Enduro-Spaß Just for fun

Was tun amerikanische Mountain Bike-Freaks auf der Suche nach attraktiven Pisten? Sie schrauben Bikes an die Hecks ihrer Enduros und verschwinden dorthin, wo ständig die Sonne scheint.

Die Idee kam über Nacht. Vielleicht lag´s daran, daß wir schon lange nichts mehr Verrücktes gemacht haben. Okay, wir waren Snowboarden in Kanada und hatten uns packende Mountain Bike-Duelle an den Hängen der Vulkane auf Hawaii geliefert. Kann jeder, macht jeder. Doch Paul und ich wollten endlich einmal wieder etwas Neues auf die Beine stellen, nannten uns in Bierlaune ab sofort »Rockshox-Explorer« und definierten unser Bedürfnis: zusammen mit Freunden regelmäßig irgendwo auf dieser Welt auf zwei Rädern unterwegs sein, um Spaß zu haben. Nicht mehr und nicht weniger.Doch wohin? Heli-biking in Neuseeland schied sofort aus. Zu weit und zu teuer. Baja California? Na klar, das isses. Liegt von Los Angeles aus gesehen praktisch vor der Haustür, bietet unzählige Off Road-Kilometer und eignet sich hervoragend zum Testen von unseren neuen Mountain Bikes. Weil wir noch nie auf der sonnenverwöhnten, mexikanischen Halbinsel waren, riefen wir unseren Kumpel Dave an, der dort schon zigmal mit Enduros rumgekurvt ist. Keine Frage, er war sofort mit dabei. Seinen Beschreibungen nach hatten wir genau das richtige Terrain gewählt - doch zwischen den grandiosen Moutain Bike-Pisten lägen viel zu lange und schwierige Off Road-Etappen. Mit Enduros oder Geländewagen kein Problem, mit Fahrrädern dagegen die reinste Schinderei. Plötzlich schoß mir ein Gedanke durch den Kopf: Warum nicht einfach die Fahrräder einfach auf die Enduros verladen?Die Idee gefiel allen. Zumal sich mit der Huckepack-Version völlig neue Möglichkeiten eröffneten: Früh am Morgen vom Lager am Strand starten, per Enduro quer durch die unwegsame Wüste brausen, dann mit den Mountain Bikes abenteuerliche Singletracks in den Bergen entdecken, schließlich auf den Motorrädern wieder zurück zum Strandcamp, wo das Bier in großen Kühltaschen auf uns wartet. That´s paradies. Wir machten uns sofort an die Arbeit, diese Gedanken in die Tat umzusetzen - wir bauten ein Trägersystem.Nächtelang verschwanden wir im Durcheinander meiner Garage, einem Eldorado für Schrauber, weil ich einfach nichts wegschmeißen kann. Wir zerlegten ein altes Gestell, suchten und fanden passende Stahlteile und genügend Schrauben, fingen an zu biegen, zu schweißen und zu schrauben. Schließlich montierten wir unsere erste Halterung an das Heck meiner Enduro, befestigten den Fahrradrahmen und die demontierten Räder und starteten zu einer Probefahrt. Es funktionierte! Zwar litt das Handling der Kawasaki durch den erhöhten Schwerpunkt, aber irgendein Opfer mußte gebracht werden. Zwei weitere Rahmen für die beiden anderen Enduros waren schnell fertiggestellt. Let´s go to Baja!Unser Pickup ist völlig überladen: drei Motorräder, sechs Mountain Bikes, zwei Honda CT 70 Minimotorräder, sechs riesige Benzinkanister, Werkzeug, kistenweise Budweiser, Zelte, Tisch und Stühle, ein Hund und was man sonst noch so für ein langes Wochenende braucht. Die mexikanischen Grenzbeamten trauen ihren Augen kaum und sind nur schwer davon zu überzeugen, daß das ganze Zeug wirklich uns gehört. Dann halten wir uns in Richtung Süden. Immer wilder und einsamer wird das inzwischen wüstenhafte Land, bis wir schließlich auf einem Feldweg abbiegen, der irgendwo an der Küste enden muß. Perfektes Off Road-Terrain, das sich auf der schmalen Halbinsel viele hundert Kilometer von Nord nach Süd ausdehnt. Eigentlich schade, daß wir nur so wenig Zeit haben. Zumal es lange dauert, bis der erste Lagerplatz wohnlich eingerichtet ist, die Gabeln der Mountainbikes montiert und die Enduros startklar sind. Statt zu einer ersten Tour aufzubrechen, staunen wir zwischen meterhohen Kakteen nur noch über die Sonne, die wie ein feuerroter Ball im Atlantik verschwindet.Gleich am nächsten Morgen packen wir die Mountainbikes auf unsere Enduros und verschwinden mit langen Staubfahnen auf den schmalen Trails, die sich durch das schwerzugängliche Gelände winden. Vor kurzem muß hier eine Motorrad-Rallye stattgefunden haben. Wir folgen kilometerweit den ausgefahrenen Spuren, überspringen kleine und große Hügel, bis der Weg irgendwann durch einen engen Canyon führt und schließlich an einem kleinen Wasserfall endet. Hier ist Schluß für die Enduros - aber nicht für uns und unsere Mountain Bikes. Es dauert nur wenige Minuten, die Räder zu montieren und sich aus den Cross-Kalmotten zu schälen. Nach ein paar steilen Schritten bergauf eröffnet sich vor uns in dem hügeligen Terrain die perfekte Kulisse selbst für anspruchsvollste Mountain Biker. Steile Abfahrten, schmale, ausgetrocknete Flußläufe, holprige Singletrails. Wir toben wie Kinder auf einem riesigen Abenteuerspielplatz und probieren die aberwitzigsten Kunststücke und neusten Tricks, vollführen meterlange Wheelies und drehen Piruetten bis zum Umfallen in einer atemberaubend schönen Umgebung. That´s life.Völlig ausgelaugt montieren wir die Bikes wieder auf den Bikes. Der Fahrtwind kühlt unsere erhitzen Körper. Angenehmer als auf einer Enduro hätte die Rückfahrt zum Lager nicht sein können. Vielleicht sollten wir ein Patent auf unseren Fahrrad-Träger anmelden...

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