Deutschland – Fernost (2)

Foto: Obert
Deutschland-Malaysia, MOTORRAD 2/2004
Deutschland-Malaysia, MOTORRAD 2/2004
Die großen Verbindungsstraßen entsprechen europäischem Standard, aber die Entfernungen zwischen den Städten sind gewaltig, die Landschaften meist eintönig. Abseits der Transitstrecken begleiten mich manchmal Mopedfahrer in die Städte. Meine 650er ist hier sensationell, und bei jedem Stopp strömen Leute herbei, halten Kinder hoch, damit sie etwas sehen können.

Es wird heißer. Während westlich des Kaspischen Meeres noch relativ angenehme Temperaturen herrschten, steigen sie weiter im Südosten allmählich auf über 40 Grad. Gegen die gleißende Reflexion von Sand, Asphalt und Steinen hilft keine Sonnenbrille mehr, und ich versuche, möglichst frühmorgens zu fahren. In Bam, der letzten großen Wüstenstadt vor der pakistanischen Grenze, erhole ich mich ein paar Tage. Für die restlichen 450 Kilometer starte ich um vier Uhr früh. Dennoch wird es so heiß, dass ich bis abends acht Liter Wasser brauche.
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Foto: Obert
Deutschland-Malaysia, MOTORRAD 2/2004
Deutschland-Malaysia, MOTORRAD 2/2004
In Pakistan angekommen, habe ich das Gefühl, um mindestens ein Jahrhundert in die Vergangenheit katapultiert worden zu sein. Der Verkehr ist chaotisch, Pferdekutschen, Zweitaktrikschas, fliegende Händler und uralte, verzierte Busse bestimmen das Bild in den Städten. Auf der Straße wird ebenso gekocht wie geschustert oder es werden Felle gegerbt. Mein Ziel ist der Himalaya. Schon in den Hotels um Quetta und Peschawar lockten Großaufnahmen von Nordpakistan. Der Karakorum-Highway! Diese 1300 Kilometer lange Verbindungsstraße zwischen Islamabad und der Handelsstadt Kastigar in China. 1978 wurde sie fertig gestellt, und zeitweise arbeiteten mehr als 25000 Menschen daran. Die Trasse auf der Route der alten Seidenstraße war so schwierig zu bauen, dass die Pakistani sie als achtes Weltwunder bezeichnen. Entlang des Indus schlängelt sie sich zwischen steilen Bergen nach oben, hinein in die weltweit dichteste Ansammlung von über 7000ern. Ganz nah der 8126 Meter hohe Nanga Parbat. Ich genieße jeden Kilometer. An der chinesischen Grenze auf rund 4700 Höhenmetern endet die Traumstraße für mich, eine Einreise nach China ist nahezu unmöglich. Einen Monat verbringe ich in der Region. Die Pakistani erzählen von ihrer korrupten Regierung, die seit den weltmachtheischenden Atomwaffenversuchen von 1999 die Bevölkerung mehr und mehr vernachlässige.

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