Lesbos (2)

Foto: Seitz
Lesbos-Tour - MOTORRAD 9/2004
Lesbos-Tour - MOTORRAD 9/2004
Ich mache mich auf den Weg in Richtung Westen. Auf einer Straße, die sich durch die Landschaft windet, als wäre sie ein Aal, kurve ich nach Mithimna, das allein der Lage wegen der Touristenort schlechthin auf Lesbos ist: Das alte Dorf liegt eindrucksvoll am Hang, überragt von einer mächtigen Burg, eine Hinterlassenschaft der Genueser aus dem 14. Jahrhundert. Das perfekte Postkartenmotiv.

Zwischen den Ausläufern des Lepetimnosgebirges und den Skoutaroshügeln gelange ich nach Kalloni, biege allerdings kurz vor der Stadt zum Kloster Limonos ab, dem größten auf Lesbos, in der eine der bedeutendsten Bibliotheken der griechischen Kirchengeschichte aufbewahrt wird. Eine Männerwelt: Frauen haben bis heute keinen Zutritt in die Hauptkirche und auf den Platz davor. Und die orthodoxen Mönche plagen weltliche Sorgen – der Erhalt der imposanten Anlage gestaltet sich aus Geldmangel immer schwieriger.
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Foto: Seitz
Lesbos-Tour - MOTORRAD 9/2004
Lesbos-Tour - MOTORRAD 9/2004
Am nächsten Tag geht es raus zum Strand beim antiken Andissa, zur Taverne von Dimitrio Kotsini, der früher einmal in Deutschland gearbeitet hat und sich nun freut, seine damals erworbenen Sprachkenntnisse hervorkramen zu können. Seine Taverne ist stets gut gefüllt, zählt auch unter den Einheimischen zu den beliebten Adressen. Sirtaki tönt aus den Lautsprechern – griechische Musik, die Lebensfreude, aber gleichzeitig auch Leid und Trauer auszudrücken vermag.

Ein älterer Mann steht auf, rückt ein paar Stühle zur Seite und beginnt zu tanzen, als wäre er Alexis Sorbas. Am Nachbartisch wird spontan mitgeklatscht. Nach dem Lied nimmt das Leben wieder seinen normalen Lauf. Eine Szene, als würde eine Tür geöffnet, durch die ich einen Blick in die griechische Seele werfen darf.

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