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In MOTORRAD 3/2016: Motorradreise durch Bolivien.

Motorradreise durch Bolivien Der alte Mann und das Gör

Erfahrener Globetrotter nimmt sich einer jungen Studentin für ihre erste Südamerika-Tour an. Ein Abenteuer an sich – und zwar für beide. Wenn das ungleiche Gespann dann noch quer durch Bolivien fährt, ist in jedem Fall für Hochspannung gesorgt.

Tintenschwarze Dunkelheit wird jäh zerrissen von einem gleißend hellen Lichtstrahl. Was zum Teufel ist das?!? Ein Ufo, das da gerade im bolivianischen Busch landet? Dieses grelle, stark blendende Licht scheint jedenfalls nicht von dieser Welt. Im zweiten Gang kurz über Standgas, eine Hand schützend vor den Augen, ist es gar nicht leicht, die vollbepackten Motorräder auf grobem Schotter so in der Balance zu halten. Noch ein paar blinde Meter und wir haben es geschafft, die Quelle des außerirdischen Blendwerks passiert und … Laute Rufe, irgendetwas bewegt sich im Schatten. Nur langsam gewöhnen sich die Augen und erkennen Soldaten in Camouflage-Uniformen. Ein Trupp bis auf die Zähne bewaffneter Männer zwingt uns mit vorgehaltenen Waffen zum Anhalten.

In zwei Gruppen umstellen sie uns, hindern uns mit groben Berührungen daran, von unseren Motorrädern abzusteigen. Geblendet von einer in die Augen gehaltenen kräftigen Taschenlampe, sind im Umfeld nur noch Gewehrläufe zu erkennen, als die schroffe Aufforderung ertönt: „Pasaporte!“ Die Jungs der Drogenpolizei sind echt schlecht drauf. Was aber schlimmer wiegt, sie sind nervös! Das überträgt sich leider auch auf die Gestellten! Und das sind wir, Madi und ich!

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Spinnt der jetzt komplett?

Nachdem ich meinen Pass wieder in den Händen halte, überlassen die Soldaten mich auf dem Motorrad sitzend der Dunkelheit, die mich sofort umschließt. Nicht mal der Tankrucksack direkt vor mir ist zu sehen. Genervt möchte ich einfach losschreien … Aber als ich nach oben sehe, erstickt dieses fantastische Sternenzelt meine Wut und lässt alles ringsherum vergessen. 

Ach ja, Madi hinter mir wird ja immer noch verhört. Wahrscheinlich übt sie bei der Gelegenheit ein bisschen Spanisch. „Hey Madi“, rufe ich, „schau mal nach oben in diesen genialen Sternenhimmel!“

Spinnt der jetzt komplett? Ich werde hier von zehn Männern umringt, hatte gerade noch eine geladene Waffe vor dem Gesicht, und jetzt soll ich meinen Blick in den dunklen Himmel richten? Ein Soldat brüllt mich unvermittelt an: „Was macht eine 23-Jährige aus Deutschland mitten in der Nacht an der bolivianischen Grenze? Mit einem brasilianischen Motorrad, häh?“ Ja, das ist allerdings eine gute Frage. Was mache ich hier eigentlich? „Haben Sie Waffen dabei?“ „Nein!“ „Haben Sie Kokain dabei?“ „Nein!“ Zwei Soldaten fummeln an mir herum und tasten mich am ganzen Körper ab! Gott sei Dank habe ich dicke Motorrad-Klamotten an. Nach einer gefühlten halben Stunde ertönt der erhoffte Satz: „Usted puede pasar!“ Wir dürfen weiterfahren! Endlich! Ich atme tief durch und schaue erleichtert nach oben. Wow! Dieser funkelnde Sternenhimmel. Er ist wirklich wunderschön.

