Krieg und Frieden

Foto: Eisenschink
Vermutlich sind in Europa nur wenige Regionen so von Krieg und tausendfachem Sterben gezeichnet wie die deutsch-französische Grenze. Neben Flandern war Elsass-Lothringen vor allem im Ersten Weltkrieg Schauplatz erbitterter Gefechte. Nach der Annexion im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 durch das Deutsche Reich war die Region eine schwärende Wunde, die keinerlei Terrainverlust zuließ. Für oft nur wenige Meter Frontverschiebung wurden von beiden Heeresleitungen immense Opfer akzeptiert. In fast deckungslosen Sturmangriffen fielen die ersten Reihen unweigerlich im Granaten- und Maschinengewehrfeuer. Der stets folgende Gegenangriff egalisierte den Bodengewinn meist wieder. Stellungskrieg hieß die Taktik, die 1915/16 allein in den Südvogesen an Hartmannsweiler- und Linge-Kopf 100000 Soldaten das Leben kostete. Und in Verdun nahe Metz wenig später unvorstellbare 700000. Der Krieg, der eigentlich in wenigen Monaten erledigt sein sollte und den beinahe alle Häupter Europas gebilligt hatten, war in eine Vernichtungsdimension extremsten Ausmaßes geraten. Von der sich Europa, allen voran Frankreich, lange nicht erholte. Als Hitler das in der Versailler Verträgen daraufhin aberkannte Elsass 1940 erneut überfiel, streckte Paris bald die Waffen. Der Alptraum aus Not und Verderben war noch zu präsent. Dass beide Länder inzwischen friedlich Seite an Seite Europa gestalten, war 1945 undenkbar. Die Umsicht der Nachkriegspolitiker, aber auch die freundliche Aufnahme im heutigen Elsass kann vor diesem Hintergrund nicht hoch genug geachtet werden.
Anzeige

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote