Gran Canaria Vier Stunden zum Glück

Winterdepressionen? Keine Lust mehr auf Regen, Schnee und Kälte in deutschen Landen? Nach wenigen Flugstunden können Sie die Landschaft auf diesen Bildern erleben – Gran Canaria bietet viele geniale Strecken.

Foto: Deleker

Playa del Inglés an der Südflanke Gran Canarias. Hunderte von Hotels in allen Größen und Kategorien, zig Restaurants und Bars, deutsche Supermärkte, Reiseagenturen und Mietwagenstationen an jeder Ecke. Das negative Bild, das Birgit und ich von der Mega-Urlaubsinsel im Kopf haben, wird bei diesem Empfang sogar noch übertroffen. Wir wollen sofort los, um eine andere Seite dieser Insel kennen zu lernen und sind froh, dass sich die beiden Motorräder – eine Honda Vigor und eine Suzuki DR 350 – bereits von daheim reservieren ließen. Gepäck verzurren, Helm auf und Gas.

Schnell verschwinden die letzten Häuser von Playa del Inglés in den Rückspiegeln, und sofort wird alles anders. In weiten Radien kurvt die Straße nach Norden ins Landesinnere, rechts und links braungraue Halbwüste mit vereinzelten Kakteen und Agaven. Direkt vor uns bauen sich schroffe, bis zu 1000 Meter hohe Berge auf. Nackter Fels in Rot, Gelb oder Braun. Lauwarme Frühlingsluft streichelt um die Nase. Kanarischer Dauersommer. Es fällt schwer zu kapieren, dass dies kein Traum ist. Schließlich haben wir gerade erst den fiesen Kölner Winter hinter uns gelassen. Der Flieger überbrückt Distanzen, schafft aber gleichzeitig neue. So dauert es mindestens einen Tag, bis nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf tatsächlich hier angekommen ist.

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Foto: Deleker

Die bildschöne Oase Fataga gibt sich erst gar keine Mühe, geistiges Ankommen für Nordeuropäer zu beschleunigen: Die kleinen, weiß gekalkten Häuser der uralten Finca „Molino del Agua“ ducken sich unter unzähligen Palmen. Wasser plätschert ins Tal, und es riecht intensiv nach blühenden Orangenbäumen. Gut, dass wir in diesem paradiesischen Idyll schon vorab ein Zimmer bestellt haben. Als Einzelreisende ist es nicht leicht, im All-inclusive-Dorado Gran Canaria eine Unterkunft zu finden. Den Nachmittag verträumen wir akklimatisierend einfach im Garten. Genug der Träumerei, am nächsten Morgen sind wir reif für handfeste Entdeckungen. Auf der Karte verlockt eine unscheinbare graue Linie, die bei Fataga südwestlich in die Berge abzweigt. Grau bedeutet unbefestigter Fahrweg. Die Piste entpuppt sich als Volltreffer. Wir stauben durch eine archaisch einsame Bergwelt, tauchen hinab in den steilen Canyon Los Vicentes mit seinen bizarr erodierten Felsen, klettern über einen steilen Pass und erreichen schließlich den Stausee von Ayagaures. Zwei Stunden purer Fahrspaß, bei dem wir nicht einen Menschen treffen. Kaum zu glauben, dass die Touristenzentren an der Küste nur einen Steinwurf entfernt liegen.

Die unzugänglichen Berge verhindern eine direkte Verbindung nach Nordwesten. Also bleibt nur der Weg über die Küstenstraße im Süden. Zuerst aber parken wir unsere verstaubten Motorräder vor einer aussichtsreichen Bar direkt am Strand von Arguineguín. Und fassen eine Riesenportion Eis ins Auge. Danach ein Café Cortado, ein kleiner Schwarzer mit etwas Milch. Unzählige Touristen schlendern auf ihrem Weg zum Strand vorbei. Man trägt Badehose und Gummischlappen sowie weiße, rote oder braune Haut, je nachdem, wie lange man schon hier ist. Die Exoten sind allerdings wir, denn buntes Cross-Outfit steht hier nicht auf der Kleiderordnung. Zugegeben, für den Strandspaziergang oder Stadtbummel sind wir denkbar schlecht ausgerüstet. Umso besser jedoch für den nächsten Abstecher ins Herz der Insel.

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