Die zehn besten Alpenpässe der Schweiz Hoch hinaus

Pass-Straßen in den Alpen zählen zu den begehrtesten und attraktivsten Motorradstrecken weltweit. MOTORRAD hat sich daher für 2010 vorgenommen, so viele Pässe wie möglich zu testen und die jeweils zehn besten zu präsentieren. Wir starten in dieser Ausgabe mit den Schweizer Pässen und veröffentlichen in lockerer Folge weitere Pass-Highlight.

Zeichnung: Hornig

Die kalten Klauen des Winters können nicht verhindern, dass wir jetzt schon von den Höhepunkten der kommenden Saison träumen. Dazu gehört definitiv Pässe-Fahren. Die Kombination aus schnellen und langsamen Kurven, aus vertikalen Landschaften, atemberaubenden Panoramen, steilen Passagen rauf und runter ist Garant für Glückshormone und unvergessliche Erlebnisse. Unser Nachbarland Schweiz ist mit Traumstraßen gesegnet und reif für den ersten Pass-Test. Weitere Länder werden folgen.

MOTORRAD hat die zehn besten Pässe der Schweiz gekürt und auf einer Skala von eins bis zehn Punkte für folgende Disziplinen vergeben: genereller Fahrspaß, langsame Kurven, schnelle Kurven, Landschaft und Passhöhen-Szenario. Selbstverständlich konnte nicht jeder Kleinstpass in jedem Winkel der Schweiz abgefahren werden, und wir haben versucht, die Passstraßen so zu kombinieren, dass sie in einer großen Runde ohne zuviel „Leerlauf“ abzufahren sind. Der große Sankt Bernhard wird in einer späteren Geschichte behandelt, ansonsten sind alle Pässe dabei, die Rang und Namen haben.

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Sechzehn haben wir getestet – doch jetzt Bühne frei für die Top Ten. Lassen Sie sich anregen für Ihre Saisonplanung, erleben Sie ultimatives Achterbahnfeeling und schreiben Sie uns Ihre Meinung.

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Platz 1: Sustenpass

Start von Waasen, gleich hinter dem Ort griffiger Asphalt, harmonische, sportliche Kurven, spektakulärer Fahrspaß, hohe Geschwindigkeiten möglich, wäre genial für ein Pass-Rennen, die zwanzig Minuten von Waasen bis zur Passhöhe bedeuten grenzenlosen Fahrspaß. Empfehlung: Von der Passhöhe eine kleine Straße noch höher hinauf und dann rasten (oder traumhaft übernachten) im Berggasthaus Sustenpass Hospiz (www.sustenpass-hospiz.ch) zwischen den Kantonen Uri und Bern auf 2265 Metern. Urige, gemütliche Kneipe, grandioses Panorama. Abfahrt nach Innertkirchen spektakulär, etwas langsamere Kurven, dafür intensiveres Landschaftserlebnis, überirdische Ausblicke und stärkeres Achterbahnfeeling. Dieser Pass hat mit seltener Schönheit und Vielfalt den Sieg ehrlich verdient.

Platz 2: Grimselpass

Verbindung zwischen Berner Oberland und Wallis. Start in Innertkirchen, majestätische Kurven, teils breite Straßen, ebener, griffiger Asphalt. Dann großer Stausee, Staumauer, Hospiz, es geht weiter über endlose Kehren, beste Panorama-Blicke, man schraubt sich in eine Mondlandschaft hinauf. Passhöhe sehr touristisch, vor allem an Wochenenden übervoll mit Motorrädern. Tipp: Übernachten (www.grimselhotels.ch), abends vor Sonnenuntergang noch mal die Nordseite runter und rauf, dann ist der Pass leer. Unbedingt: Panoramastraße vom Hotel Alpenrösli kurz vor Passhöhe befahren. Sie führt zum Oberaarstausee: unvergessliche Blicke auf die Gletscherwelt. Hin und Rückfahrt sind der Höhepunkt. Abfahrt über Südseite nach Gletsch: enge Kurven, Asphalt gut.

Platz 3: Umbrailpass

Start von Bormio (Italien), Pass von Beginn an begeisternd mit steilen Kurven durch wilde, bewachsene Hänge, Mischung aus engen und weiten Kehren, einige Geraden, viel Fahrspaß trotz Haarnadeln und etlicher Tunnel, oben wüstenartige Geröll-Landschaft, Mischung aus gutem und reparaturbedürftigem Asphalt. Kurz vor Passhöhe und Grenzstation (fast immer unbesetzt) Abzweig zum Stilfser Joch. Abfahrt ichtung Santa Maria (Kanton Graubünden) in das Val Müstair sehr attraktiv, tolle Serpentinen, schöne Ausblicke, dann von 2200 Metern Höhe bis auf etwa 2000 Meter eine 2,5 Kilometer lange Schotterpassage, vorsichtig auch mit Straßenmaschinen befahrbar. Insgesamt sehr abwechslungsreicher Pass, bei Zwischenstopps Stille genießen, Natur erleben, bis die nächste Ducati naht.

