Deutschland: Eifel (2)

Foto: Deleker
Erst der Anblick einer gigantischen Satellitenschüssel vermag den Vorwärtsdrang zu stoppen: Die Parabolantenne des Radioteleskops Effelsberg hat einen Durchmesser von 100 Metern und empfängt selbst schwächste Signale aus Galaxien, die bis zu 15 Milliarden Lichtjahre von uns ent-fernt sind – Bereiche des Alls, in die längst kein Fernrohr mehr vorzudringen vermag. Im Besucherzentrum könnten wir mehr über die Welt da draußen, über schwarze Löcher, rote Sterne und blaue Spiralnebel erfahren. Wir überlegen eine Weile, entscheiden uns dann aber lieber für die Eifel als für das All, weil die geplante Strecke noch weit und Tage im Herbst arg kurz sind.

Plittersdorf, Obliers, Liers. Wieder eine dieser eifeltypischen Straßen. Kaum drei Meter breit, Kurven ohne Ende und eine echte Herausforderung für die Fahrwerke. Supersportler würden diese Kickback-Buckelspur meiden wie Gold-Wing-Fahrer die Sahara. Die Kawa hingegen steckt das Stakkato von Löchern und Wellen relativ unbeeindruckt weg. Gebremste Gangart vorausgesetzt. Eine Transalp und ein Trecker begegnen uns. Sonst nichts. Selbst am Samstag herrscht auf den kleinen Eifelstraßen eine paradiesische Ruhe.

Das ändert sich, als es im Ahrtal abermals auf die Bundesstraße in Richtung Nürburgring geht. Der Wochenendverkehr nimmt allmählich zu, und vermutlich sind nicht wenige aus dem nebligen Rheintal hierher geflüchtet. Doch kaum sind wir in Dümpelfeld von der B 257 abgebogen, wird es wieder ruhiger. Wir folgen der Ahr flussaufwärts, genießen die weiten Schwünge der Strecke, gelangen schließlich zum Café Waldfrieden in Schuld. Wo sich die Bikes im Sommer mächtig drängeln, parkt heute nur eine Harley. „Nach Blankenheim? Könnt ihr vergessen. Nebel ohne Ende.“ Sichtlich gefrustet berichtet der Pilot von seinem eher feuchten Fahrtag. Und dass sich die zähe Suppe erst ein paar Kilometer westlich von hier gelichtet hätte. Unser gestecktes Ziel – die Quelle der Ahr bei Blankenheim – müssen wir wohl abhaken.
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Karte: Maucher/Mairdumont
Eine Zeitlang halten wir uns dennoch entlang der Ahr. Tatsächlich wird’s mit jedem Kilometer ungemütlicher, bis wir schließlich kaum noch die Hand vor Augen sehen. Dritter Gang, Tempo 40. Mehr geht nicht. Zudem fährt’s sich auf dem feuchten Belag und dem vielen Laub wie auf Schmierseife. Ätzend. Also nix Ahrquelle. Blinker links in Antweiler, über die uralte steinerne Brücke und hinauf nach Rodder. Dort droben hat das Grauen ein Ende, spannt sich wolkenloser Himmel über die bunten Hügel. Das gute Wetter hat den Wirt von der „Blauen Ecke“ in Adenau sogar dazu motiviert, draußen auf dem historischen Marktplatz noch einmal Tische und Stühle aufzustellen. Der Ort, der mit seinen malerischen Fachwerkhäusern zu den schönsten in der Eifel zählt, wäre ohnehin eine Pause wert gewesen. Kaffee und Kuchen in der prallen Sonne – damit hatten wir heute nicht mehr gerechnet.

Zurück auf die Straße. Die milden Temperaturen haben inzwischen überraschend viele Motorradfahrer auf die Piste gelockt. Die meisten zieht’s wie erwartet in Richtung Nürburgring – nun, das hatten wir ja schon. Birgit und ich suchen auf der Karte dagegen nach ruhigen Nebenstrecken, die uns allmählich zurück zum Rhein führen sollen. In östlicher Richtung wartet allerdings zuerst einmal die Hohe Acht, mit 747 Metern der höchste „Berg“ der Eifel. Ein Fußweg führt zum Kaiser-Wilhelm-Aussichtsturm auf dem Gipfel. Ein lohnender Abstecher, werden nicht nur unsere Füße wieder warm, sondern lockt zudem die weite Sicht über die bunten Hügel der Hocheifel.

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