Chiemsee (2)

Foto: Daams
Chiemsee-Tour, MOTORRAD 14/2003
Chiemsee-Tour, MOTORRAD 14/2003
Nie hätte ich gedacht, dass man diese erholsame Mixtur aus Ruhe und mediterranem Flair auch viel weiter nördlich erleben kann. Wenn man sich zwischen Prien, der Hauptstadt des Chiemsees, auf Schleichwegen über Osternach und Rimsting zur Gaststätte „Seehof“ durchschlägt. Voraussetzung: Man fährt an der Raststätte „Chiemsee“ nicht weiter, sondern ab.

Denn wer mediterranes Feeling sucht, kann damit ruhig im Chiemgau schon anfangen. Schließlich herrschen an dem mit 82 Quadratkilometern größten bayrischen See, auch „Bayerisches Meer“ genannt, nicht nur Ebbe und Flut, sondern auch äußerste gefährliche Stürme, deren Warnungen durchaus ernst zu nehmen sind. An diesem heiteren, warmen Spätnachmittag aber schippern die Dampfer der Chiemseeflotte friedlich in ruhigem Gewässer, während Klaus und ich von Rimsting weiter Richtung Gstadt trödeln, um das Seeidyll im Uhrzeigersinn zu umrunden. Sonnenstrahlen huschen durch das dichte Blätterwerk der Birken und Buchen und tanzen auf meinem silbernen Stahlross. Auf der bequemen Yamaha fällt das entspannte Cruisen wahrlich nicht schwer. Immer wieder führen Stichstraßen, wie in Breitbrunn, direkt zum Wasser. Enten paddeln mit leisem Geschnatter um die knarrenden Segelboote, ein paar ältere Herrn plaudern an den Bootsstegen, sonst sind wir allein.
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Foto: Daams
Chiemsee-Tour, MOTORRAD 14/2003
Chiemsee-Tour, MOTORRAD 14/2003
Vor uns im See prangt eine wuchtige Insel. Herrenchiemsee. Irgendwo hinter ihren dichten, grünen Baumkronen muss es verborgen sein, das sagenhafte Schloss des „Märchenkönigs“ Ludwig II. von Bayern. Von den opulenten Wasserspielen im Barockgarten über die Spiegelgalerie bis zum vergoldeten Schlafgemach sollte dieses verschwenderische Traumschloss, erbaut nach dem Vorbild Versailles, eine prunkvolle Manifestation des Absolutismus und eine Hommage an den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. sein. Bewohnt hat Ludwig II. sein luxuriöses Wochenendhäuschen auf dem größten der drei Chiemsee-Eilande ganze neun Tage. Schade eigentlich.

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