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Wie das Fauchen eines wütenden Pumaweibchens

Nach dieser Befreiung laufen die 50 Kilometer bis Villamontes wie schwerelos unter unseren Grobstöllern durch. Zivilisation, die erste in Bolivien, empfängt uns mit gedämmter Straßenbeleuchtung und einem kleinen Hotel, welches nach dem gerade Erlebten wie eine Festung Schutz zu bieten scheint. Die Einfahrt in den Innenhof ist wie Eintauchen in einen Hort der Sicherheit. Erst einmal durchatmen und langsam wieder runterkommen. Am nächsten Morgen diskutieren wir, wie wir weiterfahren. Nach der Mammut­etappe von über 500 Kilometern, eigentlich viel zu lang für Südamerika, wird der Vormittag zur Erholungspause. Es geht ja nur bis nach Tarija, der Provinzhauptstadt, die bereits in den Ausläufern der Anden liegt, jedoch noch auf verträglichen 1873 Metern. Das sind gerade mal 240 Kilometer, die schaffen wir locker.

Denkste! Wie kommt man aus einer Stadt heraus, wenn Verkehrsschilder nicht existieren, das Navi sich nicht auskennt und auch sonst keine Karten vorhanden sind? Durchfragen! Und das dauert.

Der erste kleine Anstieg führt direkt steil an der Felswand entlang in einen engen Canyon. Keine Vegetation, eine kochend heiße, staubige Steinwüste, Temperaturen um die 42 Grad im Schatten. Aber kein Schatten! Nur grober Schotter auf der Piste und ein tief eingeschnittenes Rinnsal ganz weit unten in der Schlucht. Keinerlei Streckenbegrenzung. Der Camino de la Muerte, die Straße des Todes, von La Paz nach Coroico, ist berüchtigt in der ganzen Welt – und macht Angst. Das macht diese Piste von Villamontes nach Entre Rios ebenfalls. Hier in Bolivien verdienen offenbar so gut wie alle Bergstraßen das Prädikat „Straße des Todes“. Denn jeder kleine Fehler kann tödlich enden. Kein Spaß. Ich frage meine junge Begleiterin, wie es ihr geht. Die Antwort kommt aus dem Helm wie das Fauchen eines wütenden Pumaweibchens: „Fahr einfach!“

Und jetzt steht da ein riesiger Lkw quer ...

Was will der jetzt schon wieder von mir? Ich habe hier genug mit mir selbst zu tun. „Lass dich jetzt bloß nicht ablenken, konzentriere dich lieber auf diese Straße!“, versucht mir meine innere Stimme zu sagen. Ich bin schon den ganzen Tag auf 180, weil er mir versprochen hat, dass es heute leichter wird zum Fahren. Und jetzt steht da ein riesiger Lkw quer. Am Abhang ist gerade noch eine Lenkerbreite Platz. Dani fährt vor, hält für ein paar Sekunden inne, gibt Gas und schafft es. Ach du meine Güte!

Ich atme durch, fasse meinen ganzen Mut zusammen und fahre in Schrittgeschwindigkeit am Lastwagen vorbei. Bloß nicht runterschauen. Bloß nicht! Wie weit es da wohl runtergeht? Hilfe! Noch nie habe ich in einen so garstigen Abgrund geschaut. Mindestens 300 Meter! Steil bergab. Die Schrittgeschwindigkeit, der Blick nach unten und diese riesige Angst in mir lassen das Motorrad kurz instabil werden. Ich besinne mich, gebe Gas und zische zwischen Lkw und Abgrund durch. Danach bin ich echt fertig, zittere am ganzen Körper. Aber Dani fährt schon wieder weiter ...

