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Unterwegs: Oberpfälzer Wald Auf die allerbilligste Tour

Einen Besuch ist der Oberpfälzer Wald allemal wert. Motorradfahrer finden dort zwar wenige Top-Strecken, aber viele Schmankerl wie die ursprüngliche Natur oder eine bodenständige Küche. So kommen Biker ohne Frage immer auf ihre Kosten. Selbst, wenn man es nicht auf die allerbilligste Tour macht.

Rupert Kawka vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gab den Anstoß. Rupert, hättest du nicht sieben Millionen Preise verglichen und ausgewertet, keiner von uns hätte auch nur einen Gedanken daran verloren, zum günstigsten Ort Deutschlands mit den billigsten Motorrädern und den billigsten Klamotten zu reisen. Wo das ist? Irgendwo im Osten, gleich neben der Abraumhalde oder inmitten der Norddeutschen Tiefebene, umschlungen von plattem Ödland und Mooren, vielleicht auch in entvölkerten Regionen im nord-hessischen Niemandsland? Alles falsch. Klar Rupert, du weißt die Lösung, wir nun auch, und alle anderen dürfen jetzt mitschreiben: Tir-schen-reuth! Jawohl, im schönen Bayern, dem wohlhabenden Glanz-und-Gloria-Bundesland.

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Da stellen sich weitere Fragen: Wo genau liegt das Örtchen eigentlich? Antwort: südlich vom fränkischen Fichtelgebirge, nördlich des Bayerischen Walds, östlich von Nürnberg und Bayreuth und ganz nahe der tschechischen Grenze. Genau, ehemaliges Zonenrandgebiet, liegt jetzt aber im Herzen der Europäischen Gemeinschaft. Oberpfälzer Wald, 10000 Einwohner, Zentrum der Porzellanindustrie. Alles ja schön und gut, aber wie sieht es dort denn nun wirklich aus? Lohnt gar ein Besuch auf zwei Rädern? Nichts für ungut, Rupert, werte an deinem Schreibtisch bitte weiterhin Millionen Preise aus, wir schwingen uns derweil auf die Motorräder, denn bei uns geht probieren über studieren.

Mit Preisen kennen wir uns auch etwas aus, zumindest was Motorräder und Klamotten angeht. Der bisher (und wohl auch noch zukünftig) weitgehend unbekannte Hersteller Shineray bietet Neumaschinen unter 1000 Euro an, kann aber nicht liefern, und auch ein anderer Preis-Chinakracher ist nicht auf Lager: WMI Repco 250, ein Chopper für 3399 Euro. Der Vertrieb hat dafür aber ein neues Modell zur Auswahl: Bobtail 350. Ist äußerlich eine freche Kopie des zurzeit marktweit erfolgreichsten Choppers Harley Streetbob und kostet immerhin 4995 Euro, aber egal, das Teil sieht rattenscharf aus und ist für den Trip nach Tirschenreuth gebongt.

 

Die zweitgrößte und zweitteuerste (sofern man hier überhaupt von "teuer" sprechen kann) Maschine heißt Kawasaki Ninja 250 R, kostet 4350 Euro und kommt richtig erwachsen rüber. 33 PS, giftgrüne Race-Verpackung. Oberpfälzer Asphalt, zieh dich warm an! Mithalten kann da das spanische Supermotöchen Rieju Tango 250 für 3690 Euro, aber wohl nur im Stadtverkehr oder abseits befestigter Wege. Komplettiert wird der Reigen von zwei 125ern. Yamahas Brot-und-Butter-Bike YBR 125 (2395 Euro) dient ansonsten vornehmlich in Fernost als Transportmittel für asiatische Großfamilien samt Hühnerzucht plus ein paar Säcken Reis. Und Daelims Low-Budget-Scooter Delfino 125 belastet mit nur 1699 Euro das Konto - ist damit gesetzter Kandidat für die allerbilligste Tour.

