

Eine großartige Art, Urlaub zu machen

Die Rückfahrt wird noch einmal eine Herausforderung. Längst steht die Sonne hoch und heiß am Himmel, als wir Brodarica wieder erreichen. Es ist fast zwölf. Mit unseren knatternden Bikes fahren wir direkt an die Strandbar und genehmigen uns zum Abschluss der Tour einen Cappuccino. Unsere Kinder planschen derweil längst im Meer, unsere Frauen sitzen entspannt am Kai und haben uns überhaupt nicht vermisst.

Es regt sich auch kein Widerstand gegen unsere Pläne, morgen gleich die nächste Tour zu machen. In drei Tagen geht es dann ja schließlich mit dem Segelboot und Igor als Skipper hinaus in die Inselwelt Kroatiens. Dort warten einsame Buchten auf unsere Schnorchelerkundungen und hervorragende Insider-Restaurants auf unseren Appetit. Eine großartige Art, Urlaub zu machen!

Foto: Spahija
Direkt außerhalb der Universitätsstadt Šibenik wartet das Paradies für Enduristen.
Direkt außerhalb der Universitätsstadt Šibenik wartet das Paradies für Enduristen.

Infos zum Endurofahren in Kroatien

Preise: Die Kosten für die Endurotouren splitten sich auf in 90 Euro Miete fürs Motorrad inkl. Sprit pro Person und Tag. Der Guide kostet 25 Euro pro Person. Für weitere 25 Euro gibt es ein üppiges dalmatisches Abendessen. Die Fahrerausrüstung muss mitgebracht werden.

Unterkünfte: Eine Gruppe von bis zu vier Personen können die Jungs von Šibenik Adventure in einem eigenen Appartement direkt bei der Werkstatt für 25 Euro pro Kopf und Nacht unterbringen. Familien mit Kindern finden eine riesige Auswahl an einfachen Appartements in Brodarica, die auch in der Hauptsaison meist nur um die 80 Euro pro Nacht kosten. Hotels mit bis zu vier Sternen gibt es ebenfalls. Auch ein Campingplatz ist vor Ort. Alternativ bietet sich ein Segelboot als Schlafstätte, das über Charter-Gesellschaften in Šibenik oder Murter angemietet werden und direkt in Brodarica ankern kann. Šibenik Adventure unterhält beste Kontakte zu diesen Verleihern, vermittelt gern und bekommt gute Konditionen. Ein Boot kostet ca. 500 Euro pro Woche pro Person, der Skipper 100 Euro am Tag.

Anreise: Mit dem Pkw sind es ca. 930 Kilometer von München. Mit dem Flugzeug ist Split der nächstgelegene Flughafen (ca. 100 km). Flüge kosten zwischen 200 und 300 Euro, in der Hauptsaison mehr.

Kontakt:

Šibenik Adventure
sibenikadventure@yahoo.com
Tel.: +38 5/98 36 25 27
www.sibenik-adventure.com

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