Entlang der B 27 (2)

Foto: Mutschler
Entlang der B 27 - MOTORRAD 6/2004
Entlang der B 27 - MOTORRAD 6/2004
Bad Wimpfen. Mittelalter pur. Obwohl nicht direkt an der B 27 gelegen, riskieren wir auf der Suche nach einem Frühstück einen Blick, halten unter einer Neonreklame, die milchig-weißes Licht verströmt. "Kiosk Berger". Ein offenes Schiebefenster in einer unscheinbaren, leicht bröckelnden Fassade, der Duft nach frisch gebrühtem Kaffee, belegte Brötchen zwischen Zeitschriften, Holzschnitzereien und Geschenkartikeln, ein überaus freundliches Lächeln. "Nein, ich kann mir wirklich keine andere Arbeit vorstellen." Inhaberin Monika Berger drückt dem nächsten Kunden unverlangt eine Bild-Zeitung und ein Päckchen Camel Light in die Hand. Sie kennt ihre Stammkunden. Geld? "Auf den ist Verlass, der kommt jeden Tag in der Früh und zahlt später." Der Kiosk ist seit 45 Jahren im Familienbesitz, längst eine Institution in dem kleinen Ort. Wachhund Klaus bellt in einer Tour.
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Foto: Mutschler
Entlang der B 27 - MOTORRAD 6/2004
Entlang der B 27 - MOTORRAD 6/2004
Weinberge und der Neckar nehmen die 27 in die Zange. Lang gezogene Kurven. Die ersten Kilometer, die wirklich Spaß machen. Die V-Rod entpuppt sich als heißes Eisen, brennt auf Höhe des Krümmers während der Fahrt ein mittelgroßes Loch in meine betagte Belstaffhose. Bei Mosbach kehrt die Bundesstraße dem Fluss den Rücken. Es geht bergan durch die Ausläufer des Odenwalds in Richtung Würzburg. 90 ziemlich einsame Kilometer durch überraschend karges Land. Dörfer aus Fachwerk, die sich in diesen höheren Lagen wie kleine Trutzburgen gegen Wind und Wetter und gelegentlich gegen die Moderne stemmen: Es gibt noch immer Tante-Emma-Läden, und überall künden Plakate die Heavy-Rockband Bonfire - das sind die Burschen mit den dauergewellten 80er-Jahre-Frisuren - als Topact der Walldürner Rocknacht an. Verkehr allenfalls in Buchen und Tauberbischofsheim. Ansonsten freie Fahrt. Zwischendurch eine Pause, ein Gespräch irgendwo am Straßenrand. Thomas Marold und seine Kollegen vom Straßenbauamt geraten beim Anblick der V-Rod ein wenig ins Schwärmen, finden den Hobel nur viel zu teuer. Ihr Job: Löcher im Teer flicken. Tatsächlich mutiert die B 27 teilweise zu einer wettergegerbten Rumpelstrecke. Ich spür's im Kreuz.

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