Allgäu/Lechtaler Alpen (2)

Foto: Eisenschink
Glücklich wer solche Straßen findet.
Glücklich wer solche Straßen findet.
Voller Ungeduld dirigiere ich die BMW über die Romantische Straße quer durch den Pfaffenwinkel. Die Strecke, zeitweise deckungsgleich mit der Deutschen Alpenstraße, ist mittlerweile wesentlich kurviger, die Landschaft ungemein malerisch. Ich bin gespannt auf den Lech, wie er sich in natura inzwischen entwickelt hat.
Hinter Steingaden überquere ich die Brücke nach Lechbruck.

Die Aussicht auf meinen Begleiter ist ganz okay, doch der ultimative Lech-Blick ergibt sich erst am nahezu karibisch grünen Forggensee – mit Sicherheit einer der Höhepunkte in der Laufbahn des Flusses, der sein aus den Alpen mitgeführtes Gletscherwasser hier zwischenlagert. In der Ferne zeichnen sich zackige Berggipfel ab und darunter das Traumschloss von Bayerns Vorzeigekönig Ludwig II.: Neuschwanstein.,Der Abstecher dorthin gerät allerdings zum Albtraum. Wie im Schlussverkauf durchwühlen Hunderte von Touristen die Souvenirläden nach König-Ludwig-Badehandtüchern und Neuschwanstein-T-Shirts. Noch vor der eigentlichen Schlossbesichtigung flüchte ich vor Deutschlands Top-Touristenattraktion, rolle weiter ins benachbarte Füssen. Eine aparte mittelalterliche Stadt im Windschatten des Schlosses, überall perfekt restaurierte Bürgerhäuser, lauschige Straßencafés und Fassaden mit Lüftlmalerei. Und der Lech mittendrin, aber beruhigt und eingezwängt in ein unwürdiges Kanal-Korsett.
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Foto: Eisenschink
Landsberg lockt mit bunten Altstadtfassaden.
Landsberg lockt mit bunten Altstadtfassaden.
Doch schon zwei Ecken weiter stürzt er sich als Wasserfall in eine enge Klamm hinab, in der er kurzfristig verschwindet. Ein letztes Aufbäumen, bevor er auf seinem Nordkurs zur Donau zunehmend in Kanälen und Staustufen domestiziert wird. Der Südkurs in Richtung Quellgebirge erscheint vielversprechender. Schon bald geht es über die österreichische Grenze nach Tirol. Und hinter Reutte, nur gut zehn Kilometer weiter, ist der Lech kaum wieder zu erkennen. In ausgelassenen Schleifen fließt er durch sein breites Kiesbett, schottert kleine Dämme auf, verlegt seinen Lauf offenbar nach Lust und Pegelstand. Auch die Landschaft hat sich verändert. Rundum sind die Berge jetzt höher und zackiger, der erste richtige Pass taucht auf. Als könnte es auch der letzte sein, haste ich mit dem Sporttourer von Serpentine zu Serpentine den Berg hinauf. Mit knapp 1000 Metern bricht der Gaichtpass zwar keinen Höhenrekord, doch Felswände, Schluchten und die gegenüberliegenden Gipfel der Lechtaler Alpen sind plötzlich greifbar nah. Von der Passhöhe noch ein kurzer Blick zurück ins Lechtal, dann brettere ich den Bergen im Tannheimer Tal entgegen. Der Bach kann warten, eine Runde durchs Tiroler-Allgäuer-Grenz-gebiet muss sein.

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