Import-Infos

Egal ob Aermacchi, Alfa oder Ape – der Import eines Klassikers aus Italien ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Hier die Tipps zur erfolgreichen Einfuhr eines alten Italos.

Die ersten Schritte: Die Suche sollte bereits zu Hause durch Anzeigen- und Internet-Recherche oder idealerweise Bekannte oder Händler vor Ort gut vorbereitet werden. Wer nach Erwerb die Heimfahrt per Achse plant, muss das Fahrzeug kurzfristig zugelassen werden (Zulassungsstelle: motorizzazione civile). In Italien ist bei einem Besitzerwechsel (passaggio di proprietà) eine notarielle Überschreibungsgebühr obligatorisch, die unabhängig vom Fahrzeugwert bei Motorrädern 180 Euro beträgt, ansonsten zwischen 350 und 500 Euro. Vorgesehen ist dies allerdings nur im nationalen Recht. Wird das Fahrzeug später im Ausland zugelassen, kann darauf verzichtet werden. Achtung – viele Händler wissen das nicht, was zu zeitraubenden Diskussionen führen kann. Ausfuhr aus Italien: Theoretisch besteht die Möglichkeit, ein Export- oder Ausfuhrkennzeichen zu nutzen, wozu das Motorrad verkehrssicher und versichert sein muss. (Eine dreirädrige Ape erwies sich als unklarer Grenzfall, bei dem uns der Vorbesitzer mit der vorübergehenden Zulassung auf seinen Namen aus der Klemme half.) Eine Kurzzeitversicherung (radiazione per l’esportatzion) bietet für 214 Euro der italienische Automobilclub ACI an (Sarah-Versicherungen). Das Ausfuhrkennzeichen (»targa provvisoria per L«Esportazione«) muss über die italienische Zulassungsstelle beantragt werden. Außer dem Fahrzeugbrief (libretto) und der »foglio complementare« ((muss ich noch klären)), ist dafür eine noch gültige TÜV-Bescheinigung (revisione) erforderlich sowie die erwähnte ACI-Kurzzeitversicherung. Der ACI stellt auch das für die Wiederzulassung in Deutschland hochwichtige Eigentümer-Zertifikat aus (»certificato di proprietà). Für den Verkäufer läuft das Verfahren offiziell als Verschrottung (demolizione).Überführung und Zoll: Für ein angemeldetes Gebraucht-Fahrzeug ist an der Grenze keine Deklaration notwendig. Anders kann es aussehen, wenn ein abgemeldetes oder neues Motorrad auf dem Hänger ausgeführt wird. Auch bei der Fahrt per Achse mittels Exportkennzeichen besteht die Möglichkeit, sich die Mehrwertsteuerdifferenz (in Italien dafür die Zustimmung des Händlers einholen) auszahlen zu lassen. (Formular für Neufahrzeuge: «dichirazione di conformita per veicoli di tipo omologato”). Der deutsche TÜV: Für das TÜV-Gutachten benötigt man lediglich die italienischen Fahrzeugpapiere und gegebenenfalls ein Datenblatt des Herstellers. Ein Musterfahrzeugschein kann hilfreich sein. Doch noch wichtiger ist ein TÜV-Gutachter, der Erfahrung mit Einzelabnahmen hat. Dafür ruhig verschiedene Prüfstellen anrufen. Denn gerade bei einer Ape werden beim TÜV und dem Eintrag der Schlüsselnummern für »Typ und Ausführung« die Weichen für die Zulassung als Lkw, Motorrad oder Dreirad gestellt. Mit entscheidenden Folgen für die späteren Kosten bei Steuer und Versicherung.Einzelabnahme: Sie wird nötig, wenn das Vehikel bestimmte EU-Richtlinien nicht erfüllt. Was hier zu Lande unter Umständen mit ziemlichen Kosten verbunden ist. Wer Pech hat, muss Emissionsgutachten oder Materialtests bezahlen. Wir kamen mit 216 Euro für den Ape-TÜV noch passabel weg. Die Kosten variieren mit den Landesgesetzen und Gebührenordnungen der TÜV- oder Dekra-Regionen und können bis 270 Euro betragen.Zulassung: Hat man das Gutachten in der Tasche, kann bei der Zulassungsstelle nicht mehr viel schief gehen. Mitgebracht werden muss der Kaufvertrag, eine Anfrage beim Kraftfahrtbundesamt (13 Euro), das alte Kennzeichen und der Fahrzeugbrief sowie eine Versicherungsdoppelkarte und das bereits erwähnte »Certificato di Proprietà« vom ACI, das den letzten ausländischen Besitzer dokumentiert. Übersetzungen sind nicht nötig. Anschließend müssen die ungültig gestempelten italienischen Papiere und das Nummernschild an den Verkäufer zurückgesendet werden.Weitere Infos: Unter www.markusgolletz.de/ape.htm sind alle Detail-Infos der Autoren zu finden. Außerdem hilft die Webside der Verbraucherzentrale bei den Einfuhrbestimmungen weiter: http://www.verbraucherzentrale.it/23v142d396.html. An aktuelle Literatur zum Selbstimport steht derzeit nur der bedingt empfehlenswert Band »Selbstimport Motorräder, 125er, Roller - Tricks und Adressen für den Selbstimport« zur Verfügung. Von Norbert Albrecht, Axel Koenigsbeck und Max Rabe, Delius Klasing Verlag, xx Euro.
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