Ein Land – zwei Welten

Während Südkorea inzwischen zu den bedeutendsten Industrienationen der Welt gehört und zugleich eines der reichsten Länder Asiens ist, präsentiert sich der Norden Koreas unter dem kommunistischen Regime Kim Jong-Ils nach wie vor als ein vollkommen abgeschottetes Land mit größten wirtschaftlichen Problemen. Seit den neunziger Jahren haben dort mehrere Hungersnöte zigtausend Todesopfer unter der Bevölkerung gefordert, die in weiten Teilen unter erbärmlichen Umständen lebt. Herrscher und Hofstaat residieren dagegen in prunkvollen Monumentalbauten und sorgen als säbelrasselnde Atommacht regelmäßig für Schlagzeilen.

Die Teilung Koreas ist Folge der japanischen Besatzung, die 1945 von russischen und amerikanischen Truppen beendet wurde. Moskau und Washington einigten sich auf einen – ursprünglich nur provisorischen – Grenzverlauf entlang des 38. Breitengrads. Der Norden fiel unter sowjetischen, der Süden unter amerikanischen Einflussbereich, wo im August 1948 die Republik Korea gegründet wurde. Wenige Wochen später rief Moskau im Norden die »Demokratische Volksrepublik« aus. Schwelende Konflikte zwischen Nord und Süd gipfelten 1950 im dreijährigen Koreakrieg, für dessen Ausbruch sich beide Parteien bis heute gegenseitig beschuldigen. Während des Waffen-stillstandabkommens von Panmunjon wurde erneut der 38. Breitengrad als Demarkationslinie festgeschrieben. Bis heute teilt Korea die am schwersten bewachte Grenze der Welt.

Die atomaren Gebärden Kim Jong-Ils sorgen in der westlichen Welt für große Besorgnis. Innerhalb Koreas wird diese Bedrohung jedoch als wesentlich weniger dramatisch empfunden. Ein Zeichen dafür sind wachsende wirtschaftliche und touristische Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Seitdem es eine Fährverbindung gibt, reisen Jahr für Jahr Tausende Südkoreaner in ein im Norden gelegenes Ferienzentrum – ein erster Schritt, obwohl es sich bei der Anlage um ein eingegrenztes Areal handelt. »Urlauber« dürfen sich in Nordkorea nicht frei bewegen.

Auch der historisch wichtige Besuch des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-Jung in Nordkorea war ein bedeutender Schritt zur Annährung. Kim Dae-Jung wurde im Jahr 2000 für seine Bemühungen um eine friedliche Lösung der Koreafrage mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dass eine Vereinigung der beiden Staaten nach wie vor in weiter Ferne liegt, darüber herrscht allerdings kein Zweifel – zu groß sind die wirtschaftlichen und ideologischen Differenzen. Leidige Umstände, an denen auch die 2002 gemeinsam ausgetragene Fußball-WM nichts ändern konnte.
Anzeige

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote