Lüneburger Heide (2)

Foto: Eisenschink
Lüneburger-Heide-Tour, MOTORRAD 19/2003
Lüneburger-Heide-Tour, MOTORRAD 19/2003
Wieder kommen wir an kleineren Heideflächen vorbei, lassen die „Oldendorfer Totenstadt“ mit ihren Großsteingräbern allerdings rechts liegen. Beweis dafür, dass die Gegend schon in der Bronzezeit besiedelt war. Lüneburgs Aufstieg begann später. Und den hatte die einstige Hansestadt dem „weißen Gold“ zu verdanken: Salz, das über die Flüsse Ilmenau und Elbe sowie über den Landweg bis nach Skandinavien verhökert wurde.
Als wir auf den großen Platz „Am Sande“ einbiegen, wird uns der einstige Reichtum der Stadt deutlich vor Augen geführt. Rund um den über 200 Meter langen Platz reihen sich jahrhundertealte Häuser mit herrlichen Fachwerkfassaden, Renaissance-Giebeln und Backstein-Verzierungen. Da der „Sande“ mittlerweile verkehrsberuhigt ist, muss die Bimota schmollend auf den Seitenständer, während wir in den Gassen rund um den Platz verschwinden und schließlich das Salzmuseum zu entdecken. Wo wir erfahren, dass gigantische Mengen Holz verfeuert wurden, um das salzhaltige Wasser verdampfen zu lassen. Übrig blieben das kostbare Salz - und die kahlgeschlagenen Heideflächen.
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Foto: Eisenschink
Lüneburger-Heide-Tour, MOTORRAD 19/2003
Lüneburger-Heide-Tour, MOTORRAD 19/2003
Heute bevölkern Studenten die 70 000-Einwohner-Stadt, und nirgendwo in der Heide ist abends so viel los wie am Stintmarkt am Ufer der Ilmenau. Gerhard kann sich gar nicht mehr einkriegen wegen all der Ziegelfassaden.

Lüneburg ist übrigens nicht die einzige Stadt, die auf einem Salzstock steht. Etwa 70 Kilometer weiter östlich nahe der einstigen Zonengrenze sorgt bereits seit Jahrzehnten der kleine Ort Gorleben für Schlagzeilen, dessen Salzstock immer wieder als Atommüll-Endlager in der Diskussion steht. Der damalige Ministerpräsident Albrecht habe nur deshalb dort ein Lager gewollt, um die naheliegende DDR zu ärgern, erzählen sich die Einheimischen. Wahrscheinlicher ist, dass im verschlafen Wendland, wie die Gegend heißt, in dem Sommers die Störche auf den Dächern nisten und die geringste Bevölkerungsdichte der alten BRD herrschte, nicht viel Widerstand erwartet wurde. Denkste! Fast jeder Ort der Region macht seit Jahrzehnten eisern geschlossen mobil gegen atomare Anliegen jedweder Art.

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