12 Bilder

Mit dem Motorrad unterwegs in Kroatien Sonne, Wasser, heiße Kurven

Die einen kennen es als günstiges Urlaubsparadies an der Adria, die anderen kommen wegen der Rennstrecke mit endlosem Grip: So oder so verspricht das nördliche Kroatien rund um Rijeka einen heißen Trip.

Manchmal überholt die Geschichte selbst das schnellste Motorrad. 13-mal fand zwischen 1978 und 1990 auf der Rennstrecke von Rijeka - offizielle Bezeichnung: Automotodrom Grobnik - ein Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft statt. Der für den 16. Juni 1991 geplante Große Preis wurde dann wegen der ausbrechenden Jugoslawienkriege abgesagt. Der Rest ist bekannt. Und soll nicht zum x-ten Mal wiedergekäut werden. Trotzdem müssen Marcus und ich kurz schlucken und ein paar Jahreszahlen sortieren, als beim ersten Restaurantbesuch dieser Kroatien-Tour die freundliche Bedienung ganz nebenbei erzählt: „Ich war im Krieg in Deutschland.“ Emina ist 23, in Bosnien geboren, in Stuttgart aufgewachsen und nun kurz vorm Abschluss als Master of Economy. Der Job im Hotel dient zur Finanzierung ihres Studiums.

Unser komfortables Haupt-Quartier für die nächsten Tage ist das aus der k. u. k. Epoche stammende „Hotel Bristol“ in Opatija. Kroatiens ältestes Seebad strotzt, mehr noch als das benachbarte Rijeka, vor stuckverzierten Prachtbauten. Dazu üppige, subtropische Vegetation, in deren Grüntöne sich unsere wie eine exotische Echse schillernde Kawasaki Z 1000 SX harmonisch einfügt.

Raus aus der Stadt, ab zum Fährhafen Brestova. Zypressen pieksen mit ihren Spitzen in den blauen Himmel, Jachten stechen in See, und als sei das ansteckend, kann dich auf der kurvigen, gut ausgebauten Küstenstraße schnell der Hafer stechen. Besonders, wenn gleich die Fähre zur Insel Cres ablegt. An Bord des Schiffes auch einige Kollegen in Cross-Montur, untrügliches Indiz für die Offroad-Tauglichkeit der Region.

Anzeige
Foto: Daams
Kaiserfest in Opatija.
Kaiserfest in Opatija.

Sicher haben sie uns längst entdeckt, die auf Cres heimischen Gänsegeier. Kilometerweit scannen sie bei der Suche nach Aas die Landschaft, als Willkommensgruß kreist ein Pärchen der gefiederten Gesellen über den in Porozina von der Fähre gekommenen Neuankömmlingen. Wer Vertretern des fliegenden Entsorgungskommandos selbst mal in die scharfen Augen blicken möchte, findet dazu Gelegenheit in dem von Umweltschützern betriebenen Eco-Center in Beli. Sind Geier und Blechschlangen entschwunden, hat man leicht das Gefühl, allein auf dem kargen Eiland zu weilen. Welch trügerische Vorstellung. Sobald die Motorräder verstummen und irgendwo auf dem Seitenstreifen neben dorniger Macchia parken, ertönt vieltausendfach aus winzigen Trommelorganen das monotone Stakkato des Südens. Was ist gegen dieses Klappern der perfekt getarnten Zikaden das bibbernde Schnattern in einem kalten Deutschland? Doch wer fährt schon nur zum Hören ans Meer. Es locken idyllische Badebuchten, das Wasser leuchtet von flaschengrün über türkis bis tintenblau.

Anzeige
Foto: Daams
Intensive Sinneseindrücke: das pittoreske Hafenbecken auf Cres im gleichnamigen Hauptort der Insel.
Intensive Sinneseindrücke: das pittoreske Hafenbecken auf Cres im gleichnamigen Hauptort der Insel.

Wohin auch immer dich die Odyssee schließlich treibt: Kein Weg führt auf Cres an dem gleichnamigen Hauptort der Insel vorbei. Cafés und Restaurants umrahmen das pittoreske Hafenbecken, doch wir dürfen die letzte Fähre zurück aufs Festland nicht verpassen, wo in Opatija die „Pizzeria Roko“ bis nachts um eins weder Wünsche offen noch Mägen leer lässt.

Wahlweise über eine imposante, 1300 Meter lange Brücke oder per Fähre von Cres aus lässt sich Krk erreichen, größte der kroatischen Inseln. The same procedure as yesterday: Badebuchten-Casting und Inspizieren der Inselhauptstadt, dazwischen Sporttouring. Das Leben kann so simpel sein. Und wie gut, dass die verschwitzten Motorradklamotten, im Gegensatz zu so manchem Kleidchen, blickdicht sind. Am Strand von Glavotok lädt uns ein Altfreak zur Bootsfahrt mit Picknick in einer Geheimbucht ein, ergänzt um die Bitte, doch mal eben ’ne Runde mit dem schönen Moped drehen zu dürfen. Da damit der Tag vermutlich gelaufen wäre, heißt es auf Wiedersehen und Abfahrt zum Hafen von Krk.