Das allerbilligste Zeug ist in der Regel von Haus aus nicht wasserdicht, bietet kaum Schutz, und jeder halbwegs vernünftige Verkaufsberater wird ganz blass bei der Vorstellung, mit dieser Kleidung schneller als 45 km/h durch halb Deutschland zu düsen. Für halbwegs anständige Motorradbekleidung in der untersten Preisliga fallen dementsprechend bei Büse, Hein Gericke, IXS, Louis und Polo rund 300 Euro für Anzug, Stiefel und Handschuhe an. Helme ab 35 Euro kommen noch dazu, fertig die Laube. Es zwickt, drückt, juckt. Lieber Rupert, wir wissen ja, dass du und die Statistik nichts dafür können, aber wir verfluchen schon jetzt den Plan, auf billig-billig nach Tirschenreuth zu fahren. Du sagtest, der billigste Ort sei ein rein statistischer Wert, in anderen Landkreisen sei das Leben nur ein paar Cent teurer, gibt es da nicht irgendeinen, der gleich um die Ecke liegt?


Ach, was soll's, los geht's. Schließlich hat der Tourismusbeauftragte der Region uns bereits ein paar heiße Tipps für unseren Aufenthalt durchgekabelt: Knopf-, Grenz- oder Fischereimuseum (ab einem Euro), Burgruinen (teilweise kostenlos), Wandern in einem der schönsten Waldgebiete Deutschlands (kostet natürlich auch nichts), Schlauchboot-Fahrt (drei Euro pro Erwachsener), Tanken in Tschechien (spart man auch was). Na also, was will man mehr, vielversprechende Tage liegen vor uns. Doch zunächst müssen rund 350 Kilometer auf den Billigstühlen bewältigt werden. Auf der Bobtail beginnt der Bobbes des Fahrers nach 100 Kilometern unerträglich zu leiden, Folge des mangelhaften, um nicht zu sagen überhaupt nicht vorhandenen Federungskomforts.

 

Die 350er findet selbst auf planem Asphalt jede Nanometer kleine Unebenheit und leitet sie ungefiltert an den Reiter weiter. Cool für Chopper-Puristen, gruselig für Touristen. Ähnlich ergeht es dem Fahrer auf der Rieju. Das Motorrad ist bequem - solange man sich nicht hinsetzt, denn die Sitzbank ist hart und eckig wie ein Kantholz. Auch der Rollermann und der Käpt'n der YBR 125 machen langsam schlapp und können die Zielankunft kaum erwarten. Nur auf der Ninja 250 sind Tagesetappen von über 300 Kilometern stressfrei.

Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das Ortsschild: Tirschenreuth. Angekommen. Erster Eindruck: Autohäuser, Discounter, Industriegebiet, eine Großraum-Diskothek namens "Gnadenlos". Kaum anders empfängt jede andere deutsche Kleinstadt ihre Besucher. Eine Straße führt um das historische Zentrum herum, an ihr liegt erliegender Einzelhandel, eine Metzgerei, bei der die Läden wohl schon ein paar Jahre länger runter sind, eine Brauerei, deren Schriftzug an der rissigen Wand langsam abblättert. Das alles deutet auf wirtschaftliche Baisse hin. Und ist wenig ansehnlich. Dann aber der Marktplatz. Schön hergerichtet, fast schon im Piazza-Stil, Eiscafés, Pizzerien und Gasthäuser, ein Kino, kleinere Geschäfte. Anrainend mehrere Museen, ein für weite Teile Bayerns typischer Zwiebel-Kirchturm. Ganz apart, würde dir, Rupert, sicherlich auch gefallen.

 

Am nächsten Morgen treffen wir den Beauftragten für Fremdenverkehr der Region. Ob er wisse, dass Tirschenreuth der günstige Ort Deutschlands sei? "Freilich, von dieser Statistik haben wir auch Wind bekommen", sagt Peter Knott. Der 59-jährige Beamte des Landratsamts kümmert sich seit rund 30 Jahren darum, dass möglichst viele Gäste in der Gegend absteigen und ihre Urlaubstaler liegen lassen. Auch Motorradfahrer? "Viele Wanderer und Radfahrer kommen, das schon, aber motorisierte Biker, das könnten gerne mehr sein", erklärt Knott. An mangelnder Gastfreundschaft liegt das sicher nicht, auch nicht an passenden Adressen: Bauernhöfe mit ordentlichen Ferienwohnungen, die Motorradfahrer willkommen heißen (ab rund zehn Euro pro Nacht und Person), nette kleine Gasthöfe, Thermalbäder und andere Ausflugsziele, die man gut auf zwei Rädern erreichen kann.

 

Richtig gute Motorradstrecken mit anspruchsvollen Kurven sind im Landkreis jedoch rar. Im Naturpark Steinfels bei Friedenfels findet sich immerhin eine sehr passable ehemalige Bergrennstrecke. Ansonsten kommen eher Cruiserfahrer auf ihre Kosten, die im "Land der tausend Teiche" (Tirschenreuth ist seit dem Mittelalter eine Fischzucht-Hochburg, im Landkreis gibt es rund 4500 Fischteiche) Betulichkeit suchen und viele Stopps an Ausflugslokalen einplanen. Außerdem ist der Bayerische Wald als Top-Motorradregion in Schlagdistanz.


Wir wollen es der Cruiserfraktion gleichtun und erst mal irgendwo einkehren.
Rupert, du kannst es dir vielleicht nicht vorstellen, aber nach nur hundert hübschen Landstraßenkilometern auf dem China-Kracher oder den kleinwüchsigen 125ern brauchen Erholungssuchende wie wir einen seriösen Stopp. Tourismusmann Knott beschwört uns, unbedingt eine Zoigl-Wirtschaft zu besuchen, eine Besonderheit der nördlichen Oberpfalz. Es handelt sich dabei um private, vereinsähnliche Brau-Kollektive, die zu bestimmten Zeiten ihr untergäriges Bier zusammen mit deftigen Brotzeiten kredenzen.

 

Berge von Schweinefleisch, schweinebillig, also genau das passende Kulturprogramm für bodenständige Motorradtouristen. Beim Kramer Wolf in Falkenberg parken wir unsere heißen Öfen, die, bis auf die opulente WMI, allerdings eher nach lauwarmem Moppedtreff vor dem Schulhof aussehen.

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Der Wirt heißt uns herzlich willkommen, setzt sich gleich mit an den Tisch und stellt unmittelbar ein paar Blonde hin. Kurz darauf betritt ein Einheimischer in Motorradkleidung den Gastraum, erzählt, er habe die Harley (har, har!) draußen gesehen und war neugierig, was für eine Bikerclique sich da wohl beim Wolfgang eingefunden hat. Peter schwadroniert über die Vorzüge seiner extrem unterhaltsarmen Suzuki DR 650 und die seiner Heimat (hervorragender Fischfang, erstklassiges Bier), Wirt Wolfgang klärt ebenfalls auf, dass Fisch und Bier hier super seien, und weist auf die Burg gleich gegenüber hin, die erst in den 1930ern vom Grafen von der Schulenburg wiederaufgebaut wurde, der wiederum einer der Verschwörer rund um den Grafen von Stauffenberg war.

 

Burgführung: zwei Euro. - Danke, sehr interessant, aber erst noch ein Bier für einssechzig. - Einige Zeit darauf sitzt ein weiterer Mann am Tisch, der von der Gegend hier schwärmt. Wir fragen: "Hast du mit Bier oder Fischen zu tun?" Er: "Beides."

 

Rupert, wärst du jetzt bei uns, würdest du uns recht geben, dass ein perfekter Urlaubstag eigentlich genau hier beim Kramer Wolf enden sollte. Der Monsterportion Leberkäs mit Spiegelei und Sauerkraut für 3,80 Euro wären eigentlich noch einige Humpen des brillanten Biers der "Brauenden Bürger" geschuldet, und dem herzlichen Geplauder von Wirt und Gästen könnte man ebenfalls noch Stunden beiwohnen. Aber wir haben über die Tourismuszentrale des Nachbarkreises ja die besagte Gummibootfahrt auf dem Fluss Pfreimd gebucht. Also schmeißen wir uns widerwillig in völlig verschwitzte, atmungspassive Klamotten, pressen uns die Helme an, prökeln die Finger in klamme Handschuhe, schwingen uns auf unsere Billigbikes und öddeln nach Moosbach, rund 50 Kilometer weiter südlich.

Eine Stunde später stehen wir vor einem Wohnhaus und klingeln. Ein Mann mit Latzhose macht auf. Wolfgang Mayer sieht die Motorräder und freut sich. "Ich fahre auch, Africa Twin, Baujahr 1992, hat schon über 100000 Kilometer runter, sparsam und gut." Er gibt daraufhin einige Tourentipps, sagt, wo man in Tschechien günstig tanken könne und schlenzt derweil um unsere Maschinen herum. Die Rieju findet er prima, damit könne man hier bestimmt ganz gut abseits der Straße auf geheimen Pfaden durch die Natur im verlassenen Grenzland wandern. Und nicht nur dort, Wolfgang meint, in der ganzen Oberpfalz gäbe es tolle Strecken, kleinste Landstraßen, schöne Plätze für Motorradfahrer. Kann man sich gut vor-stellen, vorausgesetzt, er würde sich als Tourguide verdingen. "Klar, warum nicht", lacht der offenbar ständig gutgelaunte 43-jährige ehemalige Berufssoldat und zurzeit freigestellte Betriebsrat einer schwächelnden mittelständischen Firma.

 

Im Moment ist er aber erst einmal unser Kapitän, der die Erlöse der Paddeltouren dem Reservistenverein vor Ort zugute kommen lässt. Hier bekommt man eine Ahnung davon, wie es sich in einer strukturschwachen Gegend am besten leben lässt: gemeinschaftlich. Im Boot sitzen wir auch gemeinsam, passieren in stiller Idylle einen Biberbau, genießen die Ruhe auf dem Fluss - perfektes Kontrastprogramm zu den meist fünfstelligen Drehzahlen auf den Hubraumzwergen, die selbst sportlich-aktive Motorradtouristen stark fordern. Lieber Rupert, deine Zahlen zu Tirschenreuth und Umgebung sind beeindruckend, aber über Land und Leute sagen sie wenig aus. Schön, dass wir hier sind.

 

Zum Tanken geht es rüber nach Tschechien. Weil billiger. Das Örtchen Rozvado hat nicht viel zu bieten. Wie man's nimmt: Euro-Asia-Märkte mit Kitsch, Tinnef und Fälscherware, Plattenbauten, Tankstellen, Glücksspielsalons, Nachtclubs und so genannte Massagesalons, davor geparkte Autos mit Westkennzeichen. Billiges Benzin, billiges Bier, billige Bräute - für unsere Vorstellungen von Freizeit und Erholung etwas neben der Spur, deshalb drehen wir nach dem Spritfassen postwendend um und folgen der untergehenden Sonne zurück nach Tirschenreuth.

 

Nach Pizza (ab 3,50 Euro), Bier (ab 1,20 Euro) und Cappuccino (2 Euro) geht es zum Feiern eines sehr bunten Tages in die örtliche Pilsstube. Wohin auch sonst, denn die Discothek "Gnadenlos" könnte auch in "Nichtslos" umgetauft werden. Susi in der Pilsstube wundert sich darüber nicht: "Ach, die jungen Leut', die ziehen hier ja alle weg. Keine Arbeit, keine Abwechslung." Zugegeben, hier zu wohnen ist eine andere Sache. Die Tour mit dem Motorrad hierher haben wir jedoch keine Sekunde bereut. Und wie schon in der Zoigl-Stube mittags gesellen sich schnell Einheimische zu uns. Da ist der ehrenamtliche Schiedsrichter, der am Wochenende immer die örtliche Fußballjugend pfeift, der italienische Pizzabäcker, der seit Jahren sein Feierabendbier hier hebt, oder der ehemalige Krankenwagenfahrer, der nun seine kranke Tante pflegt, oder die redselige Susi, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Nacht neigt sich dem Ende zu.

 

Nach Abstellen der Motorräder vor ein paar Stunden hatte sich ein seltsamer Durst entwickelt, der fachmännisch aus Steinkrügen (eine Halbe für 2,20 Euro) gelöscht wurde und sich nun in wohliger Bettschwere auflöst. Die Turmuhr schlägt, unsere etwas unrhythmischen Schritte hallen auf dem Marktplatz wider, und über der Stadt scheint ein lichter Mond. Rupert, in diesem Moment denken wir an dich und danken herzlich. Und Tirschenreuth, dir danken wir auch. Du warst eine billige Nummer, und dafür mehr als gut.

Foto: Biebricher
Ein Stadtfloh auf Reisen: der Daelim Delfino 125 für 1699 Euro wusste trotz seines geringen Preises zu überzeugen.
Ein Stadtfloh auf Reisen: der Daelim Delfino 125 für 1699 Euro wusste trotz seines geringen Preises zu überzeugen.

Infos

Überblick
Der Oberpfälzer Wald wird westlich von der BAB 93 und östlich von der tschechischen Grenze umrahmt und geht südlich nahtlos in den Bayerischen Wald über, nordwestlich stößt das fränkische Fichtelgebirge an. Quer durch führt die BAB 6 nach Pilsen/Tschechien. Sporttouristische Motorradfahrer werden nur mit wenigen guten Kurvenkombinationen belohnt, Cruiserfahrer und Motorradwanderer sind besser aufgehoben. Sie erkunden Land und Leute auf malerischen Kleinststraßen, teilweise führen nur zwei gepflasterte Spuren von Dorf zu Dorf. Außerdem bieten sich vielfältige Aktivitäten an: Burgbesichtigungen, Heimatfeste und ausgezeichnete Wandermöglichkeiten mit einem ausgedehnten, beschilderten Wegenetz in Naturparks. Gute Freizeitinfos mit interaktiver Regionskarte unter www.oberpfaelzerwald.de.

Essen und Trinken
Zahlreiche Gasthöfe (von bayerischer Küche über Schnitzel
mit Pommes bis Pizza) laden am Wegesrand zur Rast ein. Im Land der tausend Teiche (Landkreis Tirschenreuth) empfehlen sich darüber hinaus Fischgerichte mit Karpfen, Zander oder Forelle. Absolutes Muss beim kulinarischen Erkunden der nördlichen Oberpfalz sind jedoch die so genannten Zoigl-Stuben. Die privaten Brau-wirtschaften öffnen nur zu bestimmten Zeiten, Termine und Infos finden sich unter www.zoiglinfo.de. Besonders urig und nett: Kramer Wolf in Falkenberg, Telefon 09637/328.

Übernachten
Für kleinere Motorradgruppen empfiehlt sich "Ferien auf dem Bauernhof". In manchen Ferienwohnungen können sich bis zu sechs Reisende die Übernachtungskosten teilen - unschlagbar günstig! Frühstück oder ein Brötchenservice kommen extra, ansonsten
ist Selbstversorgung in der eigenen Küche kein Problem. Die Gastgeber vermieten innerhalb der Saison ihre Einheiten jedoch in der Regel nur wochenweise. Ab 25 Euro pro Tag finden sich in der Umgebung von Tirschenreuth Ferienwohnungen für zwei, zum Beispiel der Franzenhof in Gründlbach, Telefon 09631/3544. Viel Platz (Ferienwohnung mit 70m², bei vier Personen 44 Euro) bietet der motorradfreundliche Schedlhof in Griesbach bei Mähring, Telefon 09639/415.

 

Wochenendausflügler und Alleinreisende sind hingegen besser in einer Privatpension aufgehoben, zumal man für die abendlichen Kneipen- und Gasthaustouren nicht so ab vom Schuss ist und die Maschine geparkt lassen kann. Ein Doppelzimmer in der Tirschenreuther Pension Kistenpfennig kostet mit Frühstück 21 Euro pro Person. Wer es gediegener mag: Hotels mit Wellnessbereich (Bad, Sauna, Massagen) kosten mit Halbpension pro Person und Tag ab rund 50 Euro, zum Beispiel das Hotel Sybillenbad in Neualbenreuth, Telefon 09638/9340 oder Sporthotel Zur Post in Tännesberg, Telefon 09655/9300.
Reisedauer: Wochenende
Gefahrene Strecke:
ca. 400 Kilometer


Anbieter der Tour-Bikes

Daelim Leeb Motor, Tel. 0043-4352-41940,
www.daelim-motor.de
Kawasaki, Tel. 06172/7340, www.kawasaki.deRieju über Enmoto, Tel. 0043-3167110440,
www. rieju.de WMI Motorcycles, Tel. 0043-5372630250,
www.wmi-motor.com Yamaha Deutschland, Tel. 02131/20130,
www.yamaha-motor.deAnbieter FahrerausstattungBüse, Tel. 02471/12690, www.buese.com; IXS,Tel. 07631/18040, www.ixs.de;Hein Gericke, Tel. 0180/5229522,
www.heingericke.de; Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de; Polo, Tel. 0180/5225785, www.polo-motorrad.de

Kostencheck Tirschenreuth-Tour
Betriebskosten Motorrad bei 1100 km
(Anfahrt und Tour)*: Spritkosten 38,32 Euro
+ Verschleiß 9,03 Euro + Anteil Versicherung/
Steuern 0,96 Euro gesamt 48,31 Euro*Modellrechnung für Yamaha YBR 125

Reisekosten pro Person
Übernachtungen: 2 x 10,50 Euro 21 EuroEssen:
3 x Frühstück(Selbstversorger) à 1,70 5,10 Euro
3 x Mittag 12,69 Euro
2 x Abend 16,30 Euro
Kaffee, Kuchen & Snacks 7,20 Euro
gesamt 62,29 Euro

Eintritte/Aktionen
Fischereimuseum 3 Euro
Burgführung 2 Euro
Schlauchbootfahrt 3 Euro
gesamt 8 Euro

Naturerlebnisse null Euro
Bier & Schnaps 26,80 EuroGesamtsumme 145,40 Euro

Die Fahrzeuge der Billigtour

Foto: Biebricher
Ein Stadtfloh auf Reisen: der Daelim Delfino 125 für 1699 Euro wusste trotz seines geringen Preises zu überzeugen.
Ein Stadtfloh auf Reisen: der Daelim Delfino 125 für 1699 Euro wusste trotz seines geringen Preises zu überzeugen.

Daelim Delfino 125

Unser ladenneues Exemplar wurde fast über die gesamte Distanz (1100 km) mit Dauervollgas getrieben, um den Anschluss an die anderen nicht zu verlieren - echter Stress für einen reinrassigen Stadtroller. Schlappe acht PS aus 125 Kubik machen es schwer, sich in den Sog vorauseilender Lkw zu kämpfen. Bemerkenswert, wie klaglos der Korea-Winzling die Belastungen hinnimmt. Er läuft am Ende der Tour sogar locker zehn Sachen schneller als zu Beginn. Trotzdem hat der Delfino auf Schnellstraßen nichts verloren. Rollerfreunde um 1,80 Meter sitzen noch einigermaßen kommod, die komfortable Sitzbank und ein flaches Trittbrett ergeben viel Bewegungsspielraum. Mit großem Helmfach, Gepäckträger und Kickstarter fühlt man sich für Tour und Alltag gut gerüstet.

 

Trotz eines handlichen, gut gefederten Fahrwerks und einfach zu dosierender Bremsen hört echter Fahrspaß allerdings nach dem Ortsschild auf. Es fehlt einfach Power. Weil die Verarbeitung bei diesem Kampfpreis überzeugen kann, ist der Delfino dennoch ein Schnäppchen, das noch finanziellen Spielraum für neue Reifen lässt, denn die Cheng-Shin-Pellen sind bei Regen völlig untauglich und gerade mal bessere Felgenschoner. Bei der Fahrerausstattung von Hein Gericke fallen die Handschuhe (Limit) durch: von Dichtigkeit keine Spur. Kombi (Boost) und die Stiefel (Maddox) von Bullson halten hingegen auch längeren Schauern stand. Handys und Geldnoten in den Taschen sollte man aber zusätzlich gegen Nässe schützen. Der Takai-Helm (BX-1 Scope) gefällt mit auffälligem Dekor und überzeugt in der Praxis. Die chemisch riechende Innenausstattung stört jedoch massiv.


Motor: Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder; Hubraum: 124 cm3; Leistung: 8,3 PS; Vmax: 87 km/h; Verbrauch: 3,8 Liter/100 km; Gewicht: 109 kg

Foto: Biebricher
Der patente Alleskönner: Kawasaki Ninja 250 R für 4350 Euro.
Der patente Alleskönner: Kawasaki Ninja 250 R für 4350 Euro.

Kawasaki Ninja 250 R

Maximaler Reisekomfort dank sanft agierender Federelemente und eine für unterschiedlichste Körpermaße passende Ergonomie zeichnen die kleine Kawa aus, die auf dieser Tour als erwachsendstes Motorrad begeistert. Der Motor ist elastisch, läuft äußerst kultiviert und entfaltet seine Leistung linear. Je höher die Drehzahl, desto frecher der Vortrieb, wobei schon 6000/min auf der Uhr stehen sollten, um die 33 Pferde richtig zu spüren. Lange Autobahnetappen mit 11000/min und Tacho 160 werden vibrationsfrei und richtungsstabil absolviert.

 

Ähnlich souverän agiert die Mini-Ninja in engen Kurven, wo sie leichtfüßig aber präzise alle Lenkbefehle ausführt und zielgenau um die Ecken sticht. Auch beim Bremsen braucht sich die Grüne nicht hinter größeren Eisen zu verstecken. Auf unserer Billigtour war sie ein Hort totaler Erholung, was man vom Louis Fastway-Textilanzug nicht behaupten kann. Er zeigte Schwächen bei Hitze, Kälte, Nässe, funktionierte aber gut zwischen zehn und zwanzig Grad. Das Versprechen von Atmungsaktivität wurde jedoch nicht eingelöst. Die Fastway-Kombi (Jacke: 99,95 Euro; Hose: 79,95 Euro) ist nicht das preisgünstigste Angebot von Louis, aber eines, was auf Tour Sicherheit vermittelt. Gute Noten gibt es für Sitz und Passform. Das gilt auch für den mit Sonnenblende bestückten Helm MTR Jalous (59,95 Euro), der auf der Reise eine ausgezeichnete Figur machte. Die Probiker Boots (29,90 Euro) und die Handschuhe Street für 19,95 Euro sitzen gut, halten aber Regen und Kälte nicht lange stand.


Motor: Wassergekühlter Viertakt-Reihenzweizylinder; Hubraum: 249 cm3; Leistung: 33 PS; Vmax: 160 km/h; Verbrauch: 3,5 Liter/100 km; Gewicht: 169 kg

Foto: Biebricher
Flinkes Leichtgewicht: die Rieju Tango 250 ab 3690 Euro.
Flinkes Leichtgewicht: die Rieju Tango 250 ab 3690 Euro.

Rieju Tango 250

Die spanische Marke Rieju (gesprochen "Riächu") ist ein typischer Konfektionär, kombiniert also einen eigenen Rahmen mit jeder Menge Zulieferteile inklusive China-Motor. Der mit kräftigem Antritt und kernigem Sound überzeugende 16-PS-Single stammt vom renommierten Hersteller Loncin (fertigt auch für BMW) und hat mit den nur 114 Kilogramm leichtes Spiel. Das wuselige, fahrrad-mäßig zu dirigierende Funbike ist auf kleinen, möglichst kurvenreichen Strecken in seinem Element. Fummeliger Choke, ultraschmale und brettharte Sitzbank, eher durchschnittliche Federelemente, mäßige Reichweite (6,3-Liter-Tank) - alles vergessen, wenn das superhandliche Leichtgewicht über Landstraßen tobt. Und selbst auf der Autobahn verhungert der Tango-Treiber nicht hinter den LKW-Kolonnen.

 

Allzu hohe Ansprüche an Ausstattung und Verarbeitung sollte man nicht stellen: Drehzahlmesser, Tankuhr, Hauptständer? Fehlanzeige. Dafür gibt's aber jede Menge Fahrspaß mit dem spaßigen kleinen Flitzer für Stadt, Land und Flur, sprich simple Wald- und Feldwege. Dort lässt es sich auch mit dem Nexo Strike (34,95 Euro) gut leben, oberhalb von 80 km/h ist der Helm aber viel zu zugig. Touring-Jacke und -Hose (je 69,95 Euro) bieten ordentliche Passform, auf Dauer aber keinen echten Nässeschutz. Der im Dauerregen ebenfalls überforderte F-427-Handschuh (16,95 Euro) ist wie der Tourenstiefel (69,95 Euro) sein Geld wert - im Trockenen.

 

Motor: Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder; Hubraum: 223 cm3; Leistung: 16,0 PS; Vmax: 105 km/h; Verbrauch: 3,6 Liter/100 km; Gewicht: 114 kg

Foto: Biebricher
Die Nassforsche Blenderin: WMI Bobtail 350 für 4995 Euro.
Die Nassforsche Blenderin: WMI Bobtail 350 für 4995 Euro.

