Dänemark (2)

Foto: Seitz
Warten auf die Flut: die kleine Fischerflotte von Lönstrup.
Warten auf die Flut: die kleine Fischerflotte von Lönstrup.
Eine kleine Straße führt mich weiter durch eine recht einsame Gegend. Stilles Reisen durch goldgelbe Getreidefelder und an alten Bauernhöfen vorbei. Auf einmal weckt ein merkwürdiges Verkehrsschild mein Interesse: „5 Sving“ ist darauf zu lesen. Fünf Kurven – alle augenscheinlich hintereinander. Na, wenn das nichts ist. Genüsslich nehme ich sie unter die Räder und gelange schließlich an den Limfjorden, der sich quer durch den Norden zieht und von meinem Standpunkt aus so weitläufig wirkt, als stünde ich am Rand der Nordsee. Dieser Fjord teilt Dänemark in zwei Hälften, und somit ist Jütland eigentlich die größte Insel des Landes.

Per Fähre überquere ich bei Hvalpsund einen der zahlreichen Wasserarme, ein paar Kilometer weiter wartet die nächste, dann befinde ich mich auf der Insel Fur. Ein kleiner Flecken im Meer, der allerdings zu den größten Attraktionen des Landes zählt. Die Insel, im Süden flach wie die berühmte Flunder, verfügt im Norden über gewaltige Steilabbrüche, die nahezu senkrecht in den Fjord abfallen. Zwar nicht ganz so spektakulär, wie es die Autoren einer Werbebroschüre beschreiben, aber genial ist der Blick hinunter ins blau schimmernde Wasser schon. Auf dem Rückweg zum kleinen Schiffsanleger statte ich dem Inselmuseum noch einen kurzen Besuch ab. Mich interessiert besonders das Skelett eines Wales, das bei Drainierungsarbeiten auf einem Feld mitten auf der Insel gefunden wurde – und etwa 5900 Jahre alt ist. Damals lag Fur noch tief unter der Wasseroberfläche.
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Karte: Maucher/MOTORRAD
Gefahrene Strecke: etwa 1300 Kilometer
Gefahrene Strecke: etwa 1300 Kilometer
Zurück auf dem Festland geht’s quer durchs Heidegebiet Hjelm Hede über Møgenstrup und Kjeldbjerg hinunter nach Daugbjerg. Der Ort, der durch seine Kalkgruben bekannt geworden ist, in denen jeden Winter bis zu zwölftausend Fledermäuse die kalte Jahreszeit überstehen, hat eine weitere Sehenswürdigkeit zu bieten. Das halbe Dorf wurde 1791 Opfer eines verheerenden Brandes, und nun hat man es wieder originalgetreu aufgebaut – allerdings im Hundehüttenformat. Passionierte Modelleisenbahner würden beim Anblick dieser Anlage ob der Perfektion garantiert Herzrasen bekommen.

Ich peile das verschlafen wirkende Silkeborg an. Um die Stadt liegen die meisten Süßwasserseen Dänemarks, quasi die dänische Seenplatte. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb der Ort am Sonntagmittag wie ausgestorben wirkt – vermutlich sind alle Bewohner mit ihren Booten auf dem Wasser unterwegs. Mich lockt Museum Nummer zwei mit einem weiteren, spektakulären Exponat: In einer schummrig beleuchteten Glasvitrine befindet sich eine rund 2400 Jahre alte Leiche eines Mannes mit einem Strick um den Hals. Sogar seine Lederkappe hat er noch auf dem Kopf. Der Tollundman, wie er nach seinem Fundort genannt wird, war 1950 in nur zweieinhalb Metern Tiefe von Torfstechern entdeckt worden. Der Körper wurde von der tanninhaltigen Torfatmosphäre so perfekt konserviert, dass selbst der Mageninhalt des Mannes analysiert werden konnte: dreißig verschiedene Kräuter und Getreidesorten – vermutlich die Henkersmahlzeit, da der arme Bursche aus irgendeinem Grund aufgehängt wurde.

Gleich hinter der Stadt wirft sich die dritthöchste Erhebung Dänemarks in Pose – der 147 Meter hohe „Himmelbjerget“. Und der Ansturm auf die Gipfelregion ist überwältigend. Massen von Ausflüglern. Auf der Zugspitze geht’s an einem sonnigen Wochenende kaum turbulenter her.

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