Bodensee-Hinterland (2)

Foto: fact
Eine, die die Milch macht: gemütliche Allgäuer Kuh im Kontakt mit hektischem Städter.
Eine, die die Milch macht: gemütliche Allgäuer Kuh im Kontakt mit hektischem Städter.
Mit jedem Kilometer spult die Honda die Zeit zurück. Aufrecht hinterm verchromten Lenker, die ausgebleichten Instrumente im Blick, läuft der Film. Einer, den man sich in aller Ruhe reinziehen sollte. Ohne Hektik, ohne Stress. Bei den sieben Hegaubergen, fest in badisch-alemannischer Hand, tauchen wir ab ins Land hinter dem Bodensee. Dem See, wo man sich in den Fußgängerpassagen auf die Füße tritt, in überteuerten Straßencafes den Cappuccino mit Sahne serviert bekommt und man sich in langen Schlangen zur Abfertigung an Fahrkarten-Schaltern und Pommes-Buden die Zeit stehlen lässt.
Dreißig Minuten nördlich davon segelt die Honda auf Kurs Südost durch Landschaft und Kultur, die im Stundenrhythmus wechseln. Die Silhouette von Hohentwiel und dem mächtigen Hohen Stoffel im Rücken, kraxelt der alte Twin aus dem idyllischen Wasserburger Tal auf die Hügelkette um Heudorf im Hegau, unseren ersten Aussichtspunkt. Hat man jetzt das Glück eines glasklaren Föhntages, trifft einen der Schlag. Aufgezogen wie im Breitwand-Kino spannen sich die Schweizer Alpen über den Horizont. Die fast kitschige Postkartenidylle wird uns die nächsten vierhundert Kilometer begleiten. Zwar in ständigem Wechsel von Licht und Perspektive, aber auf jedem Höhenzug in Sichtweite.
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Karte: Mairs Geografischer Verlag/Renate Maucher
Zeitaufwand: zwei Tage<br>Streckenlänge: zirka 420 Kilometer
Zeitaufwand: zwei Tage
Streckenlänge: zirka 420 Kilometer
Übers Kurvenkarussell geht’s nach Honstetten, weiter nach Reute Richtung Osten. Wer’s beim Kartenlesen raus hat, fährt sich hier schwindelig. Passt klasse zur alten CB, die auf den langweiligen Bundestraßen nix zu suchen hat. Bei der Pirsch auf kleinsten Wegen geben nun nur noch Sonnenstand und der innere Kompass die Richtung vor. Und die Gewissheit, dass Straßen bis 3,5 Tonnen auch nach Rom führen. Nur eben nicht direkt und in kürzester Zeit. Sondern
beispielsweise über Hecheln, Münchhöf, Mahlspüren. Hurtig die lärmende B 14 überquert, verschwinden wir Richtung Hohenbodman. Aussicht Nummer zwei, die Alpen sind noch da, allerdings vom Dunst des Bodensees leicht verschleiert.
Die Honda fühlt sich wohl. Das Motoröl bleibt, wo es hingehört, die Vergaser haben aufgehört zu sabbern, und der Steuerkettenspanner spannt, was das Zeug hält. Ein Tritt, und wir setzen unsere Reise fort. Kopfüber hinab nach Ernatsreute, über Frickingen auf den Heiligenberg. Schöne Kurven, aber leider versperrt von fetten Reisebussen. Keine drei Kilometer weiter finden wir, was wir suchen. Ruhe in Betenbrunn. Das Örtchen hat alles, was man braucht: Kirche, Kneipe, Kaffee, Kuchen. Und den höchst empfehlenswerten Landgasthof zur Post. Für uns zu früh, der Tag hat noch ein paar Stunden parat.

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