Marokko-Senegal mit Benelli TnT Mister Incredible

Mit dem Motorrad von Marokko bis in den Senegal zu fahren ist im Prinzip nichts Ungewöhnliches. Dass es allerdings ein völlig Offroad-unerfahrener Pilot im Sattel einer Benelli TnT wagt, ist wohl einzigartig

Foto: Cheadle
Eines vorweg: Bei diesen Bildern handelt es sich um keine Fotomontage! Das, liebe Afrika-Traveller – und haltet Euch gut an Euren verbeulten Aluboxen fest –, was da von einem Burschen in verwegener Mad-Max-Optik durch den afrikanischen Sand pilotiert wird, ist tatsächlich eine Benelli TnT. Ein italienisches Brutalo-Bike, konstruiert für den Boulevard, für die Balz in lauen Sommernächten, für den konkurrenzlosen Sprint von Ampel zu Ampel. Dass dieser Paradiesvogel im Sand eine noch viel bessere Figur als vor dem Café macht – zumindest rein äußerlich gesehen –, wer hätte das gedacht? Aber: Kann so etwas sein? Darf so etwas überhaupt sein?

Dem englischen Journalisten Gary Inman stellen sich diese Fragen überhaupt nicht: „Für meinen ersten Afrika-Trip musste es das Motorrad meines Lebens sein!“ Eben jene rattenscharfe Benelli, auf der er von Marokko via Westsahara und Mauretanien bis in den Senegal fahren will. Stollenreifen, Gepäckträger oder extra großes Spritfass? „Nix da, schon allein wegen der Optik. Und gibt es für eine Benelli eh nicht.“ Die italienische Motorradschmiede ließ sich von Garys Plan begeistern und stellte dem Engländer eine geringfügig modifizierte TnT zur Verfügung. Bessere Kühlung und tourentaugliche Reifen – das musste reichen. Mit ein paar Spannriemen fixiert Gary Packtaschen, Benzinkanister und Gepäckrolle auf dem winzigen Soziusplatz. Sitzt, wackelt und hat Luft. Ab sofort kennt der 33-Jährige nur noch ein Ziel: Dakar, die Hauptstadt des Senegals und alljährliche Final Destination der härtesten Rallye der Welt. Dorthin wollte er schon immer.
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Foto: Cheadle
Dass marokkanische Straßen bisweilen über eine ordentliche Asphaltdecke verfügen, tut Mann und Maschine gut. „Die Strecke von der spanischen Enklave Ceuta durch das Atlas-Gebirge bis nach Fés, Marrakesch und Agadir war ein Kinderspiel und im Prinzip kein großer Unterschied zu Südeuropa.“

Auf diesem Terrain vermag die Benelli den Piloten völlig zu begeistern. Und nicht nur ihn. Wo der Nobelhobel auftaucht, strömen die Menschen zusammen, bestaunen dieses merkwürdige Gefährt mit dem Insektenantlitz, wollen es anfassen, draufsitzen und wenigstens einmal den brutalen Sound des mächtigen Dreizylinders hören. Mailänder Messe oder marokkanischer Basar – die Szenen beim Anblick einer TnT sind überall identisch.

Gelegentlich trifft Gary auf andere Reisende. Zumeist erfahrene Wüstenfreaks mit entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen. Jedes Mal die gleichen verwunderten Blicke beim Auftauchen der ungewöhnlichen wie augenscheinlich denkbar ungeeigneten Fuhre, jedes Mal die gleiche Frage: „Damit bis in den Senegal?“ Gary, von einem schier grenzenlosen Selbstvertrauen erfüllt, nickt fest entschlossen, passiert nach einigen Tagen die Grenze zur Westsahara, rauscht nach Laayoune und schließlich bis Dakhla. Minen rechts und links der Straße, Konvoipflicht, UN-Soldaten zum Schutz gegen Rebellen: „Meiner Frau habe ich solche Einzelheiten besser verschwiegen“, gibt der Vater eines kleinen Jungen später zu. Gute Freunde schüttelten ohnehin den Kopf, als sie von seinem Plan hörten. Weil Gary kaum über entsprechende Reise- und schon gar nicht über Offroad-Erfahrung verfügt. Der einzige Trost für die Daheimgebliebenen: Unter Afrika-Kennern gilt die Atlantik-Route als „einfachster“ Wüsteneinstieg, sozusagen Sahara light.

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