Foto: Daams
Intensive Erinnerung: Freude am Fahren und an der Natur auf Cres.
Intensive Erinnerung: Freude am Fahren und an der Natur auf Cres.

Statt dort zu sinnieren, warum es schon wieder eine Namensgleichheit von Stadt und Insel gibt, studieren wir das Treiben an der Boots-Tankstelle. Die Zapfsäule an der Kaimauer ist eine echte Herausforderung. Manche Freizeitskipper kriegen die Leine zum Festmachen nicht an Land und drehen beim vierten erfolglosen Wurfversuch ab, andere bleiben beim Navigieren im Hafenbecken mit den Wanten am Anker des Fischkutters „Virginia“ hängen. Wer im Urlaub ein Boot chartert, wird damit genauso wenig Käpt’n auf großer Fahrt, wie der Pilot eines Mietrollers nicht zu Valentino Rossi mutiert. Apropos prominente Zeitgenossen: 49 v. Chr. lieferten sich die Flotten von Cäsar und Pompeius eine Seeschlacht vor Krk. So geschichtsträchtig ein Bummel durch das alte Festungsstädtchen wäre: Manchmal versinkt man lieber in den Sesseln der Bar „Casa del Patrone“, genießt chillige Mucke, einen Panoramablick auf Marina und Altstadt sowie prima Apfelkuchen.

Fehlt noch das Sporttouring. Vorbei an Wakeboardern und Wasserballern, die in der Bucht von Punat ihre blauen Spielfelder haben, brennen wir durch die Berge nach Stara Baška. Eine Fünf-Sterne-Strecke, Achterbahnfahrt zwischen glühender Steinwüste und Abkühlung versprechenden Fluten.

„Tunja, Tunja“ - so hieß es früher, wenn sich Thunfischschwärme in die Bucht von Bakar verirrt hatten. Sobald die Fische von eigens dafür errichteten Aussichtstürmen, den Tuneras, gesichtet waren, wurde die Bucht mit Netzen dicht gemacht, und das große Halali begann. Heute sind die schräg übers Wasser ragenden Holzleitern nur noch folkloristisches Relikt, längst ist die Adria von Thunfisch so leer geräumt wie die Vier-in-nix-Marshall-Auspuffanlage eines Lokalmatadors, der mit der Devise „Shorts and Sounds“ durchs nächtliche Rijeka knallt.

Samstagmorgen. Wochenende, wohin du guckst. Rappelvoll die Küstenstraße runter nach Senj. Damit es auf dem einst abenteuerlichen Autoput heute nicht zu oft kracht, ist prophylaktisch reichlich Rennleitung unterwegs, meist auf BMW R 1150 RT. Also ist Cruising-Modus angesagt. Unsere Chance, wenigstens den Synapsen ein bisschen Dampf zu machen. Also: Weite Teile der Küste und Inseln sind karstig, weil der Mensch zur Natur ziemlich garstig war, all die schönen Bäume abholzte und daraus Schiffe baute; nicht zu vergessen die Stützpfeiler für Venedig. Als wehte es direkt von Italien herüber, bringt in irgendeiner offenen Strandbar Gianna Nanninis „Bello e impossibile“ die Herzen zum Schmelzen. Alles andere als ein laues Lüftchen ist die berüchtigte Bora, ein tückischer Wind im nördlichen Mittelmeer, der aus heiterem Himmel ganze Campingplätze abräumen kann.

Wir flüchten auf die serpentinengespickte 23, hoch zum Vratnik-Pass und weiter in Richtung Plitvicer Seen. Dann Kurskorrektur nach Nordwesten und bei Prokive ab nach Krivi Put. Das schrundige Sträßchen ist superschmal und macht uns mit so vielen Hühnern bekannt, wie die Kawa Pferde hat. Kulminationspunkt ländlichen Lebens dann in Nicona: ein prähistorischer Trecker, zwei Schweine, drei Heuhaufen, keine Handvoll Häuser und Snježana, was Schneewittchen bedeutet. Wild winkend hält sie uns an, stellt uns ihrer Familie vor und lädt zum Slibowitz. Bevor Marcus oder ich zwangsverheiratet werden, flüchten wir erneut in die Berge und später an das Autodrom Grobni, wo vor imposanter Bergkulisse Superbikes um Rundenzeiten fighten.

PS: Manchmal überholt die Geschichte selbst die schnellste Redaktion. Wenn diese Reportage gedruckt ist, gehört Kroatien schon fast zur EU. Bleibt nur die Frage: Welches Hotel managt dann Emina?

Foto: Daams
Reisedauer: drei bis vier Tage. Gefahrene Strecke: 900 Kilometer.
Reisedauer: drei bis vier Tage. Gefahrene Strecke: 900 Kilometer.

Infos

Rennstreckenbesuch, Inselhopping, Badeurlaub - das nördliche Kroatien rund um die Kvarner-Bucht bei Rijeka bietet genau die richtige Mischung für abwechslungsreiche Tage. Mitunter bereits im Frühling.

Anreise: Von München sind es via Salzburg, Villach und Ljubljana über mautpflichtige Autobahnen sowie durch diverse ebenfalls gebührenpflichtige Tunnels etwa 520 Kilometer nach Rijeka. Für weiter aus dem Norden Anreisende lohnt möglicherweise der Autoreisezug (www.dbautozug.de) bis Villach, von wo es noch 210 Kilometer bis zum Ziel sind.

Unterkunft: Gut 20 Jahre nach Ausbruch der Jugoslawienkriege ist Kroatien wieder das, was es schon zuvor war. Ein beliebtes Urlaubsland am Mittelmeer mit entsprechend vielfältiger touristischer Infrastruktur. Die Übernachtungsmöglichkeiten reichen von Campingplätzen an schönen Buchten über eine Vielzahl von Privatzimmern bis zu Hotels unterschiedlichster Standards. In der Hauptsaison empfiehlt sich rechtzeitige Reservierung. Je nach Gusto wählt man zwischen idyllischer Insellage auf Cres beziehungsweise Krk oder aber urbanem Nightlife, wie es die Hafenstadt Rijeka und das alte Seebad Opatija garantieren. Dort sehr fürstlich: „Hotel Bristol“, Telefon 0 03 85/51 70 63 00, www.hotel-bristol.hr, DZ ab 108 Euro. Günstiger: „Hotel Opatija“, Telefon 0 03 85/51 27 13 88, www.hotel-opatija.hr, ab 48 Euro.

Reisezeit: Das mediterrane Klima beschert warme Sommer (im Schnitt 30 Grad) und wenig Niederschlag. Wer nicht unbedingt baden will, kann aber bereits ab März und bis November die Vor- bzw. Nachsaison genießen.

Literatur/Karten/Netz: „Nordkroatien“, Michael Müller Verlag, 18,90 Euro. Straßenkarte: „Kroatische Küste“, Verlag freytag & berndt, 1:200 000, 9,95 Euro. Rennstrecke: www.grobnik.hr, Touristeninformation: www.croatia.hr

Kroatien
Hauptstadt: Zagreb
Fläche: 56542 km2
Unabhängig seit: 25.6.1991
Währung: Kuna
Einwohnerzahl: 4480034

Foto: Daams
Ein kleines Paradies: Blumenmeer an der griechischen Küste.
Ein kleines Paradies: Blumenmeer an der griechischen Küste.

Reise-Box

Motorradtour durch Kroatien
Kroatien zu entdecken bedeutet vor allen Dingen, Wasser in allen Farben wahrzunehmen. Beim Inselhopping über die in den dunkelblauen Wellen der Adria weiß leuchtenden Kalksteininseln Cres und Krk wird die Intensität des beeindruckenden Farbenspiels deutlich. An ihren Küsten wetteifern die Badebuchten um das Prädikat „Schönste im ganzen Land“, während auf dem Festland kleinste Sträßchen auf ihre Wiederentdeckung durch Motorradreisende war-ten. Sie schrauben sich zu sagenhaften Aussichten auf die traumhaft schöne Küste hoch - und führen zu manch versteckt gelegenem Wasserfall, dessen grü-nes Wasser sich über bemooste Spuren in die Tiefe stürzt. Das MOTORRAD action team bietet gleich vier siebentägige Reisetermine an, siehe Terminkasten unten, nähere Infos unter www.actionteam.de.

Kurvenspaß mit Blick aufs Meer
Kontrastreich präsentiert sich die action team-Tour Panadria-tica, die von Italien entlang der Adria nach Griechenland führt. Versteckte Sträßchen führen durch die teils grünen, teils karstigen Landschaften Sloweniens und Kroatiens und offenbaren immer wieder grandiose Aussichten auf die traumhafte Küste. Weiter geht es Richtung Südost durch vom Fortschritt fast vergessen wirkende Landstriche Montenegros, Albaniens und Mazedoniens. Bald schon ist der Norden Griechenlands erreicht, reich an Zeugnissen aus mehreren Jahrtausenden Kulturgeschichte. Und abends erwarten den Motorradler malerische Küstenstädtchen, laue Meeresluft und ein erfrischender Sprung in die Wellen der Adria.

Termine

Panadriatica
07.09.-20.09.13
2350 Euro
Kroatien
11.05.-19.05.13
1050 Euro
Kroatien
15.06.-23.06.13
1050 Euro
Kroatien
07.09.-15.09.13
1050 Euro
Kroatien
10.09.-18.09.13
1050 Euro

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote