Gespann fahren lernen

Die dreibeinige Asymmetrie muss nicht nur technisch kompensiert werden, sondern auch fahrerisch. Unvorbereitete Motorradfahrer erleben meist bereits in der ersten Kurve den ultimativen Adrenalinstoß. Aber die Sache ist kein Hexenwerk, sondern erlernbar. Optimalen Einstieg bietet ein Lehrgang oder ein Schnuppertraining. Im Frühjahr bieten viele Gespannhersteller – denen diese Anfangsschwierigkeiten sehr bewusst sind – Instruktionstage mit Übungsfahrzeugen an. Oder sie vermitteln an Firmen wie Pro Side-Car weiter, das sich als einziges Unternehmen in Deutschland auf Gespannunterricht spezialisiert und für Einsteiger, Wiedereinsteiger sowie Fortgeschrittene aller Könnensstufen spezielle Trainings konzipiert hat. Bei den ab etwa 200 Euro teuren Wochenendkursen geht es darum, Gefühl und Sicherheit für die ungewohnte Fahrdynamik und die dazu erforderlichen Bewegungsabläufe zu lernen und zu trainieren. Die Crux beginnt beim Lenken – während ein Motorrad zum Richtungswechsel einen gegensinnigen Lenkimpuls braucht, muss ein Gespann mit gleichsinnigem Lenkeinschlag und oft brachialer Muskelkraft ums Eck gezirkelt werden. Und streng genommen fährt es freiwillig nicht mal geradeaus. Denn das angehängte Boot drückt und zieht je nach Lastwechsel (und Bauart) permanent aus der Spur. Das Prinzip ist einfach: Im Schiebebetrieb und beim Verzögern mit älteren, ungebremsten Booten drückt der rechts angedockte Ballast die Fuhre nach links, beim Beschleunigen zieht er sie nach rechts. Unablässig. Ausgeklügelte Fahrwerke, moderne Integralbremsen, die auf bis zu fünf Zangen wirken oder gar angetriebene Seitenwagenräder können diesen Faktor zwar erheblich mindern – völlig abzustellen ist er indessen nicht. Wäre auch schade, denn gerade hier liegt einer der Reize der Gespannfahrerei. Statt diese Reaktion zwanghaft zu vermeiden, gilt es, sie einzubeziehen, zu trainieren und später lustvoll auf Kurvensträßchen zu nutzen. Entsprechend sind Geradeausfahrten in engen Pylonengassen (Abmessungen einschätzen), Richtungswechsel im Slalomparcours, zielgenaues und richtungsstabiles Bremsen (Bild 2) sowie schnelle Ausweichmanöver wichtigste Lehrgangskomponenten. Bis hin zur Königsdisziplin, den in schnellen Rechtskurven steigenden Seitenwagen abzufangen, zu beherrschen und fahrtechnisch später sogar einzubeziehen (Bilder 1 und 3), wird alles trainiert. »Nur was erfahren und geübt wurde, kann später im Ernst-fall richtig umgesetzt werden«, erläutert Chefinstruktor Wolfgang Lorenz das Prinzip. Lediglich die Übung in Bild 4, per Schleudertraining ein ausbrechendes Gespann (Gefahr zu schneller Linkskurven) stabilisieren zu lernen, hat Pro Side-Car aus Sicherheitsgründen wieder gestrichen. Keine einfachen Tage also – aber vielleicht die Entdeckung der neuen, dritten Dimension. Wann probieren Sie es aus?
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