Platz 4: Splügenpass

Start von Splügen (Rheinwald, CH) in Richtung Chiavenna (Sondrio, Italien) durch schottisch anmutende Hochmoorlandschaft, wilde Natur; sehr enge Kehren schrauben sich steil nach oben. Asphalt wellig, aber würzig, Passhöhe Grenze, dann wildromantische Abfahrt, rostige Leitplanken, schöner Kurvenrausch bis zum See Lago di Monte Spluga. Danach geht es los: super enge Haarnadelkurven, steil schlängelt sich enges Sträßchen bis tief runter in die Schlucht, flüssig fahren schwierig, viele dunkle Tunnels und Galerien, dramatische Landschaft, Kehren hören nicht auf bis Chiavenna. Die Nordrampe misst neun Kilometer, die fahrerisch ab dem See sehr anspruchsvolle Südrampe 30 Kilometer, ein Pass für erlebnishungrige Abenteurer, für Anfänger weniger geeignet.

Platz 5: San Bernardinopass

Start von San Bernardino im Tal Misox (Mesocco, CH) Richtung Hinterrhein, viele Kehren durch Wald, Bruchsteinscheunen, auf Hochplateau wilde, pittoreske Berglandschaft, sehr eindrucksvoll. Schöne Kehren, teilweise eng, dennoch oft auch gut ausgebaute Straße, sauberer Asphalt, unkompliziert zu fahren. Auf Passhöhe europäische Wasserscheide und Sprachgrenze zwischen Deutsch und Italienisch. Abfahrt Nordseite durch Via Mala Schlucht wie zum Splügen, wildromantisch, schöne Kehren, Gletscher haben Gestein abgeschliffen, fremdartig ragen aus Felsen die Bauten zur Belüftung des Tunnels, dank diesem wenig Verkehr. Im unteren Teil der Nordrampe weniger spektakulär.

Platz 6: Klausenpass

Einstieg in unsere Pässe-Runde. Start in Linthal (Kanton Glarus) Richtung Altdorf (Kanton Uri). Abschnittweise Kopfsteinpflaster, schmale Straße, teils welliger Asphalt, wechselnde Panoramen: Wald, Almwiesen, Felswände, Hochebene mit Kühen (Achtung: Kühe und Kuhmist oft auch auf der Straße). Mitunter Polizeikontrollen, langer gerader Abschnitt durch Dörfer (mit zahlreichen Einkehrmöglichkeiten) und Auen, dann finaler Anstieg mit spektakulären Panoramen, Serpentinen besser ausgebaut, auch Abstieg nach Altdorf geprägt durch teilweise schöne, ebene Kurven mit griffigem Asphalt, sehr malerische Passstraße. War zwischen 1922 und 1934 Strecke des Klausenrennens für Autos und Motorräder.

Platz 7: Nufenenpass

Start in Airolo (Tessin) Richtung Ulrichen im Wallis. Pass beginnt lieblich mit italienischem Flair, wechselt nach etlichen schönen, nicht zu engen Kehren zu typisch kanadischer Nationalpark-Anmutung, weiter oben dann wilde, zerklüftete, steinige Bergwelt. Zwischen Serpentinen etliche Geraden, ein abwechslungsreicher Landschaftsgenuss. Von Passhöhe (oft frequentiert von vielen Motorrädern) mit See und großem Restaurant grandioser Blick in die Berner Alpen nach Süden auf Griesgletscher. Walliser Seite fällt steil in Schluchten hinab, längere Geraden mit Haarnadelkurven am Ende, trotzdem flüssi­ges, zügiges Fahren möglich, auch dank mehrheitlich sauberem Asphalt. Achtung: öfter furchtlos querendes Murmelgetier.

Platz 8: Flüelapass

Start von Susch vom Ofenpass kommend (auch Einflugschneise zum Reschen oder Bernina) Richtung Davos. Kehren- und haarnadelkurvenreicher Anstieg, nach einigen Kilometern guter Straße dann schlechter, löchriger Asphalt. Aufstieg in wilde, raue, geröllhaltige Gebirgslandschaft, etliche schöne Wasserfälle, auf Passhöhe Motorrad-Treff und kleiner See, die Abfahrt dann besser und spaßbringender zu fahren, weil dank glatterem Asphalt und schnelleren Kurven echtes Achterbahnfeeling entsteht. Achtung: etwa an Baumgrenze eine Hütte, dort regelmäßig Radarkontrollen. Sieht dem Albulapass in sehr vielen Bereichen recht ähnlich.

Platz 9: Albulapass

Start von La Punt Chamues Richtung Alvaneu Bad, Landschaftsanmutung kanadisch, viele enge Kehren, schlechter Asphalt, dann gerade Straße mit weniger Kurven durch weites Hochebenen-Tal, Geröllfelder, um die Passhöhe karge, weite Mondlandschaft, kaum Vegetation, Abfahrt steil bergab in dunkle Täler, reizvoll pittoreske Gebirgsansichten, holpriger Belag, sehr rauer, wilder Pass.

Platz 10: Gotthardpass

Start von Andermatt in Richtung Airolo, Tessin. Auffahrt eher unspektakulär, schnelle, breite Kurven, guter Asphalt, Passhöhe überlaufen, viel Tourismus, Hotels, Shops. Zwei Varianten für die Abfahrt nach Süden: gut ausgebaute Hauptstraße mit seidigem Asphalt, anspruchslos zu fahren, oder „La Tremola“ (Das Zittern), die alte Straße: Vor allem bei Nässe glattes Kopfsteinpflaster, Spitzkehren, bitte vorsichtig fahren!

Foto: Biebricher

Infos

Die Route:
Wir haben versucht, unsere Passroute so zu legen, dass eine Runde möglich ist. Dabei mussten einige weniger attraktiv erscheinende Pässe auf der Strecke bleiben. Die Anreise funktioniert von Zürich oder von Bregenz aus, Start und Ende sind in Nieder-
urnen am Walensee. Wenn man auf der Runde einen Pass zweimal fahren muss oder mal auf italienisches Staatsgebiet gerät, tut das dem Spaß keinen Abbruch, im Gegenteil. Unsere Pass-Abfolge: Klausen, Susten, Grimsel, Grimsel-Panoramica-Straße, Furka, Oberalp, Gotthard (Tremola und neue Straße), Nufenen, San Bernardino, Splügen, Maloja, Albula, Bernina, Levigno, Umbrail, Ofen, Flüela. Das bedeutet 16 Pässe, von denen es aber nicht alle in die Top Ten geschafft haben. Was nicht heißt, dass die anderen spaßfrei sind. Bitte ausprobieren!

Reisedauer: 6 Tage
Gefahrene Strecke: 1500 Kilometer

Die Bewertung:
Um Charakter und Gesamtwahrnehmung der einzelnen Pässe differenziert genug, aber nicht zu kompliziert darzustellen, wurden auf einer Skala von eins bis zehn Punkte für folgende Disziplinen ver­geben: Genereller Fahrspaß, Erlebnisfaktor in langsamen und in schnellen Kurven (kann stark differieren), generelle Landschafts-Eindrücke und die Anmutung der Passhöhe, auf der man meistens kurz innehält, weil sie das geographische Ziel einer Passbefahrung darstellt. Die Bewertung entspringt feinstmöglicher Beobachtung, doch letzlich subjektiven Eindrücken und kann diskutiert werden.

Die Übrigen Pässe:
Auf dem 11. Platz landet der Malojapass mit 22 Punkten, auf dem 12. der Oberalbpass mit 21 Zählern. Dahinter reihen sich ein auf Platz 13 der Ofenpass mit 20, auf Platz 14 etwas abgeschlagen der Furkapass (16 Punkte), Platz 15 bekommt der Bernina (15 Punkte) und Platz 16 der Livignopass, eine eher unspektakuläre Straße, die uns als Verbindung zwischen Bernina und Umbrail diente.

Fahren in der Schweiz:
Man kann auf eidgenössischen Pässen maximalen Spaß haben, sollte aber Geschwindigkeitsbegrenzungen ernst nehmen. Ein bis fünf km/h zu schnell kosten 40 Franken, sechs bis zehn sofort 100 Franken, 11 bis 15 km/h zu viel bedeuten 160 Franken, alles bei null Toleranz. Die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen: 80 km/h. In Orten gelten 50 km/h, auf Autobahnen 120 km/h. Für die Autobahn wird eine Vignette verlangt (27,50 Euro oder 40 Franken), die ein Jahr gilt und beim ADAC, an den Grenzen oder in der Schweiz an Bahnhöfen, Raststellen oder Kiosken zu haben ist. Die Passrunde kann man mit mehr Zeitaufwand auch ohne Vignette schaffen. Bitte beachten, dass Pässefahren viel Reifenprofil kostet.

Karten/Adressen:
Als Basis-Karte empfiehlt sich die Schweiz-Straßenkarte von Kümmerley & Frey (1:301000) für 8,95 Euro. Im Internet helfen folgende Adressen:
www.alpentourer.de
www.traumrouten.com
www.swissinfo.ch
www.alpen.bplaced.net

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