Entlang der Weser (2)

Foto: Jo Deleker
Allee bei Hannoversch Münden - eine von vielen entlang der Weser.
Allee bei Hannoversch Münden - eine von vielen entlang der Weser.
Kurz darauf schlängelt sich die Strecke bergab zur Weser, und ich gelange nach Bad Karlshafen. Von hier aus wollte vor etwa 300 Jahren der Landgraf Carl einen schiffbaren Kanal bis Kassel buddeln lassen, um damit den raffgierigen Zöllnern in Münden ein Schnippchen zu schlagen. Aus dem ehrgeizigen Projekt ist allerdings nicht viel geworden: Carls Kanal endet kurz hinter der Stadt, und das Hafenbecken hat nie ein richtiges Schiff gesehen.

Ein paar Kilometer weiter überquere ich erneut die Weser auf einer uralten Fähre, die aus heutiger Sicht ihren modernen Schwestern irgendwie um Jahre voraus ist: Sie kommt gänzlich ohne Motorkraft aus. An einem Seil schräg zur Strömung hängend, bewegt sie sich allein durch die Kraft des Wassers, und man gelangt völlig lautlos auf die gegenüberliegende Uferseite. Genial.

Dort entdecke ich eine sonnige Wiese, wie geschaffen für eine Pause. Ein Blick in meinen Reiseführer ist ohnehin längst überfällig. „Die wonnigste Flussherrlichkeit liegt zu meinen Füßen. Buchen und Eichen noch im Sommerkleide, aber der Erntesegen des Jahres schon in goldglänzende Finnen aufgehäuft. Die Obstbäume drohen zu brechen, und der mit Uferbildern spiegelnd tändelnde Strom wälzt sich als schönster Schmuck dahin. Ein Fuhrwerk klappert am Uferweg entlang.“
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Foto: Jo Deleker
Nein, das ist nicht die Weser, aber liegt auch an der Strecke.
Nein, das ist nicht die Weser, aber liegt auch an der Strecke.
Die Fuhrwerke sind zwar zu Lkw mutiert, aber sonst hat sich offenbar wenig geändert. Ein Ausflugsdampfer malt symmetrische Wellenmuster auf das glatte Wasser. Er erinnert mich an den ultimativen Tipp aus einem Kinderspiel, bei dem es um das längste Wort ging: Oberweserdampfschifffahrtsgesellschaftskapitän.
Das Thermometer ist inzwischen auf über 30 Grad geklettert. Zu heiß, als dass mich die zugegeben wunderschönen Fachwerkstädte Höxter und Holzminden locken könnten. Lieber fahren und den zumindest leicht kühlenden Wind genießen. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter – ich gönne mir einen Abstecher in den Solling – wird die Waldluft frischer. Immerhin erreicht die Straße kurz vor Dassel fast 500 Meter Höhe. Zu meiner großen Überraschung entdecke ich einen geschotterten Waldweg, der ausnahmsweise nicht gesperrt ist. Ich bin gespannt, was mich erwartet, staube durch einen dichten Fichtenwald. Weit vor mir überqueren plötzlich acht Wildschweine die Piste. Stundenlang könnte ich so weiterfahren, aber die nächste Teerstraße lässt leider nicht lange auf sich warten.

Später gelange ich kurz vor Bodenwerder wieder an die Weser. Anstatt weiter in nördliche Richtung zu fahren, peile ich den wohl bekanntesten Motorradtreff dieser Region an, den Köterberg. Mitten in der Woche herrscht hier Ruhe – außer mir haben sich nur eine Hand voll anderer Biker hierher verirrt. Stammgäste, wie ich erfahre. An den Wochenenden, erzählen sie, sei natürlich viel mehr los. Die Strecken rund um den fast 500 Meter hohen Berg seien ja auch ein Traum für jeden Motorradfan. Wirklich. Einen Kaffee später stampft die XT schon wieder auf und davon. Und wir bummeln unbeschwert dahin – die Straßen gehören uns praktisch allein. Die Jungs hatten Recht – bereits das kurze Stückchen zwischen Brevörde und Ottenstein entpuppt sich als absolutes Highlight: tolle Serpentinen (besser als so manche Kehre in den Alpen!) und ein genialer Blick auf die Weser.

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