Infos

Es braucht nicht zwingend eine Enduro, um zwischen Matterhorn, Montblanc und La Bonette das maximale Alpen-Feeling zu erleben. Bereits auf Asphalt geht‘s in hochkarätige Gipfelregionen, und manche geniale Schotterstrecke ist auch für Straßenmotorräder machbar.

Anreise Ins Terrain der großen Westalpenpässe gelangt man über die Westschweiz oder (von Osten her) über Mailand/Turin. Variante eins führt von der A 5 (Karlsruhe–Basel) über die Schweizer A 1 und A 12 nach Lausanne und von dort per A 9 zur Schlüsselstelle am Aufstieg zum Großen St. Bernhard in Martigny. Die Ostroute nimmt hinter Mailand Kurs auf die A 3/4 ins Aostatal, welches sich prima als Standort für den nördlichen Teil der Tour eignet. Wer Zeit hat, fährt freilich Landstraße und nimmt gleich ein paar Pässe mit.

Reisezeit Die optimale Reisezeit für die extrem hoch gelegenen Wege der Alpen umfasst nur wenige Wochen. So ist der höchste Straßenpass, La Bonette, mitunter nur von Juli bis Mitte September schneefrei. Je tiefer und südlicher man ansetzt, desto weiter dehnt sich das Zeitfenster Richtung Juni und Oktober aus. Wobei in diesen Randzonen mit instabilen und kühlen Wetterlagen gerechnet werden muss. Im Juni zählt ein Gewitter fast zum Tagesprogramm. Dafür herrscht deutlich weniger Trubel als in den Ferienmonaten Juli und August.

Übernachten Wer besonders bergverbunden übernachten will, findet vor allem im Aostatal und seinen Stichtälern zum Nationalpark Gran Paradiso sehr schöne Campingplätze. Zum Beispiel am Ende des Val Savarenche auf luftigen 1800 Höhenmetern. Stilvolle Zimmer in alten Walliser Holzhäusern gibt es dagegen auf der Schweizer Seite des Alpenkamms. Unzählige Möglichkeiten bieten dort die Täler Val d’Anniviers und Val d’Hérens. Sie liegen quasi im touristischen Windschatten der Mega-(Wintersport-)Reviere rund um Zermatt und Verbier. Viele Hütten und Chalets sind dort auch wochenweise als Feriendomizile zu mieten. Wer auf Komfort verzichten kann, sollte mal eine Berghütte wie die Cabane Brunet ins Auge fassen. Es gibt zwar oft nur Mehrbettzimmer mit Stockbetten und ein einfaches Tagesgericht, aber näher kann man dem urigen Bergleben kaum rücken. Um die 40 Euro inklusive Abendessen und Frühstück kostet der Spaß pro Person. Auf Wanderrouten gelegene Hütten überlässt man während der Saison fairerweise der Hauptzielgruppe.

Orientierung Trotz zunehmenden Trends zur GPS-Navigation kamen auf dieser Tour gute, alte Papierkarten zum Einsatz. Unserer Meinung nach noch immer die schnellste, einfachste und sicherste Orientierungshilfe – vor allem Offroad. Beste Begleiter waren für Italien und die Schweiz die Generalkarte „Italien“, Blatt Nr. 1, und in Frankreich das Michelin-Blatt Nr. 523 „Französische Alpen“. Beide in 1:200000 für je 7,50 Euro. Schotterausflüge wurden mit jeweils vor Ort gekauften 1:50000er-Wanderkarten ausgearbeitet. Teurer Stoff, aber hochpräzise. Literarisches Basiswerk für Pässe-Fetischisten ist der schwergewichtige Denzel-Alpenstraßenführer für 36 Euro.
Das Motorrad Große Nachricht für kleine Leute: Es gibt sie, die Leichtenduro mit Bodenkontakt. Bei dieser Tour kam eine modifizierte KTM 400 EXC Racing, Baujahr 2006, zum Einsatz. Da die serienmäßigen Federwege (295/320 mm vorn/hinten) fürs Endurowandern mehr als genug sind, wurden sie zugunsten der Sitzhöhe gekappt: statt luftiger 925 Millimeter hatte diese EXC nur 825. Was sich zwar als etwas zu viel des Guten und nachteilig fürs Handling erwies, trotzdem hatten wir mit dem nur 114 Kilogramm schweren Hüpfer leichtes Spiel. Fünf Zentimeter Entgegenkommen wären bei einem Körpermaß von 1,60 Meter vermutlich ideal. Umbaukosten ab etwa 300 Euro. Info: Road Star Motorcycles, 90763 Fürth, Telefon 0911/974787; www.roadstar-motorcycles.de. Und noch was: Nach einjähriger Abwesenheit taucht die 400er 2009 wieder im KTM-Programm auf. Als sanfte Abrundung nach unten. Gut so!

Reisedauer: 6 Tage
Gefahrene Strecke: zirka 1000 Kilometer
Anzeige

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel