Frühjahrstour Trentino Ciao bella Italia

Die erste Tour im Frühjahr – für Kenner ist das Trentino der Inbegriff des Saisonstarts. Sommer schnuppern im blühenden Val di Non, flanieren am Gardasee und frösteln vor schneebedeckten Adamello- und Brenta-Gipfeln.

Foto: Eisenschink
Frühjahrstour Trentino - MOTORRAD 7/2004
Frühjahrstour Trentino - MOTORRAD 7/2004
Jedes Frühjahr das gleiche Spiel. Eine italienische Vokabel mit acht Buchstaben treibt die BMW und mich in der Morgendämmerung auf die Straße, auf die Brennerautobahn und nach Süden über die Alpen. Sterzing, Bozen, Abzweig Mendelpass, dann das Schild mit dem Zauberwort am Straßenrand: Tornanti – Kehren. Die ersten in diesem Jahr.

Tropfende Felsnasen huschen im Augenwinkel vorbei, dunkle Kiefern und zartgrüne Buchenwälder, die erst seit kurzem Blätter tragen. Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos, die Aussicht reicht übers Etschtal bis zu den frostigen Gipfeln der Dolomiten. Dann ziehen plötzlich Wolken auf, und die Passhöhe auf 1363 Metern empfängt mich mit eisigen Graupelschauern. Und einer Gelateria, die jetzt, Anfang Mai, noch geschlossen hat.

Fondo, Revò, Livo – bereits im Val di Non kehrt der Frühling zurück. Leuchtend gelbe Löwenzahnwiesen und blühende Apfelbaumkolonien bedecken die von Schluchten durchzogene Hochfläche, die in mehreren Stufen nach Süden hin abfällt. Im warmen Fahrtwind schlängle ich mich durch den wohl kurvigsten Obstgarten Italiens – rund 300 000 Tonnen Äpfel pro Jahr werden hier geerntet –, streife Burgen, Palazzi, Bauerndörfer. Buchfink, Wiedehopf und Wendehals singen, Traktoren brummen durch die umliegenden Plantagen, und im Süden erheben sich ein paar schneebedeckte Zacken über dunklem Nadelwald: die Brenta-Dolomiten, Teil des Naturparks Adamello-Brenta.
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Foto: Eisenschink
Frühjahrstour Trentino - MOTORRAD 7/2004
Frühjahrstour Trentino - MOTORRAD 7/2004
In engen Schleifen klettert die Fahrbahn zum Stausee Santa Giustina hinab, auf der anderen Seite geht es hinauf nach Cles. Durch die weit geöffnete Tür des Caffè Bertolasi dudelt alpenländische Volksmusik, eine Espressomaschine kreischt, die Lotto- Annahmestelle hinter der Theke wirbt mit dem Jackpot: »Miliardi, Miliardi« – was noch aus Lire-Zeiten stammen muss. Zwei Straßen weiter lockt das Spezialitätenlädchen La Baita mit »Strudel Val di Non« – einem kulinarischen Relikt aus den Zeiten der österreichischen k.u.k-Monarchie, das man trotz ruppiger Wortmelodie nicht ins Italienische übersetzt. Für herbere Geschmäcker gibt es salzige Varianten wie Speck Val di Non, Speck di Montagna sowie deftiges Schwarzbrot.

Den Tankrucksack bis zum Rand mit Leckereien gefüllt, mache ich mich auf den Weg zum Lago di Tovel. Hinter Tuénno und den letzten Apfelbäumchen tut sich eine Felspforte auf und entlässt mich in ein enges, von Geröllfeldern durchzogenes Tal. Bergfichten rücken an den Fahrbahnrand, an steilen Hängen wuchern Wildblumen und Farne. Rund zehn Kilometer zwirbelt sich das Sträßchen hinauf zum Tovelsee, in dem sich die schneebedeckten Brenta-Gipfel spiegeln.

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