Die Etappe zieht sich immer länger. Wir kommen nur langsam voran, tun uns schwer mit dem Staub, den Abgründen, den rücksichtslosen Lastwagenfahrern. Sie bremsen nicht für kleinere Fahrzeuge, also sollte man stets darauf gefasst sein, ganz spontan einen Ausweichplatz ansteuern zu müssen. Überlebenswichtig, gerade dann, wenn man rechts am Abgrund fährt und die Lkws links an der Wand. Das kostet Zeit – und Kraft. Bis nach Tarija ist es heute nicht mehr zu schaffen. Zum Glück gibt es einen kleinen Ort auf halber Strecke. Und 20 Kilometer davor wirbt ein großes Plakat für das Hotel Plaza ebendort. Wir sind gerettet! Ein Ort, ein Hotel, bis zum Dunkelwerden erreichbar, was will man mehr?!?

Ein Zimmer in diesem Hotel – zum Beispiel. Aber es ist leider völlig ausgebucht, etliche Bohrtrupps haben sich einquartiert. Sie suchen in diesem Teil Boliviens nach allem, was sich zu Geld machen lässt. Mineralien, Metall, Gas … Der Hotelbesitzer will nicht, dass wir in Schlafsäcken im Innenhof übernachten. Er empfiehlt uns eine Eco-Lodge, etwa zehn Kilometer flussaufwärts.

Bratwurst und frischer Kartoffelsalat

Wir müssen uns sputen, es wird gleich dunkel. Im letzten Licht biegen wir mit drei vor uns fahrenden Allrad-Pick-ups von der Hauptpiste nach rechts ab in einen Feldweg, der an einer reißenden Furt endet. Mit weißer Gischt überspült das Wasser die Hauben der hochbeinigen Toyotas. Mit den Motorrädern haben wir gar keine Chance durchzukommen, da steht uns das Wasser gleich bis zum Hals! Auf der anderen Seite sehen wir in mittlerweile schwarzer Nacht die Lichter der Lodge hoch oben am Hang.

Wir schnappen uns das Nötigste an Gepäck und kämpfen uns zu Fuß durch diese reißende Strömung. Mit den Motorrädern wären wir jetzt sicher schon irgendwo 50 Meter weiter flussabwärts …

Wieso kann es nicht einfach mal an einem Tag glattlaufen? Nach dieser Horrorstrecke will ich einfach nur noch in die Koje. Stattdessen kämpfe ich mich in dunkler Nacht mit vollem Gepäck durch sprudelndes kaltes Wildwasser. Es steht mir bis zur Hüfte, klitschnass ist gar kein Ausdruck.

Triefend stampfen wir in die Lodge. Es duftet nach Bratwurst und frischem Kartoffelsalat. Wahrscheinlich habe ich schon Halluzinationen. Aber nein, die Gäste essen das wirklich. Eine Deutsche leitet die Eco-Lodge. Ich könnte ihr die Füße küssen für das phänomenale Essen – endlich mal ein Abend ohne den ewig eintönigen Reis mit Bohnen.

Fremde sind hier nicht wirklich willkommen

Von Tarija nach Potosí erwarten uns 350 Kilometer wunderbare, bestens asphaltierte Kurven, genauso schön wie in den Alpen. Asphalt, besonders in gekrümmter Form, kann solch ein Segen sein. Wir genießen den unbeschwerten Kurvenswing. So schön die Anfahrt war, so grausam empfängt uns die nach und nach verkommende Minenstadt Potosí. Auf über 4000 Metern kriegt man hier schon der Höhe wegen starke Kopfschmerzen. Und die werden noch schlimmer, wenn man begreift, mit welch primitiven Mitteln die verarmten Bergleute versuchen, aus den bereits ausgebeuteten und längst verlassenen Minen das Letzte herauszuholen. Entsprechend verhärmt geben sich die Einwohner, die Stimmung ist schlecht. Fremde sind hier nicht wirklich willkommen. Das merken wir ganz deutlich auf dem Indio-Markt. Wenn wir fotografieren wollen, werden wir beschimpft. Also nichts wie weg. Aber das sagt sich so leicht. Meine GS springt nicht an! Ausgerechnet hier!

Dani schnappt sich mein Motorrad und versucht, eine Ersatz-Batterie aufzutreiben. Na toll, jetzt stehe ich alleine und verlassen mit seiner fetten GS hier herum und soll auch noch Wache spielen. Einige Bolivianer bleiben stehen und starren mich an. Haben die noch nie ’ne blonde Frau gesehen? Oder liegt es an der dicken BMW?

Aber ich habe bis hierher schon Schlimmeres überstanden. Ich setze meinen bösesten Blick auf und checke das mal kurz im GS-Spiegel. Wow! Nicht schlecht, denke ich, und schaue den vielen gaffenden Männern entschlossen in die Augen. Nach einer halben Stunde „Böse-Blicke-Posen“ höre ich meine treue XT anbrausen. Daniel hat eine kleine Roller-Batterie mitgebracht. Ich traue ihr nicht viel zu, aber sie gibt alles, und tatsächlich springt der Boxer dann auch an. Endlich können wir aus dieser gruseligen Stadt verschwinden - und meine Gesichtsmuskeln sich wieder entspannen.

Der Truck rutscht krachend eine Böschung hinunter

Was krabbelt denn da hinten so gemächlich über die vor Hitze flimmernde Straße? Bei Tempo 100 erkenne ich viel zu spät, dass es sich um eine riesige Vogelspinne handelt, der ich gerade noch ausweichen kann. In der Wirbelschleppe meiner Koffer wird das Vieh hoch in die Luft gesogen und fliegt handtellergroß ausgebreitet auf Madis Kopf zu!

Aaaahhh! Eine gigantische Spinne fliegt nur zehn Zentimeter an meinem Visier vorbei. Boah, was für ein Riesenviech! So langsam, aber sicher habe ich echt genug von dieser Abenteuerreise. Erst vor drei Tagen hatten wir eine verdammt große Vogelspinne im Badezimmer. Natürlich habe ich sie erst entdeckt, als ich mir schon im Evaskostüm genüsslich den Dreck abduschen wollte.

Irgendwo auf der Staatsstraße 5, eine der schwierigsten Etappen der Reise, muss ich den verlorenen Ölstopfen der GS mithilfe einer alten Shampoo-Flasche ersetzen. Während ich vor dem Zylinder knie und das grüne Plastikteil zurechtschnitze, fährt ein Lkw in knapp einem Meter Abstand an mir vorbei. Was macht der hier auf der linken Pistenseite? Der Fahrer schläft, und zwar tief und fest. Ich laufe hinterher und schreie ihn wach, damit er die Brücke nicht nach links in den Abgrund verfehlt. Er schreckt hoch und korrigiert mit einer zuckenden Lenkbewegung, sodass es der Laster gerade noch über die Brücke schafft.

Ärgerlich, jetzt müssen wir den später auch noch überholen. Und während des Überholvorgangs sieht man des ganzen aufgewirbelten Sandstaubs wegen rein gar nichts. Ein echter Blindflug, bis man dann endlich am Lkw vorbei ist. Soeben hat sich das Problem erledigt, der Truck rutscht laut krachend eine Böschung hinunter.

Am besten jede Tankstelle nutzen

 „Ayuda! Ayuda! Hilfe! Hilfe“, schreie ich so laut ich kann. Wir schnappen unsere Helme und fahren zur Unfallstelle. Blutüberströmt kriecht der Fahrer aus dem Führerhaus. Die Hamsterbacken prall mit Coca-Blättern gefüllt, sagt er zu uns: „Me había dormido!“ Ja, das haben wir gesehen, dass du eingeschlafen bist. Er weint. Er ist seit 38 Stunden unterwegs und braucht das Geld, um seine Familie zu ernähren. Am liebsten wäre er jetzt gestorben, seufzt er, diese Schulden kriegt er niemals abbezahlt. Hier scheint es weder Versicherungen noch geregelte Fahrzeiten zu geben. Wie es jetzt wohl für den armen Kerl weitergeht? Ich mag gar nicht dran denken. Den restlichen Tag fahre ich ganz beklommen vor mich hin.

Weit hinter Santa Cruz, in der bolivianischen Tiefebene, strebt die Straße bolzengerade und gut asphaltiert gen Osten, in Richtung Brasilien. Am besten jede Tankstelle nutzen, die Entfernungen zwischen den kleinen Siedlungen sind enorm. Uns gegenüber tanken auch deutsche Bolivianer, die hier so ähnlich leben wie die Amish People in den Vereinigten Staaten: Hinten auf ihrem Pferdefuhrwerk befüllen sie eine große Tonne mit Diesel. Ein kleiner Junge in blauer Latzhose starrt Madi regungslos an, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Szene mutet an wie aus dem Horrorstreifen „The Hills have Eyes“, in dem die Einheimischen Touristen fressen. Schnell weiter, bevor der immer weiter glotzende Bub Madi noch anknabbert. Bis in den nächsten Ort müssen wir es noch schaffen, bevor es dunkel wird.

Diese Nachfahren deutscher Kolonialisten sehen sich alle sehr, sehr ähnlich. Sie haben alle die gleiche Statur, die gleichen Gesichtszüge, und alle haben strohblonde Haare. Da werden die Gene wohl in einem ganz engen Pool zusammengehalten …

Jetzt starren sie mich schon wieder alle an. Nichts wie weg hier! 80 Kilometer weiter finden wir ein nettes Hotel und nebenan ein Restaurant. Wie überall gibt es Reis und Hühnchen. Dani zuckt plötzlich zusammen, fast bleibt ihm ein Hühnerflügel im Hals stecken. Er starrt an mir vorbei und zeigt ganz still auf die Eingangstür. Oh nein, da sind die Latzhosen ja schon wieder. Die haben uns doch hoffentlich nicht wirklich verfolgt? Kann das alles nur ein dummer Zufall sein? Das ist echt mal gruselig. Unauffällig legen wir das Geld auf den Tisch und machen uns ganz flugs aus dem Staub.

Meter um Meter durch den roten Glibber

Wir hätten auf der Hauptstraße bleiben sollen. Nach etlichen tiefen und undurchsichtigen Wasserdurchfahrten auf roter Lehmpiste liege ich hier im Schlamm und frage mich, wie ich die Fuhre wieder aufrichten kann. Nicht mal mit den Stiefeln findet man sicheren Halt auf dieser Pampe. Während ich verzweifelt rutschend und fluchend die GS aufzurichten versuche, sucht Madi hinter mir erst mal in aller Ruhe einen Parkplatz. Typisch Frau! Nachdem ich die Kuh, damit ist ausdrücklich die GS gemeint, in einem Wutanfall mit Adrenalinschub wieder in die Vertikale gehievt habe, steht Madi neben mir!

Oh Gott, wenn da der Profi schon liegt, was wird dann erst aus mir? Ich muss jetzt schnell helfen! Seitenständer raus und, oh nein, die XT rutscht mir nach hinten davon. An drei, vier anderen Stellen das gleiche Spiel. Ich kann sie einfach nirgendwo abstellen. Egal, dann lege ich sie eben hin. Jetzt schnell zu Dani und der gestrauchelten GS. 

Auf dieser gottverlassenen, einsamen Ruta 10 zwischen San Ignacio und San Juan kämpfen wir uns Meter um Meter durch den roten Glibber. Hinter San Matias erreichen wir völlig erschöpft endlich Brasilien. Der dunkelhäutige Grenzpolizist schaut auf mein Nummernschild und sagt auf Deutsch: „Hey, kommt ihr aus Deutschland? Willkommen in Brasilien!“ Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als wären wir eben nach Hause gekommen.

Foto: Lengwenus
Bolivien ist nicht einfach zu bereisen. Schwierige Pistenverhältnisse, kaum Zivilisation, wenig Luxus. Doch wer sich den Strapazen stellt, erfährt ein ursprüngliches Reiseerlebnis.
Bolivien ist nicht einfach zu bereisen. Schwierige Pistenverhältnisse, kaum Zivilisation, wenig Luxus. Doch wer sich den Strapazen stellt, erfährt ein ursprüngliches Reiseerlebnis.

Infos Bolivien

Bolivien ist nicht einfach zu bereisen. Schwierige Pistenverhältnisse, kaum Zivilisation, wenig Luxus. Doch wer sich den Strapazen stellt, erfährt ein ursprüngliches Reiseerlebnis.

Allgemeines

Spanisch und sein Motorrad sollte man schon beherrschen, um dieses unverfälschte Bolivien sicher zu erfahren. Dabei hilft es, nicht zu zimperlich zu sein und auf Komfort und Luxus auch mal verzichten zu können.

Geld

Da an den Geldautomaten nicht immer Geld zu bekommen ist und die Banken oft geschlossen sind, kommt man um eine ausreichende Barreserve nicht herum. Am besten eignen sich US-Dollar, die auch der Landbevölkerung bekannt sind. Den Euro kennen viele Bolivianer noch nicht.

Übernachten

In allen Städten gibt es sowohl einfache Hostels als auch komfortable Hotels, die sogar über booking.com buchbar sind. In der Provinz wird es allerdings spannend, da stehen oft nur sehr rustikale Unterkünfte zur Verfügung, die normalerweise von ­einfachen Arbeitern frequentiert werden. Da kann es schon mal vorkommen, dass man ungebetene Gäs­te (siehe Bildergalerie) oder schmutzige Bettwäsche vorfindet. Es empfiehlt sich daher, einen Schlafsack dabeizuhaben. Für den Fall, dass man mal keine Unterkunft findet, ist ein leichtes Zelt im Gepäck kein Fehler. Allerdings kann man nicht überall gefahrlos zelten. Am besten, man wendet sich an vertrauenswürdige Personen vor Ort.

Anreise

Da Bolivien ein Binnenland ist, muss die Anreise zwingend über die angrenzenden Länder erfolgen. Für die Grenzübertritte muss man in der Regel viel Geduld mitbringen, und die Papiere müssen gut vorbereitet sein. Wer mit einem gemieteten Motorrad einreist, braucht zusätzlich eine notarielle Autorisierung vom Vermieter. Die kostet etwa 100 bis 125 US-Dollar.

Motorräder

Motorräder gibt es unserer Kenntnis nach nicht in Bolivien zu leihen. Die nächste ­Alternative befindet sich in Chile: motoaventura.cl bietet alle BMW-Enduros an, allerdings kostet schon die kleine G 650 GS etwa 130 US-Dollar am Tag. Wer sein eigenes Motorrad mitbringt, sollte besser auch den Weg über Chile nehmen, da der Zoll dort problemlos funktioniert.

Die Spedition In Time aus Hamburg verschifft Motorräder von Hamburg nach Valparaíso. Die Kosten dafür liegen bei etwa 2000 Euro hin und zurück. Das Motorrad muss dafür in einer Transportkiste verpackt sein.

Wer sein Motorrad nach der Tour in Südamerika lassen möchte, muss sich genauestens erkundigen, wie lange ein Motorrad in welchem Land bleiben darf. In den meisten Fällen werden nicht mehr als drei, höchstens aber sechs Monate erlaubt. Nur in Uruguay darf ein Motorrad offiziell für ein ganzes Jahr vorübergehend eingeführt werden. In Brasilien wird die Einfuhr gar nicht mehr dokumentiert, wenn man als Deutscher ein deutsches Nummernschild hat. Das Motorrad des Autors steht in Brasilien. Dort könnte man auch eine Yamaha XT 660 für 75 Euro am Tag mieten, aber von Südbrasilien bis nach Bolivien ist es sehr weit. Genauere Infos über Miete oder Unterstellmöglichkeiten gibt es bei motoinbrasil@aol.de.

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