Expertentipps Benzingespräch

Osteuropa, Afrika, Asien und Südamerika – das bedeutet meist miesen, verunreinigten Sprit und eventuell schädliches Blei im Katalysator. Welche Tipps geben Hersteller und Ausrüster dem Fernreisetouristen?

Beim Thema Katalysator bietet BMW dem Motorrad-Globetrotter keine technische Lösung oder Hilfestellung an. Experten des Hauses meinen zwar inoffiziell, dass der Betrieb mit verbleitem Benzin nur zu einer unwesentlichen Beeinträchtigung der Lambdasondenfunktion und des Katalysators führt. Offiziell und mit Blick auf eventuelle Garantieforderungen weist der Konzern jedoch darauf hin, dass die Verwendung von bleihaltigem Sprit die Konvertierungsrate des Katalysators herabsetzt und die Lambdasonde in ihrer Funktion beeinträchtigt. Handfeste Tipps geben die Bajuwaren jedoch zum Thema Benzinqualität: Um eventuellen Motorschäden durch niederoktaniges Benzin vorzubeugen, raten die Techniker in München dazu, den Zündzeitpunkt in der Werkstatt verstellen zu lassen. Steht nur extrem niederoktaniges Benzin zur Verfügung, hilft laut BMW moderate Fahrweise: »Keine Vollgasfahrten. Hohe Lastanteile über den gesamten Drehzahlbereich vermeiden. Lieber den Motor mit weniger Gas im optimalen Drehmomentbereich fahren.« Fernreiseausrüster wie HPN oder Touratech empfehlen Fahrern aller neueren BMW-GS-Modelle die Demontage des Kats. Entsprechende technische Lösungen sind bei Zubehöranbietern im Programm. Die Folgen von Bleiablagerungen auf der Lambdasonde sieht Touratech-Chef Herbert Schwarz hingegen wenig dramatisch: »Zwar kann die Funktionstüchtigkeit mit der Zeit beeinträchtigt werden, jedoch hat zum Beispiel die Lambdasonde der GS unseres Kunden Michael Martin mehr als 40 000 Kilometer mit verbleitem afrikanischem Bleisprit klaglos überstanden.«Während Vergasermotoren durch Zusatz-Benzinfilter zumindest gegen Schmutz und Schwebstoffe geschützt werden können, rät Schwarz bei Einspritzern von der Montage ab: »Dadurch kann der Benzindruck im System beeinträchtigt werden. Lieber das Original-Filterelement als Ersatzteil mitnehmen. Denn der Seriefilter der GS ist auch gröberen Verunreinigungen gewachsen.« Die Umrüstung auf eine Doppelzündung – theoretisch bei minderwertigem Sprit eine gute Idee - hält Schwarz aber beispielsweise bei den alten Boxer-Modellen für sehr problematisch: »Bei der Doppelzündanlage ist die Zusatzkerze an der Unterseite des Zylinderkopfs angebracht. Ein Sturz - das Ding ist ab und eine irreparable Beschädigung des Zylinderkopfes programmiert. Noch schlimmer wird es, wenn der Funkenschlag des abgerissenen Zündkabels eventuell auslaufendes Benzin entzündet.«Besser ist die globetrottende Kundschaft bei KTM aufgehoben: Die Mattighofener bieten sogar eine Zündbox mit zwei unterschiedlichen Kennfeldern an. Einfach zwei Kabel umgesteckt, und schon läuft der Motor mit einer eigens programmierten Zündkurve für schlechten Sprit weiter. Derart hochgerüstet kann mit der KTM - egal ob in Bayern oder Bengalen – fast immer hemmungslos am Quirl gedreht werden.Fahrer japanischer Motorräder neuerer Bauart suchen derart pfiffige Lösungen leider vergebens, den hier sind nirgends Eingriffe ins Motormanagement möglich. Sie haben aber ohnehin weniger Probleme, da Fernost- Enduros meist niederoktaniger ausgelegt und daher normalbenzintauglich sind. Ist dieser Bonus allerdings ausgeschöpft, bleibt nur noch die moderate Fahrweise und das Vertrauen auf einen äußerst robusten Motorenbau, der vielen Oktanunpäßlichkeiten gewachsen ist.
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