Interview mit Michael Martin

Wie viele Dias hat Michael Martin in den Wüsten der Erde geschossen – und warum schläft er draußen im Garten?

Du hast Dir fünf Jahre Zeit genommen, um durch die Wüsten der Welt zu reisen. Bitte, nenn uns ein paar Zahlen und Fakten. Wie viele Länder? Wie viele Kilometer? Wie viele Filme?
Elke Wallner und ich sind durch 50 Länder auf allen Kontinenten gereist. Dabei haben wir rund 100 000 Kilometer im Sattel unserer BMW R 1150 GS verbracht und etwa 2200 Filme belichtet (à 36 Aufnahmen entsprechen 79200 Dias; Anmerkung der Redaktion). Die Bildauswahl für den Vortrag und den Bildband war nach jeder Etappe Schwerstarbeit.

Warum zieht es Dich immer wieder in Wüstengebiete?
Ich liebe es, in Wüsten unterwegs zu sein. Diese Landschaftsform ist so unglaublich abwechslungsreich. Manchmal gefährlich, dann wieder romantisch. Und Wüstenreisen sind immer eine Herausforderung. Als Fotograf gefallen mir zudem die Farben und Formen, außerdem schätze ich die Menschen, die gelernt haben, in diesen teilweise extrem lebensfeindlichen Gebieten zu überleben. So etwas prägt sehr starke Persönlichkeiten aus.

Dein Motorrad sieht völlig überladen aus. Dazu Elke als Sozia. Wäre ein Auto nicht das bessere Fahrzeug für so ein Unternehmen?
Im Prinzip schon, vor allem, wenn man nebenbei noch fotografieren und filmen muss. Oft waren wir vom Fahren so erschöpft, dass wir kaum noch Kraft dazu hatten, die Kameras in die Hände zu nehmen. Weitere Probleme sind Reichweite und Nutzlast – beides reicht eigentlich nicht aus. Trotzdem stellt das Motorrad immer wieder eine ideale Brücke zu den Menschen dar. Egal, wenn wir getroffen haben – auf Grund des Motorrads wurden wir praktisch überall extrem freundlich empfangen. Selbst die ansonsten sehr strengen chinesischen Zollbeamten waren bei unserem Erscheinen recht zuvorkommend und interessiert. Außerdem macht Motorradfahren in der Wüste schlichtweg Spaß.

Eine monatelange Diavortrags-Tournee, Dein neuer Bildband, der Film und weitere Veröffentlichungen – das klingt nach extrem viel Arbeit. Würdest Du wieder so ein gewaltiges Projekt in Angriff nehmen? Und wenn ja – welches?
Ja, es ist verdammt viel Arbeit. Doch ich werde von einem guten Team unterstützt, Sponsoren helfen bei der Finanzierung, außerdem habe ich 20 Jahre Erfahrung in diesem Geschäft. Alles in allem werden uns die »Die Wüsten der Erde« zehn Jahre beschäftigt haben: fünf Jahre Reisen und fünf Jahre Auswertung. Was danach kommt, weiß ich jetzt noch nicht. Auf jeden Fall wieder Wüste!

Wo verbringt Michael Martin eigentlich seinen Urlaub?
Damit sieht’s erst mal schlecht aus. Nach dem ersten Tourneewinter werden Elke und ich mit unseren Kindern während der Osterferien in den Süden fliegen, vermutlich nach Italien – und definitiv ohne Kamera! Aber Elke und mir fehlt schon jetzt das Reisen, das Gefühl, stets in Bewegung zu sein, etwas Neues zu entdecken. Weil wir uns so an unsere nomadische Lebensform gewöhnt hatten, haben wir später daheim praktisch jede Nacht im Sommer in unseren Schlafsäcken draußen im Garten geschlafen.
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