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Über eine wacklige Bambusbrücke geht es ans andere Flussufer.

Motorradreise in Laos Reportage und Tourentipps

Eine Motorradreise nach Laos ist die Begegnung mit einer anderen Welt. Leichte Enduros sind perfekt, um dieses exotische, spirituell angehauchte Land zu entdecken.

Golden glänzen Tempelspitzen und Buddha-Figuren, grellbunt leuchten Gewürze, Speisen und Kleidung auf den Märkten, in geistige Welten entrückte Mönche wandeln orange gewandet durch die Straßen. Hektik ist hier fremd, Vientiane ist eine beschauliche Hauptstadt. Man könnte bleiben, doch es warten die Weite des Landes und Motorräder auf uns. Bei Remote Asia haben wir für meinen Freund Werner eine neue Honda CRF 250 reserviert. Meine Frau Birgit greift sich das stärkste Pferd im Stall, eine Suzuki DR 400 mit absurd breitem Hinterreifen. Ich verliebe mich in den Blick einer erfahrenen Honda Baja. Ihrem Augenaufschlag aus den beiden riesigen Scheinwerfern mit 35-Watt-Funzeln kann ich nicht widerstehen.

Tankrucksack aufschnallen, Ortlieb-Rollen festzurren – und los geht’s. Kurs Nord. Es dauert, bis wir die Vororte hinter uns haben, eine Stunde für 20 Kilometer. Staubige Baustellen, Löcher im Kühlschrankformat, Zickzack zwischen Autos, Menschen, Mopeds, Hunden, Hühnern und Schweinen. Alle sind gleichzeitig auf der Straße unterwegs, doch alle bleiben ruhig, kein Hupen, keine Ungeduld, kein Stress. Kleine offene Läden grüßen vom Fahrbahnrand, zahlreiche einfachste Werkstätten ebenfalls. Dort sorgen die chronisch unzuverlässigen chinesischen Billigkopien japanischer Mopeds für reichlich Arbeit. Endlich wird es ruhiger, und unsere Einzylinder bollern die ersten steilen Berge hinauf, die sich im 32-Grad-Hitzedunst aus der Ebene schälen. Abends sind wir in Vang Vieng, staunen über die fotogenen Karstkegelberge am seichten Fluss Nam Song. Typische Klischeebilder Südostasiens. Vang Vieng, was für ein merkwürdiger Ort, der ganz untypisch für Laos ist. Scharen von Backpackern ziehen von Bar zu Bar auf der Suche nach Party und Drogen. Letztere versucht die Regierung samt der ohrenbetäubenden Techno-Nächte zu verbannen. Der weltweite Ruf Vang Viengs als die Party- und Drogenmetropole schadet dem Land und den Menschen, die hier leben.

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Foto: Jo Deleker
Über eine wacklige Bambusbrücke geht es ans andere Flussufer.
Über eine wacklige Bambusbrücke geht es ans andere Flussufer.

Gänsehaut und Glücksgefühle am Mekong

Dabei ist die Gegend um Vang Vieng richtig schön. Über eine wackelige Bambusbrücke rollen wir ans andere Flussufer und tauchen dort in die idyllische Welt des laotischen Landlebens ein. Rote Äcker, grüne Reisfelder, winzige Dörfer mit Holzhäusern auf Stelzen, wo fliegende Händler ein beachtliches Sortiment an Waren anbieten, das sie auf tollkühn überladenen Honda Wave-Mopeds transportieren. Niemanden interessiert hier ein zulässiges Gesamtgewicht, es wird aufgeladen, was geht. Und es geht viel. Weiter nach Norden durch das grüne Tal des Nam Song. Reisfelder, weiße Hütten unter Palmen, steile Karstberge.

Dann wird es ernst. Die Nationalstraße 13 legt sich mit dem Gebirge an. Berge über 2000 Meter Höhe. Nebel, Niesel, Kurven ohne Ende und feuchter, bitumenschmieriger Teer. Erbärmlich qualmende chinesische Laster, die sich in Schrittgeschwindigkeit über hohe Pässe quälen. Die wenigen Orte an der Straße sehen fremd aus: grob gezimmerte Häuser, ein zentraler Brunnen, wo die Frauen Wasser holen. Männer hocken vor kleinen Lagerfeuern und kochen Tee, Kinder treiben Schweine und Ziegen über die Straße. Doch alle haben ein Lächeln für uns, erkennen die Langnasen schon von Weitem. Liegt bestimmt auch an den Mordslampen meiner Honda. Denn obwohl es verboten ist, tagsüber mit Licht zu fahren, machen wir es trotzdem. Lieber zehn Dollar mögliche Strafe zahlen als von einem rasenden Kleinbus umgenietet zu werden.

Die letzte lange Abfahrt, 1000 Meter hinunter ins Tal – und da ist er: der Mekong. Kakaobraun, beeindruckend breit, 4500 Kilometer lang. Mekong, was für ein Name! Klingt wie Sambesi, Mississippi oder Amazonas mächtig nach Fernweh, Tausende exotische Bilder huschen durchs Hirn. Gänsehaut und Glücksgefühle, diesen legendären Strom sehen zu dürfen. Aber es kommt noch besser, als wir in die alte Königsstadt Luang Prabang eintauchen, vielleicht die schönste Stadt Südostasiens. Wir finden ein tolles koloniales Hotel direkt am Mekong mit einer gemütlichen Terrasse hoch über den Fluten. Sitzen stundenlang einfach da und sehen den bunten hölzernen Langbooten zu.

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Foto: Jo Deleker
Eine Traumstrecke für die leichten Enduros.
Eine Traumstrecke für die leichten Enduros.

Luang Prabang: Da sind großzügige koloniale Häuser, gemütliche Cafés, bildschöne Tempel und Klöster als Ruhepole in der quirligen Stadt. Unser Favorit ist das kleine Kloster Paphai, weil es mit seinem gebogenen Pagodendach, den vergoldeten Schnitzereien an der Fassade und den Mönchen in ihren orangefarbenen Kutten dem Idealbild eines asiatischen Tempels entspricht. Luang Prabang entspannt und fasziniert, wir bleiben länger als geplant. Doch dann wird die Neugier übermächtig. Eine rustikale Pontonfähre schippert uns über den Mekong. Anschließend beginnt die Piste nach Hongsa, von der uns niemand sagen kann, ob sie überhaupt befahrbar ist. Doch sie ist es. Schlängelt sich bisweilen kaum zwei Meter breit durch ursprüngliches Land, tänzelt achterbahngleich über scharfe Berggrate jenseits der 1000-Meter-Marke. Durchquert mangels Brücken ein Dutzend Flüsse, dann tiefe Furchen und mächtig viel roten Staub. Kurzum: eine Traumstrecke für unsere leichten Enduros. Definitiv nichts für Angsthasen.

Vorbei an der belanglosen Stadt Hongsa, erreichen wir wieder den Mekong und den gemütlichen Ort Pakbeng, Anlegestelle für die Langboote flussaufwärts. Zu gerne würden wir da mitfahren. Fragen herum, bis wir den Kapitän von Boot Nr. 36 finden, der bereit ist, zwei Sitzreihen auszubauen, damit die Mopeds an Bord passen. Aber wie bekommen wir die Enduros jetzt an Bord? Ein Steg? Ein Kai? Nicht hier, nur das steile, steinige Ufer. Ein Problem? Nicht hier. Ruck, zuck hat jemand eine Holzplanke besorgt, die seitlich ans Boot gelegt wird. Wir balancieren die Enduros hinunter zum Fluss und mithilfe zahlreicher Hände über die Schiffswand an Bord. Acht Stunden Bootsfahrt liegen vor uns bis an die thailändische Grenze bei Huay Xai. Der betagte Nissan-V8-Lkw-Dieselmotor brüllt auf Hochtouren, einen Schalldämpfer gibt es nicht – der Lärm ist infernalisch. Doch das schlanke Boot schiebt sich erstaunlich schnell flussaufwärts, mitunter durch knifflige Stromschnellen und wildes Wasser. Vorbei an den letzten Urwäldern des Mekong und unzähligen Kahlschlägen. Laos verscherbelt seine natürlichen Ressourcen nach China. Bedrückend. Eine stille, grüne Berglandschaft, ab und zu ein winziges Dorf mit einfachen Basthütten und winkenden Kindern, die im Fluss spielen. Weit und breit ist keine Straße zu sehen. Was für ein anderes Leben, was für eine fremde Welt.

Foto: Jo Deleker
Transport auf Laotisch: In Pakbeng verladen wir die Enduros auf ein Mekong-Langboot.
Transport auf Laotisch: In Pakbeng verladen wir die Enduros auf ein Mekong-Langboot.

Die Brücke der Freundschaft, die Laos mit Thailand verbindet, kündigt abends Huay Xai an. Die Enduros werden ausgebootet. Helfende Hände, ohne die wir es nie schaffen würden, lachende Gesichter, freundschaftliches Schulterklopfen, der Kapitän in T-Shirt, Shorts und Flipflops steigt stolz auf die Honda Baja, die ihm Respekt abnötigt. Ist halt ein Big Bike nach hiesiger Definition.

Drei Tage später, nach endlosen Kurven durch die Berge des Nordens nahe der chinesischen Grenze, sind wir im idyllischen Nong Khiaw am Fluss Nam Ou. Ein Ort zum Wohlfühlen in einer grünen Landschaft steiler Karstberge. Aber auch ein Ort zum Schaudern. Die Menschen hier haben Schreckliches erlebt, wurden in das Grauen des Vietnamkriegs hineingezogen. Laos war nie am Krieg beteiligt, die Amerikaner warfen trotzdem über zwei Millionen Tonnen Napalm- und Streubomben auf das Land, wollten den berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfad zerstören, die Versorgungslinie des Vietcong. Noch immer liegen unzählige Blindgänger in der Gegend, Schilder warnen davor, die Pfade zu verlassen. Lebensgefahr! Ein beklemmendes Gefühl. Warum nur kann niemand die Amis dazu zwingen, wenigstens die Hinterlassenschaften ihres völkerrechtswidrigen Bombardements hier abzuholen? Der Weltmacht ist es offenbar egal, dass auch heute noch laotische Kinder beim Spielen oder ihre Eltern bei der Feldarbeit von Blindgängern verstümmelt oder getötet werden.

Schnitt. Durchatmen. Wo könnten wir das besser als in Luang Prabang, das ohnehin auf unserem Weg zurück in die Hauptstadt liegt? Vientiane, daran mögen wir gar nicht denken. Drei Wochen in Laos haben uns in eine andere Welt blicken lassen. Eine Welt voller Ruhe, Spiritualität, Armut, Exotik und lächelnder Menschen. Wie anders wird uns wohl jetzt Vientiane erscheinen? Bestimmt riesig groß, hektisch und laut. Maßstäbe verändern sich.

Laos hat eine Fläche von 236.800 km² und 6,8 Mio. Einwohner.
Laos hat eine Fläche von 236.800 km² und 6,8 Mio. Einwohner.

Infos zur Motorradreise in Laos

Laos ist für Individualreisende leicht bereisbar. Mietmotorräder gibt es in Vientiane, das Visum am Flughafen, die Infrastruktur ist ausreichend, die Erlebnisse dafür einmalig.

Anreise: Die mit etwa 17 Stunden Zeitaufwand schnellsten Flüge bietet Thai Airways von Frankfurt über Bangkok nach Vientiane an. Alternativ kann man auch mit Vietnam Airlines über Hanoi nach Laos fliegen. Tickets gibt es ab etwa 700 Euro, Direktflüge ab Deutschland nicht.

Reisezeit: Der Norden von Laos hat vier Jahreszeiten: Recht trocken und angenehm warm im November und Dezember, der idealen Reisezeit. Im Januar und Februar kann es in den Bergen auch kalt werden. Die heiße Jahreszeit reicht von März bis Mai mit hoher Luftfeuchte und Temperaturen bis 40 Grad. Dann gibt es noch die Regenzeit von Juni bis Oktober.

Einreise/Gesundheit: Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Das Touristenvisum gilt 30 Tage und wird bei der Einreise ausgestellt. Mit der für tropische Länder üblichen Vorsicht kommt man prima klar: kein Leitungswasser, keinen Salat, kein Eis, kein ungeschältes Obst („Cook it, peel it, or forget it“). Impfungen sind nicht vorgeschrieben. Im Bergland des Nordens kein Malaria-Risiko.

Geld/Kosten: Landeswährung ist der Kip. Für 100 Euro gibt es eine Million Kip. In größeren Städten gibt es Geldautomaten. Für etwa einen Euro kann man sich in Garküchen satt essen. In Touristenrestaurants kostet ein Abendessen ab zwei Euro. Zimmer in durchschnittlichen Hotels gibt es ab zehn Euro.

Motorräder: Jim Barbush von Remote Asia (www.remoteasia.com) bietet geführte Touren, er vermietet auch handliche Honda-Enduros (XR 250 Baja, XRF 250 L, XR 400) sowie Suzuki DR 400 für 35 bis 45 Dollar/Tag. Langzeitmieten sind günstiger.

Sicherheit: Laos zählt zu den sichersten Reiseländern überhaupt. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten aber auch hier.

Bücher/Karten: Der Autor nutzte den Laos-Reiseführer vom Stefan Loose Verlag. Handlich, informativ, für knapp 25 Euro. Alternativen: „Laos“ von Lonely Planet (23 Euro) oder „The rough Guide to Laos“ (16 Euro). Auch gut: Karte Laos (Maßstab 1 : 600.000) von Reise Know How. Bei OpenStreetMaps (www.osm-download­.de) sind Digitalkarten fürs Garmin-Navi erhältlich.

Weitere Infos:

  • www.rideasia.net
  • www.gt-rider.com
  • www.tourismlaos.org
  • www.visit-laos.com

 

Reisedauer: 3 Wochen
Gefahrene Strecke: 2000 Kilometer

 

Laos

  • Hauptstadt: Vientiane
  • Fläche: 236800 km2
  • Autonomie: 1949
  • Währung: Kip
  • Einwohnerzahl: 6,8 Mio.

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