Helge Pedersen

Zehn Jahre reiste Helge Pedersen auf einem Motorrad einmal rund um Globus und durchquerte dabei 77 Länder. Zur Zeit lebt der norwegische Journalist in den USA, ist aber dennoch oft unterwegs. Von seiner alten Weltreise-BMW hat er sich inzwischen getrennt: Das Motorrad steht im BMW-Museum in München. Infos über seine Reisen gibt’s im Internet: http://globeriders.com.War es schwer, sich nach zehnJahren Reisen wieder an einem Ort niederzulassen?Keine Frage, ja. Man fängt praktisch wieder bei Null an, und es hat lange gedauert, bis ich innerlich zur Ruhe gekommen bin und mich an einen einigermaßen geregelten Tagesablauf gewöhnt und einen neuen Freundeskreis aufgebaut hatte. Aber ich werde das Reisen nie aufgeben - nur daß ich jetzt nicht mehr so lang unterwegs bin.Warum lebst du heute gerade in Seattle/Washington?Ich könnte überall leben - aber in Seattle wohnt meine Freundin Karen.Hat dich deine Weltreise verändert?Wer so lange unterwegs ist, lernt fremde Kulturen zu schätzen und sie zu akzeptieren und entwickelt ihnen gegenüber eine große Toleranz. Und irgendwann habe ich gespürt, daß materielle Werte gegenüber den vielen einzigartigen Momenten, die ich während der Weltreise erleben durfte, einfach zweitrangig sind.Von irgend etwas muß du aber leben.Einen festen Job habe ich bis heute nicht. Aber ich habe soeben ein Buch über meine Weltreise veröffentlicht und halte Diavorträge. Zusätzlich arbeite ich als Guide für Motorrad-Touren in Südamerika, werde im Jahr 2000 eine Reisegruppe einmal rund um die Welt führen und natürlich weiterhin für Motorrad-Zeitschriften aus aller Welt schreiben.Hast du es im nachhinein jemals bereut, deine Familie und Freunde in Norwegen so lange zu verlassen?Ich hatte nie geplant, zehn Jahre unterwegs zu sein. Aber ich habe immer wieder neue Ziele gefunden, und dann wurden es einfach zehn Jahre, von denen ich heute keinen Tag missen möchte. Oder fast keinen, denn natürlich gab es Momente während der Reise, wo ich alles hinschmeißen wollte. Heimweh, Krankheit oder Einsamkeit können einen schon fertigmachen.Wo hat es dir unterwegs am besten gefallen?Diese Frage hat man mir oft gestellt. Aber es gibt für mich keinen Ort auf dieser Welt, den ich in diesem Zusammenhang nennen kann. Jeder Ort hatte seinen eigenen Reiz, und es liegt an einem selber, diesen herauszufinden.Was gehört immer in dein Reisegepäck?Natürlich habe ich immer Zelt und Schlafsack dabei. Aber viele Reisende verschwenden viel Zeit und Geld, um eine möglichst aufwendige Ausrüstung zusammenzustellen. Viel wichtiger sind für mich geistige und körperliche Fitneß. Reisen im Expeditionsstil sind nicht mein Ding.Würdest du noch mal für so lange Zeit aufbrechen? Nichts lieber als das, aber nicht mehr in diesem Leben. Für ein derart intensives Unternehmen fühle ich mich mit 43 bereits zu alt. Aber ich bin unendlich froh darüber, daß ich damals den Mut hatte, einfach loszufahren.
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