Laos (3)

Foto: Johann
Unsere Route zweigt nach Südwesten ab. Ziel: Pakbeng. Die Berge bäumen sich noch einmal auf, dann bricht der Mekong gewaltig breit sein Bett durch die braunen Felsen. Er wird uns von Pakbeng nach Luang Prabang führen. Mit Hilfe vieler einheimischer Hände werden die Motorräder auf schmale, lange Flussboote verladen und an den hölzernen Bordwänden verzurrt. Wir nehmen auf rosa Plastikstühlen Platz, unmittelbar neben dem ungedämmt hämmernden Dieselmotor. Der Lärm ist ohrenbetäubend, doch es gibt kein Zurück. In Badeschlappen und blauer Adidas-Jacke manövriert der Kapitän den beträchtlich schaukelnden Kahn in die Fahrrinne, rammt dabei sichtlich unirritiert einen im Weg stehenden Frachter und dampft volle Kraft voraus Richtung Westen.

Neun Stunden sind es bis Luang Prabang, dem heimlichen Herzen von Laos. Als wir aufbrechen, hängt noch dichter Nebel über dem Fluss, hinter den steilen Sandufern zeichnet sich schemenhaft der Urwald ab. Büffel trotten am Wassersaum, Fischer staken auf Bambusbooten durch die Fluten, Frauen schleppen bunte Wäscheberge zu seichten Kehrwässern. Der Mekong – die Lebensader des Landes. Auf halber Strecke steigen ein paar Mönche und 17 weitere Fahrgäste von einem havarierten Kahn zu uns um, der Tiefgang wird beträchtlich. Vor Engpässen und Stromschnellen heißt uns die Kapitänsgattin mitunter, die Sitzordnung zu wechseln, um das Boot zu entlasten.

Auf vielfachen Wunsch wird an der heiligen Grotte Tham Ting gestoppt, eine der wichtigsten buddhistischen Kultstätten in Nordlaos. Eine steile, dem Wasser entsteigende Treppe führt hinauf in den Tempel, wo Tausende kleiner und großer Buddha-Statuen im mystischen Halbdunkel versammelt sind. Die Mönche entzünden Weihrauchstäbchen und verneigen sich zum Gebet, während die übrigen Bootsausflügler fotografieren. Was die Herren nicht zu stören scheint. Überhaupt haben sie wenig Berührungsprobleme mit der Weltlichkeit, interessieren sich für Hondas und rauchen derart dicke Joints, dass später das halbe Schiff in Wallung gerät. Die Erklärung ist einfach: Fast jeder laotische Mann wird für zirka acht Monate Mönch, nur manche bleiben es ein Leben lang.
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Karte: Maucher
Luang Prabang nimmt uns mit silbernen, siebenköpfigen Drachen und goldenen Tempeln in Empfang. Mit prachtvollen Kolonialzeitvillen, ungezählten Klöstern und einer fast vergessenen Geschäftigkeit. Klingelnde Tuk Tuks preschen durch die Stadt, coole, sonnenbebrillte Jungs hinter den Lenkern. Romantische Uferlokale, lebhafte Märkte und Massen von Touristen zeichnen jenes Bild, das wir von Vientiane erwartet hatten. Luang Prabang – die alte Königsresidenz. Im Morgengrauen ziehen Hunderte von Mönchen zur rituellen Opfergabe über die Straßen, von japanischen Glaubensbrüdern ehrfürchtig abgelichtet. Spätestens seit Luang Prabang 1995 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, war es um seine Weltabgeschiedenheit geschehen.

Wieder auf der N 13, erwartet uns der Rückweg nach Vientiane. Ein letztes Mal geht es in schönen Schräglagen durch die Berge, bevor wir in engen Serpentinen hinab ins schwülwarme Schwemmland rollen. In der Kehre, wo er vor zwei Jahren überfallen wurde, steht ein ausgebrannter Bus. Kurz danach, zack, schon wieder ein platter Reifen. Tropische Hitze in der Luft – und das bedrohliche Fauchen eines nahenden Buschbrands. Rad raus, Reifen runter, Schlauch im Eiltempo geflickt, ein paar Französinnen bieten besorgt ihre Hilfe an. Danke, wir kommen klar. Rad rein, Bremse drauf und schnellstens raus aus der Feuerlinie. Die Luft hält zwar nicht wirklich, aber Hauptsache bis ins nächste Dorf!

Noch vor Sonnenuntergang erreichen wir Vientianes Außenbezirke – und sehen nun auch die Nebenschauplätze. Die Dirnen vor den Fernfahrer-Kneipen, die Ratten und Fledermäuse auf den Grills, die Abgründe ärmster Vorstädte. Es wird dunkel. Mit vollen Scheinwerfern segeln wir Richtung City, die schwüle Luft des Schwemmlands beißend mit dem Rauch der Holzfeuer vermischt. Brennende Augen, Sand auf den Lippen, dann die erste Ampel seit 14 Tagen. Leuchtreklamen und gleißende Neonhelligkeit. Nach den Ursprüngen der Menschheit ist Vientiane überhaupt nicht mehr merkwürdig und still, sondern gigantisch. Doch wir sind es, die sich verändert haben.

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