Menschen und ihre Motorräder: Mit der Honda Transalp durch Afrika Afrika - ein Motorrad-Erfahrungsbericht

Erstaunlich, was ein Serienmotorrad alles aushalten kann, wenn es muss. Tobias Dreissig berichtet von seiner ungewöhnlichen Tour durch Afrika, mit einem ungewöhnlichen Reise-Enduro.

Foto: www.afrikamotorrad.de

Ein gutes Motorrad wollte ich. Es sollte Alltagstauglichkeit, zuverlässige, wartungsarme Technik und ausreichend Leistung bei moderatem Spritverbrauch vereinen und nicht viel kosten. Da kam die 1992er-Honda-Transalp mit 18.000 Kilometern für 500 Euro gerade recht. Nach einem Unfall war sie ein wirtschaftlicher Totalschaden. Mit einer gebrauchten Gabel und etlichen Verkleidungsteilen wurde sie wieder fahrbereit.

Den Kotflügel montierte ich hoch und die CDI liegend, weil sich die Steckverbindungen der Zündbox als Schwachpunkte herausgestellt hatten, da sie durch das Durchbiegen der Sitzbank gerne mal abbrechen. Die Transalp wurde zu meiner ständigen Begleitung, die mich auch in schwierigen Situationen weniger oft im Stich ließ als so manche Frau. Gemeinsam küssten wir oft den Boden, fuhren bei Regen und Schnee zur Uni und in den Urlaub. So kamen wir nach Tunesien oder durch Kroatien, Montenegro und Albanien bis nach Griechenland. Alle 12.000 Kilometer bekam sie neues Motoröl und etwa alle 20.000 Kilometer neue Reifen.

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Als die Maschine knapp 60.000 Kilometer auf dem Tacho hatte, entschied ich mich, mit ihr meinen Traum einer Reise durch Afrika zu erfüllen. Mit einem selbst gefertigten, stabilen Motorschutz aus Alu-Blech und selbst gebauten Alu-Koffern mit eingebautem 230-Volt-Konverter wurde sie zum Fernreisemobil befördert. Außerdem musste der ausgefranste Kupplungszug getauscht, und die Chokeschieber, die mangels Nutzung gerne festgammeln, mussten gängig gemacht werden. Zum ersten Mal kontrollierte ich das Ventilspiel. Es lag wie erwartet im Toleranzbereich.

Die schwach dimensionierten, hinteren Radlager hielten bis Ägypten. Ersatzteile gab es überall am Straßenrand. Im Sudan erlag das untere Lenkkopflager dem feinen Sand, der während eines Sturms eindrang. Weil kein Ersatzteil zu kriegen war, musste fortan das obere Kegelrollenlager im unteren Sitz Dienst tun, oben gab ein normales Rollenlager wenigstens den nötigen Seitenhalt. Bis Südafrika gab es keine weiteren Defekte, obwohl ich mit dem beladenen Bike auf schlechten Straßenabschnitten immer wieder heftig stürzte. In Kenia bekam die Transalp frisches Öl und einen neuen Filter.

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Das wars. Sie erklomm problemlos den 2873 Meter hohen Sanipass im Königreich Lesotho und durchquerte knietiefe Flüsse in der legendären Baviaanskloof in Südafrika. Gelegentlich mussten wir auch zu Boden. Kein Problem. Doch bei einem plötzlichen Erdrutsch stürzten wir gut 20 Meter in die Tiefe. Mit der Hilfe von neun Polizeibeamten gelang es, die zertrümmerte Maschine an einem Seil aus der Schlucht zu ziehen und mit einem Geländewagen die 100 Kilometer zurück zur asphaltierten Straße zu bringen.

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Der Motor des Wracks sprang an, als sei nichts gewesen. Ohne Vorderbremse, Tacho, Spiegel oder Scheinwerfer setzten wir unsere Reise bis nach Port Elisabeth fort. Hier wurde mein Motorrad wieder in einen guten Zustand versetzt. Es bekam neues Öl, Mitas-E07-Reifen (der erste Satz hatte 20 000 Kilometer Afrika ausgehalten), einen neuen Kettensatz, eine Bremspumpe, Spiegel und eine kleine Lampenmaske, mit der es besser aussah als je zuvor. Die schlechten Straßen durch Angola und den heißen Kongo auf dem Weg zurück nach Deutschland verlangten der schwer beladenen Transalp einiges ab.

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Sie wurde ihrem Ruf als zuverlässiges Reisemotorrad jedoch gerecht, fächelte sich mit ihrem Lüfter bei schwierigen Sandpassagen fleißig Luft zu und schwächelte nie. Auf dem Weg von Kamerun nach Nigeria setzte die Regenzeit ein. Wir versanken im Matsch, schafften die 250 Kilometer bis zur Grenze jedoch trotzdem.

Nachdem wir mit Vollgas einem Überfall entkommen waren, bei dem sich jemand hinten an meine Koffer hängte und versuchte, mich zu stoppen, wurde das Motorrad bei Mercedes in Asaba per Dampfstrahler vom überall klebenden Schlamm befreit. Es bekam neues Motoröl aus dem Autohandel und ließ sich durch nichts weiter aufhalten. Selbst als uns in Mauretanien der Fahrer eines Toyota Landcruiser mit hoher Geschwindigkeit rammte und die Honda mit mir durch die Luft geschleudert wurde, beschränkte sich der Schaden auf den völlig zerbeulten Alukoffer und den Ausfall der kompletten hinteren Beleuchtung.

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Es brachte mich sicher bis vor eine kleine Werkstatt in Marokko, nachdem sich abermals die hinteren Radlager verabschiedet hatten. Der Austausch dauerte hier keine 30 Minuten und kostete zehn Euro. Inklusive neuer Lager. Inzwischen sind wir wieder in Deutschland. Meine Transalp hat 100.000 Kilometer auf dem Tacho und befindet sich mit etlichen Neuteilen aufgebrezelt wieder im Bestzustand. Ölverbrauch war nicht messbar, das Ventilspiel immer noch im Toleranzbereich. Wir sind bereit für neuen Stress.

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