Kenia – Kapstadt (2)

Foto: Rein
Afrika-Tour, MOTORRAD 5/2004
Afrika-Tour, MOTORRAD 5/2004
Zurück auf der Hauptstrecke, peilen wir das Nachbarland Uganda an, engagieren für den Grenzübertritt einen der vielen wartenden Schlepper, der sämtliche Formalitäten ruck, zuck erledigt. Auf einer breiten Piste rollen wir westwärts – und sind praktisch die einzigen motorisierten Fahrzeuge. Lediglich Fahrradfahrer auf in Indien produzierten Stahleseln begleiten uns unablässig. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass deren wilder Fahrstil sehr stark an den von Betrunkenen erinnert.

Wir erreichen den Murchison Falls-Nationalpark, entdecken auf einer Piste im Schutzgebiet frischen Elefanten-Dung. Da wir im dichten Busch praktisch keine Sicht haben und das Grollen der Motoren sämtliche Warnungen der Tierwelt übertönt, tasten wir uns nur langsam vorwärts. Plötzlich kreuzt eine Giraffe, und gleich darauf entdecken wir eine Herde Elefanten auf einer Lichtung am Rand der Strecke. Wir halten sofort an, wagen kaum noch zu atmen. Ein Ehrfurcht gebietender Anblick, wie sich die Tiere gemächlich in Bewegung setzen und zwischen den Bäumen verschwinden.
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Foto: Rein
Afrika-Tour, MOTORRAD 5/2004
Afrika-Tour, MOTORRAD 5/2004
Schließlich stehen wir am Ufer des Weißen Nils, setzen mit einer Fähre auf die gegenüberliegende Seite über, gelangen nach weiteren 30 Kilometer zum Nilfall, wo wir in Hörweite der tosenden Gischt unser Nachtlager aufschlagen. Zur Krönung des Tages genehmigen wir uns ein kurzes Bad in einer von Felsen geschützten Bucht, können von unserem Logenplatz sogar einige Flusspferde beobachten. Afrika wie in unseren schönsten Träumen.

In Tansania angelangt, verladen wir die beiden BMW in Bukoba auf einen völlig überladenen Bananenfrachter, der uns über den Victoriasee nach Mwanza bringt. Zu schade, wir müssen dort endgültig von unserem Traum, den Serengeti-Nationalpark auf den Motorrädern zu durchqueren, Abschied nehmen. Mit Ausnahme von Uganda sind in Afrika Motorradabstecher in die Schutzgebiete aus Sicherheitsgründen streng untersagt. Das bedeutet einen etwa 750 Kilometer weiten Umweg auf einer extrem schlechten Piste. Wir kommen nur mühsam voran, leiden unter dem Staub, der von den zahlreichen Lkw aufgewirbelt wird – Überholen gleicht fast schon einem todesmutigen Manöver. Mehrere Plattfüße und Ölverlust am hinteren Federbein meiner HPN-BMW vermögen unsere Laune auch nicht unbedingt zu bessern. Und dann verhüllt sich auch noch der Kilimandscharo in dichten Regenwolken – unsere Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.

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