Die Wüsten der Erde, Teil 3: Sahara (2)

Foto: Martin
An der Grenze halten sich der Zeitaufwand für den Papierkram und die Höhe des Schmiergelds im üblichen Rahmen, bereits nach wenigen Stunden stauben wir in Richtung Agadez. Zwei Tage später erreichen wir den großen Kamelmarkt vor den Toren der uralten und legendären Karawanenstadt. Dort treffen die unterschiedlichsten Völker der Sahara aufeinander. Haussa-Mädchen mit aufregenden Frisuren, arabische Kamelzüchter mit edlen Reittieren, Tuareg, Tubu und Bororo. Wir lassen uns durch das Gewühl treiben, schlendern durch die Stadt und gelangen schließlich zum Markt im Zentrum, wo wir Vorräte für die nächsten Tage kaufen: Tee, Zucker, Spaghetti und Nescafé. Mehr benötigen wir nicht. Und für mehr wäre auch kein Platz auf dem Motorrad.

Früh am nächsten Morgen heißt es den 40 Liter fassenden Tank und einen Blechkanister randvoll mit Benzin zu kippen, dann geht es los. Wir wollen durch das Aïr-Gebirge bis zu dessen östlichen Ausläufern fahren und folgen anfangs dem Qued Zagado, einem gewaltigen Trockenflusstal. Das Gelände erweist sich trotz Karte und GPS als sehr unübersichtlich, und wir geraten aus Versehen in ein völlig versandetes Seitental.
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Foto: Martin
Einige hundert Meter weiter hat sich die schwere GS dann bis über die Radnaben nahezu unverrückbar in den weichen Sand gebohrt. Es bleibt keine andere Wahl, als die Maschine mit den Händen wieder freizuschaufeln – kein Vergnügen bei der brütenden Hitze in diesem Tal. Um die Auflagefläche des Reifens zu vergrößern, lasse ich Luft ab. Mit viel Gas schieben, reißen und zerren wir die GS wieder in die richtige Richtung, erarbeiten mühsam Meter für Meter. Eine elendige Plackerei und nirgends fester Grund in Sicht. Ich bin heilfroh über die Keramikkupplung, die vor der Reise montiert wurde.

Irgendwann ist es geschafft, und wenig später durchstreifen wir die Mamorberge von Kogo. Dann ist der östliche Rand des Aïr-Gebirges erreicht. Vor uns erstreckt sich der Arakao, eine gewaltige vulkanische Ringstruktur. Durch eine schmale Öffnung hat der Wind Sand in diese 20 Kilometer weite Arena aus Stein geweht und zu einer riesigen Düne aufgetürmt. Von ihrem Gipfel gelingt mir das Titelbild meines Buches. Über die Oasen Iferounâne und Arlit gelangen wir nach Assamakka, die wegen ihrer dreisten und korrupten Beamten gefürchtete Grenzstation der Republik Niger. Ein paar Meter weiter sitzen der algerische „Douane“ und die „Immigration“. Dort warten bereits Bashir und Omar in einem Geländewagen, die uns in Algerien nicht mehr von der Seite weichen werden.

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