WMI Bobtail 350

Die Damen und Herren der Harley-Owners-Group poltern mit ihren Street Bobs und Fat Boys vorbei. Pathetisch strecken alle den Grußarm heraus. Hah, reingefallen. Von denen merkt keiner, dass die Bobtail kein neues Modell aus Milwaukee, sondern eine Blenderin aus Fernost ist. Gerade deshalb aber richtig Spaß macht. Das Fahrgefühl ist typisch chopperesk: Arme auseinander, Füße weit nach vorn, Federungskomfort auf Starrrahmen-Niveau. Jaa, gib's mir, ich will Schmerz! Der Sound ab 6000/min schmerzt auch, klingt brummend, oszillierend wie ein Stationärmotor. Die Bremsen bremsen, okay. Und vorwärts geht es auch, bis Tempo 100, darüber wird es zäh. Aber was die eigenständige Chinesin (Einspritzung, Upside-down-Gabel, Scheibenbremse hinten) besser kann als die meisten schwergewichtigen Vorbilder: Kurven. Echt easy, wie die WMI mit ihrem 160er-Hinterschlappen und großem 21-Zoll-Vorderrad ums Eck biegt. Da ist Cruisen auf kleinen Landstraßen wirklich stressfrei.

 

Stress macht dafür die zwar astrein sitzende und mit CE-Protektoren bestückte, aber in Sachen Körperklima inakzeptable Büse-Textilkombi (Lago). Draußen ist es gerade mal 18 Grad und nach einem kurzem Waldspaziergang trieft der Schweiß aus den Ärmeln. Da die Suppe trotz Membran im Polyester nicht verdunstet, kühlt der Fahrer schnell aus. Bei starkem Regen wiederum ist der Pilot nach einer Stunde klitschnass. Wasserdicht? Pustekuchen. Die Handschuhe (Strike): auch undicht, und das Futter verrutscht. Das verdirbt einem gehörig den Reisespaß. Stiefel (Toursport) und Helm (Rocc 300) sind zumindest voll tourentauglich und eine Empfehlung wert.


Motor: Wassergekühlter Viertakt-Reihenzweizylinder; Hubraum: 320 cm3; Leistung: 23 PS; Vmax: 120 km/h; Verbrauch: 3,4 Liter/100 km; Gewicht: 190 kg

Foto: Biebricher
Die Unscheinbare: Yamaha YBR 125 für 2395 Euro.
Die Unscheinbare: Yamaha YBR 125 für 2395 Euro.

Yamaha YBR 125

Wer sie als schlichtes Brot-und-Butter-Moped bezeichnet, liegt zwar nicht völlig verkehrt, tut ihr jedoch ein wenig unrecht. Auch wenn die YBR 125 nicht mit üppiger Ausstattung oder frechem Outfit glänzen kann, gewinnt sie schnell die Sympathien. Und zwar durch ihre Unkompliziertheit: aufsitzen, starten, losfahren und wohlfühlen. Nach dem Kaltstart läuft der Einspritz-Einzylinder sofort rund und nimmt sauber Gas an. Die YBR setzt sich unspektakulär in Bewegung, zehn PS reißen keine Bäume aus. Dreht man den Viertakter ordentlich, sorgt er immerhin für akzeptables Temperament. Geduld braucht jedoch der Tankwart: Bis die äußerst sparsame Yamaha zum Neubefüllen des 13-Liter-Tanks an die Zapfsäule muss, dauert es geraume Zeit.

 

Auf der bequemen, großzügig bemessenen Sitzbank hält es der entspannt aufrecht sitzende Fahrer lange aus, freche Kurvenwetzerei ist aufgrund des geringen Gewichts und der geradezu lächerlich schmalen Reifen (hinten 90/90-18) kein Problem. Ein Packsack lässt sich auf dem serienmäßigen Gepäckträger gut unterbringen, fast 200 Kilogramm Zuladung erlauben auch mal eine Reise mit Sozia. Nur die nicht allzu kernig zupackende Bremse vorn und die aus Kostengründen verwendete Trommelbremse hinten stoßen dann an ihre Grenzen. Letzteres gilt auch für die sportlich ausgerichtete IXS-Ausstattung bei Regenfahrten durch die Oberpfalz: In Sachen Wasserdichtheit müssen die zweiteilige Kombi Charger, die Stiefel Attack und die Handschuhe Molina passen. Der Lederdress überzeugt mit gut sitzenden Protektoren und ordentlicher Verarbeitung, fällt jedoch recht klein aus. Belüftung und Visierrastung des Helms HX 230 verdienen Lob.

 

Motor: Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder; Hubraum: 124 cm3; Leistung: 10,0 PS; Vmax: 97 km/h; Verbrauch: 2,6 Liter/100 km; Gewicht: 124 kg

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